Striped dolphins (Stenella coeruleoalba) observed in emulsified oil on 29 April 2010 (Wikipedia: NOAA’s National Ocean Service – Flickr: Striped Dolphins; (Original source: Deepwater Horizon Incident Image Gallery)

„Der perfekte Sturm“ für die Delphine des Golfs von Mexiko: Kritische Diskussion der Publikation” (30. Juli 2012)
“Die Publikation “Were Multiple Stressors a ‘Perfect Storm’ for Northern Gulf of Mexico Bottlenose Dolphins (Tursiops truncatus) in 2011?” von Carmichael et al im Online-Magazin PLoS untersucht das Delphin-Massensterben von 2011.
Massensterben von Walen kamen und kommen immer wieder vor.
[…]
Aber dieses Mal ist die Zahl der toten Delphinkälber extrem hoch.
Nur durch langjährige Studien und interdisziplinäre Untersuchungen können die Ursachen solcher Massensterben erkannt werden. Für die Auswertung der Datensätze ist viel Erfahrung nötig. Im vorliegenden Fall ist eine Delphin-Population betroffen, die bereits seit Jahrzehnten intensiv wissenschaftlich untersucht wird und über deren Lebensraum sehr viel bekannt ist.
Damit besteht hier eine sehr hohe Wahrscheinlichkeit, die Ursachen der Wal-Katastrophe herauszufinden.
Die Publikation “Were Multiple Stressors a ‘Perfect Storm’ for Northern Gulf of Mexico Bottlenose Dolphins (Tursiops truncatus) in 2011?” enthält allerdings einige fragwürdige Schlussfolgerungen, die im Folgenden diskutiert werden.”
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„Der perfekte Sturm“ für die Delphine des Golfs von Mexiko: Kommentar” (30. Juli 2012)
“[…]
Mit viel Understatement, Verharmlosung und Relativierung. Und reichlich Daten und graphischen Darstellungen, die vom zentralen Punkt ablenken. In diesem Fall lenkt das kalte Wasser von der Ölpest ab. Das Wort “Ölpest“ oder andere Öllobby-unfreundliche Termini fehlen im Manuskript ganz. Stattdessen wird die Katastrophe in das Mäntelchen einer technokratischen Abkürzung gehüllt, was sich sehr viel weniger schlimm anhört: „DWHOS“ statt Oilspill. Abkürzungen wirken professionell, abstrahierend und sehr sachlich.
Auch der Einsatz vieler Statistiken kann unliebsame Fakten verschleiern:
Durch Statistiken werden Leser/Hörer mit Zahlen und Daten überschüttet, die sachlich und korrekt sind. Die meisten Menschen sind dann mit der Datenverarbeitung so beschäftigt, dass sie nicht merken, dass wesentliche Fakten fehlen oder nicht in die Schlussfolgerungen einbezogen werden.
Das Resultat „Our data suggest, cold temperature were not the sole cause of death […]“ (S. 11) ist ein verbaler Eiertanz.
Ich vermisse die Schlussfolgerung:
„Mit hoher Wahrscheinlichkeit hätte es ohne die Deepwater Horizon-Ölpest diese extrem erhöhte Sterblichkeit in 2011 nicht gegeben.“
Die Daten hätten diese Schlussfolgerung gerechtfertigt.” – ganzen Artikel lesen


Wann ist eine Ölpest zu Ende?

Für BP ist die Ölpest längst beendet. Die Gelder für die Untersuchung der Folgen auf Tiere und Ökosysteme sind aufgebraucht, die Wissenschaftler in den USA sind auf solche Mittel aber zwingend angewiesen. Das Forschungsprojekt zur Dokumentation der ökologischen Folgen der Ölpest lief bis 2014, dann gab es dafür keine Förderung mehr. Nur die empfindlichen Kaltwasser-Korallen, die ohne Sonnenlicht in 1500 Metern Tiefe des Golfs Riffe bilden, wurden bis 2017 beobachtet – sie hatten sich bis dahin nicht erholt.
BP hatte 2015  postuliert, dass die Tiefsee-Habitate sich regeneriert hätten – „the Gulf was healing itself and “returning to pre-spill conditions”. Wissenschaftler der NOAA und anderer Institutionen waren zu einem anderen Ergebnis gekommen und widersprachen BP vehement.

Ohne Finanzierung können die Wissenschaftler ihre Arbeit nur in wenigen Ausnahmefällen und in kleinem Umfang fortsetzen. Einige Tiefseeforscher, die den Golf und seine Ökosysteme schon sehr lange können, haben allerdings an der Unglücksstelle nachgeschaut. Gefunden haben sie dicke Ölschichten auf dem Meeresboden, statt der gewohnten Tiefseefauna aus zarten Weichkorallen, bunten Würmern, Seegurken und anderen Tiefseearten krochen nur noch verkrüppelte Krebse über den Ölschlamm.
Was diese Zombiekrebse mit dem Öl zu tun haben, ist hier zu lesen: Deepwater Horizon Oilspill: 10 Jahre nach dem Blowout (2. November 2019).

 

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Kommentare (3)

  1. #1 Rüdiger Hengl
    Mering
    20. April 2020

    Korrigieren Sie bitte das Datum 22.02.2010 .

    Ansonsten – Super Artikel! (Y)

    • #2 Bettina Wurche
      20. April 2020

      @Rüdiger Hengl: Danke. Ja, die derzeitige Berichterstattung hat sich so auf Covid19 konzentriert, dass andere Themen völlig untergehen. Wie eben der gesamte Meeres- und Klimaschutz. Trump hat so viele Gesetze zurückgedreht, dass mir ständig die Galle hochkommt und die deutschen Medien konzentrieren sich nur auf sein irrlichterndes Streufeuer, anstatt mal die Fakten dahinter zu suchen. Eine weitere Ölpest, dann vielleicht noch viel schlimmer, etwa in der Arktis, ist nur eine Frage der Zeit. Das ist schon sehr bitter.

  2. […] Spätfolgen. Über diese Öl-Katastrophe habe ich ausführlich gebloggt: Eine Übersicht gibt es hier. Über das Delphin-Massensterben habe ich hier und  hier berichtet, hier und hier diskutiere und […]