Gerade geht ein Video viral, wie ein Mann mit Cola und Limonade einen Wels fängt. Der Mann kniet in einem ausgetrockneten Teich oder See, dessen Boden von tiefen Trockenrissen durchzogen ist. Er rüttelt an einigen der Erdschollen, einige lockere nimmt er heraus. Dann füllt er mitgebrachte Cola und Limonade in diese Vertiefung hinein. Nach sehr kurzer Zeit schießt aus dem Cola-Schlamm ein Wels an die Oberfläche. Der Mann fängt den Wels, kurze Zeit später kommt noch zwei weitere Fische hoch, die er ebenfalls fängt. Die Fische halten den Kopf aus dem aus der gezuckerten Brühe.

In anderen ähnlichen Videos werden die Fische mit einem Ei, Cola und Mentos gefangen, manchmal wird Zahnpasta eingesetzt.
Jetzt ist die Frage, ob diese Trockenfischerei-Methode wirklich so angewendet wird oder ob das Ganze vielleicht einfach nur ein Hoax ist.
Das Video scheint schon älter zu sein, ein Futurism-Artikel von 2019 meint, dass das Video auf YouTube schon von 2015 sei. Zunächst hatte es nicht viel Aufmerksamkeit bekommen und ging dann erst sehr viel später plötzlich viral.
Das Online-Magazin Futurism vermutete zunächst dass es sich um einen bizarres virales Marketing-Konzept handeln könnte und fragte bei Coca-Cola und Mentos nach. Coca-Cola hatte die Anfrage gar nicht beantwortet, Mentos hatte dies verneint.
Dann fasst Futurism den wissenschaftlichen Hintergrund zusammen:
Welse haben Barteln (“Bartfäden”) mit Geschmackssensoren. Sie leben vor allem am Boden und fressen kleinere Fische sowie aquatische Insekten, verschmähen aber auch kleine Vögel nicht. Bislang gibt es keinen Nachweis, dass ein Ei auch als Köder angenommen wird, ich halte das aber nicht für unwahrscheinlich.Fische atmen normalerweise über Kiemen, aber auch über die Haut. Fische die Trockenzeiten überdauern müssen, haben eine besonders effektive Hautatmung.
Im Video ist zu sehen, dass die Welse in verschlammtem Wasser gelegen haben, das dürfte für die sauerstoff-genügsamen Tiere genug gewesen.

Wenn jetzt Kohlensäure und Zuckerlösung dorthin eingegossen werden, dürfte der Fisch darauf wirklich panisch reagieren und nach oben kommen. Sowohl die Kohlensäure als auch der Zuckergehalt und der für einen Wels sicherlich sehr überraschende Geschmack dürften das Tier erschreckt haben. Kohlensäure und Zucker dürften auf Haut und Kiemen die Atmung stark beeinträchtigen. Kein Wunder, dass die Fische versucht haben, der blubbernden Zuckerplörre zu entkommen.

Futurism, ScienceAlert und andere einschlägige Medien zwischen Nerd und Science hatten keinen Hinweise dazu gefunden, dass es tatsächlich in irgendeinem Land eine solche Fischerei-Methode gibt. Sie kommen übereinstimmend zu dem Schluß, dass es sich um einen Hoax handelt – zum Amüsement der digitalen Nerd-Boheme.

Im Interesse der Welse bitte ich inständig darum, von solchen Experimenten abzusehen, das ist kein Spaß für den Fisch. Absolut not amazing!

Hier ist das Video:

Amazing Video Dry Season Fishing Vs Catching Finding A Lot Of Fish

Kommentare (14)

  1. #1 sino
    24. Februar 2021

    Wie ist es beim Angeln mit Haken & Köder?

    • #2 Bettina Wurche
      24. Februar 2021

      @sino: Wie ist was beim Angeln mit Haken & Köder? Das Unwohlsein des Fisches? Über das Schmerzempfinden und Leider der Fische beim Fang gibt es reichlich Informationen. Darum widerstrebt mir auch Fischen als Freizeittätigkeit und Sport

  2. #3 thomas
    24. Februar 2021

    Welse oder snakeheads (Channidae)?

    • #4 Bettina Wurche
      24. Februar 2021

      In den Videos ist immer von Catfish die Rede, das sind Welse. Und ich meine, dass bei Minute 30:30 auch die Barteln zu sehen sind. Snakeheads habe keine Barteln. Außerdem fehlt mir die starke Schuppenstruktur der Snakeheads. Das heißt aber nicht, dass es keine solchen Videos mit Snakeheads gibt.

  3. #5 Alexander
    24. Februar 2021

    Semi-OT, aber hier gibt es ja leider keinen “Briefkastenschlitz”, in den man solche Fundstücke unkompliziert einwerfen kann …

    Ob dieses Video wirklich echt ist, habe ich mich nämlich auch gefragt:

    https://www.youtube.com/watch?v=8FhGOV7fs64&feature=emb_logo

    (Liebe Kinder bis 125, bitte nicht nachmachen!)

    • #6 Bettina Wurche
      24. Februar 2021

      @Alexander: Das sieht echt aus. Allerdings ist das ein recht junger Bär, nicht sehr groß. Und das Tier ist garantiert zahm. Wilde Eisbären sind mittlerweile in den arktischen Siedlungen ein Riesenproblem und die würde niemand mit der Hand zu füttern versuchen

  4. #7 Omnivor
    Am 'Nordpol' von NRW
    24. Februar 2021

    Brr, Cola!!!!

    Das ist ja ekeliger als Dynamit-Fischerei.

  5. #8 Thorsten
    25. Februar 2021

    Für einen Hoax halte ich das nicht.Vielleicht einer herausgefunden, das das funktioniert und hat damit seine Fischereitechnik verbessert und das ganze zum Spass bei youtube gepostet.

  6. #9 Ludger
    25. Februar 2021

    Einige Dinge passen nicht zusammen:
    1.) Der mehrfach “erfolgreiche Fischer” lasst sich zwar stolz filmen, zeigt hinterher seine gesamte “Strecke” nicht, alles wandert in den Eimer. Ein stolzer und erfolgreicher Angler würde seinen Fang präsentieren.
    2.) Nach Entfernen eines trockenen Lehmbrockens taucht darunter dünnflüssiges Wasser mit wenigstens 30cm Tiefe auf. Lehm verhält sich aber nicht wie eine Eisschicht, die auf dem Wasser schwimmt.
    3.) Der Fischer scheint irgendwo zu graben und hat gleich Erfolg.
    4.) Der arme Fisch muss im späteren Film beim Demonstrieren leicht hin- und hergedreht werden, damit er sich etwas bewegt. Es scheint ein Fisch zu sein, der mehrfach “gefangen” wird und dem es dabei zunehmend schlechter geht.
    Die Filmaufnahme könnte folgendermaßen entstanden sein:
    Man gräbt irgendwo in einer ausgetrockneten Wasserstelle ein Loch, füllt Wasser hinein und gibt einen lebenden Wels dazu. Der versucht, sich zu verkriechen. Dann schüttet man Cola dazu und der arme Fisch versucht der Cola zu entkommen. Der Fisch kommt kurz in den Eimer und danach für jede weitere Einstellung wieder ins Loch. Das läuft so lange, bis der arme Wels tot ist. Nicht sehr lustig.

    • #10 Bettina Wurche
      25. Februar 2021

      @Ludger: Ich bin nicht so sicher, dass 1. ein Ausschlußgrund sein muss. Allerdings macht der Fiscehr schon den Eindruck, als ob er keinesfalls erkannt werden möchte. 2.) Das ist durchaus möglich, dass unter der trocknen Oberfläche in einiger Tiefe noch Grundwasser steht.
      3.) Das habe ich mich auch gefragt. Es hat definitiv Show-CHarakter. 4.) Ich weiß nicht, um welche Welsart es sich ganz genau handelt. Welse können aber Ruhezeiten einlegen und so ungünstige Witterungsbedingungen überstehen, wie sie etwa in Süßgewässern durch Trockenzeiten entstehen können. Dabei graben sie sich im Schlamm ein und fahren den Stoffwechsel runter. Dann sind sie nicht sehr reaktionsschnell.
      Der Versuch ist für den Fisch alles andere als lustig und sollte auf keinen Fall nachgeahmt werden. Das habe ich ja auch deutlich geschrieben. Ich mag solche “lustigen” Videos mit Tieren deshalb wirklich nicht.

  7. #11 rolak
    25. Februar 2021

    Nicht sehr lustig.

    Wohl wahr. Therefore, we choose an completely different approach:

    Wels-Fischen mit Cola – Hoax oder Science?

    Falsche Frage: ‘Fake oder Fakt’ wäre besser. Und klar ein Fakt – denn was außer der selbst­ver­sun­kenen Ruhe am Teich spräche dagegen, daß einer der angelnden Menschen Cola trinkt?

  8. #12 noonscoomo
    Berlin
    27. Februar 2021

    Mir scheint Ludgers Analyse an vielen Punkten sehr schlüssig abgesehen von der “ein und derselbe Fisch” These. Er zieht da mehrere Fische unterschiedlicher Grösse raus. Da stellt sich doch als erstes die Frage, wo kommen die her. Damit man da mehrere Fisch aus diesem einen Loch ziehen kann müssen die da drin und in der Nähe sein und sich da hin bewegen können (oder er hat direkt die Stelle gefunden wo die alle sind). Das würde bedeuten dass es unter der Kruste recht dünnflüssigen Schlamm geben muss in dem sich die Fische fortbewegen können. Hier würde ich mir Fachwissen wünschen. Ist das so? Ich würde erwarten dass dann der Untergrund wesentlich elastischer wäre und man Angst haben müsste “einzubrechen” und im Schlamm zu stecken. Er macht da ja mehrere Erdklumpen weg und unter einem scheint ein tiefes Loch voll Wasser zu sein. Wo kommt der wassergefüllte Hohlraum her unter dem Erdklumpen? Wie ist der entstanden? Ich stelle mir vor, ein Gewässer mit schlammigem Grund trocknet aus, dann verdunstet mehr und mehr Wasser, das verbleibende Wasser sammelt sich an den lokal tiefsten Stelle, die Feststoffen bleiben übrig und werden zunächst immer dichter, bis die oberste Schicht schliesslich eine Kruste bildet und völlig austrocknet. Untendrunter kann meiner Meinung nach zwar feuchter Matsch sein, aber Hohlräume mit Wasser drin kommen mir nicht plausible vor. In dem Video sieht es so aus als würde er da rund 10 Fische rausziehen, das braucht viel Platz und die Fische sind nicht schlammig sondern schwimmen da im Wasser. Seltsam.
    Dann muss es so sein, dass die Dichte an Fisch dort enorm hoch sein muss, denn anders wäre nicht zu erklären dass er da so viele Fische aus einen Loch zieht. Es ist schon klar, dass Fische die eher im Schlamm leben dort bleiben wenn das Gewässer austrocknet, vermutlich sich auch an der tiefsten Stelle sammeln, aber gibt es dazu science?
    Als nächstes würde man doch erwarten, dass Fische, nehmen wir mal an sie mögen den Zucker nicht und danach sieht es aus, im Schlamm von dem Loch weg bewegen, wenn sie es könnten, und nicht drauf zu.
    Skeptisch machen darf ausserdem, dass es total einfach ist, so ein Video zu faken und der Anreiz das zu tun riesig. Es gibt eine ganze Meme-Kultur rund um solche Videos bei dem auf skurrilste Weise Tiere gefangen werden, meist aus dem asiatischen Raum, mit Millionen von hits, was sehr lukrativ ist.
    Ich würde das Video so faken:
    Zunächst breche ich eine Scholle aus der Kruste, grabe ein Loch, möglichst tief und unter der Kruste im Erdreich, das ja sehr kompakt zu sein scheint wie man neben dem Loch gut sehen kann. Dann fülle ich da Wasser rein, tue ein paar Fische dazu und machen die Erdscholle da wieder rauf. Den Rest sieht man im Video und immer da wo ein Schnitt ist fülle ich die Fische wieder in’s Loch und hole die noch mal raus. Das ist zu zweit (jemand anderes filmt ja) auch ganz leicht in unter ner Stunde gemacht.
    Ich halte es mit dem wissenschaftlichen Prinzip und denke mir, “extraordinary claims requires extraordinary evidence”.

    • #13 Bettina Wurche
      27. Februar 2021

      @noonscoomo: Ich halte das Video auch für inszeniert, darum ist nicht auszuschließen, dass die Fische für die Show extra eingefüllt worden sind. Einen Hohlraum habe ich so nicht gesehen.
      Dass Tiere Trockenzeit oder Winter gemeinsam verbringen, wäre allerdings nicht ungewöhnlich, sogar Klapperschlangen sammeln sich in Kuschelgruppen.
      Dass die Fische abhauen, liegt an der Kohlensäure und dem Zucker, in diesen Videos ist dann oft noch Zahnpasta oder Mentos im Spiel – das behindert die Hautatmung der Tiere.
      Ich habe leider keine weiteren Hintergrund-Infos gefunden, der Futurism-Artikel ist das schon das Fundierteste.

  9. #14 noonscoomo
    Berlin
    28. Februar 2021

    Naja, der Hohlraum ergibt sich daraus, dass da mehrere durchaus grosse Fische aus dem Loch kommen. Noch mal die Frage, wo kommen die her?
    Es gibt da ja nicht so viele Möglichkeiten. Entweder ist da dünnflüssiger Matsch unter der Kruste, dass sich Fische drin relativ frei bewegen können, dann ist nicht einzusehen, warum ausgerechnet genau an dieser Stelle offensichtlich recht viel Wasser ist und nicht Matsch. Er greift da ja locker 20cm tief in dünnflüssiges Wasser rein. Erde hat üblicherweise eine grössere Dichte als Wasser.
    Oder unter der Kruste sind an vielen Stellen grosse Hohlräume mit Wasser und Fischen drin, das bedeutet dass es unter der Kruste quasi wie ne Eisscholle auf dem Wasser schwimmt. Das können wir ausschliessen. Oder da ist halt ein Hohlraum an genau dieser Stelle der gross genug ist damit all die Fische reinpassen, die er da zwischen zwei Schnitten raus zieht, was am wahrscheinlichsten ist. Stellt sich also die Frage, wie kommt der Hohlraum mit den Fischen drin da hin und wie findet er den so zielsicher. Und wenn wir Occam’s Razor folgen hat er das Loch selbst gegraben und die Fische da rein getan.
    Mir will beim besten Willen kein Mechanismus einfallen wie sich die Fische entweder einfach unter dieser Kruste bewegen können oder wie dort mit Wasser gefüllte Hohlräume entstehen.