Gibt es Pilze oder Flechten auf dem Mars?
Im Mai 2021 hatten Rhawn Gabriel Joseph und seine MitautorInnen  „Fungi on Mars? Evidence of Growth and Behavior From Sequential Images” veröffentlicht.
Im Juni kam gleich die nächste Publikation „Lichens on Mars vs the Hematite Hoax. Why Life Flourishes on the Radiation- Iron-Rich Red Planet.”
Beide Schriften sind leider nicht frei zugänglich.

Der unabhängige Forscher Joseph forscht im Rhawn Joseph’s Lab in seinem Projekt Life on Mars vor sich hin, um mehrzelliges Leben auf dem Mars nachzuweisen: Dafür interpretiert er Bilder der NASA-Kameras und sucht dabei nach Ähnlichkeiten mit irdischen Lebewesen oder Fossilien. Den meisten Leute dürfte klar sein, dass Josephs Publikation nicht solide ist. Die Methodik der Widerlegung ist ein schöner Exkurs in wissenschaftliches Arbeiten und Mythbusting, also das Überprüfen eines Mythos.

Pilze auf dem Mars?

In „Fungi on Mars“ beschreiben Joseph und seine MitstreiterInnen der Quantitative Paleoecology Group of Minia University (QPGMU)Rhawn Joseph’s Lab, die betreffenden kugelförmigen Objekte von Anfang an als pilzartige Strukturen und deuten sie als Boviste. Amorphe weißliche und schwärzliche Strukturen im Zuge der Mars-Jahreszeiten deuten sie als Beweise für das Wachstum von Pilzmyzelien. Rein statistisch müsste es sich bei den beschriebenen Strukturen von Pilzen und Myzelien handeln: „Obwohl Ähnlichkeiten in der Morphologie kein Beweis für Leben sind, stellen Wachstum, Bewegung und Veränderungen in Form und Lage Verhalten dar und stützen die Hypothese, dass es Leben auf dem Mars gibt.“

Diese steile Hypothese, die alle anderen Ergebnisse zur Forschung nach neben auf dem Mars ignoriert und sich nur auf eine oberflächliche visuelle Betrachtung stützt, haben sie in Advances in Microbiology veröffentlicht. Dass es sich dabei um keine echte wissenschaftliche Publikationsreihe mit einer Begutachtung durch und Diskussion mit anderen MarsforscherInnen handelt, wissen eher Eingeweihte. Tatsächlich handelt es sich um ein sogenanntes Predatory Publishing, übersetzbar mit „räuberischem Veröffentlichen“. Predatory Publishing ist ein betrügerisches Geschäftsmodell einiger Open-Access-Verlage. Diese geben vor, wissenschaftliche Fachzeitschriften herauszugeben und verlangen von den Autoren die im Open-Access-Segment üblichen Publikationsgebühren, ohne dafür jedoch die redaktionellen und publizistischen Dienstleistungen wie Peer-Reviews und Diskussionen zur Qualitätskontrolle zu erbringen.

Selbstverständlich sind viele Medien begeistert auf die Meldung der Marspilze angesprungen. Allerdings kam auch gleich mächtig Gegenwind: Der Wissenschaftsjournalist und science editor Jackson Ryan nimmt die Publikation und ihre UrheberInnen, vor allem Joseph, genüßlich auseinander. Dabei wirft er Joseph nicht zu Unrecht vor, das Ansehen der Wissenschaft zu beschädigen, was gerade in diesen Pandemiezeiten verabscheuungswürdig sei. Ryan erklärt, dass gegen Advances in Microbiology wegen des Raubkopierens echter wissenschaftlicher Artikel etwa aus Nature bereits juristische Verfahren laufen, es keine Qualitätskontrolle gäbe und manche der angeblichen wissenschaftlichen Redaktionsmitglieder diese Tätigkeit offenbar gar nicht ausüben.

Joseph et al haben zwar ihre Behauptungen mit Publikationen belegt, diese führen aber meist wieder zu ihm und einem kleinen Personenkreis zurück. Die Berge von wissenschaftlichen Publikationen, die aussagen, dass es bis heute keine Lebensspuren auf dem Roten Planeten gibt, ignoriert sie einfach. Die Behauptung, auf dem Mars gäbe es Pilze, ist also vollständig aus der Luft gegriffen.

Mosaic showing some spherules partly embedded, spread over the (smaller) soil grains (Wikipedia: NASA/JPL/Cornell/USGS)

Hämatit-Blaubeeren sind mineralisch, keinesfalls organisch

Die kleinen Kugeln, die Joseph hier interpretierte, sind seit Langem bekannt.

Am 11. Februar 2004 entdeckte der NASA-Rover Opportunity bei der Erkundung eines Felsvorsprungs bei Meridiani Planum ein Gebiet, in dem harte, runde, Steine den Boden bedeckten. Weil die Objekte so unheimlich kugelförmig waren und ihre Oberfläche grau-blau schimmerte, nannte das Team des Mars Exploration Rovers (MER) sie „Blaubeeren“: „[Wir] sahen einige sehr seltsame Dinge“, notierte Steve Squyres (Mitglied des MER-Teams und Wissenschaftler der Cornell University) in seinem damaligen Missionstagebuch. „[Wir] sehen diese seltsamen runden Objekte, die wir ‚Kugeln‘ nennen, eingebettet in den Aufschluss, wie Blaubeeren in einem Muffin. Der Aufschluss erodiert, wenn er sandgestrahlt wird, und die Kügelchen, (die der Erosion besser widerstehen als der Rest des Aufschlusses) fallen heraus und rollen den Hügel hinunter. Seltsam.”

Sie untersuchten die beerenförmigen Objekte weiter und kamen schließlich auf Hämatit-Konkretionen, eine der häufigsten Eisenverbindungen auf der Erde. Da Hämatit (Blutstein, Eisenstein, Fe2O3) ein häufiges Eisenoxid ist und sich im Wasser bildet, war dieses Untersuchungsgebiet ausgewählt worden – die Suche nach Wasser ist ein wichtiger Bestandteil bei der Suche nach außerirdischem Leben. Per Spektroskopie hatten Christensen et al 2000 aus dem Marsorbit diese mineralischen Ablagerungen entdeckt, danach war der Rover-Landeplatz ausgewählt worden.
Ab 2004 untersuchte der Rover Opportunity die Bällchen mit seinen Bordinstrumenten, dem Microscopic Imager (MI), Mini-Thermal Emission Spectrometer (Mini-TES) und der Panoramic Camera (Pancam) mikroskopisch und makroskopisch optisch sowie mit einer Infrarot-Spektralanalyse. Da die Resultate veröffentlicht wurden, stehen diese Daten auch anderen Wissenschafts-Teams zur Verfügung.

Verschiedene Publikationen fanden dann nach der Auswertung der Resultate unterschiedliche Erklärungen für das marsianische Bällebad – die meisten gehen von einer Konkretionsbildung im Wasser aus (ihre Entdeckung und unterschiedliche Deutung ist in diesem Gizmodo-Artikel gut beschrieben). Auch wenn es eine lebhafte Diskussion ( z. B. hier und hier) um diese Sphären gibt: Jeder der Erklärungsansätze beschreibt die Hämatit-Blaubeeren als mineralischen Ursprungs, keine Publikation stellt einen Kontext zu mehrzelligen Lebensformen her.
Viele WissenschaftlerInnen-Teams sind also über viele Jahre hinweg mit unterschiedlichen Methoden zu dem Resultat gekommen, dass die Mars-Blaubeeren mineralischen Ursprungs, möglicherweise aus Hämatit sind.

Flechten auf dem Mars versus Hämatit-Hoax

Josephs Publikation „Lichens on Mars vs the Hematite Hoax. Why Life Flourishes on the Radiation- Iron-Rich Red Planet.” (The Journal of Cosmology, 30, 2021, 1-102) ist schon vom Titel her ein Aufreger: Er bezeichnet die Erklärung der Mars-Sphären als Hämatit-Bildungen als Hoax, also Schwindel oder Falschmeldung.
Ungeachtet eines ganzen Stapels vorherigen Ergebnisse analysiert Joseph auch im Fall der Flechten die auffallend geformten Objekte wieder ausschließlich aufgrund ihrer äußeren, makroskopischen Beschaffenheit: „There is life on Mars as documented with 100 comparative photos.“.
Diesmal publiziert Joseph allein. Die anhaltende Diskussion um die Entstehung der Sphären nimmt er zum Anlaß, die Wissenschaftler als uneinig darzustellen und erklärt damit die Hämatit-„Blaubeeren“ für widerlegt. Der NASA unterstellt er einen religiösen Wahn und greift Christensen, der die „Blaubeeren“ als Hauptautor mit beschrieben hatte, persönlich an.

Als Beweise für seine Lebensformen zitiert Joseph am liebsten sich selbst und einige andere ausgewählte AutorInnen. Dabei fällt mir sofort der Name „DiGregorio“ ins Auge: Der betreibt nämlich eine ebenso absurde Pseudowissenschaft und hat schon drei Bücher zu seinen Nachweisen von Spurenfossilien auf dem Mars publiziert. Für meinen heise-Artikel „NASA-Rover Perseverance: Gefährden Mars-Gesteinsproben die Erde?“ hatte ich ihn schriftlich interviewt. Er hat zwar Paläontologie studiert, wie ich, aber bei seinen Hypothesen standen mir die Haare zu Berge. In seiner Eigenschaft als “International Committee Against Mars Sample Return” (ICAMSR)-Direktor beruft er sich auf Rhodes Hypothesen mehrzelligen Marslebens.

Journal of Cosmology.jpg

Logo of Journal of Cosmology, consisting of a public-domain image of the Helix Nebula (see File:169141main piaa09178.jpg) and basic text. It does not meat the threshold of originality, and is therefore public domain. This image was taken from the Journal of Cosmology website (http://journalofcosmology.com/images/Cosmology304.jpg). (Wikipedia: Journal of Cosmology)

Als Nachweis für ein Fossil oder Lebewesen reicht niemals der äußere Anschein aus, vielmehr muss auch der Kontext plausibel sein:
Für die Unterscheidung von Fossilien und Pseudofossilien braucht es weitere Fossilfunde in der Umgebung, fossiltragendes Gestein und eine mehr als oberflächliche Untersuchung inklusive chemischer Analysen zur Verifizierung einer solcher Beobachtung. Ist das nicht möglich, wie hier, handelt es sich nicht um Wissenschaft, sondern um Pseudowissenschaft und Spekulation.
Auch für die Behauptung, es gäbe Pilze und Flechten auf dem Mars, bräuchte es dementsprechende Umgebungsdaten: Beide Lebewesen müssen sich von etwas ernähren, benötigen flüssiges Wasser und betreiben Stoffwechsel. Dazu gehört ein Gasaustausch mit ihrer Umgebungsatmosphäre. Obwohl eine ganze Reihe von Satelliten den Mars auf genau solche Spuren untersuchen und mittlerweile mehrere Rover dort umherfahren, hat keine andere Arbeitsgruppe Hinweise auf Lebensformen gefunden.

An diesen Untersuchungen sind nicht nur NASA-MitarbeiterInnen und nicht nur US-BürgerInnen beteiligt, sondern Universitäten und Forschungszentren der ganzen Welt sowie andere Raumfahrtagenturen wie ESA, JAXA und CMSA. Möglicherweise haben die sich alle gegen Joseph verschworen – aber das halte ich für eher unwahrscheinlich.

Dieses Paper hat Joseph in Cosmology publiziert, was auf den ersten Blick eine fachwissenschaftliche Zeitschrift sein könnte. Ein Blick in die Inhalte und ins Editorial Board der Cosmology zeigt dann schnelle einige Abgründe: Der Themensalat aus Quantenphysik, Kosmologie und extraterrestrischem Bewußtsein deutet auf ein grenzwertiges grenzwissenschaftliches Organ hin; außerdem besteht auch hier der Vorwurf des „Predatory Publishing“, der entsprechende Wikipedia-Eintrag führt dazu eine Reihe von Quellen an.
Beim Blick ins Editorial Board sehe ich sofort „alte Bekannte“ aus dem ICAMSR: N. Chandra Wickramasinghe und Sir Roger Penrose. Wickramasinghe vertritt die Panspermie-Hypothese, die wissenschaftlich fundiert ist. Allerdings hat er auch schon 10 Papers zur extraterrestrischen Herkunft von SARS-Cov 19 veröffentlicht. Was wissenschaftlich absolut nicht belegt ist.

Arktische Flechten sind hart im Nehmen und damit Modellorganismen der Astrobiologie. Um auf dem Mars wachsen zu können, bräuchten aber sogar sie noch etwas Terraforming, schreibt der Experte für arktische Flechten hier. Ich bin kein Fan von Terraforming, aber der Artikel beschreibt, warum auf dem Mars keine Flechten gedeihen können.

Die Suche nach Leben auf dem Mars: Naturwissenschaftliche Methodik und Ockhams Rasiermesser

Die Suche nach Spuren von aktuellem oder fossilem Leben auf dem Mars ist ein wichtiges Forschungsthema und befeuert auch immer wieder die Marsforschung, wie etwa ESAs ExoMars  (hier mein Interview mit dem Projektleiter Jorge Vago beim Start von ExoMars 2016). Nach dem aktuellen Forschungsstand der verschiedenen Disziplinen Astrophysik, -chemie, biologie und -geologie/-paläontologie mit vielen verschiedenen Methoden wie Abbildungen und chemische Analysen ist bis heute keine Lebensspur nachgewiesen. Weder aktuell noch fossil.
Auch wenn viele WissenschaftlerInnen meinen, dass der Mars in seiner Frühzeit durchaus Leben hervorgebracht haben könnte, halten sie die Entwicklung komplexer Lebensformen für sehr unwahrscheinlich. Für einen solch langen Zeitraum, den die Evolution dafür gebraucht hätte, war das Zeitfenster der habitablen Bedingungen auf dem Mars zu kurz.
Die meisten halten einzellige Lebensformen für möglich, manche auch einfache mehrzellige Lebensformen – der deutsche Astrobiologe und -physiker Dirk Schulze-Makuch erklärte im Spektrum-Interview, dass er sich auch einfach gebaute Würmer wie Nematoden vorstellen könnte.
Größere Organismen erwartet niemand ernsthaft.

Über das Thema der Suche nach Leben auf dem Mars und der Deutung einiger Ergebnisse hatte ich kürzlich ein wunderbares Interview mit dem ESA-Wissenschaftler Dr. Markus Landgraf. Markus kennt sich hervorragend mit der Materie aus, so diskutierten wir den Stand der Suche nach Leben auf dem Mars und die unterschiedliche Deutung von Resultaten.
Aufsehen erregende Deutungen von angeblichen Lebensspuren reißen Details aus ihrem Zusammenhang. Eine naturwissenschaftliche Herangehensweise für einen Nachweis erfordert jedoch immer, mit verschiedenen Methoden zum gleichen Resultat zu kommen.

Weiterhin erfordert eine saubere wissenschaftliche Vorgehensweise, von allen möglichen Lösungen die naheliegendste und wahrscheinlichste anzunehmen, diese grundlegende Methodik wird als Ockham`s Rasiermesser bezeichnet (Parsimonieprinzip, Ockham`s Razor).

Occam`s Razor (ClubStreetPost.com)

„Ockhams Rasiermesserauch Prinzip der Parsimonie oder Sparsamkeitsprinzip genannt ist ein heuristisches Forschungsprinzip aus der Scholastik, das bei der Bildung von erklärenden Hypothesen und Theorien höchstmögliche Sparsamkeit gebietet. Das nach Wilhelm von Ockham (1288–1347) benannte Prinzip findet seine Anwendung in der Wissenschaftstheorie und der wissenschaftlichen Methodik. Vereinfacht ausgedrückt besagt es:

  1. Von mehreren möglichen Erklärungen für ein und denselben Sachverhalt ist die einfachste Theorie allen anderen vorzuziehen.
  2. Eine Theorie ist einfach, wenn sie möglichst wenige Variablen und Hypothesen enthält und wenn diese in klaren logischen Beziehungen zueinander stehen, aus denen der zu erklärende Sachverhalt logisch folgt.“ (Wikipedia: Ockhams Rasiermesser).

Mein Interview mit Markus lieferte mir Hintergrund für meinen heise-Artikel „NASA-Rover Perseverance: Gefährden Mars-Gesteinsproben die Erde?“. Da ging es nämlich um genau die gleiche Frage nach Leben auf dem Mars und ebenfalls um Methodik.

Da Joseph und sein Team nur nach oberflächlichen Ähnlichkeiten suchen und diese dann unter Ausschluß anderer Resultate interpretieren, sind diese Arbeiten vollkommen unwissenschaftlich und nur Pseudowissenschaft. Damit gibt es leider keinen Nachweis für Pilze und Flechten auf dem Mars.
Die Suche nach Leben auf dem Roten Planeten ist ein Dauerbrenner und bringt erfahrungsgemäß viel Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit und läßt sich gut verkaufen, etwa in Büchern und Vorträgen. Der Neurowissenschaftler Rhawn Gabriel Joseph spielt geschickt mit seiner Arbeit am Rande der Grenzwissenschaft und bringt zu außerirdischem Leben und Bewußtsein sehr viele Bücher heraus – eine schnelle Recherche erbrachte 20 Paperbacks. Pseudowissenschaft verkauft sich also ausgezeichnet.

Diese beiden Hoax-Publikationen muss ich unbedingt noch in meinem Vortrag zur Suche nach Lebensspuren auf dem Mars ergänzen, sie knüpfen direkt an die Marskanäle, grüne Männchen und andere Marsmythen an. Ab Herbst 2021 halte ich übrigens wieder Vorträge an, hier geht es zur Buchung.

Für diesen Beitrag habe ich haarsträubende Hypothesen analysiert, die mir beinahe die Hirnschale weggeblasen haben. Wenn Euch der Beitrag gefallen hat, dürft Ihr mir dafür gern einen Raktajino ausgeben. Gern nehme ich auch noch eine Spende für Pterosaurier-Futter an, mein Haustier ist ziemlich verfressen und akzeptiert nur luxuriöses Katzenfutter oder Pasteten mit Krabbenzahnfleisch und Nachtigallenzungen. Der Spendenknopf ist in der rechten Spalte. Ganz seriös, via Paypal.

Zum Weiterlesen:

Meertext: Grundlegende Gedanken zur Suche nach außerirdischem Leben

Meertext: Mythbusting: Ist Oumuamua ein Sonnensegel einer interstellaren Zivilisation?

 

Kommentare (23)

  1. #1 knorke
    24. Juni 2021

    Romulanisches Ale wäre nach (wichtiger noch: während) der Lektüre dem Raktajino vorzuziehen.

    Science Cranks sind immer wieder für eine Erheiterung gut. Das sind wenigstens richtige Trolle, und nicht das trollige Fussvolk aus dem Internet.

    Ob die ihre eigenen Studien glauben? Man kann es sich gar nicht vorstellen.

    • #2 Bettina Wurche
      24. Juni 2021

      @knorke: Ich denke schon. Sonst kann man das nicht jahrzehntelang durchziehen. Und er bekommt ja Bestätigung von seinen Kumpeln. Das sind gebildete Leute, die sich aber irgendwie nicht ausreichend beachtet fühlen. Darunter ist immerhin ein ehemaliger NASA-Mitarbeiter (darüber steht mehr im heise-Beitrag). Außerdem verdienen Joseph & Co damit ihre Brötchen.

  2. #3 knorke
    24. Juni 2021

    Ich habe übrigens auch mal leben auf dem Mars gefunden. Ich vermute es waren Pilze – sowas passiert, wenn man abbeist, das Ding fällt unters Sofa und wird vergessen -.-

  3. #4 Rob
    Oberland
    24. Juni 2021

    Schimmel auf dem Mars? Na klar: https://images.gutefrage.net/media/fragen/bilder/warm-sieht-das-mars-so-komisch-aus/0_big.jpg?v=1592769986000

    Über Snickers liegt mir leider nichts vor.

  4. #5 RPGNo1
    24. Juni 2021

    “The [Journal of Cosmology] was established in 2009 and is published by Cosmology Science Publishers, both founded by neuroscientist Rhawn Gabriel Joseph. ”

    https://en.wikipedia.org/wiki/Journal_of_Cosmology

    Okay ….
    Herr Joseph kommt in die Ablage Mülleimer

    • #6 Bettina Wurche
      24. Juni 2021

      @RPGNo1: Ja, er hat das gegründet. Mittlerweile ist er nicht mehr der Herausgeber (steht ausdrücklich auf seiner Website) und tut so, als ob das jetzt ein neutrales Organ wäre. Jetzt machen das halt seine Kumpels weiter, die sich auch vom bösen Mainstrean verabschiedet haben.

  5. #7 schlappohr
    24. Juni 2021

    Ob die ihre eigenen Studien glauben? Man kann es sich gar nicht vorstellen.

    Glauben ist nicht das richtige Wort, eher die unbedingte Überzeugung, dass man einer heißen Sache auf der Spur ist, die keiner sonst sieht und mit der man ganz groß rauskommen kann.

    Ich kenne solch einen Typen persönlich und hatte genug Gelegenheit, sein Treiben aus nächster Nähe zu beobachten (und habe mich kurzzeitig selbst dafür einspannen lassen, hauptsählich aus der Unerfahrenheit einen jungen Doktoranden heraus. Aber immerhin mit einem mulmigen Gefühl von Anfang an). In meinem Fall ging es einmal darum, die Ergbnisse einer Forschungsarbeit zu hinzuschustern, dass sie zur Hypothese passen, obwohl spätestens nach den Untersuchungen klar wurde, dass die Hypothese grundfalsch ist. Zum Glück wurde das daraus entstandene Paper abgelehnt (auf vier Konferenzen!). Zum Glück stand meine Name nicht mit drauf.

    Obwohl die wissenschaftlich durchaus kompetent sind, überschattet der eigene Narzissmus die Verpflichtung zu wissenschaftlicher Korrektheit. Manchmal schimmert die Einstellung durch, dass man bereit sein muss, Opfer zu bringen, wenn man an die Weltspitze will. Interessanterweise verlieren sie schnell das Interesse an ihrem Baby, wenn der Erfolg ausbleibt. Dafür ist das dann meistens schnell das “next big thing” gefunden.

  6. #8 Dieter von Ballmoos
    Hua Hin (Thailand)
    24. Juni 2021

    Ich liebe deine spannenden Artikel über alles rund um das Meer. Bettina, bitte lass dich nicht herab, einen solchen Scheiss zu kommentieren. Damit gibst du nur diesen Trollen eine Bühne.

    • #9 Bettina Wurche
      24. Juni 2021

      @Dieter von Ballmoss: Astrobiologie und Evolution gehören ja auch zu meinen Themen. Diese Hoax-Publikationen sind halt schöne Aufhänger, um etwas zur wissenschaftlichen Methodik zu schreiben. Das war ja hier auch der Schwerpunkt. Wir alle müssen uns gerade jetzt in Corona-Zeiten ja mit solchen pseudowissenschaftlichen Auswüchsen herumschlagen. Mir ging es hier um das Zerpflücken solcher Hoaxes.

  7. #10 knorke
    24. Juni 2021

    @7 schlappohr
    Oha, da hast Du ja dann nochmal Glück gehabt. Narzissmus spielt da bestimmt oft mit rein. Dieser Komplex des ungehörten Propheten, der nun eben ein paar Regeln biegt, damit die Welt nur enlich sein Genie sieht.

    • #11 Bettina Wurche
      24. Juni 2021

      @knorke: Exakt beschrieben : ))) Das ist ja auch gerade in der Pandemie wunderbar zu beobachten.

  8. #12 Spritkopf
    24. Juni 2021

    Diese Diskussion (und meiner Erinnerung nach gleich in mehreren Threads) gabs schon vor längerer Zeit drüben bei Florian mit jemandem, der genau zu diesen Mars-Blueberries nicht von seiner Meinung abzubringen war, dass es sich dabei um Spuren von Leben handeln müsse. Sein “Beweis”? Man müsse sich doch nur die Bilder anschauen, dann wüsste man, dass die biologischen Ursprungs seien.

    Wenn du interessiert bist, grabe ich die Threads nochmal aus.

    • #13 Bettina Wurche
      24. Juni 2021

      @Spritkopf: Diese Diskussion habe ich schon zu oft geführt : ) Ja, ich glaube auch, dass man die vielleicht besser ruhen lassen sollte : )) Das Perfide daran ist ja, dass diese ganzen Formen und Farben der Photos sehr interpretierbar sind. Erst die strukturierte Kontextanalyse mit möglichst verschiedenen Methoden kann ein belastbares Resultat ergeben. Das wollte ich in diesem Beitrag zeigen. Das Interview mit Markus Landgraf war darum sehr spannend, weil wir über genau diese Methodik gesprochen haben: Wie geht man mit solchen steilen Thesen um? Letztendlich ist es sehr schwierig. Joseph selbst schreibt ja, die NASA würde einen Glaubenskrieg gegen ihn führen. Solche Leute erreicht man nicht mehr.

  9. #14 Spritkopf
    24. Juni 2021

    @myself

    grabe ich die Threads nochmal aus.

    Habe den ersten gefunden und glaube jetzt, dass man Tote besser ruhen lässt.

  10. #15 rolak
    24. Juni 2021

    dass man Tote besser ruhen lässt

    ..ist in den meisten Fällen wohl die bessere Wahl.

    Bei den ganzen Flechten ist das aktuelle indexed doch ein hübscher Zufall 😉
    Wenn sone schräge Geschichte wie die flechtenden Marsianer unterhaltsam daherkommt, gerne. Doch sobald sich die Erzählenden allzusehr auf ‘ist real’ versteifen, platzt die Seifenblase – genau wie bei einem Bühnenmagier, der echte Magie postuliert.
    Ach ja: das amüsanteste SammelbecherRasseln bisher, anywhere.

  11. #16 schorsch
    24. Juni 2021

    Ist die Übersetzung “Der Aufschluss erodiert, wenn er sandgestrahlt wird” korrekt? Wenn ich das richtig verstehe, hat das “Rock Abrasion Tool”, mit dem die Kügelchen freigelegt wurden, eine Art Flexscheibe (dust and resin wheel), mit der das Felsgestein abgeschliffen wurde.

    Egal, ob Sandstrahl oder Diamantschleifscheibe – was so einem Instrument widersteht, kann eigentlich nur ein Pilz, ein Bovist; muß mindestens zwingend eine biologische Lebensform sein. Ich bin überzeugt.

    • #17 Bettina Wurche
      25. Juni 2021

      @schorsch: “Der Aufschluss erodiert, wenn er sandgestrahlt wird”: Die Hämatit-Kugeln sind in Sandsteinsedimenten abgelagert worden. Der Marswind bläst wie ein Sandstrahl den weichen Sandstein weg, er hat eine abrasive Wirkung. Die Hämatitkugeln aus Eisenoxid widerstehen der natürlichen Erosion mit dem Sandstrahl, bleiben freigelegt zurück und sammeln sich an. Diese Wind-Erosion gibt es in irdischen Wüsten wie Gobi, Sahara und Atacama auch, dort werden dadurch Fossilien freigelegt.

      Das Rock Abrasion Tool durchschneidet Gestein und macht so frische Anschnitte, wie ein Flexscheibe. Dabei hat es auch Hämatit-Kugeln erwischt. Es kann wohl die Anschnitte auch durch Bürsten säubern, für einen besseren Blick auf frisches Gestein. Es erodiert aber keine Kugeln, das macht der Sandstrahl-Marswind.
      “The Rock Abrasion Tool (RAT) is a device containing a grinding wheel designed to remove dust and weathered material from the surface of a rock to expose a fresh surface. The fresh surface, which is more likely to represent the original rock before alteration, can then be studied by the other rover instruments.”
      https://nssdc.gsfc.nasa.gov/nmc/experiment/display.action?id=2003-027A-06

      https://mars.nasa.gov/mer/gallery/press/opportunity/20040701a.html

      Ist die Frage damit geklärt?

  12. #18 schorsch
    25. Juni 2021

    Ich hatte Josephs These so verstanden, dass alle diese ‘Blaubeeren’ aktuell lebendige, stoffwechselnde Pilze darstellten. Das wäre mit einer Freilegung durch eine Sandbestrahlung natürlich völlig unvereinbar. Tatsächlich geht er aber davon aus, dass es sich im wesentlichen um fossilierte Pilze handelt, und nur einige der Funde tatsächlich aktuelles Leben zeigten.

    Die beiden zu Beginn des Artikels genannten Publikationen, „Fungi on Mars? Evidence of Growth and Behavior From Sequential Images” sowie „Lichens on Mars vs the Hematite Hoax. Why Life Flourishes on the Radiation- Iron-Rich Red Planet.”, sind übrigens doch frei zugänglich – unter den angegebenen Links!

    Vielleicht ein temporärer Konfigurationsfehler, aber ich hatte kein Problem, beide Schriften (70 und 103 Seiten) direkt als PDF herunterzuladen.

    • #19 Bettina Wurche
      25. Juni 2021

      @schorsch: Danke für den Hinweis aufs freie Download. Die Flechten sollen aber lebendig sein, er beschreibt ja die Farbveränderungen als Wachstum zu spezifischen Jahreszeiten

  13. #20 Joachim
    25. Juni 2021

    Soviel weiß ich ja nicht über Pilze. Trotzdem hätte ich die Aussage “Pilze auf dem Mars” in den Medien für einen Horax gehalten. Nach dem Blog hier habe ich ein wenig gelesen. Bisher aber leider noch nicht die Links.

    Also meine spekulativen Gedanken dazu:

    Pilze und Flechten sind symbiotische Wesen. Wenn es sowas auf dem Mars gäbe, dann auch Bakterien, vermutlich Algen und eben Pilze (wegen der Flechten). Es wäre ausreichend Wasser notwenig und eine Energiequelle. Flechten sind relativ empfindlich (Bioindikatoren). Ein trockener, kalter Mars wäre nicht so sehr ihr Biotop. Ich denke, wenn da Pilze/Flechten wären, dann macht es das entweder wahrscheinlich noch sehr viel mehr Leben auf dem Mars zu entdecken (warum haben wie das denn noch nicht entdeckt?) oder sehr sehr unwahrscheinlich, dass man da überhaupt von Pilzen oder Flechten reden kann, wenn es da überhaupt was gibt. Verfärbungen kann man auch anders (vielleicht auch viel einfacher?) erklären.

    Was ist überhaupt mit Pilzen gemeint? Eine Parallelentwicklung auf zwei verschiedenen Planeten? Oder sollen die Vorfahren wie etwa Cyanobakterien einer gemeinsamen Quelle entstammen. Wenn ich nicht irre, dann gibt es unabhängige Flechtenzweige (oder ungeklärte gemeinsame Vorfahren). Ganz undenkbar wäre das also nicht. Definitiv sind Flechten interessant und nicht soo primitiv, wie man meinen könnte. Auf dem Mars wären sie eine unglaubliche Sensation.

    Ich glaube ja einiges an Phantasie zu haben. Ich kann mir auch das seltsamste Leben auf anderen Planeten vorstellen, halte sogar sie Suche nach “Lebensformen wie auf der Erde” wegen „Phantasiemangel“ für relativ zwecklos. Leben wird oder kann außerhalb der Erde ganz andes sein. Doch bei Pilzen hört es auf. Zu viele abhängige Variablen. Zu wenig begründbare Phantasie für Hypothesen. Zu viel Erdendenken.

    Soweit meine Vorurteile in dem Punkt…

    • #21 Bettina Wurche
      28. Juni 2021

      @Joachim: Och, warum nicht? Pilze und Flechten sind toughe Organismen, beide sind in Szenarien zum extraterrestrischen Leben unterrepräsentiert.
      Aber fossile Bovist-Pilzkörper auf dem Mars halte ich schon für blödsinnig. Ja, natürlich bräuchten solche Lebensformen auf dem Mars auch das dazu gehörende Ambiente, genauso wie Flechten, die Symbiosen aus Pilzen und Algen oder Cyanobakterien sind. Außer Sonnenlicht ist davon bislang nichts nachgewiesen. Darum finde ich diese Behauptungen ja auch so absurd.
      Natürlich sind die Verfärbungen anders zu erklären. Das Naheliegendste wäre, dass sie mit dem Gefrieren und Abtauen auf der Marsoberfläche zu tun haben, Gestein verfärbt sich unter Wassereinwirkung meist. (Ich habe allerdings dazu keine der Publikationen gelesen, möglicherweise gibt es noch andere Erklärungen).

  14. #22 Joachim
    29. Juni 2021

    @Bettina Wurche
    In eigener Sache: Uiii, ich dachte schon, nun werde ich wieder auseinander genommen. Und dann so eine schöne Antwort, die noch dazu Hirn triggert.

    Flechten sind “unterrepräsentiert”. Finde ich ja auch 😉 Sag mir niemand Wissenschaftler könnten nicht lustig sein.

    Hast du das mitbekommen (vielleich näher an der Quelle)? https://www.heise.de/news/Ausserirdisches-Leben-Biosphaere-wie-auf-Erde-auf-Exoplaneten-nur-selten-moeglich-6121625.html

    Na ja, wenn ich etwa Photosynthese suche und feststelle, das zu finden ist weniger wahrscheinlich als gedacht, dann bedeutet das nicht, dass Leben weniger wahrscheinlich ist. Es bedeutet nur, das wir weniger wahrscheinlich Leben mit Photosynthese finden werden.

    Das Problem ist, dass man nicht nach Allem suchen kann. Besonders nicht nach dem, was wir uns nicht vorstellen (oder gar messen) können. Wir müssen offenbar, wie einmal Spock, einfach gut schätzen.

    Das liegt also nicht an den doofen Exoplaneten oder am Universum. Das liegt an uns. Ein Dilemma. Das meinte ich mit: “halte sogar sie Suche nach “Lebensformen wie auf der Erde” wegen „Phantasiemangel“ für relativ zwecklos”.

    Klarstellung nur für den Fall der Fälle:
    Das sagt nun sicher nicht, die Wissenschaftler seien phantasielos oder irgendwie noch schlimmer (blos weil ich das “vorhersagte” – räusper). Es geht eben momentan einfach nicht besser. Und ehrlich, was die da aus den Daten lesen ist oder auf dem Mars tun finde ich schon phantastisch.

    • #23 Bettina Wurche
      30. Juni 2021

      @Joachim: Ich hatte den Heise-Artikel noch nicht gelesen, danke. Gerade die Suche nach Photosynthese-Produkten steht ganz am Anfang der Suche nach außerirdischem Leben, vor fast 100 Jahren. Ich hatte das mal recherchiert und wollte es immer mal zusammenschreiben. Das ist nämlich eine richtig gute Idee.
      Ja, nachdem selbst auf der Erde immer wieder noch abgefahrene Lebensformen entdeckt werden, bin ich ziemlich vorsichtig mit pauschalen Äußerungen geworden. Für unser Sonnensystem halte ich eine Panspermie für naheliegend, aber weit entfernt kann es wesentlich fremdartiger sein.