Dann tauchte ein kleines Problem auf. Ein abgebrochener Knopf! Wo gehörte der nur hin?
Sie meldeten an Houston: „Houston, YOU have problem.“
6 Stunden vor dem Start zurück zur Raumkapsel.
Den Knopf hätten sie für die Zündung der Landefähre drücken müssen.
Man konnte auch nicht einfach einen Finger in die Instrumententafel stecken, schließlich floss dort Strom.
Nach längerem Nachdenken kamen sie darauf, dass ein an Bord befindlicher Filzstift dafür genutzt werden konnte – der Filz war eine gute Isolierung gegen den Strom.

Später wurde er gefragt, wie er sich gefühlt habe, als er auf dem Mond lief. “Fighter pilots have no feelings“.
Danach wird er gleich wieder ernst: „You can´t always predict, what will happen. Even when you planned very good.“
Aber Houston war die ganze Zeit bei ihnen und sie sprachen auch miteinander.
Beim Rückstart fragte Houston „Are you ready to launch?“
Und Neil antwortete wie ein Flugkapitän: „Houston, Eagle 1 is clear on the runway“.
Eine kurze Erwähnung von SF-Evergreens wie Star Trek und Star Wars wärmt natürlich ganz besonders die Herzen der vielen SF-Fans im Publikum. Und ist ganz besonders gut platziert, weil am Wochenende davor ein großer SF-Event im Technikmuseum stattgefunden hatte :  ).

Buzz-Aldrin-spricht-im-Technikmuseum-Speyer-2014-by-R.-KreskenKompetenz, wissenschaftliche Entdeckungsfreude und das Gefühl der Gemeinsamkeit ermöglichten, dass diese Gemeinschaft das Unmögliche möglich machte.
Das betont er mehr als einmal.
Es ist deutlich zu merken, dass Buzz diesen Vortrag auch hält, um jüngeren Leuten ins Gewissen zu reden und sie zu motivieren.
Dann geht es um die Zukunft der bemannten Raumfahrt. Aldrin propagiert den Mars als nächstes Ziel. Er hat dazu 2013 das Buch „Mission to Mars – My Vision for Space Exploration“ publiziert. Er schlägt einen schrittweisen Aufbau künftiger Raumfahrtmissionen über künstliche Habitate und Stationen vor.
Dabei sollten auch private Raumfahrtanbieter mit einbezogen werden. Er betont noch einmal, dass von den technischen Errungenschaften der Raumfahrt alle Menschen profitieren.
„We need to keep the passion for space alive!“
Da hat er recht!
Aber die Leute, die man davon überzeugen muss, sitzen nicht in dieser Halle – gefühlt waren mindestens 1/5 der Besucher ein Konglomerat aus ESOC-Mitarbeitern, Profi- und Amateurastronomen und SF-Fans.

Seinen Ausspruch, dass die Menschheit dringend ins All expandieren müsse, um neue Ressourcen zu finden, teile ich allerdings nicht. Ich lehne sie sogar ab.
Ich denke ans Energiesparen und Recyceln, an einen effektiveren und sparsameren Einsatz der vorhandenen Ressourcen. Und ein weiteres Runterregeln meines persönlichen Ressourcenverbrauchs.
Bei meinem bisher einzigen USA-Aufenthalt war ich von der offensichtlichen und ungenierten Energieverschwendung wirklich schockiert.
Ich denke und lebe da grundsätzlich anders.
Ein Raumfahrtprogramm halte ich aber trotzdem für sehr wichtig.
Den 2. Moonwalker persönlich zu erleben, war auf jeden Fall denkwürdig!

Ein herzliches Dankeschön an Rainer Kresken für die beiden schönen Bilder.

PS: Hier noch einmal mein Lieblings-Video mit Buzz, weil es so schön war:
Der Mondlandungs-Leugner Sibrel nervt Buzz damit, auf die Bibel zu schwören, dass er wirklich auf dem Mond war.
Der Ex-Astronaut war dazu nicht bereit, sondern versuchte, die Nervensäge zu verscheuchen.
Dann ergab sich folgender Dialog:
Sibrel: “You ar a coward, and a liar and a thief…”
Dann machte es “Buff!”.

Neil Armstrong hat in der gleichen Situation übrigens ganz anders reagiert: Er erwiderte, die Bibel (auf die er hätte schwören sollen) sei gefälscht.

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Kommentare (12)

  1. #1 Lercherl
    8. Oktober 2014
    • #2 Bettina Wurche
      8. Oktober 2014

      @ lecherl: Ich sagte ja bereits, dass ich wirklich nicht mit all seinen Ansichten übereinstimme.
      Diese Info überrascht mich allerdings doch ein bißchen, denn immerhin ist er zumindest mal im Ausland gewesen. Und spricht dann angeblich eine Fremdsprache – auch noch Französisch.
      Für einen US-Amerikaner kam mir das schon fast welterfahren vor (jetzt bin ICH chauvinistisch, ich weiss ; )).
      Bei seinen Planungen für künftige Raumfahrtvorhaben hat er explizit von gemeinsamen Unternehmen der NASA, ESA und den Chinesen gesprochen.

      • #3 Bettina Wurche
        8. Oktober 2014

        Wir hatten das Thema eben auch auf Facebook, darum ergänze ich hier noch etwas:
        Ich fremdel mit den Ami-Astronauten immer etwas, das sind halt schon richtig stramme Patrioten und so ein Vortrag ist schon eine richtige Propagandaveranstaltung. Ich habe jetzt drei Moonwalker erlebt, dieser extreme Patriotismus zieht sich da durch.
        Bei ESA-Astronauten habe ich solche Sprüche nie gehört. Die sind irgendwie anders. Andere Generation (keine Kiegserfahrung,…)? Andere Ausbildung (obwohl da ja auch Kampfpiloten dabei sind, aber die waren nie im Kriegseinsatz)? Anders als Europäer? Ich kann es nicht sagen…

  2. #4 Nordlicht_70
    8. Oktober 2014

    Ist da mit den Jahreszahlen etwas durcheinadergeraten? War nicht der Sputnik 1957 und Gagarin 1961?

    • #5 Bettina Wurche
      8. Oktober 2014

      @ Nordlicht: Korrekt!

  3. #6 Gerhard
    9. Oktober 2014

    Danke für den Bericht!
    Es wäre ja auch interessant gewesen, zu erfahren, was er beruflich nach dem Abenteuer der Mondlandung gemacht hat. Da war ja noch eine ordentliche Berufsstrecke.
    Hat er auch von der Ungewissenheit erzählt, die man damals bzgl. Bakterien ect. hatte? Schliesslich wurden sie ja alle erstmal in Quarantäne gesteckt.

  4. #8 Alderamin
    9. Oktober 2014

    @Bettina

    Schöner Bericht. Hätte ich’s gewusst, ich wäre auch da gewesen.

    Anders als Europäer? Ich kann es nicht sagen…

    Sicherlich, das merkt man doch schon daran, dass er seine Abschüsse in den Vortrag mit einbaut, dafür wird er zu Hause sicherlich frenetischen Applaus bekommen (was auch Michael Khan vermutet). Patriotismus wird in den USA viel höher gehalten als in Europa (und hier in so ziemlich allen anderen Ländern immer noch höher als in Deutschland, historisch bedingt).

    Die Amerikaner sind politisch auch viel mehr rechts als wir – ich las mal, dass jemand bei einem amerikanischen Selbsteinschätzungstest zur politischen Haltung jeweils die Antworten auf die Fragen gab, die im CDU-Wahlprogramm standen, und das Ergebnis war, er sei Sozialist 😆 Es reicht ja schon, für eine allgemeine Krankenversicherungspflicht zu sein, um zum Sozialisten zu mutieren.

    Man hält sich halt für die großartigste Nation auf Gottes Erden, mit einem natürlichen Führungsanspruch, und hat von anderen Kulturen oft nur die Karikatur eines Bildes (prophezeite Rumsfeld nicht damals, man würde die amerikanischen Truppen mit Blumen empfangen, wie im 2. Weltkrieg in Europa?).

    Vielleicht leben die Amerikaner auf ihrem Kontinent zu isoliert und reisen zu wenig, um mehr über die Welt zu lernen. Das trifft sicher für Aldrin nicht zu (nur 12 Leute verreisten überhaupt so weit, wie er 🙂 ) aber für sein übliches Publikum.

    Bevor man mich jetzt für einen Anti-Amerikaner hält: ich war schon etliche Male drüben und finde das Land in vieler Hinsicht großartig (z.B. dass sie sich die Weltraumfahrt etwas kosten lassen), auch wie die mit ihren Kleinen umgehen. Ich habe einen Internet-Brieffreund drüben, der mir regelmäßig eine (gedruckte) Weihnachtskarte mit Fotos und persönlichem Verlauf des vergangenen Jahres schickt, und der auch schon in Deutschland, Österreich, Dänemark und Norwegen war und viele solche Freundschaften pflegt (aber auch er wählte damals Bush). Die meisten Amerikaner sind freundliche, hilfsbereite Leute, aber der Patriotismus ist stark dort und man sieht dort vieles nur durch die eigene Brille.

    • #9 Bettina Wurche
      9. Oktober 2014

      @ Alderamin: das meinte ich mit “anders”. Ich wollte es nicht werten.
      Die meisten US-Amerikaner, die ich etwas nähe rkenne, sind Intellektuelle und haben total ähnliche Ansichten wie mein Mann und ich. Die sind aber eine Minderheit.
      Zu “sozialistisch”: Mir hat ein stramm konservativer BWL-er mal erzählt, er hätte im Praktikum in den USA den Begriff “soziale Marktwirtschaft” erklären wollen. Danach haben die Amis ihn gefragt, ob er Kommunist sei. ROFL.
      Bei diesen Themen existieren in den USA und Europa einfach völlig unterschiedliche Kulturen.
      Geschichtlich bedingt, wie Du schon sagtest.

  5. […] von Buzz Aldrin im Technik-Museum Speyer. [22:15 MESZ. NACHTRÄGE: Teil 3 und weitere Artikel hier und […]

  6. […] für die menschliche Besiedlung passend zu machen. Z. B. von Stephen Hawking (s. o.) oder Buzz Aldrin in seinem Vortrag in Speyer (2014). Diese „unabdingbare“ Kolonialisierung des Weltraums wird gern damit begründet, dass die […]

  7. […] Lebenserwartung in Industrieländern es vorsieht. Aber sie sind nicht lebensmüde. Auch die Pioniere der bemannten Raumfahrt haben eher damit gerechnet, zu überleben, als zu sterben,… Weltraum-Pioniere wie Buzz Aldrin propagieren eine Mars-Kolonie, auf der Jagd nach neuen […]