Zum Termin in Heppenheim konnte Matthias Maurer übrigens nur kommen, weil dafür das für den Nachmittag angesetzte Tauchtraining „abgekürzt“ wurde – mit der Simulation eines Notfalls. Er musste in seinen „verunglückten“ Kollegen „retten“ und ihn in die Luftschleuse zurückschleppen. Alles in 10 Metern Tiefe.
Im Pool des Astronautenzentrums in Köln trainieren die ESA-Astronauten für die Außeneinsätze im All die sogenannten „Weltraumspaziergänge“. Die natürlich alles andere als Spaziergänge sind, sondern extrem anstrengend. Ein Unterwasser-Szenario kommt einem Einsatz im Weltall so nahe, wie man es auf der Erde nur simulieren kann.

Feueralarm im Weltraum!

Die Simulation von Notfällen nimmt einen sehr wichtigen Platz im Astronautentraining ein. Auf der ISS gibt es drei Arten von Notfällen:

1. Feuer
Bei Feueralarm werden die Belüftung und der Strom des betreffenden Moduls abgestellt. Ohne Sauerstoffzufuhr erstickt das Feuer von selbst.
Feuer im Weltraum gab es bisher nur ein einziges Mal, 1997 auf der MIR

Ähnliches Foto

The International Space Station orbiting the Earth has been under construction since 1998. Contributions from the US, Russia, Japan and Europe will continue to be added before its completion sometime after 2010 (BBC).

2. Druckverlust
Zum Druckverlust kann es etwa durch den Einschlag eines Mikro-Meteoriten oder bei der Kollision mit Space debris (Weltraummüll) kommen. In dem Fall muss das Loch gefunden und repariert werden. Gegebenenfalls muss das Modul isoliert und das Loch später repariert werden.

3. Luftkontamination mit Ammoniakgas
Die Radiatoren auf der westlichen Seite der ISS enthalten Ammoniak. Effizient in der Kühlung, allerdings hochgiftig in der Atemluft. Gerät es durch ein Leck in die Station, müssten sich die Astronauten in den russischen Teil der ISS zurückzuziehen. Dort sind die Wärmeaustauscher weniger effizient, laufen allerdings auch ohne Ammonium.

Forschung auf der ISS

Die ISS bietet als einziges Labor überhaupt die Möglichkeit, Versuche unter Schwerelosigkeit durchzuführen. Bisher hat sich herausgestellt, dass viele Materialien und organische Strukturen wie Gewebe oder Organismen unter Schwerelosigkeit offensichtlich anders reagieren und neuartige, bisher unbekannte Eigenheiten entwickeln.
Gravitation sorgt für eine spezifische Anordnung innerhalb von Mischungen, natürlich haben schwerere Anteile die Tendenz, sich aufgrund der Gravitation nach unten zu bewegen. Flüssigkeiten haben dadurch die Tendenz, sich zu entmischen. In Legierungen bedeutet das, dass sich das schwere Metall unten sammelt und die Legierung keinesfalls gleichmäßig durchmischt ist. Das bedeutet für die daraus produzierten Teile, dass sie an verschiedenen Stellen leicht unterschiedliche Materialeigenschaften haben.
Für die Materialwissenschaft bedeutet Schwerelosigkeit, dass sich etwa Metalle in Legierungen wesentlich gleichmäßiger mischen, das hatte Alexander Gersts Experiment 2014 während seiner Mission “Blue Dot” auf der ISS gezeigt.

Für mich als Biologin ist vor allem die Gravitationsbiologie interessant:
Experimente mit Pflanzen auf der ISS haben ergeben, dass sich unter dem Einfluss der Schwerelosigkeit Gene aktivieren, die normalerweise inaktiv sind.

The study of Arabidopsis thaliana, pictured here, will be a continuation of previous research to understand how the effects of hypobaric environments on the International Space Station determine plant growth in microgravity for long-duration space missions. Image: NASA

The study of Arabidopsis thaliana, pictured here, will be a continuation of previous research to understand how the effects of hypobaric environments on the International Space Station determine plant growth in microgravity for long-duration space missions. Image: NASA

Experimente mit der Acker-Schmalwand (Arabidopsis thaliana), einer auch auf der Erde beliebten Experimentier-Pflanze, hatten gezeigt, dass in dem Kreuzblütler-Genom bestimmte Gene aktiviert werden, die der Pflanze zu einer höheren Stress-Resistenz verhelfen. Etwa eine höhere Widerstandsfähigkeit gegen Trockenheit. Das ist keinesfalls trivial, sondern kann wichtige Hinweise für die Zucht von Pflanzen, die mit weniger Wasser auskommen, geben. Eine wertvolle Eigenschaft in Zeiten des Klimawandels, der für große Gebiete der Erde aller Voraussicht nach mehr und längere Trockenperioden bedeuten wird.

Die verringerte Gravitation hat offenbar auch signifikante Auswirkungen auf das menschliche Genom. Eine Zwillingsstudie der NASA hatte das kürzlich an den beiden Astronauten Mark und Scott Kelly nachgewiesen.
Beide Zwillingsbrüder haben das gleiche Astronautentraining absolviert und waren in vergleichbarem Gesundheitszustand. Dann lebte und arbeitete Scott Kelly gemeinsam mit dem Kosmonauten Mikhail Kornienko ein Jahr lang auf der ISS – dies war der erste so lange Aufenthalt von Menschen im Weltall! Sein Bruder Mark blieb auf der Erde und fungierte als Kontrollgruppe des Experiments. Erste Untersuchungen stellten erhebliche genetische Veränderungen bei Scott fest, die  Auswertung ist noch nicht abgeschlossen.

Reiseziel Mond. Oder Mars?

Den größten Teil des Vortrags machte natürlich das Astronautentraining aus, vor allem die Vorbereitung auf die Exploration in der Zeit nach der ISS. Matthias Maurer hatte sich schon in seiner Zeit vor der offiziellen Ernennung zum Astronauten mit dieser Zukunftsforschung beschäftigt.
Wohin geht es nach der ISS?
Das nächste Ziel ist der Mond!

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Kommentare (32)

  1. #1 tomtoo
    24. Februar 2017

    Hi @Bettina ,

    das ist bei uns aber auch verwirrend. Ich war als Kind mal in Darmstadt (Tag der offenen Tür) bei der Esa/Eso/Esoc ???

    Mir kommt das so vor als wäre das in den USA einfacher. Da ist Nasa erstmal die Nasa.

    Das auftröseln für den Laien erstmal eh nicht so wichtig.

  2. #2 Richard
    24. Februar 2017

    @tomtoo: Das wird wohl das ESOC (European Space Operations Centre) gewesen sein. Das ist in Darmstadt, und gehört zur ESA.

    ESO ist das “European Southern Observatory”. Hat zwar ebenfalls mit dem Weltall zu tun, fliegt da aber nicht selbst hin sondern guckt nur. Die dazu nötigen Teleskope stehen in Chile, und die Verwaltung sitzt in Garching bei München.

    • #3 Bettina Wurche
      24. Februar 2017

      @Richard: Exakt, danke. ESOC in Darmstadt bietet das manchmal an. Der nächste Termin dafür ist übrigens der 08.09.2017.

  3. #4 Alderamin
    24. Februar 2017

    @Bettina

    Für mich eine der wichtigsten News des Abends: Die ISS-Besatzung wird demnächst von sechs auf sieben Astronauten aufgestockt.
    Das neue Trägersystem macht´s möglich!

    Tatsäclich? Die SLS/Orion waren zwar mal als Backup-System vorgesehen, falls die privaten Taxis von SpaceX und Boeing nicht rechtzeitig fertig werden sollten. Sie werden nun wohl voraussichtlich erst 2018 zur ISS fliegen, aber vorher fliegt die SLS mit Orion auch nicht, und bemannt erst in den 2020ern. Würde mich wundern, wenn es eine geplante Mission der Orion zur ISS gäbe.

    Die SpaceX Dragon V2 und Boeing CST-100 Kapseln haben übrigens jeweils sogar Platz für 7 Personen und können deswegen auch als Rettungsboot für 7 dienen. Ich denke, das ist der Grund, warum die Besatzung auf 7 erhöht wird – bisher steht nur die Sojus mit 3 Plätzen zur Verfügung. Manchmal sind zwei von ihnen an der ISS angedockt, beim Mannschaftswechsel. Genau dann hat die ISS eine temporäre Besatzung von 6, sonst nur 3.

    Dann lebte und arbeitete Scott Kelly gemeinsam mit dem Kosmonauten Mikhail Kornienko ein Jahr lang auf der ISS – dies war der erste so lange Aufenthalt von Menschen im Weltall!

    Nicht ganz, es war der viertlängste. Aber der längste für einen Amerikaner und für zwei Personen gemeinsam.

    Das nächste Ziel ist der Mond!

    Leider nur der Mondorbit, da niemand zur Zeit einen Lander in Arbeit hat. Aber es wird diskutiert, eine Raumstation in einem der Lagrange-Punkte des Mondes permanent zu stationieren. Von dort aus könnte man Roboter auf dem Mond steuern, das Überleben im wirklich freien Weltraum testen (für spätere Marsflüge), und auch leicht zum Mond absteigen oder zum Mars los fliegen. Da ist aber, so viel ich weiß, noch nichts in trockenen Tüchern.

    • #5 Bettina Wurche
      24. Februar 2017

      @Alderamin: Ich habe hier nur Maurers (und Wörners Sicht, der den 2. Vortrag des Abends machte) Sicht, wahrscheinlich die Sicht der DLR und ESA auf diese Topics wiedergegegen. Er sieht es aus seiner Sicht, und an welchen Projekten er beteiligt ist. So ist er in die Mondstationsplanung (sehr langfristige Sache, nicht vor 2030) involviert, nicht aber in die Entwicklungen der Privatanbieter-Raketensysteme. Und ESA ist an SLS beteiligt, nicht an den privaten Systemen.
      Zum Termin der SLS habe ich viel Widersprüchliches gelesen, für mich sieht es im Moment auch eher nach 2020 aus. Allerdings ist das nicht mehr lange hin, schließlich haben wir schon 2017.
      Ob SpaceX Dragon V2 und Boeing CST-100 was werden und wenn ja, wann, vermag ich nicht zu beurteilen. Ich sehe sie zurzeit noch etwas kritisch. u. a., weil auch eine ganze Reihe von Sicherheitsaspekten noch nicht umfassend gelöst sind. Wir hatten im letzten Jahr einen Vortrag von David Salt über diese privaten Anbieter, dabei kamen wir in die Diskussion, was außer der Technik noch so zu berücksichtigen wäre.
      Über die privaten Anbieter bin ich nicht auf dem Stand, dazu sage ich nichts. Ich habe aber den Eindruck, dass da noch eine gewisse Lücke zwischen Marketing und Realität besteht.
      Danke für die Korrektur zur Aufenthaltsdauer, dann war es für NASA das erste Langzeitexperiment im Weltraum.

  4. #6 Alderamin
    24. Februar 2017

    @Bettina

    Zum Termin der SLS habe ich viel Widersprüchliches gelesen, für mich sieht es im Moment auch eher nach 2020 aus.

    Die neuesten Gerüchte, die Orion gleich beim ersten Flug (der dann verspätet erfolgen wird) zum bemannen, sind z.B. in diesem Artikel beschrieben. Da ist von 2019 – 2020 die Rede.

    Ich habe noch einen weiteren Artikel gefunden, wo zumindest in Erwägung gezogen wird, Orion zur ISS zu senden, allerdings als absurd bewerteter Vorschlag, weil die Oberstufe der SLS in diesem Fall Tonnen an Ballast mitnehmen müsste, da sie für die niedrige Umlaufbahn vollkommen überdimensioniert wäre. Deshalb wird das auch sicher nicht der Regelfall werden, wenn es überhaupt dazu käme.

    Die Privaten sind 20 bzw. 16 Monate hinter dem ursprünglichen Zeitplan, aber noch auf einem guten Weg. Im Moment gibt es um Space-X eine Diskussion, weil die die Rakete erst betanken möchten, wenn die Crew schon in der Kapsel sitzt, was nach der jüngsten Explosion eine Falcon 9 während der Betankung für Bedenken sorgt. Das Problem wurde identifiziert (es hatte sich wohl eine Sauerstoffblase in der mit Carbonfasern umwickelten Hülle eines Helium-Drucktanks gebildet und einen Funken verursacht; Helium-Tanks sind bei der Falcon 9 innerhalb des Flüssigsauerstofftanks montiert, bei anderen Raketen sonst außerhalb, und die Temperaturdifferenz von Helium und Sauerstoff kann zum Ablösen der Carbonfasern und eben Blasenbildung darunter führen; soweit ich das verstanden habe). Das Problem soll durch eine Modifikation des Betankungsvorgangs vorläufig und durch modifizierte Heliumtanks langfristig behoben werden. Ich denke, die bekommen das in den Griff. Im Mai 2018 soll ein bemannter Testflug erfolgen, der zuletzt für August 2017 geplant war.

    Wenn die Kapseln bis Anfang 2019 noch nicht bereit für die ISS-Flüge sind, hat die NASA ein Problem: Die Frist, Soyus-Sitze zu buchen, ist bereits abgelaufen. Das kann dann sehr teuer werden. Wie ich las, bemüht sich die NASA jedoch, der Firma Boeing ein paar Sojus-Plätze für das Jahr 2019 abzukaufen, die sich Boeing reserviert hatte. Für alle Fälle.

    • #7 Bettina Wurche
      24. Februar 2017

      @dhbrt, @Alderamin: Ich denke, bei neu zu entwickelnden Systemen wird es immer zu Verzögerungen kommen, gerade weil bei der bemannten Raumfahrt die Sicherheitsaspekte natürlich noch wesentlich schwerwiegender sind. Zu politischen Entscheidungen und technischen Prognosen wage ich keine Aussage. Ich kann hier nur zitieren, was mir ein involvierter Astronaut erzählt hat und der ESA-Direktor bestätigt hat. Aber auch die beiden können nur abbilden, was der jetzige Stand ist. Was dann 2020 sein wird, wie und was die Russen dann zur Verfügung stellen, welche Firmen oder andere Raumfahrtagenturen dann auf welchem Stand sind, kann man unmöglich genau vorhersagen. Die Erfahrung hat gezeigt, dass es meistens eher länger dauert, als ursprünglich angenommen.

    • #8 Bettina Wurche
      26. Februar 2017

      @Alderamin, @dhbrt: Ihr hattet recht. Ich habe den Text gerade korrigiert.

  5. #9 dhbrt
    24. Februar 2017

    Die ISS-Besatzung wird ab März auf fünf reduziert, die Russen müssen Geld sparen. Konkrete Planungen zu den privaten Anbietern gibt es noch nicht. Die sollen zwar maximal sieben Personen transportieren können, das wären zusammen mit einer Sojus dann sogar zehn. Wohl eher unwahrscheinlich.

    Die Orion-Kapsel war im Rahmen des Constellation-Programms mal als ISS-Transporter vorgesehen, das war aber vor zehn Jahren. Außerdem ist diese Kapsel aktuell für vier Personen ausgelegt. Ganz aktuell wird unter der neuen Administration eine bemannter Erstflug angedacht, dann wohl nicht vor 2019.

    Die ESA liefert für diese erste und eine weitere Mission das Servicemodul und “erkauft” sich damit Plätze auf der ISS (wie schon beim ATV). Was mit Orion/SLS darüber hinaus passiert steht noch in den Sternen…

  6. #10 Alderamin
    25. Februar 2017

    @Bettina

    Sollte keine Kritik an Dir sein; wenn Dr. Maurer das gesagt hat, dann hat er das gesagt und weiß entweder mehr als wir, oder er hat sich geirrt oder sich missverständlich ausgedrückt (in dem Punkt, dass die SLS zur ISS fliegen soll; dass man zum Mond fliegt, wenn auch ohne Landung, ist ja ausgemacht). Man wird sehen.

    #6 war nur als Zusatzinfo gedacht, da ziemlich aktuell, und weil Du meintest, die Situation von Space-X und Boeing nicht beurteilen zu können. In der Tat dürfen die sich keine weitere Verzögerung mehr erlauben, sonst muss die NASA zusätzliches Geld für Sojus-Sitze aufbringen, über Boeing oder extra teuer bei den Russen direkt.

  7. #11 Alderamin
    28. Februar 2017

    Wow, jetzt will Space-X auch bemannt um den Mond fliegen, sogar noch vor der NASA. Und selbstverständlich gedenken sie im Jahr 2018 Besatzung zur ISS zu fliegen.

    http://www.spacepolicyonline.com/news/spacex-plans-to-send-two-people-around-moon-in-2018#.WLUPj1i54OA.twitter

    • #12 Bettina Wurche
      28. Februar 2017

      @Alderamin: Das habe ich heute morgen in den Nachrichten gehört. Bin mal gespannt, ob die jetzt wirklich liefern oder nur aus Aktionismus gerade verschärft aufgetrump-ft haben : )

  8. #13 tomtoo
    28. Februar 2017

    Hab ich auch gelesen. Aber ich bin da skeptisch. Soll mit einer Falcon Heavy gestartet werden. Ich bin mir nicht ganz sicher, aber meines Wissens ist da noch keine gestartet. Sehr ehrgeiziger Zeitplan.

  9. #14 Alderamin
    28. Februar 2017

    Ich las es heute morgen auf Twitter, kruz danach ging es durch alle Medien. Genau dies soll auch der Grund sein, warum Trump die NASA gefragt hat, ob sie nicht ein wenig schneller Leute um den Mond schießen kann, als erst 2021.

    Dafür wird nun die (unbemannte) Space-X Red-Dragon-Mission zum Mars auf 2020 verschoben.

    Ausführliche Infos bei https://www.nasaspaceflight.com/ (und als zweites in der Liste ein Artikel über die zukünftigen Flüge zur ISS und die vielen, komplexen Optionen; man wird vielleicht temporär bis zu 11 Leute gleichzeitig dort unterbringen, was zuletzt zu Shuttle-Zeiten getoppt wurde).

    Elon Musk will ja ernsthaft ab dem Ende der 2020er eine größere Menge Leute zum Mars befördern (Mars Colonial Transporter) und das nicht nur als One-way Option, sondern mit Rückflugmöglichkeit. Dann wäre der nächste logische Schritt eine Aufstiegsstufe (die Dragon-Kapsel kann zwar auf dem Mars landen, aber von dort nicht wieder starten), die er wohl auf dem Mond testen dürfte (wo sonst?). Mir schwirrt da im Moment irgendwie das Bild der landefähigen Falcon-9-Unterstufe durch den Kopf, die nach Betankung (oder mit Resttreibstoff?) wieder starten kann (oder ein Abkömmling derselben für Mond und Mars). Vielleicht sehen wir ja früher als gedacht wieder Menschen auf dem Mond. Spannende Zeiten.

  10. #15 Alderamin
    28. Februar 2017

    @tomtoo

    Der Jungfernflug der Falcon Heavy steht bald bevor, er war schon für das letzte Jahr geplant und musste zuletzt wegen der Explosion der Falcon-9 verschoben werden. Dieses Jahr wird er aber wohl statt finden, derzeit ist “Sommer 2017” geplant, wenn nicht noch einmal was größeres schief geht. Für diese Rakete hat Space-X eine der alten Apollo/Shuttle-Startrampen erworben und von dort auch schon den letzten Start einer Falcon-9 durchgeführt.

    Eine Falcon-Heavy ist im Prinzip ein Verbund dreier Falcon-9-Unterstufen mit einer Oberstufe, also keine komplette Neuentwicklung. Das ist die Stärke von Space-X, dass sie so viel wiederverwenden. Z.B. haben die erste und zweite Stufe der Falcon-9 die gleichen Merlin-Triebwerke (in unterschiedlicher Anzahl). Das gibt es bei anderen Raketen so nicht.

  11. #16 tomtoo
    28. Februar 2017

    @Alderamin
    Ich drück ja die Daumen aber Falcon Heavy und Dragon2 bis 2018 bemannt. Das ist schon ehrgeizig oder ? Ich glaubs nicht , würde mich aber gerne täuschen.

  12. #17 Alderamin
    28. Februar 2017

    @tomtoo

    Wenn’s für die NASA wäre, dann wäre der Zeitplan, eine bemannte Dragon-Kapsel auf einer Falcon-Heavy in 2018 zu starten, nicht zu halten, dafür sind die Qualifizierungsregeln der NASA für bemannte Flüge zu streng. Aber es sind eben die Qualifizierungsregeln der NASA, um die sich Space-X nicht scheren muss, wenn sie auf eigene Kappe Starts durchführen. Der Plan ist ambitioniert, aber alle Komponenten sind dann planmäßig vorhanden und getestet – die Dragon V2 soll nächstes Jahr unbemannt und bemannt starten, die Falcon Heavy startet dieses Jahr unbemannt, und bis nächstes Jahr wohl auch noch öfter. Man muss nur noch beide zusammenführen.

    Niemand hat Musk zu dem ambitionierten Zeitplan mit seinem Mondflug getrieben (außer ihm selbst). Er wird Grund zur Annahme haben, dass er ihn auch einhalten kann, denn er wird an Ansehen und Vertrauen verlieren, wenn er es nicht kann. Vielleicht ist das seine Art, seine Mitarbeiter zu motivieren. Gewissermaßen der Kennedy-Approach. Oder er will Vertrauen zurück gewinnen, nachdem es jüngst zwei Rückschläge gegeben hatte.

  13. #18 tomtoo
    28. Februar 2017

    @Alderami
    So wie ich das sehe sind vorher 2 Falcon Heavy Starts plus 2 mal Orbital Flug der Dragon 2 geplant (einer bemannt). Ich bin gespannt. Auf jeden Fall spannend.

  14. #19 Alderamin
    28. Februar 2017

    @tomtoo

    Eine ähnliche Einschätzung wie von mir von Phil Plait.

    Eine von der NASA beauftragte Expertenkommission ist allerdings skeptischer in Bezug auf den Zeitplan für Flüge zur ISS, und nun ist es offiziell, dass die NASA Sojus-Flüge von Boeing für 2017/18 abgekauft hat mit einer Option für weitere Flüge in 2019.

    Kam alles eben erst über Twitter.

  15. #20 tomtoo
    28. Februar 2017

    @Alderamin
    Danke für die Links !
    Ich drück ja alle Daumen. Alleine die Bilder aus einer Dragon2 (Innenraum sieht schon spacy aus). Aber das gleichzeitige Landen von 3 Boostern wäre schon der Hammer. : )

    https://arstechnica.com/science/2017/01/spacex-details-its-plans-for-landing-three-falcon-heavy-boosters-at-once/

    • #22 Bettina Wurche
      10. April 2017

      @Alderamin: danke!

  16. #23 RPGNo1
    9. April 2017

    Landung auf dem Mars in den 2040er Jahren? Das wäre dann sogar noch zu meinen Lebzeiten. Wenn halt die vielen “wenns” nicht wären.

    • #24 Bettina Wurche
      10. April 2017

      @RPGNo1, @Alderamin: Soweit ich es überblicke, passen Träume von Mars und Mond gut in die Großmacht-Phantasien der Trump-Clique und sind nicht gekappt. Auch die privaten Raumfahrt-Anbieter könnten noch für Überraschungen sorgen.
      Außerdem denke ich, dass bei den Chinesen auch so einiges passiert, was wir vielleicht gar nicht so mitbekommen.
      Darum halte ich es für eine gute Idee, wenn ESA jetzt Szenarien durchdenkt, diskutiert und auch teils schon durchspielt. Matthias Maurer steckt in dne Mond-Planungen mitten ´drin, das war wohl vor seiner Ernennung zum offiziellen Astronauten auch einer seiner Arbeitsschwerpunkte.
      2030/2040 für Mond- und Marsstationen erscheint mir schon recht realistisch.

  17. #25 Alderamin
    10. April 2017

    @RPGNo1

    Bleibt nur zu hoffen, dass die Halbwertszeit der NASA-Pläne mal wieder größer als eine Legislaturperiode wird. Wie ich schon mal erwähnte: für die Politiker (Hauptsächlich im Kongress) ist offenbar das wichtigste, die Arbeitsplätze ihrer Wähler bei der NASA zu erhalten. Was dabei an Forschungsergebnissen rauskommt, ist Nebensache.

  18. #26 Alderamin
    10. April 2017

    @Bettina

    Soweit ich es überblicke, passen Träume von Mars und Mond gut in die Großmacht-Phantasien der Trump-Clique und sind nicht gekappt
    […]
    2030/2040 für Mond- und Marsstationen erscheint mir schon recht realistisch.

    Nein, im Gegenteil, sie wurden sogar leicht aufgestockt. Das Problem ist nur, dass sich die Zielsetzung mit jedem Präsidenten seit Bush junior immer wieder geändert hat. Der wollte zu Mond und Mars und ließ dafür eine Infrastruktur in Auftrag geben, die er dann allerdings nicht hinreichend finanzieren wollte oder konnte (und die an den technischen Herausforderungen scheiterte). Außerdem wollte Bush schnellstmöglich aus der ISS aussteigen.

    Obama strich hingegen den Mond und jegliche Landemöglichkeiten irgendwo, dafür führte er die ISS fort und setzte auf private Versorgungsflüge (letzteres war sicher eine gute Idee). Da man nicht mehr auf dem Mond oder Mars landen konnte, setzte er auf die Option “Asteroideneinfang”. Am liebsten hätte er den Bau einer Schwerlastrakete auf Shuttle-Basis ganz auf Eis gelegt und zuert einmal 5 Jahre an neuen Antriebstechniken geforscht, aber da machte der Kongress nicht mit, zu viele wirtschatliche Interessen hingen am Shuttle-Erbe.

    Jetzt kommt Trump und sieht, dass in seiner (ersten und hoffentlich letzten) Amtsperiode raumfahrttechnisch kein Durchbruch geplant ist, streicht die Asteroidenmission von Obama wieder (für ihn wohl ein “total desaster”) und fragt bei der NASA nach, ob sie nicht gleich den ersten Testflug der SLS-Rakete bemannt durchführen könnte. Problem dabei ist, dass die für den Flug gedachte Oberstufe (“Interim Cryogenic Propulsion Stage” der Delta IV) nie für den Transport für Menschen ausgelegt war und erst entsprechend getestet und zugelassen werden muss, und die dafür eigentlich vorgesehene Stufe (“Exploration Upper Stage”) erst 2022/23 fertig gestellt wäre. Dies bedeutet zusätzliche Kosten, zusätzliche Verzögerungen und ein zusätzliches Risiko (für die Besatzung). Die NASA prüft die Anfrage gerade.

    Dieser Schlingerkurs ist leider nicht besonders zielführend in Bezug auf die frühestmögliche, kostengünstigste Möglichkeit eines Marsfluges. Wer weiß, was dem nächsten Präsidenten einfällt, wenn bis dahin Falcon Heavy und New Glenn schon fliegen.

    Die Chinesen sind da naturgemäß geradliniger, technisch aber noch nicht auf dem Stand der Amerikaner (sie wollen zwar beispielsweise auch eine Raketenunterstufe wiederverwenden, betrachten aber eine senkrechte Landung wie bei der Falcon und der geplanten New Glenn von Blue Origins als technisch zu herausfordernd und setzen auf Fallschirme; im Prinzip fliegen sie bisher mit lizensierter und fortentwickelter Sojus-Technik). Eine bemannte Mondlandung in den 2030ern traue ich ihnen zu, mit dem Mars wird es dann aber vermutlich noch etwas dauern.

    Darum halte ich es für eine gute Idee, wenn ESA jetzt Szenarien durchdenkt, diskutiert und auch teils schon durchspielt.

    Auf jeden Fall. Angesichts dessen, dass die ESA auf absehbare Zeit auf die Transportmöglichkeiten anderer Länder angewiesen sein wird, bleibt ihr auch nichts anderes übrig, als sich auf jedes Szenario vorzubereiten. Laut Spiegel Online könnte Maurer sogar als erster westlicher Astronaut zur chinesischen Raumstation mit einer chinesischen Rakete fliegen.
    Es ist toll, das Europäer in den Planungen zu Mond und Mars mit dabei sind und die ESA ihre Beiträge zu den Projekten leistet. Aber auch ein bisschen schade, dass sie über keine eigenen Möglichkeiten besitzt, Astronauten ins All zu bringen. Na ja, spart wenigstens unsere Steuern…

    • #27 Bettina Wurche
      10. April 2017

      @Alderamin: : ) Es bleibt auf jeden Fall spannend. Übrigens: Am 08.09.2017 ist bei ESOC der nächste Tag der offenen Tür, vielleicht gibt´s da ja interessante Gesprchrächspartner oder Vorträge zu auch solchen Themen.
      Und beim EAC in Köln soll im 2. Halbjahr 2017 die Mondsimulationseinrichtung eingeweiht werden. “Es wird eine neue Testeinrichtung, die Astronauten mit einer mondähnlichen Umgebung vertraut machen soll, eingeweiht.” Das könnte spannend werden.
      http://www.esa.int/ger/ESA_in_your_country/Germany/Medientermine_der_ESA_im_Jahr_2017

  19. #28 Alderamin
    10. April 2017

    Danke für die Termine. Zumindest beim EAC kommt man dann aber nur als Medienvertreter rein, nehme ich an?

    Und beim EAC in Köln soll im 2. Halbjahr 2017 die Mondsimulationseinrichtung eingeweiht werden. “Es wird eine neue Testeinrichtung, die Astronauten mit einer mondähnlichen Umgebung vertraut machen soll, eingeweiht.”

    Angesichts des (zumindest m.W.n.) bisherigen Fehlens jeglicher Landemöglichkeit auf dem Mond durch irgendeine Raumfahrtnation und selbst eines konkreten Plans dafür – alle Achtung, die ESA bereitet sich wirklich auf alle Eventualitäten vor! 😉

    Oder haben die etwa im Stillen einen Lander mit Wiederaufstiegsstufe für das Deep Space Gateway in Vorbereitung…?

    • #29 Bettina Wurche
      10. April 2017

      @Alderamin: Ich weiß auch noch nicht mehr. Könnte interessant sein, hinzugehen. Auf jeden Fall wird es danach eine Berichterstattung geben. Herr Wörner meinte bei seinem Vortrag in Heppenheim noch mal sehr deutlich, dass seine Vision vom Moon Village nur als große internationale Kooperation funktionieren könne. Leider musste er nach dem Vortag genauso schnell weg wie Herr Maurer. Ich hoffe, dass wir beim nächsten Mal ein paar Fragen stellen können. Möglichwerwesie im Rahmen der Rosetta-Ausstellung und der Vortragsreihe. Mal sehen.

  20. #30 Alderamin
    11. April 2017

    Wow, jede Menge Details über das Deep-Space-Gateway mit weiteren Links. Das ist jetzt mal echt spannend. Und Europa ist intensiv eingebunden.

    http://www.russianspaceweb.com/imp.html
    http://www.popularmechanics.com/space/moon-mars/a24206/orion-nasa-space-plan/
    http://www.planetary.org/blogs/guest-blogs/2016/1103-an-international-outpost-near.html

    • #31 Bettina Wurche
      11. April 2017

      @Alderamin: Spannender Stoff, danke!

  21. #32 Alderamin
    12. April 2017

    Noch mehr zu lesen bei der Planetary Society (nicht viel neues gegenüber den vorherigen Artikeln, aber etwas kompakter und mit einem Wort von Elon Musk):

    http://www.planetary.org/blogs/jason-davis/2017/20170407-new-mars-plans-unveiled.html

    Und hier noch ein Artikel zu den chinesischen Mond- (und Mars-!) Plänen:

    http://www.planetary.org/blogs/guest-blogs/2017/20170406-change-5-future.html