Angesichts dessen ist zu hoffen, dass nicht beim nächsten March for Science die Brüsseler Deklaration hochgehalten wird oder, was bedenklicher wäre, das Papier von Bewertungsbehörden, Abgeordneten und Ministern künftig als Legitimation für eine noch stärkere Rücksichtnahme auf Industrieinteressen in der Gesundheits- und Umweltpolitik benutzt wird. Vor dem von McCambridge et al. beschriebenen Hintergrund muss man die Brüsseler Deklaration wohl als vergiftetes Papier sehen.

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Zum Weiterlesen:

• Horton R (2017) Offline: Difficult truths about a post-truth world. Lancet 389; 1. April 2017: 1282.
• McCambridge J, Daube M, McKee M (2018) Brussels Declaration: a vehicle for the advancement of tobacco and alcohol industry interests at the science/policy interface? Tob Control Epub ahead of print, download 8.10.2018, doi: 10.1136/tobaccocontrol-2018-054264.
• Klemerer D (o.J.) Interessenkonflikte.
• Kuhn J (2011) Evidenz in Interessenkonflikten: Das Beispiel Passivrauchen. Forum Kritische Psychologie 55: 145-151.

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Kommentare (10)

  1. #1 Name
    21. Oktober 2018

    Klingt uninformiert und undurchdacht – wie immer, wenn sich Herr … an Themen wagt, die abseits seines beruflichen Schwerpunktes liegen.

    Beispielsweise gibt er nicht einmal an, wieviel Prozent maßgeblicher Akteure einer Industrie unethisch handeln, obwohl ja [alles bestens bekannt ist].

    Rofl, rofl, Kartoffel…

    Das nenne ich wissenschaftliches Denken und Schreiben…

    Welcome to the world of scienceblogs.de

    • #2 Joseph Kuhn
      21. Oktober 2018

      @ Name:

      “wieviel Prozent maßgeblicher Akteure einer Industrie unethisch handeln”

      Manche sagen, bei der einen Industrie seien es 1,3487 %, bei der anderen 15,9812 % – vielleicht aber auch ein Dutzend mehr, und bei der ganz schlimmen 99,9999 % (weil man die Putzfrauen der Crackindustrie nicht mitzählen darf, obwohl Putzfrauen immer maßgeblich zum Erfolg eines Geschäfts beitragen, auch des unbeschwerten Geschäfts auf dem stillen Örtchen). Die Putzfrau könnte eventuell Ihren Kommentar auch wegräumen, so richtig wissenschaftlich gehaltvoll war er ja nicht.

      “Rofl, rofl, Kartoffel… Das nenne ich wissenschaftliches Denken und Schreiben”

      Sie vielleicht. Andere würden doch gerne mehr als rofl rofl über die Kartoffel erfahren. Aber reichen Sie es mal bei einer Zeitschrift ein, vielleicht täusche ich mich ja.

  2. #3 Basilios
    Akiba'S Trip
    21. Oktober 2018

    @Name

    Klingt uninformiert und undurchdacht

    Nein, das tut es nicht.

  3. #4 PDP10
    21. Oktober 2018

    “Name” ist bloß wieder eine Sockenpuppe von dem Kerl, der Scienceblogs ganz generell doof findet. Der taucht hier in allen Foren hin und wieder auf und reagiert nie auf Ansprache.

    Mancher (ich auch) vermutet, dass das Sockenpuppen von dem Wohlbekannten MT sind (die er gerne generiert, wenn er mal wieder frustriert und zugekifft ist …). Kann aber auch jemand Anderes frustriertes sein … Aber nach Form und Inhalt wahrscheinlich immer derselbe.

  4. #5 Wetterwachs
    22. Oktober 2018


    „Scientists need to recognise that they are advocates with vested interests too – in their case, in their own science.”
    Den Satz sollte man mehrmals lesen und etwas hin- und herwenden. ”

    und

    „They need to be less aloof, perhaps even less arrogant“

    Böse interpretiert übersetze ich die beiden Sätze mal so:
    ‘Die arroganten, abgehobenen Wissenschaftler kommen mal besser aus ihren brotlosen Elfenbeintürmen raus und kapieren endlich, dass sie auch nur Eigeninteresse vertreten, und dass dieses Eigeninteresse ihre eigene Wissenshaft ist, aus der sie Erkenntnisse (Waren) zu generieren haben, die wir, die Industrie, bestellen und dann bezahlen, wenn sie uns gefallen.’

    Da werden doch irgendwie Forschungsergebnisse als Alternativen dargestellt, die so oder so rauskommen können, je nachdem welches Eigeninteresse der jeweilige Wissenschaftler hat, bzw. welcher Bezahler hinter dem jeweiligen Wissenschaftler steht. Ich finde das wirklich richtig richtig übel. Echt giftig.

  5. #6 PDP10
    22. Oktober 2018

    @Wetterwachs:

    Mir kommt langsam der Verdacht, dass da irgendeiner/eine aus den Bildungsfernen Schichten in den PR Abteilungen Max Webers “Wissenschaft als Beruf” gelesen hat. Und wie das bei den Kandidaten so üblich ist, die Intention ins Gegenteil verkehrt ….

  6. #7 foobar407
    23. Oktober 2018

    Das Papier ist ziemlich gut gemacht. So richtig falsch ist daran nichts – es ist nur im Kontext etwas schief.

    An den von @Wetterwachs zitierten Stellen haben sie aber etwas übertrieben. Wären sie dort etwas zurückhaltender gewesen, hätten sie vielleicht sogar mehr Zustimmung bekommen?

  7. #8 shader
    24. Oktober 2018

    Das Problem ist ja eigentlich nicht, dass die Tabakindustrie Forschung finanziert zur Untersuchung des Tabakkonsums. Das Problem ist, dass sie schlechte und fehlerhafte Forschung von Tabakkonsum finanziert. Das trifft auch für die anderen Beispiele zu.

  8. #9 Joseph Kuhn
    24. Oktober 2018

    @ shader:

    “Das Problem ist, dass sie schlechte und fehlerhafte Forschung von Tabakkonsum finanziert.”

    So einfach ist die Sache nicht, weder was die aktuellen Aktivitäten von Philip Morris unter der Überschrift harm reduction angeht, noch die früheren Studien der Tabakindustrie. Wenn sie nur schlechte Forschung geliefert hätten, wäre vieles anders gelaufen. Probleme macht eher ihre “gute” Forschung, die methodisch höchst anspruchsvoll gebiased ist.

  9. #10 Novidolski
    27. Oktober 2018

    Wie lange hat es gebraucht, bis Asbest verboten wurde ?
    Wie lange hat es gebraucht, um das Rauchen zu ächten ?
    Wie lange wird es dauern, bis Dieselfahrzeuge stärker besteuert werden ?
    Wie lange wird es dauern bis der Klimakiller CO2 ernst genommen wird ?
    Wann wird man BASF und Bayer zwingen, weniger Kunstoffe herzustellen ?

    Es ist zu hoffen, dass unsere Gesellschaft den Spagat zwischen Vernunft und (notwendigem)Profitstreben schafft.
    Herr Kuhn hat den inneren Widerspruch der Industriegesellschaft gut dargestellt.