Die Frage ist, wird Spahns Masernschutzgesetz dazu beitragen, diese Wege schneller zu blockieren? Oder wird es gallische Dörfer schaffen, in denen sich mit homöopathischen und anthroposophischen Zaubertränken gestärkte Menschen künftig umso verbissener gegen Gaius Julius Spahn zur Wehr setzen?

In Spahns Kabinettsvorlage vom Juli 2019 steht in der Gesetzesbegründung, dass das Gesetz nach dem 31. Juli 2021 evaluiert werden soll, vor allem mit Blick auf die Impfquoten. Des Weiteren wird darauf verwiesen, dass die Bestimmungen des Gesetzes „nach erfolgreicher Durchführung des Maserneliminationsprogramms wieder aufgehoben werden [können], sobald die Weltgesundheitsorganisation (WHO) förmlich festgestellt hat, dass Masern eliminiert sind.“ Im Referentenentwurf vom Mai 2019, der eine Evaluierung schon nach dem 31. Juli 2020 vorsah, war an dieser Stelle noch die Rede von der „Maserneradikation“. Das wäre eine sehr ferne Zukunft gewesen, in vielen Ländern lodern die Waldbrände schließlich noch recht ungehemmt. Welche Überlegung Spahn wohl dazu bewegt hat, die Impfpflicht nun schon nach der Masernelimination zur Disposition zu stellen?

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Kommentare (5)

  1. #1 Timo
    4. August 2019

    Die Frage kann nicht Herr Spahn beantworten, sondern die Impfverweigerer, die sich nicht an die kommende Impfplicht halten werden.

    Mittlerweile ist es in D chick sich an keine Gesetze/Pflichte mehr zu halten und soweit keine Sanktionen zu erwarten sind, sehe ich persönlich die Masernelimination in D nicht so schnell.

  2. #2 Rosenkohl
    5. August 2019

    “Aufflackernde Glutnester” bei den Masernfällen würde eine endemische Ausbreitung bedeuten, aber dies schließt die Nationale Verifizierungskommission ja gerade für die meisten Jahre aus. Statt aufflackernder Glutnester gibt es seit 2010 eine hochsignifikante zweijährige Periodisierung, mit viele Fälle in den ungeraden und wenig in den geraden Jahren. Der Grund ist vermutlich daß ungeimpfte Kinder den Familien- und Bekanntenkreis mit anstecken, wodurch für ein Jahr natürliche Immunität entsteht, bevor erneut vermehrt Kinder aus ungeimpften Familien im Alter von 1-2 Jahren in den Kindergarten eintreten. Analog zur 12-jährige Periode von Ausbrüchen in einer niederländischen Protestantischen Gemeinde. https://link.springer.com/article/10.1140/epjb/e2015-50621-9

    Herdenimmunität bedeutet daß jeder Infizierte im Durchschnitt weniger als einen anderen ansteckt. Angesichts einer Inkubationszeit von zwei Wochen kann ein einziger Importfall eine Kette von bis zu 25 Folgeansteckungen nach sich ziehen, die nach einem Jahr abricht, es bleibt definitionsgemäß immer noch Herdenimmunität. Bei durchschnittlich 100 Importfällen kann dies bis zu 2.500 Erkrankungen führen, soviele es 2006 und 2015 tatsächlich auch gab, trotzdem immer noch Herdenimmunität. Denn im Sommer während Schulferien und durch UV-Strahlung hat das Virus meistens keine Chance.

    Das Duopol der verbliebenen Druiden GSK und MSD sorgt schon dafür daß der Impstoff knapp bleibt. Seit Sanofi 2017 ausstieg ist gibt es überhaupt keine monovalente Masernimpfung mehr. Solange ausreichend Impfstoff in gewünschter Menge und Dareichungsform zu Verfügung steht stellt sich Herdenimmunität automatisch ein, weil die Leute nicht wollen daß sie und ihre Kinder krank werden. Z.B. 2014 wurde der Impfstoff knapp, die zweite Impfung mußte teilweise verschoben werden und man hoffte noch mit einem “blauen Auge” davonzukommen https://deutsch.medscape.com/artikel/4901914. Als 2015 die Migrations- und Flüchtlingswelle hinzukam, kam es doch verstärkt zu Ausbrüchen.

    • #3 Joseph Kuhn
      5. August 2019

      @ Rosenkohl:

      “endemische Ausbreitung … schließt die Nationale Verifizierungskommission … für die meisten Jahre aus”

      Tut sie das?

  3. #4 Rosenkohl
    6. August 2019

    Im Bericht der Nationalen Verifizierungskommission Masern/Röteln für 2010-2012 heißt es: “Auch wenn nach Daten des Nationalen Referenzzentrums seit 2003 keine endemische Transmission (Zirkulation eines Genotyps für > 12 Monate) der Masern in Deutschland aufgetreten ist, führten Importe von Masernviren pro Jahr zu unterschiedlich großen Ausbrüchen mit zum Teil langen Transmissionsketten und unterschiedlich hohen Masernzahlen.”

    Angesichts z.B. der hohen Fallzahlen 2006 oder für den Sommer 2010 vergleichsweise hohen Masernzahlen kann ich allerdings nicht ganz glauben, daß es gar keine 12-Monats-Transmission zwischen 2003 und 2012 gab.

    Im Bericht für 2014 heißt es: “(…) Trotz dieser Einschränkung kam die Kommission zu dem Schluss, dass für das Jahr 2014 eine endemische Transmission von Masernviren über 12 Monate unter Berücksichtigung der geringeren Fallzahl nicht wahrscheinlich ist, wenn man das Jahr 2014 isoliert betrachtet. Eine endemische Transmission der Variante D8-Rostov on Don für den Zeitraum Oktober 2014 bis Oktober 2015 ist jedoch zu befürchten.”

    Zwölfmonatliche Transmission galt somit für die Jahre 2013, 2015 und 2017 als sehr wahrscheinlich oder nicht auszuschließen. Für 2014, 2016 und 2018 galt die Transmission dagegen als wahrscheinlich unterbrochen, angesichts der bisher geringen Fallzahl vermutlich auch für 2019.

    • #5 Joseph Kuhn
      6. August 2019

      @ Rosenkohl:

      Mit anderen Worten: Wenn man die Jahre vor dem ersten Bericht weglässt, bei denen vielleicht noch mehr Fragezeichen bei den Daten zur Genotypisierung zu machen sind als danach, sieht die Kommission die Transmissionsketten mal unterbrochen, mal nicht. Was genau folgern Sie jetzt daraus?