Im Tagesspiegel schreibt der Münchner Soziologe Armin Nassehi heute, Trumps rhetorisches Agens sei der Unsinn, die „Macht des Absurden“, und das entwaffne gewissermaßen jede Gegenargumentation:

„Vielleicht kann man Kommunikation nur be- oder widerlegen, wenn sie einen gewissen Geltungsanspruch deutlich macht oder wenn ein Argument in einer gewissen Konsistenz zu anderen Sätzen steht. Wo das fehlt, läuft jede Widerlegung ins Leere.

Vielleicht ist Trumps Art zu sprechen also die genialste Form der Kommunikation in einer politischen Kultur, deren Polarisierung so groß ist, dass man so etwas wie einen Konflikt um eine konkrete Sache gar nicht führen kann.“

Das ist ein interessanter Gedanke. Es dürfte ziemlich unstrittig sein, dass Trump nicht in der Sache argumentieren, sondern Duftmarken für seine Anhänger setzen will. Wenn sich die Gegenseite darüber ärgert, punktet er, denn in einer gespaltenen Gesellschaft geht es oft nur noch darum, den Anderen den Stinkefinger zu zeigen. Viele Amerikaner/innen sind mit dem Ostküsten-Establishment fertig und sie haben allen Grund dazu. Das gilt vor allem für weiße non-Hispanics, die früher gute Blue Collar-Jobs in der Industrie hatten und sich heute oft mit dequalifizierten Dienstleistungsjobs durchschlagen müssen. In dem vor ein paar Tagen schon einmal angesprochenen – sehr lesenswerten – Buch von Anne Case und Angus Deaton „Deaths of Despair“ wird z.B. die folgende Grafik gezeigt:

Für jede Geburtskohorte der heute erwerbstätigen weißen non-Hispanics mit niedrigem Schulabschluss (unter Bachelor) nahm das Risiko zu, an Alkohol, Drogen oder Suizid zu sterben – den „deaths of despair“. Sie hatten nichts vom langen wirtschaftlichen Aufschwung der letzten Jahrzehnte, nichts von der Digitalisierung, nichts vom Wandel zur Dienstleistungsgesellschaft und auch nichts von der Globalisierung. Sie haben vielfach nur Status, Sicherheit und Hoffnung verloren. Das neoliberale Mantra des Establishments, jeder habe gute Chancen, jeder könne zu den Gewinnern gehören und jeder, der sich anstrenge, würde letztlich auch von den Gewinnen der Konzerne profitieren, irgendwann und irgendwie („Trickle down-Theorie“), verfängt oft nicht mehr. Die Enttäuschten halten dem aber, ähnlich wie hierzulande, keine Essays aus dem Geiste der sozialen Marktwirtschaft, der katholischen Soziallehre oder des Marxismus entgegen, sondern eben den Stinkefinger. Der heißt Trump: „I’m your voice“.

Trumps Unsinns-Rhetorik bringt die Sprachlosigkeit und die Gesprächsverweigerung dieser Leute stilsicher zum Ausdruck. Sollen die Banker und Professoren doch klug daherreden, wir zeigen den Stinkefinger, für uns spricht Trump. Wie reflektiert Trump dieses Spiel spielt, ist schwer zu sagen. Vielleicht hat er auch einfach nur ein Mindset, das gut in diese gespaltene Gesellschaft passt.

Nassehi hat kein Rezept, wie man auf einen Präsidenten reagieren soll, der sich dem Argument verweigert. Sein Essay endet ein wenig ratlos: „Die Preisfrage lautet: Wie geht ein Wahlkampf mit möglichst wenig Kommunikation?“

Eine gute Frage. Es mag sein, dass Trump rhetorisch ein Dekohäsionist ist und auf dieser Ebene am besten Monty Phython gegen ihn antreten würde. Aber man sollte Trumps Rhetorik nicht isoliert für sich betrachten – das spiegelt das Vergessen der Vergessenen auf der Ebene der Analyse wider. Trump benennt selbst das Gegenüber, die Adressaten seiner Rede: “I’m your voice”. Ob die weißen non-Hispanics, der frustrierte Resonanzraum für Trumps Rhetorik, wirklich nicht mehr vernünftig angesprochen werden wollen? Wie würden sie auf ein authentisches “I’m your voice“ reagieren, das ihre Lebenssituation, ihre Not, ernst nimmt und nicht nur ihren Frust ausbeutet? Aber kann das Joe Biden verkörpern, ein Multimillionär aus dem Establishment? Vielleicht gewinnt er ja im November tatsächlich die Wahl. Ob die Abgehängten in den USA danach besser dran sind?

Kommentare (33)

  1. #1 Spritkopf
    1. August 2020

    Man werfe einen Blick auf Trumps Wählerschaft, dann versteht man vieles besser.

  2. #2 alex
    1. August 2020

    Naja, aber Trumps Wirtschaftspolitik (mit Ausnahme der Außenhandelspolitik) entspricht doch ziemlich genau der republikanischen Orthodoxie, also genau dem “neoliberale[n] Mantra des Establishments”. Im Wahlkampf 2016 war das vielleicht noch nicht so klar, aber nach 3,5 Jahren an der Regierung ist das doch sehr deutlich.

  3. #3 maru
    1. August 2020

    Sehr guter Artikel!

    @alex:
    Trumps Rhetorik muss absolut nichs mit seiner Politik zu tun haben. Die angesprochenen Schichten können die Implikationen von Gesetzen meistens eh nicht verstehen. Am Ende sind es natürlich nur Versprechen von Politikern.

  4. #4 DH
    1. August 2020

    Konstruktive Opposition ist gezielt zerstört worden, also antworten die Vergessenen mit den Waffen des Establishments selber- sie zerstören deren Erzählung.
    Das ist wahrscheinlich nicht so dumm wie auf den ersten Blick aussieht, vielleicht ist es sogar der einzige Weg, der gangbar ist, Säure löscht man erstmal mit Kalk, erst danach kann wieder was Konstruktives wachsen.

  5. #5 Jürgen Schönstein
    2. August 2020

    Ich weiß, dass es besserwisserisch und vom Thema ablenkend wirkt, aber ich muss doch mindestens eine Korrektur anbringen: Es sind nicht “weiße Non-Hispanics”, sondern “nicht-hispanische Weiße” (non-hispanic whites).

  6. #6 user unknown
    https://demystifikation.wordpress.com/
    2. August 2020

    Die Grafiken zeigen keinen Verlauf, der zur Frage führt: “Was geschah vor 3,5 Jahren”. Die Verläufe zeigten auch vorher in die gleiche Richtung.

    Trumps Kommunikationsstil scheint mir auch recht willkürlich dieser Fragestellung aufgepfropft zu sein – den könnte man an anderen Themen genauso gut, wenn nicht besser festmachen.

  7. #7 Stephan
    2. August 2020

    @JK
    “(…) jeder habe gute Chancen, jeder könne zu den Gewinnern gehören und jeder, der sich anstrenge, würde letztlich auch von den Gewinnen der Konzerne profitieren (…)” . Spätestens seit Marx ist bekannt, daß das zwar jeder, aber nicht alle können.

  8. #8 Joseph Kuhn
    2. August 2020

    @ Jürgen Schönstein:

    😉 Im Buch ist allerdings nicht nur bei dieser Grafik von “white non-Hispanics” die Rede und ich maße mir nicht an, den Stil eines Nobelpreisträgers zu kritisieren. Dafür ist in der Original-Beschriftung der Grafik ein echter Fehler, was die abgebildeten Geburtsjahrgänge angeht – der Schlaf des Lektors war tief und fest, oder das Fehlerrelativitätsgesetz war am Werk.

    @ user unknown:

    Die Grafiken zeigen, dass in den USA für einen Teil der Bevölkerung, die weißen non-Hispanics oder non-hispanic Whites, der amerikanische Traum schon lange zum Albtraum geworden ist – und das habe ich damit in Verbindung gebracht, dass Trump nicht argumentieren, sondern nur den Stinkefinger zeigen muss. Es mag natürlich andere Themen geben, an denen man Trumps Kommunikationsstil noch besser festmachen kann. Oft erschöpfen sich Erklärungen aber darin, dass er dumm ist oder nur provozieren will. Demgegenüber fand ich Nassehis Überlegungen anregend. Was hatten Sie denn alternativ vor Augen?

  9. #9 Dietmar Hilsebein
    2. August 2020

    @ Joseph Kuhn
    “Oft erschöpfen sich Erklärungen aber darin, dass er dumm ist oder nur provozieren will.”

    Ich weiß nicht mehr, wo ich es gelesen oder gehört habe. Es könnte noch ein anderer Aspekt eine Rolle spielen: Verwirrung stiften. Das klingt nach Verschwörungsmythos, da ich da jetzt keine Belege habe und ich auch nicht weiß, ob es bewußt oder unbewußt geschieht. Mir fällt nur auf, daß die AfD in Deutschland genauso “dumm” verfährt wie Trump in den USA. Steckt hier der Versuch dahinter, durch “alternative Fakten” die Wahrheit beliebig zu machen, um am Ende, wenn die Mehrheit der Gesellschaft rechts von links nicht mehr unterscheiden kann, sich als Führer an die Spitze zu setzen? Es könnte also sein, daß man, bevor man eine Diktatur etablieren kann, erst eine allgemeine Orientierungslosigkeit schaffen muß.

    [Edit: Habe mir erlaubt, einen Schreibfehler im Zitat und im Original zu korrigieren. Lesen soll einfach sein. JK]

  10. #10 Omnivor
    Am 'Nordpol' von NRW
    2. August 2020

    Ja, DTs Kommunikation ist schwer zu verstehen, aber nicht ohne Witz.

    “Stable” heißt auch Pferdestall, wie jeder Western-Groschenheft-Leser weiß.
    Sein “stable genius” soll eigentlich heißen “Ich bin ein begnadeter Hengst”

    https://www.flyinghighstables.com/Home.htm

    https://www.ebay.co.uk/itm/WANT-A-STABLE-RELATIONSHIP-GET-A-HORSE-WOOD-POSTER-PLAQUE-SHABBY-CHIC
    -SIGN-/323783287298

    Aber das verstehen nur Leute, die den Intelligenztest bestanden haben.

  11. #11 Stephan
    2. August 2020

    Hier zwei Videos über Trumps Arten der Kommunikation, man findet am rechten Rand noch mehr Analysen zu ihm, alles sehr furchtbar:
    https://www.youtube.com/watch?v=_aFo_BV-UzI
    https://www.youtube.com/watch?v=yYnXBRo9TVA&t=31s

    Und hier zur Belohnung noch ein wunderbares Video, einen Schatz, so richtig zur Feier des Sonntagabends:
    http://www.youtube.com/watch?v=XYviM5xevC8

    [Link editiert, JK]

  12. #12 Dietmar Hilsebein
    3. August 2020

    Ein Gedankenexperiment: wenn Demokratie auf Meinungspluralismus setzt, gebiert sie nicht dann am Ende die Diktatur? Denn der Mensch bedarf offenbar der Orientierung, die im Meinungspluralismus verlustig geht. Meinungspluralismus ist eben nicht mit der Suche nach Wahrheit zu verwechseln. Meinungspluralismus macht die Wahrheit beliebig. Eine solche Wahrheit sucht nicht, sie findet nicht, es ist egal, sie sagt: glaube doch, was du willst! Und hier werden ganz andere Bereiche angesprochen, die mit der wissenschaftlichen Methode nicht erreicht werden kann. Es ist ähnlich wie mit den Evangelien: zu zweideutig. Der Mythos entzieht sich ja gerade schon seit der Romantik der wissenschaftlichen Methode. Er beruht nicht auf der Vernunft, sondern auf einem dumpfen Gefühl. Wichtig ist also: dem dumpfen Gefühl Sprache, Begriffe zu geben, wenn das bloße Gefühl der Vernunft zugänglich bleiben soll.

  13. #13 Dietmar Hilsebein
    3. August 2020

    “dem dumpfen Gefühl Sprache, Begriffe zu geben, wenn das bloße Gefühl der Vernunft zugänglich bleiben soll.”

    Und hier punkten die sogenannten Alternativen, die einst links und heute recht des politischen Spektrums sind. Die Linken waren intellektuell, man höre sich nur Günter Gaus und Rudi Dutschke an. Heute haben wir es mit Leuten zu tun, die an Chemtrails glauben, Reichsbürger und wer noch -keine Ahnung sind. Schwierig. Da ist wohl viel verloren gegangen. Ich kenne von früher Leute, die können nicht unterscheiden, welche Webseite seriös oder unseriös ist. Sie wissen nicht, daß eine kleine Wahrheit, die zu früh das Licht der Welt erblickt, erst im Rahmen einer fachlich kompetenten Runde sich Gehör verschaffen muß. Ist doch interessant, daß die zu früh aufgestandene Wahrheit, sich meist über Twitter, Youtube und Co Gehör zu verschaffen sucht, sich also bewußt an Laien wendet, die gar keine Ahnung haben können. Für Laien hört sich alles irgendwie gut an, vor allem dann, wenn es gegen das verhaßte Establishment geht. Und warum haßt man das Establishment? Weil es schick ist, gegen die Alten zu sein. Das ist durchaus legitim, mir fehlt aber die Intellektualität der früheren Alternativen. Mir scheinen die Leute zunehmend zu verblöden und das macht mir Sorgen.

  14. #14 Aveneer
    3. August 2020

    Ob Trump oder AFD – sie unterscheiden sich doch kaum.
    Es geht (für mich) darum, die Wählenden zu erreichen, die nach dem Motto lebt: Der Feind meines Feindes ist mein Freund. Oder: Der Meinungsgegner meines Meinungsgegners ist mir opportun.
    Ob Trump oder AFD – sie müssen dabei eben aufpassen, gerade keine klare Meinung zu haben, um keinen dieser Opportunisten zu verschrecken. Auf eine Formulierung in die eine Richtung, folgt gerne eine Gegenformulierung. Trump und co. lassen all die verschiedenen – auch gerne widersprüchlichen – Facetten der Opportunisten sprachlich „auftauchen“. Mehr müssen sie nicht tun. Die Opportunisten fühlen sich ausreichend berücksichtigt/aufgeschreckt um in ihnen Freunde – Gleichgesinnte – zu sehen.

    Das aus diesem Wirrwarr keine feste politische Basis hervorgehen kann, stört die „Heuschrecken der Demokratie“ nicht. Sie schlagen sich auf allen Schlachtfeldern die Bäuche voll.

  15. #15 Dietmar Hilsebein
    4. August 2020

    @ Hilsebein
    “Mir scheinen die Leute zunehmend zu verblöden und das macht mir Sorgen.”
    Neulich hast du noch Nuhr zitiert und festgestellt, daß zu allen Zeiten die Welt bekloppt war. Was gilt jetzt?
    P.S. Lieber Herr Kuhn. Sollten öffentliche Selbstgespräche nicht ok sein, löschen Sie es und lassen Sie es mich wissen! Ich nutze das hier nur, da der Thread tot ist.

  16. #16 Dietmar Hilsebein
    5. August 2020

    Es ist den alten Griechen geschuldet, im Dialog mit sich selbst im Gespräch vertieft zu sein. Wenn man glaubt, man hätte etwas zu sagen, dann lese man die alten Griechen. Da wird man schnell bescheiden. Man kann es auch Selbstreflexion nennen. Nietzsche schrieb einst:’»Einer ist immer zu viel um mich« – also denkt der Einsiedler. »Immer einmal eins – das gibt auf die Dauer zwei!«

    Ich und Mich sind immer zu eifrig im Gespräche: wie wäre es auszuhalten, wenn es nicht einen Freund gäbe?

    Immer ist für den Einsiedler der Freund der Dritte: der Dritte ist der Kork, der verhindert, daß das Gespräch der Zweie in die Tiefe sinkt.

    Ach, es gibt zu viele Tiefen für alle Einsiedler. Darum sehnen sie sich so nach einem Freunde und nach seiner Höhe.

    Unser Glaube an andre verrät, worin wir gerne an uns selber glauben möchten. Unsre Sehnsucht nach einem Freunde ist unser Verräter.

    Und oft will man mit der Liebe nur den Neid überspringen. Und oft greift man an und macht sich einen Feind, um zu verbergen, daß man angreifbar ist.

    »Sei wenigstens mein Feind!« – so spricht die wahre Ehrfurcht, die nicht um Freundschaft zu bitten wagt.’

    Ist das nicht großartig, hat hier Nietzsche Worte für all die Einsamen, die nur einem dumpfen Gefühl folgen?

  17. #17 Joseph Kuhn
    5. August 2020

    Strategischer Unsinn oder doch einfach nur Dummheit?

    Trump im Axios-Interview, sehenswert.

  18. #18 Alisier
    5. August 2020

    Trump ist ein klassischer Troll.
    Das Beunruhigende ist, dass er immer noch so viele Anhänger hat.
    Und dass diese ihn schon einmal zum Präsidenten gewählt haben.
    Für Blender und Manipulatoren sind Demokratien besonders anfällig, denn eine wirklich breite Bildung, die es fast jedem erlaubt handfesten Unsinn als solchen zu erkennen und abzulehnen, ist noch nirgendwo gelungen.
    Auch weil das gestreichelte Ego der Underdogs mit all seinen Vorurteilen sich freut wenn mal jemand es den notorischen Besserwissern so richtig zeigt.
    Da werden dann auch hunderttausende Tote oder mehr akzeptiert. Hauptsache man ist irgendwie “great”, respektive man darf dran glauben. War in Deutschland auch nicht anders, damals.
    Und jetzt wüsste ich dann wirklich gerne wie man dieses Dilemma in den Griff kriegt.
    Mit “mehr Demokratie”?
    Wenn, dann fehlt mir die Phantasie mir vorzustellen wie das gehen soll. Konkrete Vorschläge sind ausdrücklich erwünscht.
    Denn sonst ist es wie bei Herbert Grönemeyers Song “Kinder an die Macht”. Hübsch, aber nicht sehr realitätsnah und auch nicht zielführend.

  19. #19 Ursula
    5. August 2020

    @ Alisier

    Und jetzt wüsste ich dann wirklich gerne wie man dieses Dilemma in den Griff kriegt.

    An dem Tag, an dem ich darauf eine Anwort weiß gehe ich in die Politik. 😉
    Ich habe keine Ahnung, ich habe gefühlt tausende Seiten zu dieser Problematik gelesen, und ich bleibe immer unzufrieden und mittlerweile auch eher verzweifelt zurück.
    Letztendlich müssen wir uns auf das “Gute” in uns selbst und das der anderen verlassen, und genau das ist wie der Grönemeyer song eben unrealistisch.

  20. #20 Alisier
    5. August 2020

    Dazu eine Literaturempfehlung:
    Markus Gabriel: “Moralischer Fortschritt in dunklen Zeiten”
    Ich fremdele teilweise sehr mit der Position des Autors, finde es aber anregend sich mit ihm auseinanderzusetzen.

    • #21 Joseph Kuhn
      5. August 2020

      @ Alisier:

      Was schreibt Markus Gabriel denn zu der aufgeworfenen Frage bzw. warum ist dieses Buch im Zusammenhang damit empfehlenswert?

  21. #22 Alisier
    5. August 2020

    @ Joseph Kuhn
    Aus Gabriels Sicht gibt es universale moralische Werte, die wir als Menschen gemeinsam als richtig erkennen können.
    Das halte ich für einen grundsätzlich nicht falschen Ansatz, wenn auch vielleicht von ihm manchmal aus meiner Sicht zu optimistisch vorgebracht.
    Aus der Welt- und Gesellschaftssicht heraus lässt sich ein mühsames und immer wieder von vielen Rückschlägen begleitetes Mitnehmen von möglichst allen sicher ganz gut begründen. Und eine gute Begründung halte ich für eminent wichtig, wenn es darum gehen soll, Demokratie wiederzubeleben, so wie Du es bei Deinem “Mehr Demokratie wagen!”-Post gefordert(?) hast.
    Hier Gabriel kürzlich im Interview, auch wenn mir Carsten Tesch etwas zu konziliant fragt. Da wäre mehr kritisches Nachfragen eventuell vonnöten gewesen:
    https://www.mdr.de/kultur/radio/ipg/sendung-579182_days-true_ipgctx-true_zc-f9c202c7.html

    • #23 Joseph Kuhn
      5. August 2020

      @ Alisier:

      Und wie hilft nun Gabriels Glaube an universelle Werte bei dem von dir angesprochenen Dilemma? Weder Trump noch seine Anhänger werden das Buch von Gabriel lesen, und die altgedienten 10 Gebote oder Kants kategorischer Imperativ, zwei Kandidaten für universelle Werte, scheinen mir auch nicht viel zivilisierenden Effekt auf diese Leute zu haben.

      Was also genau ist der Mehrwert von Gabriels Buch in dem Zusammenhang? Oder hast du es etwa selbst auch nicht gelesen? 😉

  22. #24 Alisier
    5. August 2020

    @ Joseph Kuhn
    Es war ein Vorschlag zur Diskussion.
    Irgendwer muss ja damit anfangen, wenn nichts Konkretes kommt, sondern nur hehre Ideale.
    Oder habe ich die Lösungsänsätze die Du vorgebracht hast, alle übersehen?

    • #25 Joseph Kuhn
      5. August 2020

      @ Alisier:

      “nichts Konkretes … sondern nur hehre Ideale”

      Ja gut, aber was ist denn jetzt das Konkrete aus dem Buch, gegenüber den “hehren Idealen” (welchen eigentlich)? Ich schließe aus deiner Antwort, dass du das Buch nicht gelesen hast, also auch nicht weißt, ob darin etwas Hilfreiches für die Diskussion hier steht. Gib’s wenigstens zu. 😉

      “Oder habe ich die Lösungsänsätze die Du vorgebracht hast, alle übersehen?”

      Wollte ich denn welche vorbringen? Und den letzten Absatz im Blog hast du wohl wirklich überlesen.

  23. #26 Alisier
    5. August 2020

    Nachtrag:
    Ich denke, dass es Menschen gibt, die man nur mit größter Mühe mitnehmen kann, wenn es um demokratische Prozesse geht.
    Bei Trump würde ich es gar nicht versuchen wollen, und bei vielen seiner dezidierten Anhänger ebenfalls nicht. Sie haben sich, genau wie viele AfD-Anhänger, von einem vernünftigen Diskurs verabschiedet und sie davon zu überzeugen sich wieder konstruktiv zu beteiligen hat aus meiner Sicht keinen Sinn.
    Dabei handelt es sich um eine Minderheit, aber diese kann oder muss man sogar aufgeben. Höchstens kann man noch Aussteigerprogramme bereit stellen.
    Der Stress, den solche Querschläger in Gesellschaften erzeugen, kann erheblich sein, weswegen man sie oft nicht ignorieren kann.
    Aber sie wieder ins demokratische Boot holen zu wollen halte ich für vergebliche Liebesmüh. Das kann man natürlich ganz anders sehen, aber mir wäre es zu mühsam.
    Und dann hat man zudem vielleicht keine Energie mehr, sich um die zu kümmern, die noch erreichbar sind.

  24. #27 Alisier
    5. August 2020

    @ Joseph Kuhn
    Ich habe bis jetzt nur Passagen gelesen, richtig. Und schon dabei regte sich mein Widerspruchsgeist. Ein Grund für mich es bald ganz zu lesen.
    Und ohne den Versuch Lösungsansätze zumindest zu entwickeln zu versuchen, sinkt bei mir die Motivation zu diskutieren deutlich. Deswegen setze ich voraus, dass Lösungen angedacht werden sollen.
    Vielleicht ist das ein Fehler.

  25. #28 Wetterwachs
    5. August 2020

    @Alesier

    Oder habe ich die Lösungsänsätze die Du vorgebracht hast, alle übersehen?

    Ich glaube, einen, oder zumindest das Kitzeln einer Anregung zu letztendlich lösungs-potientiellen Ansätzen hast Du in diesem Beitrag schon übersehen, auch wenn er sich vorrangig auf die USA und die nicht hispanischen Weißen bezieht:

    Ob die weißen non-Hispanics, der frustrierte Resonanzraum für Trumps Rhetorik, wirklich nicht mehr vernünftig angesprochen werden wollen? Wie würden sie auf ein authentisches “I’m your voice“ reagieren, das ihre Lebenssituation, ihre Not, ernst nimmt und nicht nur ihren Frust ausbeutet?

    Schraube den USAmerikanischen Elendsfaktor und den Beschädigungsgrad der USAmerikanischen Demokratie in Bezug auf die Verhältnisse hier ein gutes Stück herunter und begib Dich lösungsorientiert an die Beantwortung der Frage auf unsere Gesellschaft bezogen.
    Um konkret zu werden schlage ich vor:
    Nicht die armen, ungebildeten, sprachlosen, ungehörten, demotivierten Menschen vom WIR und Deinen Nächsten auszuschließen. Nicht mal pauschal alle die, die nur noch „Freiheit! Spaß, ich will Spaß!“ brüllen, die haben jahrzehntelang Arbeitskraft verkauft und Seelenheil (Moral?) verloren für ein bisschen Spaß.

    Du sollst ja nicht grade das Ego der „Underdogs“ streicheln, aber was sagt es über Dich, wenn Du sie (anstatt ihre Führer und Verführer) so bezeichnest? Auf jeden Fall sagt es etwas über grüne Antidiskriminierungs- und Klientelpolitik.
    Dich mit Vorschlägen belästigen, vielleicht doch noch mal über ökonomische Verhältnisse und ihre Auswirkungen nachzudenken, lass ich jetzt mal sein. Dazu fehlen Dir wahrscheinlich sowohl die Phantasie als auch das Vermögen von Deinem eigenen Sein zu abstrahieren.

  26. #29 Alisier
    5. August 2020

    @ Wetterwachs
    No comment. Kommunikation beendet.

  27. #30 Dietmar Hilsebein
    6. August 2020

    Ich will mal eine Lanze für Trump brechen: die Ärzte sangen es bereits:
    “Du hast nie gelernt dich zu artikulieren”
    Ob die Eltern niemals Zeit hatten, weiß ich nicht. Irgendwann muß man aber ab einem bestimmten Alter Verantwortung für sich selbst übernehmen. Die Eltern sind dann nur noch eine billige Ausrede. Egal.
    Trump und Hitler waren und sind nicht das Problem. Das Problem stellen nach wie vor die Gläubigen dar. Interessant, daß es gerade im BibleBelt so viele Trumpanhänger gibt. Gilbert Keith Chesterton: “Wenn Menschen aufhören, an Gott zu glauben, dann glauben sie nicht an nichts, sondern an alles Mögliche. Das ist die Chance der Propheten – und sie kommen in Scharen.”
    Oder anders ausgedrückt:
    „Denn es werden falsche Christusse und falsche Propheten auftreten und werden Zeichen und Wunder tun, um, wenn möglich, auch die Auserwählten zu verführen. Ihr aber, habt acht! Siehe, ich habe euch alles vorhergesagt“ (Mk 13,22-23).
    Nun ja: Zeichen und Wunder hat Trump noch nicht getan. Aber nach den Nachrichten heute waren zumindest viele beglückt, daß sie von Trump einen Scheck erhalten hatten. Früher ging das ja nur an die Unternehmen und Banken. Aber haben die Menschen im BibleBelt wirklich die Bibel gelesen und verstanden? Wie können sie in einem Sterblichen den Erlöser erblicken?

  28. #31 Dietmar Hilsebein
    6. August 2020

    Ok. Das Zitat scheint falsch zu sein und stammt so nicht von Gilbert Keith Chesterton. Egal. Das Zitat, von wem auch immer, ist trotzdem zitierfähig.

  29. #32 Dietmar Hilsebein
    6. August 2020

    “Wenn Menschen aufhören, an Gott zu glauben, dann glauben sie nicht an nichts, sondern an alles Mögliche. Das ist die Chance der Propheten – und sie kommen in Scharen.”
    Wo ein Machtvakuum ist, findet sich auch ein Islamischer Staat, König, Kaiser oder Politiker. Im Anfang aber war das so nicht geplant. Im Anfang stand der Mensch in der Gegenwart seines Gottes, der ihm Richtung gab -bis der Priester kam. Das war der Anfang vom Ende. Ab da war der Mensch unmündig, er delegierte die Selbstreflexion nach außen. Kant: es ist so bequem, unmündig zu sein.

  30. #33 Dietmar Hilsebein
    6. August 2020

    XXX

    [Mehrere Kommentare gelöscht. Herr Hilsebein, bitte führen Sie Ihr Notizbuch zuhause weiter. Danke. JK]