Was für eine Woche! Innerhalb von drei Tagen verwandelt sich der gelegentliche Fettnäpfchenbegeher Friedrich Merz vom unumstrittenen Anwärter auf das Kanzleramt in einen politischen Sanierungsfall.

Mit seinen migrationspolitischen Aktionen hat er die AfD als parlamentarischen Mitspieler eingeführt, er hat gezeigt, dass die CDU-Fraktion seinen Kurs nicht geschlossen mitträgt, die seines Wunschpartners FDP auch nicht, der hat seine Vorgängerin zu einem bisher nie dagewesenen Schritt provoziert – Kritik am Kandidaten mitten im Wahlkampf, er hat migrationspolitisch nichts erreicht, er hat spätere Koalitionsverhandlungen erschwert, er hat seine Lieblingsrolle als entschiedener Macher gegen die des uneinsichtigen Sturkopfes eingetauscht, der unnötig Risiken eingeht und jedem, der nicht aus Schreck oder Nibelungentreue den Kopf in den Sand steckt, vor Augen geführt, dass er strategisch unfähig ist.

„Er wird nie Kanzler werden. Er ist total unfähig. Ihm fehlen die charakterlichen, die geistigen und politischen Voraussetzungen – alles!“

Nein, das hat Markus Söder nicht über Merz gesagt. Söder stellt sich hinter Merz. Aber man darf davon ausgehen, dass Söder nicht den Kopf in den Sand steckt, er sieht das Desaster. Und Nibelungentreue gehört gewiss nicht zum Mindset Söders, auch nicht in der Wahrnehmung der CDU.

In der ZEIT schrieb Alan Posener, dass Merz nach diesem Fiasko eigentlich zurücktreten müsste, aber dazu sei es im Wahlkampf zu spät.

Im SPIEGEL kommt Stefan Kuzmany zu einem ähnlichen Befund:

„Was Friedrich Merz da getan hat, ist (…) ein faszinierend vollständiges politisches Desaster. Ungläubig reibt man sich die Augen: Wie kann sich einer, der doch gefühlt schon Kanzler war, solche Fehler erlauben? (…) Einen Bundeskanzler (…), der es schafft, in wenigen Tagen solche Wagenladungen Mist anzuhäufen, kann niemand wollen, dem an einer klugen Regierung gelegen ist.“

Wie gesagt, die Union muss ihn jetzt wollen, Merz kann nicht mehr den Biden machen und das ging bekanntlich ja auch nicht gut aus. Merz handelt im Moment zwar nach Lehrbuch: Keinen Fehler einräumen, behaupten, die Bevölkerung stehe hinter ihm und jetzt seien doch immerhin die Fronten klar, neue Themen einbringen und auf die Vergesslichkeit der Wähler:innen setzen. Vermutlich reicht das, um ihn noch ins Kanzleramt zu bringen. Aber der Erwartungshorizont ist jetzt negativ gesetzt: Jeder wird darauf warten, wo er als Nächstes stolpert, ohne Not Risiken eingeht und scheitert.

Alan Posener meint daher, die Ära Merz würde wohl kurz werden. Söder muss nur Geduld haben, Merz wird wieder stolpern, dann kommt vielleicht sein Moment doch noch einmal, 2029, oder sogar früher.

Kommentare (39)

  1. #1 naja
    2. Februar 2025

    Vielleicht hat Merz gedacht, er bekäme zur Belohnung für die Wagenladungen Mist ein Interview mit Musk?

    • #2 Joseph Kuhn
      2. Februar 2025

      @ naja:

      Ich glaube nicht, dass er den Lindner mimen wollte, sondern er wollte entweder die Gefühlslage der Bevölkerung nach den jüngsten Anschlägen für seine Selbstdarstellung nutzen oder er war wirklich emotional so angefasst, dass er politisch blind wurde. So beschreibt es auch Kuzmany im SPIEGEL und das dürfte es wohl treffen. Ersteres wäre menschlich ungut, zweiteres wäre menschlich sympathisch, aber, so Kuzmany ganz richtig: “Beide Möglichkeiten sprechen klar gegen eine Eignung fürs Kanzleramt.”

      Merz wird jetzt Kanzler aufgrund äußerer Umstände: Söder darf nicht und Scholz und Habeck sind im Grunde verbraucht.

  2. #3 Naaja
    2. Februar 2025

    Die Welt ist nicht so schwarz/weiß. Es gibt reale Probleme mit der Migration in Deutschland und wenn man da nicht offen diskutiert, unterstützt man nur ungewollt Lautsprecher wie Merz, das BSW oder die AfD (absteigende Reihenfolge, sofern das überhaupt noch möglich ist).

    Es werden nicht nur unterschiedliche Gruppen wie Flüchtlinge und ausländische Studierende in einen Topf geworfen, sondern auch tatsächliche Probleme ignoriert. Natürlich gibt es keine “Leitkultur” in Deutschland, aber allgemeine Grundsätze des Umgangs unter Menschen, die überall gelten sollten.

  3. #4 Martin
    Jülich
    2. Februar 2025

    Vollkommene Fehleinschätzung. Merz hat deutlich gemacht, dass es um die Sache geht und das rot-grüne Geschwafel ein Ende haben muss. Die Ampel har die AfD groß gemacht durch Unfähigkeit, Fehlentscheidungen. Deutschland ist zum Pflegefall geworden. Merz hat gezeigt, dass er handeln kann und ruchtige Entscheidungen umsetzen wird. Hiffentlich endet der rot-grüne ideologisch verbrämte Wahnsinn bald, damit nicht noch mehr Leute zur AfD abwandern.

    • #5 Joseph Kuhn
      2. Februar 2025

      @ Martin:

      “Merz hat deutlich gemacht, dass es um die Sache geht”

      Das wollte er glauben machen, aber genau das hat er eben nicht gemacht, weil er auf reale Probleme mit Symbolpolitik und Selbstdarstellung reagiert hat. Die erste Abstimmung hatte ohnehin keine Verbindlichkeit und das Gesetz wäre voraussichtlich im Bundesrat gescheitert. Das wusste auch Merz und in dem Punkt kritisiert ihn selbst die AfD zu Recht. Und wir haben ja von Merz gelernt, dass eine richtige Sache nicht dadurch falsch wird, dass ihr die Falschen zustimmen 😉

      “Die Ampel har die AfD groß gemacht”

      Zu einem gewissen Teil ja, aber die AfD war in einigen Bundesländern schon vor der Ampel groß und der Rechtspopulismus hat in vielen Ländern der Erde gerade Konjunktur, die Ampel ist da also bestenfalls eine Teilerklärung. Und an solchen Entwicklungen hat in Übrigen immer auch die Opposition ihren Anteil, zumal, wenn sie keine echte Alternative anbieten kann.

      “Deutschland ist zum Pflegefall geworden.”

      Ja, siehe Wohnungsmisere, Pflegenotstand, Bahn usw. Ich würde mir wünschen, das geht jemand ernsthaft an, aber das sehe ich nicht.

      “Merz hat gezeigt, dass er handeln kann und ruchtige Entscheidungen umsetzen wird.”

      Hat er nicht im Gegenteil gezeigt, dass er nicht handeln kann und die politische Mitte nicht zu einer gemeinsamen Entscheidung zusammenbringen kann?

      “Hiffentlich endet der rot-grüne ideologisch verbrämte Wahnsinn bald”

      Selbst wenn Sie die Situation so bewerten, sollten Sie nicht wünschen, dass ein schwarz-blaue verbrämter Wahnsinn oder auch nur strategische Inkompetenz im Kanzleramt die Stelle der aktuellen Akteure tritt.

      Ihr Kommentar reiht sich ein in eine Serie von Merz-Apologien, die das Desaster schönreden und Merz doch noch zum Sieger erklären wollen. Wie gesagt, das ist Lehrbuch Desastermanagement, man sollte nur nicht selbst daran glauben.

  4. #6 Ludger
    2. Februar 2025

    Wer einseitig linke Kommentatoren zitiert, bekommt einseitig linke Ansichten.
    Differenziert geht es auch:

    Andere sprechen vorsichtig von einem Dilemma: Entweder die CDU billige der „Minderheit von SPD und Grünen“ eine „Blockademehrheit“ zu, die es in der Gesellschaft längst nicht mehr gebe. Dann akzeptiere sie den „Stillstand“ und mache die AfD stärker. Oder die CDU tue, was sie für richtig halte, und nehme in Kauf, dass die AfD zustimmt. „Das ist riskant, aber davon lebt Politik“, sagt einer. Wer dieses Risiko scheut, müsste in Zukunft alles von der Tagesordnung nehmen, bei dem die AfD mit Zustimmung droht. Das sei keine Option, findet Laschet: „Das geht an die Grundsub­stanz des Parlamentarismus.“

    https://www.faz.net/aktuell/politik/bundestagswahl/hat-friedrich-merz-einen-grossen-fehler-gemacht-110268233.html
    In dem Artikel gibt es auch noch andere Stimmen zum Dilemma der CDU nach z.B. Aschaffenburg.
    Es geht weiter:

    Armin Schuster, der CDU-Innenminister von Sachsen, bittet, sich einmal vorzustellen, was passiert wäre, wenn Merz nach Aschaffenburg nichts getan hätte. „Wer hätte die Lage jetzt eine Woche lang dominiert? Die AfD.“ Throm, der oberste Innenpolitiker der Unionsfraktion, sagt: „Nervös wird gerade niemand.“ Er hat das Zustrombegrenzungsgesetz geschrieben. Es war eine Reaktion auf den Messerangriff von Solingen und sollte nur Maßnahmen enthalten, die schon erprobt waren.

    • #7 Joseph Kuhn
      2. Februar 2025

      @ Ludger:

      “Wer einseitig linke Kommentatoren zitiert, bekommt einseitig linke Ansichten.”

      Jetzt werden sie ein bisschen unfair. Erstens zitiere ich nicht nur, sondern begründe meine Ansichten, zweitens hatten wir schon, dass der WELT-Autor Alan Posener nicht “links” ist, er plädierte sogar schon für eine Zusammenarbeit von CDU und AfD, und wo Stefan Kuzmany politisch einzuordnen ist, weiß ich nicht. Der SPIEGEL ist jedenfalls kein linkes Kampfblatt, sondern auch eher, sagen wir mal, FDP-freundlich.

      Kann es sein, dass Sie gerade ein wenig arg von Provokationslust geritten werden?

      “Wer dieses Risiko scheut, müsste in Zukunft alles von der Tagesordnung nehmen, bei dem die AfD mit Zustimmung droht. Das sei keine Option, findet Laschet”

      Da hat Laschet recht, aber darum ging es letzte Woche nicht. Es ging darum, dass Merz die AfD für faktisch nutzlose Anträge ins parlamentarische Spiel geholt hat. Wo er sich migrationspolitisch verorten will, hatte er ja schon eine Woche vorher mit seiner trumpistischen Ankündigung deutlich gemacht, was er am ersten Tag seiner Kanzlerschaft tun wolle. Dazu hätte es die Bundestagsabstimmungen nicht gebraucht.

  5. #8 Ludger
    2. Februar 2025

    @ Naaja
    Wird da gerade der Name naja gekapert?
    Dabei sind wir beim Thema kapern z.B. des Wortes Leitkultur.
    Zitat aus Wikipedia: ( https://de.wikipedia.org/wiki/Leitkultur )

    Leitkultur ist ein Begriff, der von dem Politologen Bassam Tibi in die politikwissenschaftliche Debatte eingeführt wurde, um einen auf europäischen Werten basierenden gesellschaftlichen Konsens zu beschreiben, der als Klammer zwischen Deutschen und Migranten dienen soll.

    Zur Ergänzung noch ein Satz aus dem Wikipediaartikel, wie Herr Tibi die verschiedenen Kaperungen findet:

    Bassam Tibi fühlt sich als Schöpfer des Begriffs „Leitkultur“ und als Urheber des damit verbundenen Integrationskonzepts sowohl von De Maizières als auch von seinen Kritikern „genervt“[53] und von der CDU ebenso wie von den Links-Grünen „schwer falsch verstanden, ja missbraucht“. Wer keine europäische Identität und europäische Leitkultur wolle, so sein Resümee, bekomme stattdessen eine islamische Leitkultur für Europa.

  6. #10 naja
    2. Februar 2025

    @ Ludger
    Merz hätte einfach gar nichts machen müssen. In drei Wochen wählen wir, die CDU 3 Wochen vor der Wahl als Kanzlerkandidat zu spalten, war kein Geniestreich, eher im Gegenteil, auch wenn Merz Sauerländer ist.

    @ Naaja
    “wenn man da nicht offen diskutiert, unterstützt man nur ungewollt”
    Wir diskutieren seit ich denken kann offen Probleme mit der Migration. Die das Boot ist voll-Debatte fängt im Grunde nach dem zweiten WK mit der Integration der Heimatvertriebenen an und hat noch jede Einwanderungswelle getroffen.

  7. #11 Ron
    2. Februar 2025

    Aktuelle Umfragen zeigen keinerlei Veränderungen bei der Stimmabgabe der Wählerinnen. Für mich spricht das leider für Zustimmung oder Wurschtigkeit oder Stumpfsinn. Die Parteigranden der Rechten und der Ganzaußenrechten werden es mit Wohlwollen aufnehmen und wahrscheinlich den eingeschlagenen Kurs fortführen.

  8. #12 Ludger
    2. Februar 2025

    J.K.: “Jetzt werden sie ein bisschen unfair.”

    Ein bisschen unfair mit ein bisschen Wahrheit. Wahlkampf eben. Bezüglich Wahrheit: es gibt auch andere Stimmen zum Thema als die zitierten beiden Kommentatoren, die ich für links halte, weil sie (“sie” kleingeschrieben!) linke Narrative verbreiten.
    Zitat einer der anderen Stimmen:

    Das AfD-Tabu machte die Rechtspartei stärker

    Eine Mehrheit der Deutschen hält die Willkommenspolitik aus der Ära Merkel und den drei Jahren unter Scholz inzwischen für falsch. Ein Beharren auf dem AfD-Tabu hätte sie ermuntert, dann eben gleich die Rechtspartei zu wählen. Durch Merz’ mutigen Schritt – und man muss ihn wirklich mutig nennen angesichts der teilweise infamen Anfeindungen, denen der Mann gerade ausgesetzt ist – gibt es wieder eine seriöse konservative Alternative zum rot-grünen Angebot («man muss das geltende Recht nur konsequent anwenden»), das vom Zeitgeist überholt zu sein scheint.

    aus der NZZ ( https://www.nzz.ch/der-andere-blick/friedrich-merz-hat-das-parlament-gezwungen-beim-thema-migration-farbe-zu-bekennen-das-war-mutig-ld.1868903 ).

    • #13 Joseph Kuhn
      2. Februar 2025

      @ Ludger:

      “linke Narrative”

      Die müssen ja nicht per se falsch sein. Habe ich, wie gesagt, von Merz gelernt: Eine Sache wird nicht falsch, nur weil die Anderen sie auch so sehen. Früher war das übrigens sogar ein Hinweis auf Faktizität, im Sinne intersubjektiver Übereinstimmung.

      Mir stellt sich im Anschluss daran die Frage: Stehen sich hier rein subjektive Bewertungen gegenüber, ohne Faktenbasis, oder gleichwertige, aber unterschiedliche Bewertungen auf gleicher Faktenbasis, oder haben wir es gar mit “alternativen Fakten” zu tun?

      Oder wieder zurück zu Ihrem NZZ-Zitat: War es mutig oder starrsinnig? Hat er den Bundestag wirklich gezwungen, Farbe zu bekennen oder ist der Bundestag in der Sache nicht sogar ausgewichen und hat sich nur am Mitspielen der AfD festgehakt? Wird das Ganze die Leute davon abhalten, AfD zu wählen, wie die NZZ meint, oder im Gegenteil ermutigen, das zu tun, weil sie glauben, die CDU sieht die Sachlage wie die AfD, kann aber nichts durchsetzen (die AfD natürlich auch nicht, aber die muss ja auch nicht).

  9. #14 Ludger
    2. Februar 2025

    Nachtrag:
    Autorin Susanne Gaschke
    https://de.wikipedia.org/wiki/Susanne_Gaschke

  10. #15 Ludger
    2. Februar 2025

    Es gibt in der Presse gegensätzliche Bewertungen zu demselben Vorgang. Wer bevorzugt eine Seite zitiert, muss sich genau die von Ihnen formulierte Frage stellen (lassen).

    J.K.: Stehen sich hier rein subjektive Bewertungen gegenüber, ohne Faktenbasis, oder gleichwertige, aber unterschiedliche Bewertungen auf gleicher Faktenbasis, oder haben wir es gar mit “alternativen Fakten” zu tun?

  11. #16 naja
    2. Februar 2025

    @ Ludger
    Die NZZ argumentiert mir zu moralisierend. Das tun Konservative gerne, wenn es um das Thema Migration geht 😉

    Merz´ mutiger Schritt… wirklich mutig… die infamen Anfeindungen, denen der Mann gerade ausgesetzt ist…

    Und falsch noch dazu. Es gab nie eine Umfrage, in der die Mehrheit der Deutschen angegeben hat, “dann eben gleich die Rechtspartei zu wählen”.
    Die letzte Woche hat die AfD auch in Umfragen nicht geschwächt.

    Das nenne ich mal framing.

    • #17 Joseph Kuhn
      2. Februar 2025

      @ naja:

      “Mutig” oder “starrsinnig”? Eine Faktenfrage oder eine Frage der Perspektive? Nur zu sagen, es gibt eben unterschiedliche Meinungen, manche sagen so, manche so, wie das gerade “Ludger” macht (oder aus meiner Perspektive zu machen scheint?), ist heikel.

  12. #18 Naaja
    2. Februar 2025

    “@ Naaja
    Wird da gerade der Name naja gekapert?”

    Nein, jedenfalls nicht absichtlich. Ich habe hier früher unter einem anderen Namen gepostet. Da ich regelmäßig Scharlatane bei der Staatsanwaltschaft anschwärze, habe ich unter diesem Namen auch regelmäßig Ärger eingefahren, den ich im Moment nicht brauchen kann. Das mit naja und Naaja ist leider ein dummer Zufall. Ich habe das bemerkt, wollte aber den Namen nicht noch mal ändern.

    Wenn es stört und dem Admin recht ist, werde ich mich in Zukunft “Mr. Orange” nennen.

    • #19 Joseph Kuhn
      2. Februar 2025

      “Naaja” und “naja” unterscheiden sich um 20 % bzw. 25 % der Buchstabenmenge (je nach Bezugsbasis). Das sollte reichen. Aber jeder darf natürlich seinen Nick auch ändern, nur ständiger Wechsel, wie es ein früherer Stammkommentator leidenschaftlich gerne getan hat, wäre für die Diskussion nicht ideal. Aber auch das hatten wir ja überstanden.

  13. #21 RPGNo1
    2. Februar 2025

    @Martin

    Bravo. Haben Sie sich den Text selbst ausgedacht?

    Oder doch nicht eher aus dem Focus (*) oder einem anderem konservativen Medium kopiert, deren Kommentatoren unter Amnesie leiden oder ihrem gescheiterten Favoriten Merz die Weste weiß waschen wollen, so dass wahlweise sie Rotgrün (wo bleibt die FDP, welche die vergangenen 3,5 Jahre in der Regierung war) oder Merkel die alleinige Schuld für den Aufstieg der AfD in die Schuhe schieben? Und dabei vergessen, dass z.B. ein Söder oder verschiedene ostdeutsche Politiker in der gleichen Zeit mit der Übernahme rechtspopulistischer Positionen der AfD seit 2021 ebenfalls erheblich den Rücken gestärkt haben.

    (*) https://www.focus.de/politik/analyse-von-hugo-mueller-vogg-jetzt-beginnt-der-kampf-gegen-merz-es-ist-der-letzte-strohhalm-von-linksgruen_id_260685482.html

    • #22 Joseph Kuhn
      2. Februar 2025

      @ RPGNo1:

      Der Artikel von Müller-Vogg im Focus ist halt ein weiterer “Beistandstext” für Merz. Aber solche Texte zeigen manchmal auch mehr als sie wollen. Schon im Titel wird klar, dass es gerade nicht um konkrete Punkte der Migrationspolitik geht, sondern um den Kulturkampf gegen Rotgrün, oder was davon noch übrig ist. Wenn Müller-Vogg nach seinen Tiraden gegen Rotgrün dann auch noch “linken Haltungsjournalismus” beklagt, wird es unfreiwillig komisch.

      Dass man keine Loblieder auf die verflossene Ampel anstimmen muss, auch nicht unbedingt auf ihren Umgang mit Merzens Vabanquespiel, steht auf einem anderen Blatt.

      Leider bleiben bei aller Kritik oder Beifallbekundungen für die eine oder andere Seite derweil alle unsere Alltagsprobleme ungelöst weiter im Abseits.

      ——————–
      Als Nachtrag noch etwas “linker Haltungsjournalismus”: In der “Wirtschaftswoche”, für Müller-Vogg vielleicht auch schon linke Kampfpresse, schreibt Dieter Schnaas:

      “Friedrich Merz hinterlässt einen Scherbenhaufen. Niemand konnte ihm auf seinem Weg ins Kanzleramt gefährlich werden – bis er sich einmal mehr als Mensch mit mangelnder Impulskontrolle entlarvte. Vier Wochen noch trennten ihn davon, erstmals in seinem Leben amtliche Politikspuren ziehen zu können – bis er sich zu einer symbolpolitischen Geisterbahnfahrt hinreißen ließ, mit der er sich selbst markiert als Politiker des Unernstes und taktischen Ungeschicks, der handwerklichen Mängel – und Skrupellosigkeit.”

      ——————–
      Noch ein Nachtrag: Ebenfalls im Focus gibt es einen Beistandsartikel von Wolfram Weimer. Titel: “Das linke Antifa-Spektakel macht CDU-Chef Merz nur stärker – Verlierer sind die Grünen”. Das Strickmuster ist immer das Gleiche: Merz hat alles richtig gemacht, die Menschen stehen hinter ihm, die “Linken” wollen ihn zum Nazi machen usw. – und schon ist das von ihm angerichtete Desaster unter einem Haufen Müll begraben. Ob’s funkioniert?

  14. #23 Alisier
    2. Februar 2025

    Heute ist Mariä Lichtmess.
    Am 2 Februar vor 80 Jahren wurde Carl Goerdeler hingerichtet. Ein Konservativer, der wirklich für etwas stand.
    Was sich viele in Deutschland anscheinend nicht vorstellen können, ist, dass es sehr viele eher konservative Migranten gibt, die sich spätestens jetzt angewidert von der CDU abwenden.
    Ich sehe mich als einen von ihnen.
    Merz ist für mich ein unreifer Schulbub, der Krokodilstränen wegen einem Kind vergießt, und von dem ich ganz sicher bin, dass ihm dasselbe Kind ertrunken im Mittelmeer am Ar… vorbei gegangen wäre, weil es sich nicht parteipolitisch in seinem Sinne ausschlachten lässt.
    Diese CDU wäre für mich niemals wählbar, weil sie sich selbst verraten hat.
    Klassisch Konservative, die sich aus diversen Gründen als SPD-fern sehen, finden ihre politische Heimat inzwischen viel eher bei den Kretschmann-Grünen oder nirgends.

  15. #24 kaktus
    Köln
    2. Februar 2025

    #21 Genau das ist der Punkt. Tote Menschen interessieren Merz, Söder und die AfD nur dann, wenn sie sich parteitaktisch oder für ihre rassistische Grundhaltung ausschlachten lassen. Wenn sie hingegen Opfer eines Autofahrers werden, der sein Blech nicht im Griff hat oder wenn ein deutscher Mann sie im Rahmen eines “Familiendramas” massakriert, dann ist das eben so und kein Anlass für irgendwelche Forderungen. Von Menschen, die Opfer der Folgen des Klimawandels oder des Pflegenotstands werden (um mal den Bogen zu gesundheitspolitischen Themen zu schlagen), ganz zu schweigen. Davor kann man sich schließlich eigenverantwortlich schützen, indem man reich wird.

  16. #25 RPGNo1
    2. Februar 2025

    Einer der Konsevativen, der keine Heimat mehr in der CDU hat, ist Michel Friedman. Er will heute auch auf der Demo in Berlin eine Rede halten. Vielleicht findet sich dazu später noch ein Video im Netz.

    Wenige Tage nach seinem Austritt aus der CDU spricht der Publizist Michel Friedman im Wiesbadener Rathaus. Er kritisiert, dass die CDU der AfD eine „Tür“ geöffnet habe und sieht Deutschland vor vier entscheidenden Jahren.

    https://www.faz.net/aktuell/rhein-main/region-und-hessen/wiesbaden-michel-friedman-wirft-cdu-tabubruch-vor-110270977.html

  17. #26 naja
    2. Februar 2025

    Wenn Merz die Nummer abzieht und tagelang durchgezogen hat, obwohl er einfach nur nichts hätte tun müssen, wie handelt er dann unter Druck und Handlungszwang? Man mag es sich gar nicht ausdenken. Wir werden es wohl trotzdem herausfinden müssen. Er sollte eigentlich wirklich zurücktreten. Ich glaube, ich bin Scholz auf den Leim gegangen. 😉
    Ich halte Merz echt nicht für geeignet für den Job.

    • #27 Joseph Kuhn
      2. Februar 2025

      @ naja:

      “Ich halte Merz echt nicht für geeignet für den Job.”

      Ob Merz da eine Gemeinsamkeit mit Scholz hat?

      Leider muss man bei den Kanzlerkandidaten auch wieder Adenauer bemühen: “Man schüttet kein dreckiges Wasser aus, wenn man kein reines hat.” Wir haben derzeit kein anderes Führungspersonal als die uns allen hinlänglich bekannten Gesichter. Echt schwierig.

      Derweil kritisiert Merzens Schatten die mangelnde Geschlossenheit der CDU und präsentiert sich als Garant der harten Linie. Das hat was. 2029, oder früher.

  18. #28 hto
    wo wer's glaubt ...
    2. Februar 2025

    @Kuhn #De-Industriealisierung und …

    Und weil die USA jetzt so tun als ob sie die Globalisierung aufgeben und sich ihre abgegebenen Besitztümer zurückholen und finanzieren können, wird der deutsche Michel von Fritze & Co. auch auf die guten alten Zeiten mit Volldampf eingeschworen!? 😉

  19. #29 hto
    wo ...
    2. Februar 2025

    @naja: “Wenn Merz die Nummer abzieht und tagelang durchgezogen hat, obwohl er einfach nur nichts hätte tun müssen, wie handelt er dann unter Druck und Handlungszwang?”

    Dann würde es so albern zugehen, wie es der Schatten an Stelle von Merz veranstaltet hätte, also kann man wenigstens sagen, dass es spannend im Wahlkampf war, mit dem “Großwesir Isnogud Fritz”!? 😉

    • #30 Joseph Kuhn
      2. Februar 2025

      @ hto:

      “Dann würde es so albern zugehen, wie es der Schatten an Stelle von Merz veranstaltet hätte”

      Eben nicht, Söder weiß, wie Machiavellismus geht. Da kann ihm Merz nicht das Wasser reichen. Indem Söder sich hinter Merz stellt und der CDU mangelnde Geschlossenheit vorwirft, drängt er die Merkelanhänger dort in die Defensive, und damit auch seine Konkurrenten Wüst und Günther. Und wenn’s gut läuft, arbeitet auch Habeck für Söder. So macht man das.

      Merz will jetzt auf dem CDU-Parteitag am 3. Februar seine Linie bestätigen lassen, indirekt also die Exkulpation. Wenn das schief geht und dort Kritik laut wird, verliert er am Ende noch die Wahl. Er muss darauf setzen, dass das auch die Delegierten wissen. So geht Machiavellismus nicht.

  20. #31 naja
    2. Februar 2025

    @ Joseph Kuhn
    Ja, Merz macht unnötigen Quatsch und für mich bleibt unklar, ob er in dem nächsten Anfall von Wahn und Starrsinn so etwas wiederholt. Scholz schien einfach gar nichts zu machen. Außer sich für seine zögerliche Haltung in der Ukraine zu feiern und immer wieder zu wiederholen, dass Russland den Krieg nicht gewinnen dürfe, ohne zu erklären, was das heisst. Als ob es die Aufgabe des Kanzlers wäre kluge Rätsel aufzugeben und Winkelzüge im Umgang mit der Allgemeinheit zu praktizieren. Beides ist nicht so berauschend.

  21. #32 hto
    2. Februar 2025

    @Kuhn: “Wenn das schief geht und dort Kritik laut wird, verliert er am Ende noch die Wahl.”

    Tja, so ein alberner Parteitag ist überflüssiger Druck. 😉

  22. #33 Alisier
    2. Februar 2025

    @ naja
    Scholz als undurchschaubare Sphinx…..
    Nettes Bild!
    Und Merz als Ramses, der die Migranten am liebsten alle ins Rote Meer treiben würde.

  23. #34 RPGNo1
    2. Februar 2025

    Friedrich Merz fällt auf den Psychotrick der AfD herein

    Das Narrativ vom »gefährlichen Ausländer« gehört zum Markenkern der AfD. Sie hat es mit langem Atem strategisch in den Mainstream eingeschleust und die Union überlistet: mit gezielter Realitätsverzerrung.

    https://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/migration-friedrich-merz-faellt-auf-den-psychotrick-der-afd-herein-a-f76a4721-bc6f-4a5e-aff8-845eaa45c058

  24. #35 Dietmar Hilsebein
    2. Februar 2025

    @ Alisier

    “Merz ist für mich ein unreifer Schulbub, der Krokodilstränen wegen einem Kind vergießt, und von dem ich ganz sicher bin, dass ihm dasselbe Kind ertrunken im Mittelmeer am Ar… vorbei gegangen wäre…”

    “Und Merz als Ramses, der die Migranten am liebsten alle ins Rote Meer treiben würde.”

    Ihre Wortwahl führt zu rein gar nichts. Außer, daß sich die Fronten verhärten würden, wenn Sie die Macht hätten. Sie befeuern also gerade das, was Sie zu verhindern die Intention haben müßten.

  25. #36 Dietmar Hilsebein
    2. Februar 2025

    So geht Kritik:

    Der kürzlich aus der CDU ausgetretene jüdische Publizist Michel Friedman sagte, bei all der berechtigten Kritik an dem Verhalten der CDU dürfe eines nicht vergessen werden: “Die CDU ist eine demokratische Partei.” Mit Blick auf die AfD fügte er hinzu: “Die Partei des Hasses ist die Partei, die nicht auf dem Boden der Demokratie steht.”
    Und weiter: “Machen wir es uns nicht zu leicht und machen wir es der Partei des Hasses nicht zu leicht, wenn wir jetzt auf die CDU uns stürzen, noch dazu in einem Wahlkampf, statt darauf zu achten, dass jeder Fünfte die AfD wählen wird”, sagte Friedman. Trotzdem bleibe der “Fehler” der CDU für ihn unentschuldbar.

  26. #38 Alisier
    2. Februar 2025

    @ Dietmar Hilsebein
    Gehen Sie davon aus, dass ich mich zu benehmen weiß, wenn ich im direkten Dialog mit Verantwortungsträgern bin.
    Und Merz ist hier nicht zugegen, wenn ich mich nicht irre.
    Nicht nur deswegen bleibe ich bei meiner Einschätzung.
    Sie dürfen gerne eine andere haben.

  27. #39 Joseph Kuhn
    4. Februar 2025

    Schattenwürfe

    Julia Klöckner ist für rhetorische Ausrutscher beim Thema Rechts-Links bekannt. Jetzt hat sie nach Protesten einen Instagram-Post gelöscht: “Für das, was Ihr wollt, müsst Ihr nicht AfD wählen. Dafür gibt es eine demokratische Alternative: die CDU“.”

    Sehr schön auch ihre Kritik beim CDU-Parteitag an den Demos am Wochenende: “Demonstrieren, kann man machen, aber man muss sehen, wer rechts und links mitmarschiert.” Ob das auch für Merz gilt, als er Tatkraft demonstrieren wollte (“Mir ist es völlig gleichgültig, wer diesen Weg politisch mitgeht”)?