Vorab ein großes Dankeschön an alle Mitdenker und Kommentatoren zur Frage Was ist ein Science-Blog?“ ! Es besteht ein recht großer Konsens darüber, dass Science-Blogs sich mit Themen und Erkenntnissen beschäftigen, die sich aus den etablierten Wissenschaften speisen lassen.
Die Bedeutung der Abgrenzung von den Pseudowissenschaften hatten wir diskutiert.
Die Abgrenzungen zu Research-Blogs, Wissenschaftsjournalismus und zahlreichen anderen medialen Formen rund um die Darstellung und Vermittlung von Wissenschaft sind schwierig festzuzurren, viele sind fließend. Ein wichtiger Punkt ist, dass Science-Blogs sehr unterschiedlich sein können.

Science-Blogs im engeren Sinne sind die liebevoll und überwiegend unbezahlt geschriebenen Blogs einzelner Personen mit dem entsprechenden Wissens-Background. Die immer wieder Artikel mit Mehrwert für Ihre Leser produzieren und oft im dialoghaften Austausch mit ihren diskutieren. Auch hier soll aufgrund meiner eigenen Ausbildung nur der Bereich der Natur- und Geowissenschaften inkl. Gesundheitswissenschaften betrachtet werden. Um Aussagen zu Blogs aus den Geistes- und Sozialwissenschaften und der Mathematik zu treffen, fehlt mir die Kompetenz. Ich könnte mir vorstellen, dass für diese Wissenschaftsbereiche zumindest teilweise andere Kriterien angelegt werden müssten. Science-Blogs können also, je nach Intention des Autors, also sehr unterschiedlich sein.
Aber vielleicht kann man trotzdem einige Parameter und Kriterien entwickeln, um diese Blogs zu „beurteilen“? Der Aufhänger für diese Diskussion soll eine hypothetische Wahl zum „Science-Blog des Jahres“ sein. Die ich nicht plane und auch nicht durchführen möchte.

Wann ist ein Science-Blog „gut“ oder „erfolgreich“?
Welche Parameter und Kriterien könnten dabei hilfreich sein? Natürlich müssten die Clickzahlen ein Kriterium sein: Aber nur eines von mehreren. Da schließt sich die Frage an: Wie könnte man die Seitenaufrufe sinnvoll erfassen? Aber: Welchen Stellenwert haben sie bei der Bewertung? Und: Muss es eine Vorauswahl für die zu wählenden Science-Blogs geben? Oder wird eine Vorauswahl angeboten, die die Teilnehmer um ihre Favoriten ergänzen können? ich denke, dass es auf jeden Fall wichtig ist, ein paar Ausschlusskriterien zu formulieren.

Ausschlusskriterien: Diese Blogs sollten nicht zur Wahl „Science-Blog des Jahres“ antreten dürfen
.
In die Auswahlliste für den Science-Blog des Jahres gehören nur Science-Blogs. Blogs, deren Fokus klar auf „Wissenschaft“ liegt. Und nicht erstrangig auf „Politik“ oder anderen Themen. Von der Wahl zum SB des Jahres ausgeschlossen werden sollten: – Kommerzielle oder vorrangig institutionalisierte Blogs (die von einem hauptamtlichen Blogger geschrieben werden) – Nachrichtenportale, Institutsblogs – Zeitungsredaktionen und andere institutionalisierte Blogs – sie haben eine andere Infrastruktur und Einbindung sowie einen überwiegend kommerziellen Charakter.

Wirklich schwierig zu beantworten ist die Frage nach der Qualität. Ich habe sehr, sehr lange recherchiert, nachgedacht und diskutiert. Dann habe ich angefangen, Kriterien zu formulieren und zu strukturieren. Dies ist eine erste Kriteriensammlung, die schon viele der unterschiedlichen Aspekte von Science-Blogs berücksichtigt. Manche sind obligatorisch, andere sind optional.


Inhaltliche Kriterien:

  • Inhaltliche Qualität (Sind die Informationen korrekt?)
  • Verständliche Aufbereitung komplexer Informationen
  • Fundiertes wissenschaftliches Wissen
  • Überwiegend selbst erstellte Inhalte
  • Saubere Zitate
  • Einordnung von wissenschaftlichen Resultaten in bestehendes Wissen
  • Qualifiziertes Hinterfragen von wissenschaftlichen Resultaten
  • Aktualität
  • Überwiegend wissenschaftsnaher Themenkanon


Formale Kriterien:

  • Aktualität (der Blog existiert noch)
  • Konsistenz (kontinuierliche Posts über mehrere Jahre)
  • Interaktivität, Kommunikation mit Lesern, Zulassen und Beantworten von Kommentaren
  • Gehobenes Sprachniveau (sichere Orthographie, Grammatik und Wortwahl, flüssige und ansprechende „Schreibe“, nachvollziehbare Argumentation,…) statt Phrasendrescherei (Bestehen die Texte den Bullshit-Generator-Test?)


Auch diese Aspekte könnten berücksichtigt werden:

  • originelle Themenauswahl (Themen, die in der Blogosphäre vielleicht nicht schon x-mal durchgekaut worden sind)
  • hohe sprachliche Qualität
  • Mehrwert durch interessante Verknüpfungen und Verlinkungen
  • Mehrwert durch interessante Diskussionen.

Könnten diese Kriterien hilfreich sein für eine Bewertung eines Science-Blogs? Welche sind obligatorisch, welche sind optional? Welche anderen Kriterien könnten oder sollten berücksichtiget werden? Was meinen Sie? Was meint Ihr?

Kommentare (18)

  1. #1 A_Steroid
    28. August 2014

    “gut” ist immer eine Geschmackssache und darüber lässt sich kaum streiten/abstimmen – und einen Blog nur über “formale” Kriterien zu beurteilen – halte ich ebenfalls für gewagt. Da werden dann Gewichtungen usw. gemacht… Klicks geben auch nicht die Wahrheit wieder und selbst die Verlinkungen (also wie oft wird SB zitiert) ist mit Vorsicht zu geniessen… Daher ganz “krass”: Google- oder Alexa-Page-Rank auswerten… die sind relativ frei von Manipulationen 🙂

    • #2 Bettina Wurche
      28. August 2014

      Absolut d`accord – es ist eine Riesenbandbreite und sehr geschmacksabhängig.
      Mir geht bloss schon ziemlich lange durch den Kopf, dass es vielleicht doch einige Parameter gibt, die eine gewisse Aussagekraft haben.

      Bei einer Diskussion zur Wahl des “Wissenschaftsblogs des Jahres” wechselten sich konstruktive Kommentare und persönliche Beleidigungen ab, so dass ich gern noch mal eine sachliche, konstruktive Diskussion starten wollte. : )
      Und dann bin ich kürzlich an ganz anderer Stelle in eine Diskussion geraten, was einen Science-Blog eigentlich ausmacht.
      Es geht für mich hier eigentlich weniger um einen Wettbewerb innerhalb der bestehenden Science-Blog oder Sci-Logs, als eher eine Abgrenzung zu manch anderen Plattformen.
      Mir ist bewusst, dass es vielleicht etwas anmaßend von mir ist, diese Diskussion hier führen zu wollen.
      Aber ich versuche es trotzdem : )
      Und beim vorigen Artikel sind schon viele gute Beiträge gekommen : ))

  2. #3 A_Steroid
    28. August 2014

    Das Thema ist auch legitim – und bei meiner Seite habe ich mich auch immer gefragt “wo stehe ich” – letztendlich war es dann die Resonanz (also: Mails von der Zielgruppe, Anrufe von Freunden der Zielgruppe, Beiträge in analoger Form von den Zielgruppen im Ausland usw), die mir geholfen hat. Und ganz krass dann die Resonanz, als ich die Aktivität “hinter” meiner Seite eingestellt habe. Klar, das hilft hier nicht und meine Zielgruppe war sehr eng begrenzt – aber wenn jemand prüfen wollte: “lohnt sich Werbung bei SB” – dann würde ich genau auf derartige “weiche” Dinge verweisen – nämlich Klicks in Verbindung mit Kommentaren, Anzahl der untersch. User, Anzahl Anfragen usw. Das ergibt ein besseres Bild als eine einfache Zahl…
    @Bettina: falls du meine Seite besucht hast – die ist seit Anfang 2014 nur noch in Resten vorhanden, aber ich kann dir bei Interesse gern etwas mehr Hintergrund per Mail liefern

  3. #4 inge schuster
    Wien
    28. August 2014

    “Riesenbandbreite und sehr geschmacksabhängig”…….

    Um beim Geschmack zu bleiben, möchte ich mit einem Vergleich aus der Gastronomie antworten. Diese weist ja auch eine enorme Bandbreite auf, erstreckt sich von Würstelbuden, McDonald bis hin zu elitären Speisetempeln. Zweifellos sehen auch hier Besucher ihren jeweiligen Restauranttyp für gut an und finden überzeugende – inhaltliche wie formale – Argumente, warum er anderen Typen überlegen ist. Dies kann “einfach, billig, vertraut, populär” bedeuten, aber ebenso “exklusiv, faszinierend, jedes Mal ein neues Erlebnis”.

    Nach welchen Kriterien werden derartige Betriebe nun beurteilt? Die Zahl der Besucher ist sicherlich nicht ausschlaggebend, auch nicht deren Kommentare. Wenn hunderte Fans einer bestimmten Würstelbude für diese votieren, wird sie trotzdem nicht unter den Top 10 der Gastronomie aufscheinen. Beurteilt wird von Restaurantkritikern, die erstklassige Kenner der Küchen sein müssen, subtile Nuancen in Zubereitung und Geschmack erkennen sollten und vor allem permanent probieren, probieren und vergleichen. Oberste Qualität der Zutaten und der Zubereitung sind Grundvoraussetzungen.

    Von den Würstebuden zurück zu den science-blogs: Ich denke die oben gelisteten Kriterien sind eine recht gute erste Zusammenstellung für ein ranking (Punkte jeweils von 1 – 10?). Die Frage ist nur, wer sind – in Analogie zu den Restaurantkritikern – die “Blogranker”?

    • #5 Bettina Wurche
      29. August 2014

      @ Liebe Frau Schuster,
      da machen Sie gleich das nächste Fass auf.
      Dazu habe ich mit Absicht noch nichts geschrieben.
      Ich denke, dass die Leser auf jeden Fall einbezogen werden müssten.
      Mehr möchte ich dazu im Moment gar nicht sagen.

      @ A_steroid hat dazu schon einige weiterführende Gedanken genannt: “Klicks in Verbindung mit Kommentaren, Anzahl der untersch. User, Anzahl Anfragen usw. Das ergibt ein besseres Bild als eine einfache Zahl” – es wird allerdings recht kompliziert, so etwas messbar zu machen. Quantitative Umfragen sind immer schnell erstellt, beantwortet und plakativ ausgewertet. Qualtitative (muss es hier heissen) Umfragen brauchen beim Erstellen der Umfrage, beim Ausfüllen und Auswerten deutlich mehr Hirnschmalz.
      Nach meinem Wissen sind Soziologen und Psychologen in dieser Klasse die Meister.

  4. #7 WolfInSheepskin
    28. August 2014

    *Qualifiziertes Hinterfragen von wissenschaftlichen Resultaten

    Das findet in den science blogs hier am wenigsten statt, immer wenn ein Wissenschaftsguru etwas schreibt gilt nur : SCIENCE SCIENCE SCIENCE ICH BIN SO KLUG.

    • #8 Bettina Wurche
      29. August 2014

      @ WolfInSheepskin: Sorry für die späte Freischalltung.
      Für die anderen Blogs kann ich das nicht beurteilen.
      Ich kann hier nur für mich sprechen:
      Um eine wissenschaftliche Arbeit kritisch zu beurteilen, muss man in einem Thema sehr, sehr tief ´drinstecken.
      Das kann ich persönlich nur für wenige Themen beanspruchen. Aber zu manchen Wal-Publikationen habe ich kritisch Stellung bezogen.
      Etwa im Kontext mit der Ölpest im Golf von Mexiko.
      https://blog.meertext.eu/tag/deepwater-horizon/
      oder hier:
      https://blog.meertext.eu/2012/06/22/tote-delphine-zwischen-behorden-und-umweltschutz/
      (Diese beiden Texte stehen im meertext-Archiv auf dem alten Blog).
      Ansonsten suche ich mir meistens lieber Publikationen heraus, die mir gefallen haben. Aber das ist meine persönliche Themenwahl. : )

  5. #9 Radicchio
    29. August 2014

    “Wichtig” sind “Anführungszeichen” und möglichst viele Dinge ohne nennenswerten Sinngehalt: “Gemeinplätze”.

  6. #10 Ketzer
    29. August 2014

    Das ist einfach:

    Ein Blog ist erfolgreich, wenn es proportional oder überproportional zum Autorinnenaufwand Gewinne macht. Andernfalls lohnt sich die Arbeit nicht.

  7. #11 Gerhard
    29. August 2014

    Mir fällt ein:
    Wenn ein Blogeintrag neue kleine Fenster öffnen kann.
    Ich meine damit: Wie Aphorismen in Text eingeflochtene kleine Wissens-Bonbons, von denen man annehmen kann, daß der eine oder andere Leser sie nicht kennen wird. Das können Hinweise sein, Querverweise, durchaus auch mit Link.

    • #12 Bettina Wurche
      29. August 2014

      @ Gerhard: “Wissensbonbons” und “neue Fenster öffnen” sind treffliche Formulierungen!
      Manche Blog-Posts versüßen das leben oder sind einfach erfrischend.
      Ich finde es immer besonders nett, wenn die “Bonbonnière herumgereicht wird” und mit Blogeinträgen oder Kommentaren eine erfrischende Unterhaltung stattfindet.

  8. #13 Dr. Webbaer
    30. August 2014

    Die Liste liest sich zustimmungsfähig, zu den ‘Aspekten, die auch berücksichtigt werden können’:
    Der Schreiber dieser Zeilen findet es fast immer ganz ausgezeichnet, wenn die Inhaltegeber als “Original Thinker” auftreten, gerne auch einmal ungewöhnliche Ideen auftischen (die manchmal falsch sein können), auf gehobenem Niveau gelegentlich polemisieren und markant (das Fachwort) sind.

    MFG
    Dr. W

    • #14 Bettina Wurche
      1. September 2014

      @ Dr. Webbaer: Das sehe ich auch so. Solche Beiträge meinte ich mit “originellen Ideen”. Ich werde die Bezeichnung noch einmal präzisieren.
      An den “Wissenschafts”-Beiträgen in den Mainstream-Medien langweilt mich oft, dass überall gerade die gleiche Informationssau durch die digitale und Printwelt getrieben wird. Und alle von der gleichen Pressemitteilung abgeschrieben und den gleichen Wissenschaftler dazu interviewt haben. Blogbeiträge geben oft noch andere Aspekte wieder – kritische Anmerkungen, Insider-Informationen oder andere neue Wissenshäppchen.
      Zu den Kommentaren: manche Leute können zu manchen Themen auch “aus dem Bauch” gute Beiträge posten. Mir sind weiterhin alle konstruktiven Kommentare willkommen.
      Ich habe kürzlich mit einem Blogger-Kollegen über die Möglichkeit gesprochen, Kommentare durch die anderen Leser zu bewerten. Er hat auf seinem Blog dafür “Disqus” installiert. Das halte ich für eine sehr interessante Idee.

      @ Frau Schuster, Dr. Webbaer: wie schön, dass es hier eine Diskussion zwischen einer Katze und einem Baeren gibt. Das verleitet mich ernsthaft dazu, in den nächsten Tagen mal Cat-Content zu bringen. : )

  9. #15 Dr. Webbaer
    2. September 2014

    Liebe Frau Wurche,

    Ich habe kürzlich mit einem Blogger-Kollegen über die Möglichkeit gesprochen, Kommentare durch die anderen Leser zu bewerten. Er hat auf seinem Blog dafür “Disqus” installiert. Das halte ich für eine sehr interessante Idee.

    …die Bewertung von Kommentaren ist OK, sie muss nicht sein, aber warum nicht?, bei Disqus-basierten Feedback-Einheiten ist aber zumindest dem Anschein nach keine strukturierte [1] Feedback-Gebung möglich, zudem verleitet die Sortiermöglichkeit [2] womöglich dazu sich bevorzugt nur die am höchsten gerateten Feedback-Gebungen anzeigen zu lassen, was zwar die Einschätzung der jeweiligen Kommentatorik erleichtert, aber zum Beispiel den Nachteil hat, dass frühes und hoch geratetes Feedback bevorzugt allgemein zur Kenntnis genommen wird..

    MFG
    Dr. W

    [1] eine Strukturiertheit der Kommentatorik ist schon ganz nett

    [2] wenn Sie mal die üblichen Medien so durchschauen, dann sehen Sie vielleicht, dass manche Medien sozusagen Angst zu haben zu scheinen vor der Rating-Funktionalität, sie steuern dann entgegen indem sie Redaktionsempfehlungen den Lesermeinungen entgegensetzen oder schalten die Sortierung nach Empfohlenheit ganz ab

  10. #16 Thorsten Heitzmann
    2. September 2014

    Noch zur Abgrenzung von Pseudowissenschaften :
    Natürlich setzen Esoteriker nur Unsinn in die Welt.
    Aber auch bei den Anerkannten ist kritisches hinterfragen angesagt.
    Da deren Hypothesen und Theorien zumeist falsifizierbar sind.

    Siehe unter :
    https://cdvolko.blogspot.co.at/2014/08/wissenschaftstheorie.html
    und
    https://cdvolko.blogspot.co.at/2014/07/gibt-es-paradoxien.html

    MfG.

  11. #17 Dr. Webbaer
    5. September 2014

    @ Herr Heitzmann :

    Natürlich setzen Esoteriker nur Unsinn in die Welt.

    Die Esoterik widerspricht der exoterischen skeptizistischen Wissenschaftlichkeit, wie sie – womöglich: aus gutem Grund – heute gepflegt wird. Sie kann aber sinnhaft sein, sie ist aber nicht wissenschaftlich und auch nicht wissenschaftsnah. – Jeder Mensch (oder Bär) ist gelegentlich oder durchgehend gelegentlich Esoteriker.

    Aber auch bei den Anerkannten ist kritisches hinterfragen angesagt.

    Korrekt.

    MFG + ein schönes Wochenende schon einmal,
    Dr. W (der den Webverweisen zum geschätzten Herrn Dr. Volko nicht folgen konnte)

  12. […] einiger Zeit hatte ich zum Blog-Sammeln aufgerufen und Science-Blogs vorgestellt und analysiert. Eine wichtige Gruppe fehlte dabei noch:  An wissenschaftliche Institutionen angebundene Blogs. […]