https://www.enallaxnews.gr/wp-content/uploads/2015/05/Opah2.jpeg

Opah Gotteslachs

Der Gotteslachs (Lampris guttatus Brünnich, 1788), lebt im Atlantik, Mittelmeer, in gemäßigten Regionen des Indischen Ozean und im Ost-Pazifik von Alaska bis nach Südkalifornien. Im Sommer kommt er gelegentlich auch bis in die Nordsee. Er wird 1,20 bis 1,80 Meter groß, der ovale Körper ist im oberen Bereich violett gefärbt mit weißen Flecken, die Flossen sind korallenrot.
Er ist einer der wenigen Fische, die mit den Brustflossen den Vortrieb erzeugen – die meisten anderen Fische nutzen dafür die Schwanzflosse.
Sein englischer Name ist Moonfish oder Opah. „Moonfish“ führt schnell zu Verwechslungen mit dem Mondfisch Mola mola, der im Englischen Sunfish heißt.

Jetzt, im Mai 2015, geriet der Gotteslachs in die Schlagzeilen: Er ist der einzige endotherme Fisch!
Endothermie ist die Erzeugung von Körperwärme und das Aufrechterhalten einer höheren Körpertemperatur als die Umgebungstemperatur. Normalerweise ist Endothermie den Säugetieren und den Vögel mit ihrem hohen Energieumsatz vorbehalten. Bei Fischen sind einzelne Fälle von schnellen Jägern bekannt, die teilweise warmblütig sind, wie Thunfische, Schwertfische und manche Haie.
Bisher wäre niemand darauf gekommen, den großen diskusförmigen Fisch mit den sichelartigen Brustflossen als „Schnellen Jäger“ zu bezeichnen.

Zufällig hatte ein Team um den Fischexperten Nick Wegner (NOAA) bei einer Forschungsfahrt einen Gotteslachs gefangen und den willkommenen Beifang seziert. Schließlich ist dieser Fisch immer noch sehr wenig erforscht. Im Bereich der Kiemen fiel Wegner ein Geflecht aus roten und blauen Blutgefäßen auf: Wundernetze, retia mirabilia. Sie kommen auch bei Thunfischen und Haien vor und sind das Geheimnis derer hohen Geschwindigkeiten und Körpertemperatur. Die Wundernetze der Thunfische liegen um ihre Hochleistungs-Schwimmmuskeln herum. Damit bleiben auch nur diese Muskeln warm, nicht aber der ganze Fisch. Bei einigen Haien werden die Gehirne durch Wundernetze wärmer gehalten.

Der Gotteslachs hat gewaltige Brustmuskeln, die den größten Teil der Wärme erzeugen, außerdem schützt eine dicke Fettschicht ihn zusätzlich vor dem Auskühlen. Diese Muskeln sind dafür zuständig, die Brustflossen beständig in Bewegung zu halten, sie bewegen sich schnell auf und ab wie Flügel (s. NOAA-Video, bitte Anklicken).

OpahFish_Wegner_v3-QuickTime H.264

Jede Muskelaktivität erzeugt Wärme, die bei Fischen normalerweise spätestens in den Kiemen an das kalte Umgebungswasser abgegeben wird. Dort ist keine Isolierung möglich, weil der direkte Kontakt mit dem Seewasser für die Sauerstoffaufnahme nötig ist.
Beim Gotteslachs wird genau dieser Wärmeverlust in den Kiemen durch die Wundernetze verhindert. Die Venen transportieren warmes Blut von den Wärme erzeugenden Muskeln, sie sind verwoben mit den Arterien, die kaltes Blut von den Kiemen her transportieren. Die Blutgefäße sind so eng miteinander verflochten, dass die Venen ihre Wärme an die Arterien abgeben, bevor sie die Kiemen erreichen. Das Gegenstromaustauschsystem verhindert, dass die Wärme an das kalte Umgebungswasser verloren geht. So bleibt der Fisch bis zu 5 °c wärmer als das Meer.

Wegners Team fing einen Gotteslachs lebendig, implantierte ihm winzige Thermometer und ließ ihn dann wieder schwimmen. Die Instrumente zeigten eine Temperatur an, die konstant höher war als das Umgebungswasser. Das Gehirn, die Muskeln und das Herz des Fisches sind warm! Der Opah ist damit der einzige bisher bekannte Fisch mit einem warmen Herzen. Das warme Gehirn (craniale Endothermie) sorgt dafür, dass das Hirn und Augen auch in kalten Wasserschichten funktionieren.

Wegner meint, dies sei die Erklärung, warum der große Fisch in der Tiefe so agil jagen und weite Strecken zurücklegen kann. Ein besenderter Opah zeigte den Fischereibiologen, dass er über Tausende von Kilometern wandert. Die bisherige Vorstellung von einem gemütlich behäbig dahin schwimmenden Gotteslachs ist nun vollständig überholt.
Der Opah ist damit einer der wenigen Ozeanbewohner, die in den nährstoffreichen, kalten Wasserschichten unter der Thermokline (Sprungschicht) jagen.

Heute gibt es eine Gattung der Gotteslachse mit zwei Arten: Gotteslachs Lampris guttatus in der nördlichen Hemisphäre und der etwas kleinere Südliche Gotteslachs (Lampris immaculatus) in der südlichen Hemisphäre. Die Gattung Lampridae, Glanzfischartige) ist fossil belegt seit dem Miozän.
Quellen und zum Weiterlesen:

1 / 2 / Auf einer Seite lesen

Kommentare (4)

  1. #1 Gerhard
    1. Juni 2015

    Danke für den Artikel!
    Wie kann eigentlich dieser Fisch der einzige endotherme Fisch sein? Normalerweise müsste doch solch eine Erfindung wie mit dem Wundernetz häufiger anzutreffen sein?!
    Sind womöglich verwandte Arten ausgestorben?
    Das mit dem Wundernetz wiederum ruft die Frage wach: Wieviele Tiere gibt es denn mit ganz singulären Lösungen?Also Lösungen, die es sonst nicht in ihrem Tierstamm gibt? (Weiß nicht, ob Tierstamm der richtige Ausdruck ist).

    • #2 Bettina Wurche
      6. Juni 2015

      @ Gerhard: Sorry für die späte Antwort: Du hast natürlich völlig recht.
      Er ist garantiert nicht der einzige endotherme Fisch, die Wundernetze sind garantiert noch viel breiter verbreitet. Das Hauptproblem dabei ist, dass der absolut überwiegende Teil der Fischforschung sich nicht mit anatomischen Fragen beschäftigt, weil es dafür keine Stellen und kein Geld gibt. Und auch immer weniger Knowhow.
      Geld gibt es für Fischereibiologie, die sich auf befischte Arten und Populationen bzw. der Suche nach neuen beschäftigt. Dabei werden Art, Anzahl, Körperlänge, Gewicht gemessen, oftmals auch Mageninhalt überprüft, Otolithen (Ohrsteine) gelesen (für Altersbestimmung). In der Ichthyologie kommen dann oft konservierte Tiere an, bei denen solche Untersuchungen sehr schwierig werden.
      In diesem Fall war es ein glücklicher Umstand, dass die richtigen Leute auf den richtigen Fisch gestoßen sind udn nicht gerade bis zum Hals in anderer Arbeit standen. Auf Forschungsfahrt ist es meistens so, dass man bis zum Hals in Fisch steht und dann alles abarbeitet, was auf der Liste steht, ungewöhnliche Exemplare konserviert und dann einfach völlig fertig und dankbar für ein Päuschen ist.
      Damit möchte ich keinem Fisch-Kollegen zu nahe treten, jeder arbeitet extrem viel. Sondern ich prangere die fehlenden Mittel für langfristige Grundlagenforschung an, denn es gäbe noch so viel zu entdecken, hinterfragen und zu verstehen.
      Solche Gegenstromaustaischsysteme sind im Tierreich sehr verbreitet und ein absolutes Erfolgskonzept.

  2. #3 Gerhard
    8. Juni 2015

    Herzlichen Dank für die lange Antwort und eine recht überraschende zudem! Ich dachte immer, man wüsste unheimlich viel – populäre Bücher über Biologisches suggerieren das immer.

  3. #4 Bettina Wurche
    8. Juni 2015

    Natürlich ist schon wahnsinnig bekannt : )
    Aber ganz viel eben auch noch nicht.
    Und Meeresforschung ist wegen der Schiffszeit eben immer teuer und rar.