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Schweinswal (Wikipedia: AVampireTear)

Der Schweinswal (Phocoena phocoena) ist der einzige Wal in deutschen Gewässern, der hier dauerhaft, in größerer Anzahl und auch nahe der Küsten lebt. Nur bis zu 1,80 Meter groß, oft kleiner, schwimmt der Kleinwal in der sedimentgetrübten Nord- und Ostsee und zieht auch Flußmündungen hinauf, seine nicht sehr hohe dreieckige dunkelgraue Finne fällt schon bei schwachem Seegang nur geübten Beobachtern auf. Beim Atmen erscheint dann noch ein kleiner Teil vom ebenfalls dunkelgrauen Rücken, aber der ganze Kleinwal agiert insgesamt so unauffällig, dass er optisch mit den Wellen verschmilzt.

Der Rücken ist dunkelgrau, die Seite hellgrau, der Bauch fast weiß, ein feiner dunkelgrauer Zügel reicht von der Schnauze bis zum Flipper. Die Schnauze endet, wie bei allen Schweinswalen, stumpf . Durch Algenbewuchs wirken manche Tiere leicht bräunlich, daher kommt der alte Handelsname „Braunfisch“. Bis in die 70-er Jahre hinein wurden die kleinen Meeressäuger auf dem Fischmarkt gehandelt und landeten als willkommene Mahlzeit auf deutschen Essenstischen. Dass die Tiere nicht wie Fisch, sondern ganz klar wie Säugetiere schmecken, hat niemanden gestört.
Seeleute bezeichnen kleine Wale wie die Delphinartigen heute noch als „Dicke Fische“. Damit stehen sie in der langen Tradition, die Säuger-Zugehörigkeit der Wale zu leugnen, die Aristoteles um 350 n. Chr. Schriftlich niedergelegt hatte. Der römische Gelehrte Plinius hatte sie später dann zwar korrekt eher als schweineähnlich denn als fischähnlich bezeichnet, nannte sie aber weiterhin Fische.   Erst Carl von Linné ordnete die kleinen Säuger dann korrekt zu und nannte den Schweinswal  1758 Delphinus phocaena. Daraus wurde später Phocaena phocaena und schließlich Phocoena phocoena.

Die Kleinen Tümmler, so ein anderer alter Name, dümpeln auf der Suche nach der nächsten Mahlzeit zwischen Meeresboden und Meeresoberfläche. Ihre Speisekarte ist regional sehr unterschiedlich, wie wir aus den Mageninhalten wissen: In der Ostsee jagen sie meist kleine Plattfische und Kabeljau, in der Nordsee kleinen Kabeljau und Grundeln.
Die Fische drehen sie mit der Zunge geschickt im Maul herum, damit das Seafood mit dem Kopf voran die Speiseröhre hinunter glitscht. Diesen Schlucktrick benutzen alle kleinen Wale, mit dem Schwanz voran könnten sich die Schuppen der Fische nämlich in der Speiseröhre verkeilen. Trotzdem ist so mancher Plattfisch zur Henkersmahlzeit geworden: Die platten Fische entrollen sich in der Speiseröhre und saugen sich an den Wänden des Organs fest. Da der Wal beim Schlucken den Kehlkopf aus der Speiseröhre wegdrückt, kann bei so einer Fischblockade im Hals der Kehlkopf nicht wieder seine Position einnehmen und die Luftversorgung wieder herstellen.  Der Schweinswal erstickt.

Bildergebnis für harbour porpoise

Schweinswal (Whale and Dolphin Conservation)

Phocoena phocoena (harbour porpoise) lebt im gesamten Nördlichen Atlantik, an der Ostküste bis weit die afrikanische Küste hinunter, und auch in den Nebenmeeren wie Nordsee, Ostsee und Schwarzem Meer. Im Mittelmeer ist er historisch überliefert, heute aber ausgestorben.  Auch im Nordpazifik kommt er vor, da dürfte er nach der Eiszeit eingewandert sein.
Trotz seines oft küstennahen Lebensraums und seiner Sichtbarkeit vom Strand aus, beobachten nur wenige Menschen jemals den Kleinen Tümmler.  Für das Sehen eines Schweinswals im Freiland braucht es scharfe Augen, Ausdauer und sehr flache Dünung. Hot Spots der Kleinwal-Beobachtung sind etwa die Inseln Sylt und Amrum, wo die Meeressäuger vom Strand aus zu sehen sind.
Bei der Überfahrt nach Helgoland bei gutem Wetter oder einem Segeltörn in der Ostsee können aufmerksame Beobachter sogar ganze Schulen der Kleinwale sehen, gegenüber Seglern sind sie oft recht neugierig und spähen aus dem Wasser.
Heute schwimmen sie meist allein, bzw. als Mutter-Kind-Paare. Die Schweinswalin bringt nach 10 bis 11 Monaten Tragezeit  ein Junges zur Welt und säugt es neun Monate lang. Der kleine Wal bleibt etwa ein Jahr lang bei der Mutter und schwimmt dann seines Weges. Schweinswale haben ungewöhnliche Zähne: Anders als die kegelförmigen Zähne der meisten Zahnwale, die eher an Reptilien als an Säugetiere erinnern, tragen sie kleine, spatelförmige Zähnchen,  im Oberkiefer 22 bis 28, im Unterkiefer 21 bis 25.
Die meisten Schweinswale werden nicht älter als acht bis neun Jahre, sie können aber auch im Freiland ausnahmswesie 20 Jahre alt werden. Solche marinen Methusalems haben ihre spatelförmigen Zähnchen dann längst abgekaut und fassen die Fische mit dem verhornten Gaumen.


Heimlicher Kleiner Tümmler

Trotz seiner Anwesenheit bleibt der kleine Wal oft unentdeckt. Das mag nicht zuletzt daran liegen, dass die Bestände heute nur noch ein Schatten ihrer selbst sind.
Der geringe Bekanntheitsgrad unseres einheimischen Kleinwals resultiert sicherlich auch aus seinem unspektakulären Verhalten. Keine hohen Sprünge, keine aufdringliche Interaktion mit Schiffen, Booten und Schwimmern, kein Synchronsurfen in größerer Anzahl. Neben seinem größeren Vetter mit dem anthropozentrisch interpretierten Dauergrinsen, dem Delphin, bleibt der Schweinswal unscheinbar und somit oft unsichtbar.
Auch seine Abwesenheit in Delphinarien ist nicht gut fürs Image: Nur in wenigen europäischen Delphinarien – oder besser Phocoenarien – wie Kerteminde gibt es Schweinswale, meist handelt es sich dabei um verletzt gestrandete und geborgene Jungtiere. Insgesamt scheint die Haltung von Schweinswalen deutlich schwieriger zu sein als die von Delphinen, von der Zucht ganz zu schweigen. Dennoch haben diese sehr wenige Tiere in menschlicher Obhut zu einem großen Wissenszuwachs geführt: Sie sind genauso lernfähig wie ihre größeren spitzschnauzigen Vettern. Statt eines charmanten Dauergrinsens gucken sie dabei einfach knuffig.
Außerdem sind die in Aquarien gehaltenen Kleinwale die einzigen, deren Liebespiel  und Paarung je von Menschen beobachtet werden konnte.

Ähnliches Foto

Schweinswal (life ocean ru)

Leider sind Schweinswale insgesamt so unauffällig, dass, obwohl sie seit der Antike bekannt sind, sie nicht selbst genug sind, sondern immer mit anderen Tieren verglichen werden:
Der Schweinswal oder das Meerschwein deuten auf das Schwein hin, ein Vaquita wird mit einer kleinen Kuh verglichen. Phocoena beutet „robbenähnlich“ und Delphinidae sind Delphinartige.
Kleiner Tümmler wäre vielleicht ein netterer, eigenständiger Name, im Englischen haben sie den Eigennamen „porpoise“.

Schweinswale in höchster Gefahr

Die kleinen Wale gehören seit Jahrtausenden zur  europäischen Meeresfauna. Leider ist ihr Lebensraum alles andere als sicher für sie, kollidiert doch das Überleben der Kleinwale immer häufiger mit den Interessen der Menschen. In Nord- und Ostsee sind die Fischbestände gefährlich geschrumpft, die kleinen Wale müssen immer häufiger viele kleine oder nicht passende Fische fressen, weil ihre eigentlichen Zielarten nicht mehr in ausreichender Menge vorkommen. Sind die Fische zu klein, sind sie den ganzen Tag beschäftigt, ihre 4,5 Kilogramm Tagesbedarf zusammenzubekommen und verbrauchen dabei viel Energie, sind die Fische zu groß, können sie daran ersticken. Die flächendeckende Meeresverschmutzung macht allen langlebigen Meerestieren zu schaffen, Quecksilber und PCBs sind nur einige der Schadstoffe, die sich innerhalb der Nahrungskette zunehmend anreichern und insgesamt der Gesundheit nicht zuträglich sind. Schiffsverkehr und Lärm verschmutzen den Lebensraum auch akustisch.

In der Nordsee machen Kegelrobben vermehrt Jagd auf halb erwachsene Schweinswale, in kanadischen Gewässern sind es vor allem Grönlandhaie.
Obwohl Schweinswale in der EU heute nicht mehr gejagt werden dürfen, enden viele von ihnen in Fischernetzen: Als Beifang.
Besonders bedroht ist die Phocoena-Population in der zentralen Ostsee, vor der Küste Mecklenburg-Vorpommerns. Das SAMBAH (Static Acoustic Monitoring of the Baltic Sea Harbour Porpoise)-Projekt, eine Gemeinschaftsaktion aller EU-Ostsee-Anrainer-Staaten, hatte zwischen 2011 und 2014 mit 304 akustischen Detektoren die Sonar-Clicks der Schweinswale erfasst und so ihren Lebensraum kartiert.

Bildergebnis für phocoena phocoena sambah

Verbreitung Phocoena phocoena Ostsee (ASCOBANS)

Daraus haben die Wissenschaftler eine Karte der Verbreitung, Bestandsgröße und –dichte sowie Gefährdungen der kleinen Wale erstellt, eine solide Basis für das zukünftige Bestandsmanagement und politische Entscheidungen. Das abgehörte Areal erstreckte sich zwischen der Kadet-Rinne im Südwesten bis zu den Åland-Inseln im Norden. Dieser Bestand der zentralen Ostsee ist klar getrennt vom Bestand der Beltsee, der schätzungsweise zwischen 10.000 und 12.000 Tiere umfasst. Die Wale beider Bestände paaren sich nicht, die Bestände müssen also getrennt betrachtet werden.
Überraschend war auch, dass die Kinderstube der Kleinwale südlich der schwedischen Insel Gotland im Meeresareal der Midsjöbank liegt. Die Weibchen gebären dort ihre Jungen, bevor sie sich ebenfalls vor Gotland wieder paaren. Nahezu die gesamte Population der Schweinswale der Zentralen Ostsee soll sich zwischen Mai und Juli in diesem Gebiet treffen. Dass es in Schweden Pläne zur Einrichtung eines Windparks in genau diesem Areal macht, gibt Anlass zur Sorge, der damit verbundene Lärm könnte die Wale in einer empfindlichen Phase vergrämen. Der Lebensraum der Schweinswale wird aber auch an anderer Stelle von menschlichen Aktivitäten bedroht.
Die Verbreitung der kleinen Wale und auch ihrer größeren Vettern ist in der Ostsee nach Osten hin durch die abnehmende Salinität begrenzt: Die östliche Ostsee ist nur noch schwach brackig, mit abnehmendem Salzgehalt nimmt die Tragkraft des Wassers ab. Dann verbrauchen Wale viel mehr Energie, um sich in der Wassersäule zu halten.

Die schlimmste Bedrohung ist die Fischerei: „2000 bis 2014 hat sich die Zahl der jährlichen Totfunde von Schweinswalen an der deutschen Ostsee-Küste von 25 auf 129 mehr als vervierfacht. Einige der als Beifang verendeten Tiere werden von den Fischern abgegeben und wird mit zu den Totfunden gerechnet. Ein Teil der tot gestrandeten Schweinswale zeigt deutliche Hinweise auf fischereilichen Beifang (z.B. ertrunkene Tiere, Netzmarken, abgetrennte Körperteile u.ä.), ob aufgrund von Schlepp- oder Stellnetzen, lässt sich nicht sagen. Die Todesursache lässt sich zweifelsfrei nur bei den Tieren feststellen, deren Verwesungsgrad noch nicht zu weit fortgeschritten ist. Daher ist es sehr schwierig, die exakte Beifangquote zu ermitteln. Bezogen auf alle Totfunde an der Küsten Mecklenburg-Vorpommerns zwischen 2003 und 2012 lag die Beifangquote bei 7,9% und der Verdacht auf Beifang bei 3,6%. Bezogen auf die Totfunde mit bekannter Todesursache lag die Beifangquote bei 50% und der Verdacht auf Beifang bei 19% (Daten Dt. Meeresmuseum im Auftrag des Landesamtes für Natur, Umwelt und Geologie MV).“

Die genaue Anzahl der im Beifang verendenden Schweinswale wird gerade in einem Projekt des Thünen-Instituts, das bis Ende 2017 laufen soll, noch detaillierter erforscht: „2000 bis 2014 hat sich die Zahl der jährlichen Totfunde von Schweinswalen an der deutschen Ostsee-Küste von 25 auf 129 mehr als vervierfacht.“ schreibt das Bundesamt für Naturschutz und kommt zu dem Schluss: „Der Zustand der Schweinswalpopulationen in der Ostsee ist insgesamt nach wie vor besorgniserregend.“
Auch ohne exakte Zahlen steht bereits jetzt fest: Die Anzahl der Beifänge sind für eine so kleine Population deutlich zu hoch. Das bedeutet im Klartext, dass der Ostsee-Schweinswal aufgrund der Fischerei-Aktivitäten in der zentralen Ostsee keine Überlebenschance hat.
Wenn wir nicht endlich etwas ändern.
Und zwar zugunsten der Schweinswale.

Dabei geht es übrigens vor allem um die Stellnetze der Nebenerwerbsfischerei! Das sind Personen, die den Fischfang als Nebenjob ausüben. Und dafür Todeswände von Netzen genau dort spannen, wo die einzigen einheimischen Wale leben. Das Problem ist seit Jahren bekannt, die in den Netzen erstickten Walen sind an den sogenannten Netzmarken deutlich zu erkennen, wenn sie noch nicht zu stark verwest sind. Neben der Einrichtung von Schutzgebieten, in denen überhaupt keine Fischerei erlaubt ist, wäre auch die Umstellung auf andere Fangmethoden möglich, die weniger Wale als Beifang töten, wie sie etwa der NABU hier beschreibt.

Hoffen wir, dass ein Land wie Deutschland, das den Umweltschutzgedanken so (selbst)gefällig vor sich herträgt einen besseren Schweinwalschutz durchsetzen kann als ein armes Land wie Mexiko mit einer schwachen Regierung, unterfinanzierten Aufsichtsbehörden und einer wütenden Bevölkerung. Vom kalifornischen Schweinswal, dem Vaquita gibt es nur noch weniger als 50 Exemplare.
Falls die Bundesregierung das jetzt nicht schafft, sondern die Weichen für das Aussterben eines Kleinwals stellt, entgegen aller wissenschaftlichen Forschungsergebnisse mit umfangreichen Daten und ernsthaften Warnungen, dann agiert Deutschland beim Artenschutz nicht besser als die so vielgeschmähte Trump-Regierung, eine mittelamerikanische Bananenrepublik oder die südostasiatische Wilderer-MAFIA.
Es kann einfach nicht sein, dass die Fischerei heute weiterhin betrieben wird, als ob es Wale und Fische in nicht endender Menge gibt. Da sist nämlich nicht mehr der Fall, wie die zurückgehenden Fangerträge der Fischer ja auch deutlich zeigen. Das Beharren auf Traditionen  “Mein Vadder war Fischer, ich bin Fischer und mein Sohn wird auch Fischer” – führt hier zur Ausrottung eines in der Ostsee angestammten Säugetieres, des einzigen einheimischen Wals. Ganz nebenbei führen strenge Schutzgebiete übrigens auch zur Erholung der Fischbestände, wie in kanadischen und US-amerikanischen Gewässern ja längst sehr deutlich geworden ist.

Umweltschutzverbände fordern Bundesregierung auf: Umweltschutz vor Unternehmerschutz!

Die Naturschutzverbände wie der NABU ermahnen jetzt die Bundesregierung, endlich Ernst zu machen mit dem  Walschutz.
Dafür haben sie einen Protestbrief entworfen. Der entscheidende Abschnitt, warum jetzt gehandelt werden muss, ist der hier: „So wurde in dem am 8. Februar 2017 vom Bundeskabinett beschlossenen Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG) unter dem Einfluss der Ministerien für Wirtschaft, Landwirtschaft, Verkehr und Forschung eine „Einvernehmensregelung“ in den § 57 aufgenommen, die es einzelnen Ressorts ermöglicht, künftige Verordnungen und Schutzmaßnahmen über ein Vetorecht zu verhindern. Diese Änderung unterhöhlt die Kompetenz des Bundesumweltministeriums, erschwert behördliche Abstimmungsprozesse und macht das notwendige Schutzgebietsmanagement nahezu unmöglich. Die immer weiter verwässerten Verordnungen für die Naturschutzgebiete in der AWZ sollten ein mahnendes Beispiel sein. Nach heutigem Stand soll nach anfänglicher Beschränkung auch künftig in Schutzgebieten gefischt und mit Schallkanonen der Meeresboden untersucht werden dürfen. Das novellierte BNatSchG soll diesen unsäglichen Zustand nun bestätigen. Es obliegt dem Bundesrat und dem Bundestag, diese in unseren Augen gefährliche Neuformulierung im parlamentarischen Prozess zu korrigieren. Am 16. März 2017 wurde ein entsprechender Änderungsantrag durch Schleswig-Holstein in den Umweltausschuss eingebracht.“
Unternehmerschutz vor Umweltschutz?
Mir reicht´s jetzt!
Ich habe unterzeichnet.
https://www.nabu.de/natur-und-landschaft/meere/meeresschutzgebiete/nord-und-ostsee/20818.html?fb_ads

Ganz nebenbei: Eine Walpopulation ist ja auch ein Wirtschaftsfaktor.
Schließlich ist gerade in den Küstenregionen der Ostsee der Tourismus ein ganz erheblicher Wirtschaftsfaktor. Und ein Wal ist eine Attraktion. Auch wenn er nur 1,60 Meter groß ist und nicht durch brennende Reifen springt.

Schweinswal-Beobachtung mit viel Information:

Wilhelmshavener Schweinswaltage

Whale-watching mit NABU in der Eckernförder Förde

Zum Weiterlesen:

Der Band „Die Schweinswale: Familie Phocoenidae“ (1996) aus der Neuen Brehm-Bücherei
ist eine ausgezeichnete Lektüre. Der Autor Gerhard Schulze war stellvertretender Direktor des Meeresmuseums und ist ein ausgewiesener Schweinswal-Kenner.

Daneben gibt es zahlreiche weitere Homepages, Büchlein und Broschüren der Umweltschutzverbände sowie Ausstellungen in vielen Museen und Infozentren an Nord- und Ostsee:

PS: Habt Ihr Geschichten, Erlebnisse, Anekdoten zu Begegnungen mit Schweisnwalen, wie Dampier kürzlich?
Die können wir hier gern sammeln, ich werde auch noch etwas beisteuern.
Geben wir dem Kleinen Tümmler hier ein virtuelles Forum!

Kommentare (16)

  1. #1 Dampier
    28. März 2017

    Habe soeben unterzeichnet.

    Danke für den informativen Artikel. Da wollte ich schon lange mehr drüber wissen, seit ich beim Segeln ein paar Schweinswalen begegnet bin.

    Mir sind die Zahlen noch nicht ganz klar. Der NABU schreibt:

    Der Ostseeschweinswal ist Deutschlands einzige Walart. Nur noch 450 Exemplare gibt es in der Ostsee.

    Du schreibst, es gibt 10-12.000 in der Beltsee – die ja Teil der Ostsee ist. Bezieht sich die Zahl des NABU dann auf die mittlere Ostsee, oder liegen die komplett daneben?

    In der Nordsee soll es lt. NABU noch um die 55.000 geben, immerhin …

    Die Wale beider Bestände paaren sich nicht

    (Beltsee vs. zentrale Ostsee)

    Ist das eine “soziale” Grenze, oder eine biologische (Artgrenze)?

    Kleine Anmerkung noch:

    in den Nebenmeeren wie Nordsee, Ostsee und Kaspischem Meer

    Letzteres müsste das Schwarze Meer sein, oder?

    • #2 Bettina Wurche
      28. März 2017

      @Dampier: Der Beltsee-Bestand ist wesentlich größer als der der Zentralen Ostsee, das sind die 10000 bis 12000 Tiere (und offenbar nicht akut gefährdet), letzteres sind die 450 geschätzten Tiere, Tendenz fallend. Nein, nein, der NABU bezieht sich ganz korrekt auf die Zahlen des SAMBAH-Projekts. Im Moment kann niemand sagen, ob es genetische, kulturelle oder sonstige Grenzen sind, wir wissen nur, dass die Ostsee-Bestände sich nicht vermischen.
      Ja, Kaspisches Meer statt Schwarzem Meer, sorry.

  2. #3 RPGNo1
    28. März 2017

    @Bettina
    Da hast du uns ja diesmal ein Stück Lesestoff hingesetzt. Sehr informativ. 🙂
    Ich habe auch gleich ein paar Fragen und Anmerkungen.

    Bis in die 70-er Jahre hinein wurden die kleinen Meeressäuger auf dem Fischmarkt gehandelt und landeten als willkommene Mahlzeit auf deutschen Essenstischen.

    Ich höre zum ersten Mal, dass es in Deutschland in den 70er noch Walfleisch zu kaufen gab. Ich werde mal bei meiner Mutter nachfragen, ob sie davon noch Kenntnis hat. Hast du ansonsten einen Link, wo es weitere Hintergrundinfo gibt?

    Die platten Fische entrollen sich in der Speiseröhre und saugen sich an den Wänden des Organs fest.

    Kann man daraus schließen, dass Plattfische ursprünglich gar nicht zum normalen Nahrungsangebot der Schweinswale gehörten? Sondern dass sich die Tiere durch die Überfischung in der Ostsee oder auch andere Ursachen diesbezüglich umgewöhnen mussten?

    Statt eines charmanten Dauergrinsens gucken sie dabei einfach knuffig.

    Kindchenschema (bei dem runden Kopf)! Süüüß! 🙂

    Dieser Bestand der zentralen Ostsee ist klar getrennt vom Bestand der Beltsee, der schätzungsweise zwischen 10.000 und 12.000 Tiere umfasst. Die Wale beider Bestände paaren sich nicht, die Bestände müssen also getrennt betrachtet werden.

    Dampier hat die Frage netterweise schon gestellt. Ich hatte nämlich an verschiedene Ökotypen von Schweinswalen gedacht, analog den Orcas.

    Das Beharren auf Traditionen “Mein Vadder war Fischer, ich bin Fischer und mein Sohn wird auch Fischer” – führt hier zur Ausrottung eines in der Ostsee angestammten Säugetieres, des einzigen einheimischen Wals.

    Es ist eine Sisyphosarbeit, Traditionen zu ändern. Man braucht nur an die Waljagd in Norwegen oder auf den Färöern zu denken, die auch immer wieder gerne mit dem Hinweis auf die Tradition verteidigt wird. Oder die Jagd auf Singvögel in Mittelmeerstaaten. Oder der spanische Stierkampf.

    PS: Ich habe auch unterzeichnet. Es lebe der Schweinswal.

  3. #4 Gerhard
    28. März 2017

    Sehr informativ, Respekt!

    Ich habe auch unterzeichnet.

  4. #5 Bettina Wurche
    28. März 2017

    @RPGNo1: Zum Fang:
    Da gibt es jede Menge, aber wenig digital.
    Und nicht unbedingt auf Deutsch.
    Das Middelvart-Archiv hat da wohl so einiges:
    https://www.visitlillebaelt.de/de/schweinswal-fang-gdk1081270
    In dem Buch von Herrn Schulze steht einiges dazu.
    Und etwa im Fischerboten dürfte es dazu eine ganze Menge geben, aber da müsste man Jahrzehnte durchflöhen.

    In den 70-er Jahren waren Deutsche soweit ich weiß noch im Walfang aktiv. Die Onassis-Walflotte hatte auch Deutsche an Bord und wurde, so erzählte mir ein Bekannter (Wal-Biologe) u. a. in Kiel ausgerüstet.

    Ob Plattfisch zur ursprünglichen Lieblingsbeute gehört und nur einige Trottel-Wale daran ersticken, kann ich Dir nicht sagen, das ist umstritten. Wir haben keine Daten aus der Zeit, als es noch ordentlich Fisch in der Nordsee gab, aus den 50-er Jahren. Da hat sich kein Mensch um den Mageninhalt eines Schweinswals geschert.

    Hier ist noch etwas aus der Archäologie:
    https://www.kulturwerte-mv.de/cms2/LAKD1_prod/LAKD1/de/Landesarchaeologie/_Service/Bisherige_Funde_des_Monats/2012/09_-_Echt_Spitze__Unterwasserarchaeologie_mal_ganz_anders/index.jsp

    Die Waljagd auf Zwergwale in Norwegen ist nicht historisch, die begann erst um 1930.

  5. #6 Bettina Wurche
    28. März 2017

    @alle: Ich danke Euch für die Unterschriften! Ohne politischen Druck geht es leider gar nicht mehr. Und die Forderung nach dem Schweisnwalschutz verlangt nichts Unmögliches, sondern hat realistische Ziele. Der NABU geht dabei völlig konform mit den wissenschaftlichen Daten.

  6. #7 RPGNo1
    28. März 2017

    @Bettina
    Ich würde zwischen “historisch” und “traditionell” unterscheiden. Die Ostermärsche in Deutschland gibt es erst seit den 60er Jahren. Sie sind trotzdem schon Tradition.
    Zum Walfang in Norwegen:
    https://de.wikipedia.org/wiki/Walfang_in_Norwegen#Kontroverse
    Aber am Ende läuft es wohl auf sprachliche Feinheiten hinaus und wie man diese beurteilt.

  7. #8 tomtoo
    29. März 2017

    @Bettina
    Vielen Dank für deinen Artikel.
    Unterschrift Ehrensache.

    Ich hab da eine docu gefunden. Viel gibts ja nicht in die Richtung. Ich fand sie gut.
    https://m.youtube.com/watch?v=PKd4vCPx0Ms

  8. #9 Der Seltsame Quark
    29. März 2017

    Danke für den ausführlichen Artikel.
    Ich finde es schon irgendwie seltsam, wenn irgendwo ein Käfer rumkrabbelt werden in Deutschland Großbauprojekte gestoppt aber für den Walschutz interessiert man sich scheinbar nicht sonderlich.
    Ich will damit natürlich nicht sagen dass Artenschutz bei Insekten nicht auch gut und notwendig ist, nur ist dass in dem Fall so eine seltsam umgekehrte “Der Rock ist mir näher als das Hemd”- Situation.

    Zum Thema Tradition. Da kann ich nur den großen Denker und Philosophen vom Planeten Melmac zitieren: “Traditionen sind wie Teller. Gemacht, um in Stücke zu zerfallen.” 🙂

    • #10 Bettina Wurche
      29. März 2017

      @DerSeltsameQuark: Dieser Wal hat keine Lobby. Es ist wirklich bitter. Ja, ich hoffe, dass Fischereitraditionen bald noch weiter zerfallen. Wenn es um besseres Fanggeschirr aus Nylon oder um mehr PS fürs Boot geht, pocht man ja nicht so auf Tradition.

  9. #11 tomtoo
    30. März 2017

    @Bettina

    Ok Delphine und Orcas töten von Zeit zu Zeit Schweinswale. Aber ernähren sie sich auch von ihnen ? Also essen Orcas porpoises ?

  10. #13 tomtoo
    30. März 2017

    @Bettina

    Vielen Dank !

    Na die Orkas fressen sie wenigstens.

  11. #14 RPGNo1
    6. April 2017

    Ich habe einen Informationsletter vom NABU erhalten, dass sich auch der Bundesrat für einen strengeren Meeresschutz stark macht und dies an die anderen Bundesorgane so weiterkommuniziert. Eine Anfangserfolg, würde ich sagen.

  12. […] der häufigste Wal in europäischen Gewässern und lebt auch in Nord- und Ostsee, mehr zu seiner Biologie ist hier. Als kleiner, küstennah lebender Wal hat er in industrialisierten Küstengewässern keine guten […]

  13. […] Schweinswale sind kleine Zahnwale, ausgewachsen sind sie meist um 1,60 m lang (selten bis zu 1,85 m) und wiegen zwischen 40 und 90 kg. Weibchen werden größer und schwerer als ihre männlichen Artgenossen. Sie sind die häufigsten Wale in europäischen Gewässern und die einzigen in der deutschen Nord- und Ostsee  heimischen Wale (Hier gibt es mehr Infos über ihr Leben). […]