File:Orca Schaedel Senckenberg.jpg

Orca-Skelett im Senckenberg-Museum (Wikipedia; EvaK)

Vor der spanischen Küste rammen Orcas Yachten, drehen sie herum in die entgegengesetzte Richtung und machen sie manovrierunfähig.

Hier ist ein aktuelles Update zu meinem gestrigen Artikel und dem Bericht The Guardian von Ruth Esteban:
Seit Juli gab es mehrere Interaktionen zwischen Orcas und vor allem Segelbooten vor der Iberischen Halbinsel.
Diese Interaktionen begannen offenbar im südlichen Spanien – nahe der Straße von Gibraltar.
Auch aus Portugal sind einige Fälle bekannt geworden.

Jetzt werden diese Vorfälle aus Nordspanien gemeldet.
Vermutlich, so Ruth Esteban, handelt es sich um die gleiche Gruppe von Orcas – sie bittet die Walforscher-Community um Bildnachweise, um das zu klären.

Orcas haben individuell geformte Finnen (Rückenflossen), Forscher und Whale Watching-Unternehmen können die Tiere so zuordnen. Da Orcas auch in stabilen Populationen leben, zu denen einige Gruppen oder Familien gehören, kann man mit so einer Photo-Kartei  die Tiere schnell identifizieren. Mittlerweile gibt es meist zentrale Photo-ID-Kataloge, damit können Orca-Forscher die Bewegungen der Schwertwale nachvollziehen.

Dann verweist Ruth auf den Guardian-Artikel (siehe meine gestriger Beitrag), der den Stand abbildet.
Sie fasst zusammen: Niemand hat eine Ahnung von der Motivation der Wale.
Es gibt zwar Vermutungen, aber bislang keine wissenschaftlich belastbaren Belege.
Darum fragt sie in die Runde, ob jemand anders so etwas schon beobachtet hat.
Ich bin sehr gespannt, was dabei letztendlich herauskommt.
Und wie man “Pissed of” wissenschaftlich umschreibt.

Ruth Esteban arbeitet im Madeira Whale Museum, sie hat sich mit dieser Orca-Population intensiv beschäftigt und dazu u. a. den IUCN-Beitrag (Rote Liste) geschrieben.
Diese Orca-Population ist vom Aussterben bedroht (Critically Endangered, das ist eine Stufe unter “Ausgestorben”).

Zum besseren Verständnis habe ich noch einmal oben einen Orca-Schädel eingefügt. Diese Zahnreihen aus massiven konischen Zähnen, die ineinander greifen, sind ehrfurchtgebieten. Der ganze Schädel ist bis zu 86 Zentimeter groß.
Ich bin sehr froh, dass die Orcas vor der spanischen Küste nur Boote auf anderen Kurs bringen, dabei jedoch zu keinem Zeitpunkt gezielt Menschen angegriffen haben.

Kommentare (5)

  1. #1 Aginor
    15. September 2020

    Jop, also ich würde mich mit einem Orca auch nur ungern anlegen.
    Wenn man sieht was die mit einer Robbe anstellen (die ja selbst nicht gerade wehrlos ist im Wasser, die niedlichen Viecher sind auch Raubtiere mit entsprechendem Gebiss und so) dann will ich definitiv nicht in der Nähe dieser Zähne sein.

    Mein Tipp ist dass die “nur” spielen. Orcas sind (wie andere Zahnwale) ziemlich intelligent, haben einen ausgeprägten Spieltrieb und sind ja auch dafür bekannt dass sie andere Meereslebewesen “belästigen”, und eine Segelyacht ist ja ein relativ leichtes Ziel. Der Angriff in Gruppen auf ein größeres Ziel erinnert auch mich (Du hattest es ja in Deinem letzten Artikel erwähnt) an die Art und Weise wie Orcas größere Wale jagen.

    Gruß
    Aginor

  2. #2 Patrick N,
    20. September 2020

    “Ich bin sehr froh, dass die Orcas vor der spanischen Küste nur Boote auf anderen Kurs bringen, dabei jedoch zu keinem Zeitpunkt gezielt Menschen angegriffen haben.”

    Wenn Orcas durch syncrones Untertauchen eine Eisscholle zum Kippen bringen greifen sie auch nicht die darauf befindliche Robbe an …

    • #3 Bettina Wurche
      21. September 2020

      @Patrick N.: Das Kippen und/oder Überspülen einer Eisscholle ist eine Jagdmethode eines Orcas-Clans der Antarktis. Auf der Eisscholle ist die Robbe für die Orcas nicht greifbar, darum muss sie ins Wasser gekippt oder gespült werden.
      Dieses Video zeigt es par Excellence:

      Die Orcas hätte gemeinsam sicherlich eine Yacht umkippen oder nach den Menschen schnappen können, das ist aber (bislang) in diesem Seegebiet nicht passiert.

  3. #4 bombjack
    22. September 2020

    Der Schwarm
    https://de.wikipedia.org/wiki/Der_Schwarm
    😉

    bombjack

  4. #5 DasKleineTeilchen
    terra
    23. September 2020

    ja, an den schwarm musste ich zwangsläufig auch denken, vielleicht sindse ja wirklich “pissed off” (wissenschaftliche übersetzung: maximal angekotzt?)…ich mein, anfang april fast kein schiffsverkehr mehr bis -keine ahnung- anfang juli wieder zunehmend; einfach die schnauze voll von schiffen? kleinere boote sind halt leichter -ich benutz den term jetzt einfach mal- angreifbar? ich glaub auch im guardian gelesen zu haben, daß eines der schiffe mit schraube ab dem zeitpunkt von den orcas in ruhe gelassen wurde, als der motor abgestellt wurde…