Im schottischen Firth of Forth gibt seit Anfang Dezember ein Buckelwal ein Gastspiel. Große Wale sind in diesen Gewässern selten und gerade Buckelwale bieten eine fantastische Show für ihre Zuschauer: Sie wuchten beim Breaching (Springen) ihren 25-Tonnen-Körper aus dem Wasser, zeigen beim Abtauchen die große Schwanzflosse oder heben anmutig ihre langen weißen Flipper. Bei einem Wal von über 15 Metern Länge ist das ein atemberaubender Anblick!
Solche Überwasser-Aktivitäten für Buckelwale genauso typisch wie ihr häufiger Aufenthalt in Küstennähe, darum sind sie häufig und leicht von Stränden aus zu beobachten.

Aber jetzt ist der Meeressäuger im Firth verwundet worden, wie The Courier am 03. Januar meldete. Auf Photos des „Wildlife Enthusiast“ Ronnie Mackie war zu sehen, dass der Rücken des Wals im Schwanzbereich offenbar blutig ist: Die sichtbaren Schwanzwirbel sind rötlich von Blut. Paul Smith, der örtliche Koordinator der British Divers Marine Life Rescue beschrieb die Verletzungen des Buckelwals als oberflächliche Schnitte und Abschürfungen, ansonsten sehe das Tier gesund aus. Die Verletzungen habe sich der Gastwal wohl durch ein Verheddern (Entanglement) in Fischereigeschirr zugezogen, glücklicherweise habe er sich selbst befreien können. Die unzerreißbare Monofilament-Schnüre verursachen solche Abschürfungen, erst 2019 war ein Buckelwal im Forth langsam und qualvoll durch ein solches „Entanglement“ gestorben. Dabei  konnte das BDMLR Rettungsteam nicht befreien, da sie nicht nahe genug an den 15 m langen männlichen Buckelwal herangekommen waren. Das Rettungsteam um Paul Smith beobachtet die Situation weiterhin, aber der Wal verhält sich normal und scheint gut zu fressen. In Ihrem nördlichen Verbreitungsgebiet fressen Buckelwale vor allem kleine Fische und weniger Krill, allerdings sollen sie im Winter generell nur wenig Nahrung aufnehmen und eigentlich von ihren Sommer-Fettreserven zehren.

In den letzten Jahren tauchen vermehrt Wale vor den schottischen Küsten auf, der jetzt dort schwimmende Buckelwal ist angeblich bereits seit mehreren Jahren immer wieder gesichtet worden, er scheint ein regelmäßiger Wintergast zu sein.
Insgesamt nehmen die Walsichtungen in den Gewässern des UK zu, wie die Wildlife Trusts in ihrem Jahresbericht schreiben. Seit 2019 sind mehr als 75 Buckelwal-Sichtungen dokumentiert, vor der Küste Cornwalls, Northumberlands und Wales` sowie um die Scilly-Inseln, die Shetlands und im Firth of Forth.


Erst Ende Dezember 2021 hatte einen Fischer einen über 15 Meter großen Buckelwal in der Falmouth Bay in Cornwall gefilmt, der mit seinen großen weißen Brustflossen flappte. Dass in dieser Zeit in den cornischen Gewässern ein großer Schwarm Sardinen zurückgekehrt war, könnte die Anwesenheit dieses Meeressäugers erklären – kleine Schwarmfische wie Heringsartige sind in nördlichen Gewässern seine Lieblingsspeise. Noch vor wenigen Jahren waren solche Sichtungen extrem selten, das ändert sich nun. Ein weiterer Aspekt für die häufigeren Wal-Sichtungen kann auch sein, dass der Buckelwal-Bestand seit dem Walfang-Moratorium insgesamt wieder angewachsen ist, ähnliches ist u. a. auch bei Pottwalen im Nordatlantik zu beobachten.
Außerdem sind vor Küste Südenglands zum ersten Mal seit 20 Jahren wieder Weißseiten- Delfine gesichtet worden und einige Orcas aus einer Gruppe, die vor den Hebriden lebt.  Die  südlichste Sichtung von Orcas dieser Gruppe in über 50 Jahren!
Der exotischsten Besucher des Jahres war das Walross Wally, dass sich aus der Arktis in die Gewässer um die Britischen Inseln verirrt hatte.

Auch wenn die Meeres-Megafauna-Sichtungen fantastische Erlebnisse für Menschen sind, sind die Gewässer um die Britischen Inseln für die Meeressäuger voller Gefahren: Die Nähe zum Land und damit zur Küstenfischerei und viel Schiffsverkehr wird ihnen immer wieder zum Verhängnis. Daniele Clifford, Marine Conservation Officer for The Wildlife Trusts erklärt, dass neben der Meereserwärmung auch die Fischerei die Wale erheblich gefährdet. In Cornwall allein seien über 170 Wale, sowohl große Wale als auch Delfine und Schweinswale und 247 Robben in diesem Jahr gestrandet, viele davon mit Verwundungen, die durch Fischerei Aktivitäten entstanden sind. An der Küste Devons waren es weitere 51 Wal-Strandungen. Auch wenn der Lärm etwa durch Windfarmen und andere Küsten Infrastrukturen sowie andere menschliche Aktivitäten die Meeressäuger streßt, gehen die größten Gefahren klar von der Fischerei aus. Viele Fischereimethoden sind nicht nachhaltig, dazu sind verlorene Fischernetze, die als sogenannte sogenannten Geisternetze in den Meeren bleiben und zur Todesfalle für viele Tiere werden.

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Kommentare (3)

  1. #1 RPGNo1
    6. Januar 2022

    Suchen die Sardinen aufgrund des Klimawandels nun südlichere Gewässer auf? Und die Wale folgen ihrer bevorzugten Nahrung?

    Oder spielen auch strengere Fangquoten eine Rolle, so dass sich sie Sardinen und andere Schwarmfische um die britischen Inseln erholen konnten?

    • #2 Bettina Wurche
      6. Januar 2022

      @RPGNo1: Lauter guten Fragen : ) In diesem Zeitungsartikel steht, dass dort seit elisabethanischen Zeiten Sardinen gefangen werden:
      https://www.theguardian.com/business/2009/dec/10/cornish-sardine-protected-eu
      Ich weiß, dass die Bestände von Heringsartigen sich in den letzten Jahrhunderten immer wieder regional verlagert haben, im Nordseebereich sind das natürlich Schwankungen. Mit der Heringsfischerei stiegen Städte auf und fielen auch wieder zurück in die Armut. In der norwegischen Nordsee haben sich deswegen die Orca-Bestände ebenfalls verlagert, sie schwimmen jetzt nicht mehr im Winter in den Sognefjord.

      In der Biskaya sind Sardinen ortsansässig (ich habe sie dort auch mal selbst gefischt), auch in der Keltischen See (Fangstatistiken seit 1970-er Jahren):
      https://www.fischbestaende-online.de/fischarten/sardine/
      Die cornischen Sardinen sollten zum Bestand in der Keltischen See gehören:
      https://www.ices.dk/sites/pub/Publication%20Reports/Advice/2021/2021/EcosystemOverview_CelticSeas_2021.pdf

      Allerdings scheint die Sardinenfischerei vor Cornwall nie so groß und industriell gewesen zu sein.
      Jetzt gibt es dort offenbar ein Comeback der kleinen Sardinenfischerei, die wohl nachhaltig ist:
      https://www.fish-tales.com/de/blog/so-werden-unsere-sardinen-in-cornwall-gefangen/

      Fangquoten sind nach ICES für die cornischen Sardinen nicht gegeben.
      Vor Cornwall dürfte es also genug für Menschen und Wale geben. Gerade die kleinräumige und selektive Fischerei ist gut für den Schutz der Wale und Ökosysteme. Genau das, was wir unterstützen und essen sollten!

  2. #3 RPGNo1
    7. Januar 2022

    @Bettina Wurche

    Danke für die zusätzlichen Informationen.