Erinnert sich noch jemand an den Prozess “Bardens gegen Lanka”? Stefan Lanka, stolzer Preisträger des Goldenen Brettes (2015), lobte vor zehn Jahren ein Preisgeld von 100.000 Euro für den Nachweis der Existenz und die Bestimmung der Größe des Masernvirus aus, dessen Existenz er bestritt. David Bardens reklamierte das Preisgeld, nachdem er erfahren hatte, dass jeder, der einen Nachweis erbringen kann, dazu berechtigt ist. Er schickte auf dem Postweg sechs Veröffentlichungen an Lanka. Letztlich ging die Angelegenheit vor Gericht und in letzter Instanz, beim Oberlandesgericht Stuttgart, wurde Lanka zugesprochen das Preisgeld nicht zahlen zu müssen. Begründet wurde dies mit der Auslobung des Preisgeldes, wonach eine Publikation (die alles gewünschte zeigt) gefordert war, aber sechs verschiedene eingereicht wurden, die insgesamt den Nachweis des Virus und Bestimmung seines Durchmessers erbrachten. MaiLab bietet eine sehenswerte Zusammenfassung des Falls im Interview mit David Bardens.

Und heute?

Heute gibt es eine vergleichbare Auslobung (webarchive), von Samuel Eckert, einem bekannten “Querdenker” mit Historie. Die Verbindung zum Lanka-Fall haben auch schon andere gezogen – ich bin erst durch den Kommentarstrang im letzten Blogbeitrag aufmerksam geworden. Jetzt aber zur Auslobung:

WIR BEHAUPTEN:

Die abgebildeten Professoren können keine Textstellen aus Publikationen präsentieren, die den Vorgang der Isolation von SARS-CoV-2 und dessen Gensubstanz wissenschaftlich beweisen.

UNSER ZIEL:

Kann keine Publikation präsentiert werden, müssen Kontrollversuche und das entscheidende Alignment gemeinsam mit uns und der betreffenden Person durchgeführt werden.

UNSER VERSPRECHEN:

Kann in diesen gemeinsamen Versuchen oder durch die Publikationen unsere Behauptung widerlegt werden, erhält die entsprechende Person die in diesem Pool enthaltene Summe zzgl. 225.000 EUR.

Hier auf Scienceblogs können wir uns hoffentlich darauf verständigen, dass die Prämisse “das SARS-CoV-2-Virus wurde nicht isoliert und seine Gensubstanz nicht wissenschaftlich bewiesen” großer, sehr großer Unsinn auf mehreren Ebenen ist. Meine Erwartung ist eher: Hier wird der Lanka-Gambit ein zweites Mal versucht, um vor dem ohnehin “querdenkenden” Publikum einen Punkt zu landen und weiter Zweifel zu streuen, sich über Wissenschaftler lustig zu machen, etc..

Das Beispiel Lanka lehrt, dass es sehr genau auf die Formulierung der Auslobung ankommt: Es gibt bestimmt irgendeinen Punkt, der von Querdenkerseite angegriffen werden kann (schon weil manche Veröffentlichung schludrige Beschreibungen hatten, ein Kritikpunkt, der hier im Blog des Öfteren vorkommt) – auch wenn alles im wissenschaftlichen Sinn einwandfrei nachgewiesen wird.

Kritik an der Auslobung

  • Die abgebildeten Professoren, nennt zwar keine Namen, aber erwartet ist die Erwartung, dass nur vier Menschen zugestanden wird die wissenschaftliche Literatur zu kennen und darzulegen? Warum sollten diese über das Stöckchen springen wollen (außer natürlich für das Geld)?
  • Textstellen aus Publikationen und das folgende und – möchte Herr Eckert hier, dass in den erfragten Textstellen jeweils beides, Isolation des Virus und Nachweis der “Gensubstanz” erfolgen? Das schlösse jeweils diejenigen Publikationen aus, die sich auf nur einen Aspekt beziehen, würde aber immer noch viele mögliche Publikationen mit einschließen.
  • den Vorgang der Isolation von SARS-CoV-2 … beweisen – hier geht es zwar in der Folge um die “Gensubstanz”, aber wie genau ist ein “Vorgang einer Virusisolation” zu beweisen? Viren sind klein, üblicherweise wird isoliert und sequenziert, manchmal auch nur “gefischt” und sequenziert oder hybridisiert und damit ist der Beweis erbracht den fraglichen Virus in der Probe zu haben. Welche Art “Beweis” für einen Coronaleugner akzeptabel ist, steht hier nicht.
  • Gensubstanz wissenschaftlich beweisen – na, dass hier keine Fachsprache verwendet wird, will ich nicht bekritteln. (Die lasse ich im Blog oft genug selber Fachsprache Fachsprache sein.). Aber auch hier stellt sich die Frage: Was heißt “beweisen”? Nachweisen, im Sinn von Vorhandensein beweisen? Nichts leichter als das.
  • aber es geht ja noch weiter: Kann keine Publikation präsentiert werden, müssen Kontrollversuche und das entscheidende Alignment gemeinsam mit uns und der betreffenden Person durchgeführt werden. Was heißt “(k)eine Publikation”? Keine im Auge der Auslobenden zufriedenstellende? Dann aber müssen “Kontrollversuche gemeinsam mit uns” durchgeführt werden. SARS-CoV-2 wird für gewöhnlich in S3-Laboren untersucht. Welche Laborleiter würden da untrainierte Gäste einlassen? –  Niemand. Darf man nämlich gar nicht. (Mal abgesehen davon, dass ich manche dieser Gäste noch nicht mal in mein 08/15-Büro lassen würde. Und es ist ja auch gar nicht klar, welche Methode als “Beweis” gilt. Eine elektronenmikroskopische Aufnahme? Die kann möglicherweise gar nicht in den Laboren der 4 Professoren erfolgen, sondern nur beim Nachbarn, ein Institut weiter.) Ach ja, dann ist da noch das “Alignment”. Moment mal … wenn man RNA sequenziert, hat man eine Sequenz. Punkt. Die kann man natürlich noch vergleichen mit hinterlegten Sequenzen, schauen, ob es Abweichungen gibt und noch viel mehr, was die Bioinformatik so her gibt. Aber wenn schon die Existenz des Virus angezweifelt wird und damit auch die Validität der in Datenbanken hinterlegten Sequenzen ergibt sich ein Zirkelschluss der Nichtbeweisbarkeit. Am Ende wäre so kein Nachweis gelungen, Alignment hin oder her.

Was passiert mit dem Geld?

Offenbar wird hier Geld auch von freiwilligen Spendern ausgelobt. Dies zusätzlich zu den ausgelobten 250.000 €. Klickt man sich durch, wird an keiner Stelle darüber aufgeklärt, was mit dem Geld im Fall der Nichtinanspruchnahme der ausgelobten Summe geschehen wird. Zahlen kann man über PayPal. Die einzige Möglichkeit bei diesem Zahlungskanal Geld zurück zu fordern ist lieb zu bitten. So kann man natürlich Geld verdienen: Publicity für die diversen anderen Produkte und natürlich kann man anderswo auf der Seite auch anderweitig direkt spenden für die Sache des Samuel Eckert.

Anfrage

Ich habe also am 28. März folgende Anfrage abgesendet:

Sehr geehrter Herr Eckert,
sehr geehrte Damen und Herren,

gegenwärtig loben Sie 250.000 € für den Nachweis von SARS-CoV-2 aus. Hierzu habe ich einige Fragen und möchte gerne Ihre Antwort in meinem Blog (https://scienceblogs.de/rupture-de-catenaire ) posten.

– dürfen nur die 4 abgebildeten ProfessorInnen den Nachweis erbringen?
– was gilt als “Beweis” im Sinne der Ausschreibung? Eine mikroskopische Aufnahme? Etwas Anderes? Wenn ja, welche Methode ist für Sie akzeptabel?
– was genau sind “Textstellen aus Publikationen”? Dürfen dies auch unzusammenhängende Textstellen verschiedener Publikationen sein?
– was ist der “wissenschaftliche Beweis der Gensubstanz”? Die Sequenzierung der RNA? Der Nachweis über Hybridisierung? Etwas Anderes?
– wie würden Sie damit umgehen, falls der Zugang zu einem Labor zwecks Kontrollversuch nicht erlaubt werden kann, falls aus legalen Gründen (Sicherheitszulassung) kein Zutritt zum Labor gewährt werden kann?
– es wird zusätzliches Geld von Spenderinnen und Spendern ausgelobt? Was geschieht mit dem Geld im Fall der Nichtinanspruchnahme der ausgelobten Summe? Wie werden die Spenderinnen und Spender darüber informiert?

Über eine Antwort binnen 5 Tagen würde ich mich sehr freuen.

Mit freundlichen Grüßen,

Man gönnt sich ja sonst nichts.

Bislang kam keine Antwort. Habe ich auch nicht erwartet. Der Zweck ist – in meinen Augen – weiteren Sand in die Augen der Anhänger zu streuen, Publicity für die eigene Sache (Asche auf mein Haupt, dass ich dazu auch noch beitrage) und Geld zu verdienen. Stand heute ist der Zähler der eingegangen Spenden bei 11.500 CHF.

Screenshot vom 1. April 2020

Wieso Schweiz?

Wieso eigentlich Schweizer Franken? Nun, das Geld geht auf ein schweizer Konto. Das ist nicht Ehrenrühriges – ich hatte auch mal eines, als ich dort gelebt habe und Herr Eckert ist besitzt offenbar Unternehmen, die in der Schweiz registiert sind (Link zum eigenen Nachvollziehen).

Doch mehr als 11.000 Euro (plus die zusätzliche Publicity für die anderen Aktivitäten) für das Aufsetzen einer Webseite und etwas Geduld? Das ist ein hübscher Unternehmernebenverdienst. Seine Anhänger werden hier keinen Betrug wittern. Ich finde das mehr als anrüchig.

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Kommentare (2)

    • #2 Christian Meesters
      2. April 2021

      KwT!

      Kannte ich nicht / habe ich übersehen – danke für den Link. Ich möchte die Gelegenheit ergreifen und kurz erläutern, warum ich mich hier auch bei größtem Unfug oder schlimmeren sprachlich zurückhalte und aus dem Impressum von anonleaks zitieren:

      Ihr habt doch nicht ernsthaft geglaubt…

      … doch, Ihr habt!

      Ja, nö. Keine Namen, keine Adressen. Vielleicht irgendwo in diesem Bielefeld? Wer weiß …

      Kann man verstehen, wenn man sich solche Gegner aussucht. Dieser Blog ist gestartet nicht nur gegen Blödsinn anzuschreiben, sondern über Wissenschaft zu schreiben. Eine kleine, furchtbar zeitfressende und prioritätsverschiebene, Pandemie kam dazwischen. 😉