Die Grünen haben bekanntlich Probleme mit dem Thema Homöopathie und vor kurzem auch die geplante – und eh absurde – Kommission abgesagt, die den Streit schlichten sollte.

„Es ist aus meiner Sicht ein Trauerspiel, dass sich die Grünen nicht dazu durchringen können, sich von diesem Humbug zu distanzieren“, das Verhalten der Grünen sei „schizophren“.

Karl Lauterbach, SPD, zum Redaktionsnetzwerk Deutschland 2020

„Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Gäste,
es ist mir eine große Freude, Sie anlässlich der Jahrestagung des Deutschen Zentralvereins homöopathischer Ärzte (DZVhÄ) im Mai 2019 in Stralsund willkommen zu heißen.“

Manuela Schwesig, SPD, in ihrem Grußwort 2019

Kommentare (18)

  1. #1 RPGNo1
    19. Januar 2020

    „Warum siehst du den Splitter im Auge deines Bruders, aber den Balken in deinem Auge bemerkst du nicht? “ (Matthäus 7,3)

  2. #2 Basilios
    Kami-sama no Memo-chō
    19. Januar 2020

    >.<
    Aua!

    Aber ich denke ich verstehe den Unterschied schon. Jedenfalls, wie er sich vermutlich dem werten Herrn Lauterbach darstellt.
    Im einen Fall geht es lediglich um Häme gegen und Niedermache einer anderen Partei. Da ist die Munition doch völlig egal. Hauptsache immer feste druff!

    Im anderen Fall geht es darum für die eigene Partei etwas gute Publicity einzuholen, indem man auf irgendeiner beliebigen Jahrestagung eines Ärzteverbandes ein paar warme Worte absondert.

    • #3 Joseph Kuhn
      19. Januar 2020

      @ Basilios:

      Es gibt sicher in allen Parteien überzeugte Homöopathen, aber die widersprüchlichen Stimmen der Funktionäre muss man wohl auch so interpretieren, dass viele von ihnen inzwischen weniger an die Wirksamkeit der Homöopathie als an die Wirksamkeit der situativ opportunen Anbiederung glauben.

  3. #4 Basilios
    Kami-sama no Memo-chō
    19. Januar 2020

    Ja, Joseph, das erscheint mir auch so. Zumal ich schon denke, daß dort mehr Wirkung vorhanden ist, als bei der Homöopathie (welche ja, wie wir längst wissen, niemals über die Homöopathie hinaus wirksam ist 🙂

    Leider kann man jetzt nicht so sicher sagen, was denn die tatsächliche eigene Meinung des werten Herrn Lauterbach zur Homöopathie ist. So oder so fällt aber meine eigene Meinung über ihn nicht wirklich günstig aus. Ich vermute mal, daß die opportune Anbiederung sein eigentlicher Antrieb ist.

    • #5 Joseph Kuhn
      19. Januar 2020

      @ Basilios:

      “was denn die tatsächliche eigene Meinung des werten Herrn Lauterbach zur Homöopathie ist”

      Lauterbach hält die Homöopathie eindeutig für Placebomedizin. In dem Punkt kann man ihm keine Vorhaltungen machen.

  4. #6 Gerald Fix
    19. Januar 2020

    Es gehört zu den Aufgaben einer gewählten Repräsentantin eines Staates, sich korrekt gegenüber Andersdenkenden zu verhalten. Zu dieser Korrektheit gehört es auch, Gäste angemessen zu begrüßen.

  5. #7 Basilios
    Kami-sama no Memo-chō
    19. Januar 2020

    @Joseph
    Danke für die Einsortierung.
    Wie peinlich! Ich hatte deinen Artikel etwas oberflächlich gelesen (der Sonntag ist etwas trüb bei uns) und gar nicht kapiert, daß das freundliche Grußwort an die HomöoÄrzteschaft gar nicht von Lauterbach direkt selber, sondern von der Parteikollegin Schwesig kam. Somit handelt es sich ja um gar keine innerpersonelle, sondern “lediglich” um eine innerparteiliche Inkonsistenz.

    Wäre aber trotzdem nett, wenn nicht nur die Grünen, sondern auch die SPD versuchen würden so etwas aufzulösen.

  6. #8 Uli Schoppe
    19. Januar 2020

    Es gehört zu den Aufgaben Spinner freundlich Spinner zu nennen, mehr nicht.

  7. #9 Joseph Kuhn
    19. Januar 2020

    @ Gerald Fix:

    Niemand wird gezwungen, Schirmherrschaften für seltsame Veranstaltungen zu übernehmen. Für ein Treffen von Anhängern alternativer Zuckerfakten so wenig für eines von Flacherdlern oder Astrologen.

    Um Respekt vor Andersdenkenden geht es dabei im Übrigen gar nicht. Oder sind Sie der Meinung, gewählte Politiker müssten auch Schirmherrschaften für Reichsbürgertreffen übernehmen?

  8. #10 echt?
    19. Januar 2020

    Hoffen wir mal, dass Frau Schwesig einfach dumm ist.

    • #11 Joseph Kuhn
      19. Januar 2020

      @ echt?

      Ich glaube nicht, dass Frau Schwesig dumm ist und ich wüsste auch nicht, warum man das erhoffen sollte. Was würde dadurch besser? Sollten wir dann auch hoffen, dass alle anderen SPD-Politiker, die die Homöopathie unterstützen, ebenfalls dumm sind, dito die Politiker in anderen Parteien? Eine komische Hoffnung.

  9. #12 Gerald Fix
    20. Januar 2020

    #9 @Josef Kuhn
    Solche Tagungen sind ein relevanter Wirtschaftsfaktor und sie sind umkäpft – nicht nur Regionen mit wirtschaftlichen Problemen (zu denen MV wohl gehört) buhlen darum, auch München, Frankfurt und Hamburg stehen da im Ring. Da gehört es zum Management, freundlich zu den Leuten zu sein. Die verstehen das in der Mehrzahl auch richtig: Die wissen, dass ein Grußwort kein politisches Statement ist.

    Wie weit würden Sie gehen? Sollte ein katholischer Bürgermeister evangelische Gäste nicht mehr begrüßen? Ich ziehe die Grenze dort, wo es sich um Gäste handelt, die den Repräsentanten und Institutionen des Staates ablehnend gegenüberstehen. Reichsbürger oder Antifa oder AFD braucht man nicht mit übermäßigem Respekt zu behandeln. (Die bringen auch kein Geld, weil die Polizeikosten die Einnahmen mutmaßlich übersteigen.) Homöopathen richten Schaden an, deshalb muss man ihren Ideen gegenübertreten; aber sie sind keine Gegner einer freiheitlichen Gesellschaft.

    • #13 Joseph Kuhn
      20. Januar 2020

      @ Gerald Fix:

      “sie sind keine Gegner einer freiheitlichen Gesellschaft”

      Das hat auch niemand behauptet. Dann wären Sie also für Grußworte für Geistheiler-, Flacherdler- und Astrologenkongresse? Der Frage in meinem Kommentar sind Sie ausgewichen.

      “Reichsbürger oder Antifa oder AFD braucht man nicht mit übermäßigem Respekt zu behandeln.”

      Davon abgesehen, dass man niemanden mit “übermäßigem” Respekt behandeln muss – das wäre ja Anbiederung, ist das eine interessante Position. Die AfD-Abgeordneten sind immerhin demokratisch gewählt. In der Antifa gibt es neben gewaltfreudigen Spinnern auch ehrlich engagierte Menschen.

      “Die bringen auch kein Geld”

      Aha. Was ist das für ein Kriterium? Dann auch kein Grußwort für eine Tagung der Behindertenverbände?

      Von alldem abgesehen: Der Blogbeitrag spießt die selbstgerechte Polemik von Lauterbach auf, ganz uanbhängig davon, ob man Grußworte für Homöopathie-Kongresse für politisch geboten hält oder nicht. Dazu äußern Sie sich auch nicht.

  10. #14 schlappohr
    20. Januar 2020

    Man fragt sich, was in der guten alten SPD im Moment vorgeht. Der eine prangert esoterischen Unsinn als solchen an, die andere schreibt ein Grußwort für einen Esoterikerkongress. Ist das so eine Art sozialdemokratischer Doppelbeschluss? Will man mit dieser Strategie auf Stimmenfang gehen? Ok, Geschlossenheit und Konsistenz ist ja gerade nirgendwo so richtig en vogue, aber dennoch…
    Auch die Ankündigung der SPD, das Thema 130km/h wieder auf den Tisch zu bringen, wird, obwohl in der Sache vollkommen richtig und vernünftig, einiges an Wählerstimmen kosten, vor allem aus der stetig wachsenden SUV-Fraktion. Und das mit den Wählerstimmen ist bei der SPD momentan ja so ein Reizthema.
    Liebe SPD, ihr wisst doch, wie das geht. Solche Themen darf man nicht ankündigen. Man muss sie durchziehen, unmittelbar, nachdem man gewählt wurde (ok, das könnte ein Problem werden), oder wahlweise während eines EM-Spiels. Dann merken die Leute nichts oder haben es bis zur nächsten Wahl vergessen. Fragt doch mal bei eurem Koalitionspartner nach, die sind euch da ein bisschen voraus.

  11. #15 Tim
    20. Januar 2020

    Manche Parteien (mit “C” im Namen) betonen sogar, dass viele ihrer Mitglieder mit Gespenstern reden (“beten”) und von diesen sogar Lebenshilfe erwarten.

    Politik ist immer so gaga wie die Gesellschaft, von der sie lebt.

  12. #16 echt?
    20. Januar 2020

    “Ich glaube nicht, dass Frau Schwesig dumm ist und ich wüsste auch nicht, warum man das erhoffen sollte. Was würde dadurch besser?”

    Damit meinte ich, dass zwei Ursachen für das Grußwort in Frage kommen: Dummheit oder Skrupellosigkeit.

    Dummheit wäre mir da fast lieber.

  13. #17 knorke
    20. Januar 2020

    @echt (16)
    Mir fiel da noch Opportunismus ein. Das wäre mir übrigens lieber als Dummheit bei den gewählten Vertretern des Volkes – wenn ich schon wählen muss dann wenigstens zwischen allen möglichen Erklärungen. Vielleicht gibt es ja sogar wohlwollende. Wenngleich mir nicht einfiele, welche.

  14. #18 Gerald Fix
    20. Januar 2020

    #13 @Joseph Kuhn

    Herr Kuhn, ich will da keine Grundsatzdebatte führen – das Gegenteil ist mein Anliegen. Ein Grußwort, und nur darauf wollte ich hinaus, ist üblicherweise kein politisches Statement.

    Allerdings habe ich mich jetzt mal bemüht, etwas Licht ins Dunkel meines Wissens zu bringen. Laut Wikipedia ging es bei der Sache nicht (nur) um ein Grußwort, sondern tatsächlich um eine Schirmherrschaft (wie Sie es in #9, aber nicht im Artikel, geschrieben haben) und um eine lobende Rede. Das wurde zu Recht kritisiert.