Die Corona-Impfung schützt nicht zu 100 %, aber sie ist hochwirksam, vor allem, was schwere Verläufe und Tod angeht. Das lässt sich mit unterschiedlichen Methoden zeigen. Der „Goldstandard“ zur Bestimmung der Impfstoffwirksamkeit ist der Vergleich von Inzidenzraten zwischen Geimpften und Ungeimpften im RCT, dem randomisierten kontrollierten klinischen Versuch. Bei den Zulassungsstudien ist man so vorgegangen. Verglichen mit früheren, „bewährten“ Impfstoffen, hatte man dabei durchaus beachtliche Fallzahlen, aber RCTs haben naheliegenderweise ihre logistischen Grenzen und im Zulassungsverfahren kommen bei RCTs auch Einschränkungen hinzu, was den Einschluss bestimmter Personengruppen angeht, z.B. Kinder oder Schwangere.

Später, in der praktischen Anwendung, lassen sich, allerdings mit weniger strengen Studiendesigns, ebenfalls Wirksamkeitsberechnungen vornehmen. In einer inzwischen kaum mehr überschaubaren Zahl von Studien hat sich dabei die hohe Wirksamkeit der Corona-Impfung auch unter Alltagsbedingungen bestätigt, mit interessanten Befunden z.B. zum Vergleich der Wirksamkeit verschiedener Impfstoffe. Begrifflich wird dabei gelegentlich die „Impfstoffwirksamkeit“ von der „Impfeffektivität“ unterschieden, analog der gebräuchlichen Unterscheidung von efficacy und effectiveness. Im living e-book „Corona verstehen – evidenzbasiert“ wird darauf kurz eingegangen.

Die Impfeffektivität unter Alltagsbedingungen kann man je nach Art der verfügbaren Daten unterschiedlich berechnen. Das RKI schätzt die Impfeffektivität in seinen Wochenberichten nach der sog. “Screeningmethode nach Farrington“. Dabei werden nicht Inzidenzraten für Geimpfte und Ungeimpfte verglichen, sondern man stützt sich auf Angaben zur Impfquote bei Covid-19-Erkrankten relativ zur Impfquote in der Gesamtbevölkerung. Ein Schätzverfahren wie gesagt, keine ganz exakte Mathematik. Der SPIEGEL hat daran anlässlich einer Anpassung des Rechenverfahrens gerade eine ziemlich polemische Kritik veröffentlicht, aber wohl das Rechenverfahren nicht so ganz verstanden, weil mit dem Inzidenzvergleich von Geimpften und Ungeimpften argumentierend, der hier gar nicht zur Anwendung kommt und bei dem sich eine analoge Änderung des Verfahrens genau gegenteilig auswirken würde.

Im Wochenbericht vom 7.10.2021 kommt das RKI zu folgenden Ergebnissen:

• Impfeffektivität für den Zeitraum von der 5. bis 39. Kalenderwoche für die Altersgruppe 18-59 Jahre ca. 83 % und für die Altersgruppe ab 60 Jahren ca. 82%. Für den Zeitraum der letzten vier Wochen (36. bis 39. KW): für die Altersgruppe 18-59 Jahre ca. 80% und für die Altersgruppe ab 60 Jahren ca. 77%.
• Schutz vor Hospitalisierung: ca. 92% (18-59 J.) bzw. ca. 88% (ab 60 J.)
• Schutz vor Behandlung auf Intensivstation: ca. 95% (18-59 J.) bzw. ca. 93% (ab 60 J.)
• Schutz vor Tod: ca. 99% (18-59 J.) bzw. ca. 90% (ab 60 J.)

Wie gesagt: Die Corona-Impfung ist hochwirksam, auch gegen die derzeit dominante Delta-Mutante. Demgegenüber wird im Internet allerdings immer wieder einmal darauf verwiesen, dass es einen großen Anteil an Sterbefällen unter den Geimpften gibt. Klar ist, dass der Anteil der Geimpften unter den Gestorbenen notwendigerweise zunehmen muss, wenn die Impfquote steigt. Trivialerweise könnte es, wenn alle geimpft wären, nur noch geimpfte Gestorbene geben. Aber wenn unter den Geimpften auch noch die Sterberate höher ist als unter den Ungeimpften, dann kann das in der Tat irritieren.

In einem kleinen Methodensplitter, der in Heft 10/2021 der Zeitschrift „Gesundheitswesen“ erscheinen soll, wird kurz erläutert, wie es dazu kommen kann. In Bayern lag Mitte Juli 2021 die Fallsterblichkeit („Case Fatality Rate“, CFR) aller Coronafälle kumulativ bei 2,4 %, die der unvollständig Geimpften bei 3,4 %, die der vollständig Geimpften bei 4,3 %. Erhöht also die Impfung das Sterberisiko, wie manche daraus messerscharf schließen?

Wie diese Zahlen zu den guten Angaben zur Wirksamkeit der Impfung passen, zeigt sich, wenn man die CFR nach Alter differenziert, also altersspezifische Sterberaten bildet. Dann sieht man, dass sie in jeder einzelnen Altersgruppe bei den vollständig Geimpften deutlich niedriger ist als bei den unvollständig Geimpften und hier wiederum niedriger als bei allen Infizierten (die Ausnahme in der Altersgruppe 30-49 ist zufallsbedingt aufgrund sehr kleiner Fallzahlen).

Was man hier sieht, ist das berühmte „Simpson-Paradoxon“. Die ungewichtete Gesamtrate von 4,3 % Gestorbenen unter den vollständig Geimpften ist am höchsten, weil hier viele Hochaltrige mit höheren Sterberaten enthalten sind. Das Simpson-Paradoxon verschwindet, wenn die Gesamtraten der drei Gruppen altersstandardisiert werden, was bei Ratenvergleichen zwischen Gruppen mit unterschiedlichem Altersaufbau und altersabhängigem Outcome immer sinnvoll ist. Auf die Bevölkerung Bayerns 2019 standardisiert waren es 2,8 %, 2,0 % und 1,0%.

Kommentare (44)

  1. #1 Alisier
    7. Oktober 2021

    Wenn schon Simpson Paradoxon, dann auch bitte mit passender Illustration 😉 :
    https://analyticsindiamag.com/understanding-simpsons-paradox-and-its-impact-on-data-analytics/
    Und Danke für die gute Erklärung. Ich werde diesen Post weiter empfehlen, auch weil sehr viele das Problem immer nicht verstanden zu haben scheinen.
    Leider nicht nur beim Spiegel.

  2. #3 Alisier
    7. Oktober 2021

    @ Joseph Kuhn
    Schon klar.
    Wenn aber selbst der Spiegel beim Thema Corona solche Böckchen schießt, muss man sich über das uninformierte Geschrei der Querdenkaffinen vielleicht gar nicht so sehr wundern.

  3. #4 PDP10
    7. Oktober 2021

    Schließe mich Alisier an. Danke für die Erklärung. Ich habe bei solchen Zusammenhängen bisher immer etwas dumm geguckt, auch wenn ich die so halbwegs verstanden hatte. Der Begriff war mir bis dato auch unbekannt.
    Jetzt habe ich das Grundlegende Problem, glaube ich, mehr als halbwegs verstanden und habe auch noch einen Begriff mit dem ich angeben kann 😉

  4. #5 PDP10
    7. Oktober 2021

    Das ganze ist aber auch ziemlich unintuitiv. Aber das hat man bei Statistiken ja oft. Es ist wirklich ein bisschen so, wie ich gerade nebenan reingeschrieben habe: “Glaube keiner Statistik, die du nicht verstanden hast.” … und das ist eben manchmal nicht so einfach.

    Ich kann das daher durchaus Leuten nachsehen, wenn sie sich angesichts der oben zitierten kumulativen CFR in die Brust werfen und sagen: “Na siehste?!”.

    Was ich nicht nachsehen kann, ist, wenn Leute, die es eigentlich besser wissen müssten hingehen und solche Zahlen einfach ohne weitere Erklärung benutzen weil sie so schön zu ihrer Agenda passen. Da wird dann wirklich mit Statistik gelogen (nicht “gefälscht”!).

  5. #6 Prof. Ratsam
    8. Oktober 2021

    https://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/gesundheit/coronavirus/corona-in-bremen-hoechste-impfquote-und-hoechste-inzidenz-17566539.html

    Tja, Simpson-Paradoxon oder Plausibilität, man muss sich als Leser heutzutage entscheiden was man noch glauben soll.

    Paradoxa gibt es in der Mathematik/Statistik nicht, zeigen sie mir mal eine paradoxe Gleichung, es gibt nur Menschen die Statistiken empirisch nicht plausibel verstehen.

    Ich hatte ja schon Angst Sie hätten aufgegeben nach der inhaltlichen Pause hier mit wahr/unwahr 😉 Schön dass Sie wietermachen, ihre Studenten brauchen ja irgendjemand der Ihnen erklärt warum man Sie mit Farbbändern markiert und kategorisiert auf dem Campus.

    Wer allerdings glaubt, dass die Impfe zu 95% wirksam ist bei all den Impfdurchbrüchen bzw. die Zahl nicht selber ein Paradox ist bei CFR unter 0.1 % für Inzidenzen in Impfhochburgen), aber eine hohe Impfwirksamkeit haben soll. Das ist ein wahrliches logisches Paradoxon (lach)

    • #7 Joseph Kuhn
      8. Oktober 2021

      @ Prof. Ratsam:

      “Paradoxa gibt es in der Mathematik/Statistik nicht”

      Darüber kann man sicher streiten, aber das Simpson-Paradoxon ist natürlich kein mathematisches Paradoxon, mathematisch ist die Sache ja völlig klar. Psychologisch erscheinen die Zahlenverhältnisse paradox, weil sie einen Fehlschluss plausibel erscheinen lassen. Für Sie beispielsweise.

      “Wer allerdings glaubt …”

      Sie dürfen gerne glauben, was Sie möchten. Meiden Sie einfach Studien, die könnten dabei stören.

  6. #8 2xhinschauen
    8. Oktober 2021

    Sachverhalte wie die Bayes-Formel oder eben das Simpson-Paradoxon sind auf den ersten Blick geradezu kontraintuitiv. Insoweit danke für die wiederholten Erläuterungen. Man muss es dann irgendwann schaffen, es selbst jemandem erklären zu können, ohne dabei wegen “intuitiver” Gegenargumente aus der Kurve zu fliegen. Geschweige denn, das Phänomen in irgendwelchen Zahlen selbst zu erkennen *seufz

  7. #9 PDP10
    8. Oktober 2021

    @Prof. Ratsam:

    Tja, Simpson-Paradoxon oder Plausibilität, man muss sich als Leser heutzutage entscheiden was man noch glauben soll.

    Tja. Ich glaube, es wäre ratsam nicht so herablassend über Dinge zu reden, die man nicht verstanden hat. Oder nicht verstehen will, weil sie einem nicht in den Kram passen.

  8. #10 hto
    8. Oktober 2021

    Fest steht: Wir werden uns noch lange impfen lassen müssen, vielleicht sogar immer, denn auch zwischen den Geimpften hüpft das Virus lustig umher, denn es kümmert sich kaum noch jemand um Abstandsregeln, bzw. 2G oder 3G, und die Gesundheitsämter kümmern sich nicht wirklich um Quarantäne, in der Annahme die Impfung wirkt schon vernünftig.
    Und so werden Statistiker und Pharmakonzerne auch weiter lustig zu tun haben.

  9. #11 Soisses
    8. Oktober 2021

    @Prof. Ratsam

    Kenneth J. Rothman:
    Epidemiology is more than just applying “common sense”, unless one has uncommonly good common sense.
    (Meine Buchempfehlung an alle, Epidemiology. An introduction.)

  10. #12 RPGNo1
    8. Oktober 2021

    @Alisier

    Leider nicht nur beim Spiegel.

    Ich habe mir bei Spiegel-Artikeln, die nach meinem Kenntnisstand unklare oder sogar fragwürdige Aussagen tätigen, inzwischen angewöhnt, ein wenig nach dem Autor zu recherchieren. In diesem betreffenden Fall heißt es über den Verfasser: “studierte Publizistik, Politikwissenschaft und Germanistik in Mainz. […] und absolvierte […] eine Weiterbildung im Bereich datengetriebene Recherche, Machine Learning und Datenvisualisierung”

    Das mag jetzt mein Vorurteil des studierten Naturwissenschaftlers sein, aber der Autor weist meines Erachtens nicht wirklich die Kompetenz auf, über das Thema in korrekter Weise zu berichten, da er die Grundlagen nur unvollständig verstanden hat.

    Da lege ich mein Vertrauen doch eher in die kundigen Hände von Joseph Kuhn. 🙂

    • #13 Joseph Kuhn
      8. Oktober 2021

      @ RPGNo1:

      “Da lege ich mein Vertrauen doch eher in die kundigen Hände von Joseph Kuhn.”

      Das ist freundlich, aber vor zu viel Vertrauen muss ich aus Erfahrung warnen.

  11. #14 Markweger
    8. Oktober 2021

    Na ja, wenn die Impfung nicht wirkt wie sie soll dann ist das halt ein Paradoxon.

    Das gibt es anderswo auch, Dinge die mit einer Hypothese nicht zusammen passen sind dann halt ein Paradoxon.

    Im einen wie im anderen Fall sehr praktisch eigentlich.

    • #15 Joseph Kuhn
      8. Oktober 2021

      @ Markweger:

      Sie wirkt gut, da ist nichts paradox, außer für Studienignoranten. Aber Sie stellen ja bekanntlich auch Einsteins Relativitätstheorie infrage, da haben epidemiologische Studien natürlich erst recht keine Chancen.

  12. #16 Alisier
    8. Oktober 2021

    @ RPGNo1
    Ich bleibe dabei:
    Ein gutes naturwissenschaftliches Fundament ist sehr wichtig, aber ohne die eingeübten Denkinstrumente eines tiefer gehenden geisteswissenschaftlichen Studiums fehlt oft etwas Entscheidendes.
    Ich wünsche mir bei Journalisten, Entscheidern, Wissenschaftlern und einigen anderen meist, dass sie zweigleisig fahren können und ihren Habermas genau so gut kennen wie ihre Ökologie, Chemie, Physik etc.
    Ist vielleicht illusorisch aber träumen wird man dürfen.
    Aber es gibt sie tatsächlich, sogar hier bei den Scienceblogs.

  13. #17 RPGNo1
    8. Oktober 2021

    @Alisier

    Ein gutes naturwissenschaftliches Fundament ist sehr wichtig, aber ohne die eingeübten Denkinstrumente eines tiefer gehenden geisteswissenschaftlichen Studiums fehlt oft etwas Entscheidendes.

    Hast du da ein entsprechendes Beispiel parat? Ob aus Wissenschaft oder Journalismus?

  14. #18 Alisier
    8. Oktober 2021

    @ RPGNo1
    Um dann hier nicht direkt bauchpinseln zu müssen: Martin Bäker z.B.
    Bei reinen Journalisten wird man aber sich auch welche finden können.

  15. #19 Alisier
    8. Oktober 2021

    sich”er”…..ich sollte langsamer tippen….

  16. #20 Alisier
    8. Oktober 2021

    @ RPGNo1
    Falls Du Beispiele gemeint haben solltest, dass etwas Entscheidendes fehlt:
    Dafür bräuchte ich dann Ausholzeit und -muße.

  17. #21 Soisses
    8. Oktober 2021

    @RPGNo1 #12

    Sie argumentieren ziemlich schwach.

    Stellen Sie sich vor, Brüderchen hat Suppe gekocht.
    Es schmeckt nicht, ist missraten.
    Sagen Sie dann, es ist missraten oder sagen Sie dann “Da du nicht Koch gelernt hast, ist es verständlich, dass deine Suppe missraten ist”?

    Ich habe hier schon öfter versucht einzuwerfen:
    Wenn ihr kritisiert, liebe Leute, dann bleibt spezifisch.
    Klärt auf, OHNE herumzuphantasieren, warum jemand irrt, was es mit seiner Herkunft, seiner Vergangenheit usw. zu tun hat.
    Und ganz konkret haben wir doch hinreichend Beispiele, dass Leute mit sagenhaften formalen Qualifikationen seltsamerweise in der Corona-Frage Stuss hervorbringen.

  18. #22 Ursula
    8. Oktober 2021

    Danke an Joseph Kuhn für diesen Blogbeitrag!
    Ein bisschen besser kenne ich mich jetzt aus, muss aber zugeben, es ist keine leichte Kost für mich.
    Ich versuche so weit durchzublicken, dass ich es auch anderen erklären kann. Das wird dauern 😉
    Die “üblichen Verdächtigten” (siehe Markweger) werden sich dadurch ohnehin nicht beeindrucken lassen!

  19. #23 Alisier
    8. Oktober 2021

    @ Soisses
    Ich stimme der Kernaussage zu.
    Der beste Entomologe, den ich je kennenlernen durfte, war Autodidakt (Zeit ihn mal wieder zu erwähnen).
    Und heutige Entomologen haben oft zu einem Spezialthema promoviert, ohne sich auch nur ansatzweise mit Ökosystemen beschäftigt zu haben, was eigentlich gar nicht geht, aus meiner Sicht.

  20. #24 RainerO
    8. Oktober 2021

    @ Ursula
    Ich habe ich meiner Bibliothek ein nettes, kleines Büchlein stehen: Mit an Wahrscheinlichkeit grenzender Sicherheit” von Dubben, Beck-Bornholdt. Darin gibt es ein ausfühliches Kapitel über Simpsons Paradoxon mit Fallbeispielen, jeweils mit “Auflösung”.
    Der Rest des Buches ist auch empfehlenswert und die € 8,49 als E-Book sicher wert.

  21. #25 RPGNo1
    8. Oktober 2021

    @Soisses

    Ich argumentiere nicht, da ich nur meine Einschätzung präsentiert und diese nicht auf andere übertragen habe.

    Und zum Kochen sage ich nur eines: “Äpfel-Birnen-Vergleich”.

    @Alisier

    Ich meinte tatsächlich nur eine Beispielperson NaWi plus eingeübte geisteswissenschaftlicher Grundlage.

  22. #26 Alisier
    8. Oktober 2021
  23. #27 Ursula
    8. Oktober 2021

    @RainerO
    Lieben Dank für den Buchtipp! Schon gekauft!

  24. #28 RPGNo1
    8. Oktober 2021

    @Alisier

    Nur noch ein kurzer Link, um das hier nicht unnötig zu derailen:

    Danke

  25. #29 Ichbinich
    9. Oktober 2021

    Dass der Mittelwert des CFR über alle Altersgruppen durch das Paradoxon abweichen kann, verstehe ich.
    Aber wie kann es sein, dass innerhalb einer Altersgruppe der CFR gesamt größer ist als der jeweilige CFD der einzelnen Gruppen? (wie z. B. bei 80-89)
    Müsste das nicht der gewichtete Mittelwert sein und damit immer zwischen dem CFR geimpft und dem CFR ungeimpft liegen?
    Oder was übersehe ich hier?

  26. #30 Ichbinich
    9. Oktober 2021

    Achso, ich glaube ich habe es. In der Tabelle oven fehlt einfach die CFR der ungeimpft en, die dann höher ist, richtig?
    (ich hatte mit “unvollständig geimpft” auch die komplett ungeimpften verstanden, so ist das aber wohl nicht gemeint)

    • #31 Joseph Kuhn
      9. Oktober 2021

      @ Ichbinich:

      So ist es. In der “CFR gesamt” schlagen die Ungeimpften mit ihren hohen Raten zu Buche. Sie sind nicht als eigene Spalte ausgegliedert, weil hier anhand der Meldedaten die Berechnung der CFR nicht so einfach möglich ist.

  27. #32 zimtspinne
    9. Oktober 2021

    Das Hässlichste unter der Sonne ist Statistikgedöns, weil ich habe das bisher nicht mal halb verstanden, obwohl netter- und aufbereitenderweise viele Begriffe mit Erklärlinks unterlegt werden (großes Lob dafür mal an der Stelle).
    Bei “Altersstandardisierung” (was ich natürlich auch nicht intuitiv verstehe) bin ich dann vorerst ausgestiegen, da dort das übergeordente Wort erklärt wird in Statistikkauderwelsch.
    Das ist der Horror, juristisch ist dagegen verständig und sogar Behördendeutsch noch leichter zu verdauen als das.
    @ Alisier
    Habe starke Zweifel, dass du das mal einfach so smalltalkenderweise unters Volk bringen kannst.
    Männer werden natürlich verständig dazu nicken, so als hätten sie jedes Wort verstanden.

    Es wäre mal interessant, die individuelle Impfwirksamkeit (und auch Effektivität sowie Halbwertszeit) zu ermitteln.
    Ich denke nämlich, dass es da große Unterschiede (auch in ähnlichen Altersgruppen) geben kann.
    Ausgeklammert genetische Einflüsse, würde mich nämlich auch interessieren, ob Leute mit miesem Lebensstil -wie bei vielen Infekten und sonstigen Krankheiten- auch trotz Impfung schlechere Karten haben.

    Heute ist es schön draußen – da könnte man rausgehen und was unternehmen, das mit Bewegung zu tun hat und nicht im Anschluss eine Kiste Dosenbier ausleeren (@PDP^^).

    Wir haben dieses Problem und ausgerechnet wieder die eh schon ungesünder lebenden (jüngen) Männer sind wieder vorne mit dabei:

    https://www.diabetologie-online.de/a/tum-studie-zu-ernaehrung-und-bewegung-corona-befeuert-eine-andere-pandemie-2360545

  28. #33 zimtspinne
    9. Oktober 2021

    zwei Nämlichs hintereinander war jetzt fast schon geaschenbachert 🙁
    (Erinnerung an mich: immer alles vor dem Absenden nochmal durchlesen, wir sind hier nicht bei whatsapp)

  29. #34 RainerO
    9. Oktober 2021

    “Statistikgedöns” ist nicht hässlich, nur weil man es nicht versteht. Man versteht dann Statistik einfach nur nicht. Gerade Simpsons Paradoxon ist ein Lehrbeispiel dafür, wie man damit das “Bauchgefühl” zurecht rücken kann.
    Und dass bestimmte Risikofaktoren teilweise mehr wiegen, als das Alter, wird auch bei Covid-19 schon von Beginn an diskutiert/berücksichtigt. z.B. der 40-jährige massiv übergewichtige Diabetiker muss von einem schwereren Verlauf ausgehen, als ein fitter 70-jähriger ohne gravierende Vorerkrankungen.

  30. #35 Alisier
    9. Oktober 2021

    @ RainerO
    Wenn Du nochmal Simpsons schreibst, dann kippst Du sechs Duff auf ex. Mindestens.
    😉
    @ zimtspinne
    Antwort folgt, wenn auch nicht zeitnah.

    • #36 René
      13. Oktober 2021

      Wenn man korrekt liest und deutet, sind das alles gültige Schreibweisen:

      “Simpson-Paradoxon”, “Simpsons Paradoxon”, “simpsonsches Paradoxon”

      Zweifel daran rühren glaube ich daher, dass das Konzept zusammengesetzter Wörter im Deutschen von immer weniger Menschen verstanden wird. ;o)

  31. #37 RainerO
    9. Oktober 2021

    @ Alisier
    Ich habe diese Schreibweise aus dem in #24 erwähnten Buch übernommen. Also beschwere dich bei denen… 😉

  32. #38 Herr ɟuǝs
    Anderer
    13. Oktober 2021

    … warum über die Schreibweise streiten, wenn schon der Name falsch ist?

    • #39 Joseph Kuhn
      13. Oktober 2021

      @ Herr ɟuǝs:

      “wenn schon der Name falsch ist”

      Nebenan wurde gerade ein Buch aus der Analytischen Philosophie vorgestellt, also einer philosophischen Richtung, die sich insbesondere auch um Begriffsklärungen bemüht. Warum ist der Name “Simpson-Paradoxon” falsch? In welcher Hinsicht können Namen überhaupt “falsch” sein? Müssen sie dazu vielleicht für eine verkürzte Aussage stehen? Wenn man Peter als Fritz anspricht, ist es der falsche Name – falsch in dem Sinne, dass damit in verkürzter Form eine falsche Aussage wie z.B. “Im Personalausweis dieser Person steht Peter” oder “Diese Person nennt sich Peter” wiedergegeben wird.

      Welche falsche Aussage verbirgt sich hinter dem Namen “Simpson-Paradoxon”?

  33. #40 Jolly
    13. Oktober 2021

    @Joseph Kuhn

    Welche falsche Aussage verbirgt sich hinter dem Namen “Simpson-Paradoxon”?

    Es ist wohl mehr vor …, vor Simpson:

    “Er war aber nicht der Erste, der sich damit beschäftigte. So beschrieben bereits 1899 Karl Pearson et al. und 1903 George Udny Yule einen ähnlichen Sachverhalt.” (Wikipedia, im Artikel verlinkt)

    Aber klar, wenn man weiß, dass mit Simpson-Paradox das Yule-Pearson-et al.-Paradox gemeint ist, kein Problem.

  34. #41 Joseph Kuhn
    14. Oktober 2021

    Simpson lauert bei Corona überall

    Zum Simpson-Paradoxon im Zusammenhang mit Corona gibt es auch ein anderes Fallbeispiel, den Vergleich der Sterberaten von China und Italien im Frühjahr 2020. Die Gesamtrate Italiens ist höher, aber bei den altersspezifischen Raten läuft es anders herum: Kügelgen et al. Simpson’s paradox in Covid-19 case fatality rates: a mediation analysis of age-related causal effects. https://arxiv.org/abs/2005.07180v3

    Norbert Henze vom Karlsruher Institut für Technologie hat dieses Beispiel ebenfalls aufgegriffen: https://www.math.kit.edu/stoch/~henze/seite/azddm/media/simpson-covid-19-rev.pdf.

  35. #42 rolak
    14. Oktober 2021

    CN/IT

    Fig/Abb 1 ist schon ein echter Kracher, so ein Bild schlägt halt jede Tabelle. Das kribbelt bereits beim Hingucken, ein Erlebens-Unterschied -äh- homerischer Epik.

  36. #43 Smørrebrød
    16. Oktober 2021

    @Jolly

    Danke für das Erwähnen von Stigler’s law of eponymy.

  37. […] Wirksamkeit der Coronaimpfung und das Simpson-Paradoxon, Gesundheits-Check am 7. Oktober […]