2018 hat die Bayerische Staatsregierung entschieden, dass in Behördeneingängen ein Kreuz zu hängen habe. Was das Kreuz konkret bedeutet, ob es ein religiöses Zeichen ist oder nur ein historisch-kulturelles, ob es somit die staatliche Neutralitätspflicht in Bekenntnisfragen verletzt oder nicht, darüber gab es schnell kontroverse Diskussionen – mit überraschenden Positionierungen.

Der „Bund für Geistesfreiheit“ hatte schließlich gegen den Kreuzerlass geklagt und vor dem Bayerischen Verwaltungsgerichtshof nicht Recht bekommen. Auch die Revision vor dem Bundesverwaltungsgericht brachte kein anderes Ergebnis. Das Bundesverwaltungsgericht folgte der Argumentation, auf die sich die Bayerische Staatsregierung zurückgezogen hatte, es gehe doch nur um ein Symbol der historisch-kulturellen Prägung Bayerns:

“Nach dem Kontext und Zweck der Verwendung des Kreuzessymbols identifiziert sich der Freistaat Bayern durch die Aufhängung von Kreuzen nicht mit christlichen Glaubenssätzen. Schon nach dem Wortlaut der im Gesetz- und Verordnungsblatt veröffentlichten Regelung des § 28 AGO soll das Kreuz vielmehr Ausdruck der geschichtlichen und kulturellen Prägung Bayerns sein.”

Dazu der neue Fraktionschef der CSU im bayerischen Landtag, Klaus Holetschek, als Jurist geübt in der Kommentierung von Gerichtsentscheidungen:

„Bayern ist ein Land der Vielfalt, der Toleranz und natürlich auch der Glaubensfreiheit, aber Bayern ist eben auch ein christlich geprägtes Land und es ist richtig, dass der Freistaat dies mit dem Kreuz auch zum Ausdruck bringt.“

Was genau bringt das Kreuz also zum Ausdruck? Man könnte jetzt die Diskussionen von 2018 einfach noch einmal abspulen. Der „Bund für Geistesfreiheit“ sieht die Sachlage wohl ebenfalls unverändert und hat angekündigt, nun vor das Bundesverfassungsgericht gehen zu wollen.

Fortsetzung folgt.

Kommentare (32)

  1. #1 Alisier
    19. Dezember 2023

    Solange die Fortsetzung hier im Blog nicht ähnliche Gebetsmühlentexte produziert wie letztes Mal…….ich habe den Fehler gemacht diese noch mal durchzulesen weil direkt verlinkt, und will das sicher nicht nochmal.

    Das Kreuz bringt in diesem Falle lediglich zum Ausdruck, dass jemand den klassischen Christen ein bisschen Zucker in den Hintern blasen will, damit sie ihn auch in Zukunft wählen. Scheint ja auch teilweise funktioniert zu haben.
    Dass manche Gerichte da mitmachen ist wohl eher das Problem.

  2. #2 Staphylococcus rex
    19. Dezember 2023

    @ Alisier, knapp 500 Beiträge aus der letzten Diskussionsrunde wirklich gelesen? Das ist hier ein typisches Aufregerthema, aber so groß ist meine Neugier doch nicht 😉

    Nach meiner unmaßgeblichen rein persönlichen Meinung haben religiöse Symbole überall dort, wo der Staat seine Macht und Autorität ausübt, nichts zu suchen, nur so kann die Trennung von Staat und Religion funktionieren. Paradoxerweise sind es gerade die öffentlichen Gebäude, wo der Staat Macht und Autorität ausübt….

    Das Kreuz als Geschichts- und Kulturgut zu definieren ist ein juristischer Winkelzug, der zu einem bösen Eigentor werden kann, weil Halbmond, Koransuren, Schleier/Burka u.v.m. sind dann natürlich auch nur als Geschichts- und Kulturgut zu bewerten. Selbst die Symbole politischer Organisationen dürften dann von Staatsbediensteten in aller Öffentlichkeit getragen werden, solange das konkrete Symbol nicht explizit per Gesetz verboten ist, wäre es ja nur von geschichtlichem und kulturellem Interesse. Herr Söder mag sich im Augenblick noch freuen, aber er hat damit die Büchse der Pandora ganz weit geöffnet.

  3. #3 Alisier
    19. Dezember 2023

    @ Staphylococcus rex
    Ich kann deine Positionierung gut nachvollziehen.
    (Und ja, bei manchen Kommentaren habe ich geschummelt und weniger als quergelesen 😉 )
    Trotzdem denke ich, dass das Thema grundsätzlich gegessen ist. Das sieht mir eher aus wie Nachwehen und letztendlich bringt es zukünftig keinem wirklich was, egal wie es entschieden wurde und wird.
    Und ich betrachte es schon fast als klassische Leichenfledderei was da mit Herrn Jesus veranstaltet wird. Man sollte IHN endlich in Ruhe ruhen und in Frieden lassen.
    Für gefährlich in welchem Sinne auch immer halte ich das Ganze nicht (mehr).

  4. #4 uwe hauptschueler
    19. Dezember 2023

    Bei mir im Norden wurde das Christentum von Karl dem Sachsenschlächter der Bevölkerung mit Gewalt aufs Auge gedrückt. Ist es das, was die Bayern unter kulturelle Prägung verstehen?

  5. #5 Alisier
    19. Dezember 2023

    @ Staphylococcus rex
    Nochmal kurz zu “….nur so kann die Trennung zwischen Staat und Religion funktionieren”: hier will irgendwie kaum jemand eine saubere Trennung zwischen Staat und Christentum. Insofern ist das Ganze dann auch wieder nur ein Symbol für den Unwillen den notwendigen Schritt, der jedem Staat im 21 Jahrhundert gut zu Gesicht steht, überhaupt zu machen.
    Deutschland scheint stolz darauf zu sein irgendwo im Mittelalter festzuhängen. Wenns ihnen Spaß macht……
    Trotzdem bleibt es, hoffentlich nicht nur aus meiner Sicht, eine Schande.

  6. #6 PDP10
    19. Dezember 2023

    @Alisier:

    Für gefährlich in welchem Sinne auch immer halte ich das Ganze nicht (mehr).

    Gefährlich nicht. Das stimmt. Eher peinlich bis putzig.

    Bedenklich allerdings doch. Der Staat – auch wenn er in Gestalt des Herrn “L’Bayern ce moi” Söder auftritt – hat sich gefälligst jeglichem populistischem Schmonzes zu enthalten. “Die Lufthoheit über die Stammtische” (Erwin Huber 1989) hat den Staat nichts an zu gehen. Auch wenn die Stammtische nicht nur in Bayern das vermutlich oft anders sehen.

    Ob dazu allerdings alles gesagt ist? Definiert man dann auch ein Kopftuch, dass Beamtinnen regelmäßig verboten wird, zu tragen auch als “Geschichts und Kulturgut”? Wann läuft ein erster Prozess gegen ein Mitglied des Nudisten-Orden der nackten Troubadoure von Bombay, der darauf besteht so “wie Gott ihn geschaffen hat” zur Arbeit im Amt zu kommen?

    Auch, wenn ich wie du das Thema nicht mehr hören kann … Die Folgen des Urteils könnten jedenfalls lustig werden 🙂

  7. #7 Alisier
    19. Dezember 2023

    @ PDP10
    Genau, erst wenn den Franziskanerinnen (Na gut, so viele gibts jetzt davon auch nicht mehr…..) das Kopftuch verboten wird sind wir so weit das Bigotte, das die ganzen Debatten um religiöse Symbole umweht, endlich zu begraben.
    Es gibt halt gute und schlechte Religionen, nicht wahr…..zumindest aus der Sicht der Kreuzritter à la Söder.

  8. #8 Alisier
    20. Dezember 2023

    “Gerade in einem Kulturkampf müssen Zeichen gesetzt werden. In Zeiten der Negierung oder gar Verhöhnung der eigenen Leitkultur ist Selbstbehauptung angezeigt. Das Kreuz ist ein Bekenntnis zu unseren Grundwerten, die von nicht wenigen Gästen einer wertlosen Willkommenspolitik mit Füßen getreten werden. Deshalb muss es hochgehalten werden.”
    Schluss des Kommentars von Reinhard Müller in der FAZ
    Und da sind schon sehr schöne Ausdrücke drin: “Kulturkampf” “Leitkultur” “Selbstbehauptung” “Grundwerte” “wertlose Willkommenspolitik”
    Drunter machens die Konservativen nicht: hauptsache aggressiv und am besten herabsetzend gegen die gottlose Linke, die Ausländern, welche die falsche Religion haben auch noch die Hand geben will. Pfuideibel!.

  9. #9 Jolly
    20. Dezember 2023

    @Alisier

    hauptsache aggressiv und am besten herabsetzend

    Wie sich deine Kommentare davon doch immer wieder wohltuend unterscheiden, durch die darin enthaltene Wertschätzung Andersdenkender. (Gut, sicher nicht für jeden Leser auf Anhieb erkennbar.)

    Aus der im Text verlinkten Pressemitteilung des Bundesverwaltungsgerichts:

    Er [der Grundsatz religiös-weltanschaulicher Neutralität] verlangt vom Staat keinen vollständigen Verzicht auf religiöse Bezüge im Sinne einer strengen Laizität, sondern verpflichtet ihn zur Offenheit gegenüber der Vielfalt weltanschaulich-religiöser Überzeugungen

    Wenn das so ist, dann ist das Urteil für mich nachvollziehbar.

  10. #10 RGS
    20. Dezember 2023

    Wer staubt die Kreuze eigentlich ab? Wer ist dafür zuständig? Und wie oft ist das zu tun? Oder wie oft wird es getan? Wie oft muss es erneuert werden?

    Die Kirche, in der ich Kommunion hatte – billiger hässlicher Nachkriegsbau in einer mehrheitlich protestantischen
    Gemeinde in Hessen – wurde in den 1980er Jahren abgerissen und Wohnungen auf dem Grundstück gebaut.
    Die Kirche in der ich gefirmt wurde in der Nachbargemeinde wurde in den 2000er Jahren abgerissen und der Grund an eine diakonische Einrichtung für Menschen mit Behinderung verkauft, die dort ein Wohnheim geschaffen hat.

    Ich sage immer scherzhaft: Vorsicht, wenn ich irgendwo in die Kirche gehe. Aber im Ernst: Kann man es mir verdenken, dass ich vor langem aus der katholischen Kirche ausgetreten bin, da die Kirchenräume meiner Kindheit abgerissen wurden?

    Das katholische Gemeindezentrum mit Kirchenraum in meinem jetzigen Wohnort soll demnächst verkauft werden.(DieTrauerfeier für meinen verstorbenen Vater fand dort statt.) Es könne dann ggf. wieder angemietet werden. (Falls sich Protest entwickeln sollte gegen eine Schließung, vermute ich)

    Meine Großmutter ging bis in die 1970er Jahre nicht ohne Kopftuch aus dem Haus. In Geschäften und Kaufhäusern gab es Kopftücher zu kaufen. Neben der Küchentür hing bei ivähr immer ein Rosenkranz, den meine Großmutter auch im Alltag benutzte.

    Meine Mutter erzählt immer mal die Anekdote, dass sie als 15 jährige (1954) in einem Sommer mit sommerlichem Kleid und Badeanzug auf dem Fahrrad am Sonntag absichtlich an den Kirchgängern vorbei fuhr auf dem Weg ins Schwimmbad um zu demonstrieren.
    Sie konnte die Scheinheiligkeit der Gemeindemitglieder nicht mehr ertragen, die im NS im Ort die größten Nazis waren und sich dann in der Kirchengemeinde als fromme Christen inszenierten.

    Wo fing der Niedergang der Kirchen an? Und wo endet er?

  11. #11 Alisier
    20. Dezember 2023

    @ RGS
    Jedes Mal wenn ich von meiner eigenen Großmutter erzähle, die es sich ebenfalls in ihrem katholischen Dörfchen nie geleistet hat ohne Kopftuch vor die Tür zu gehen, wird in Diskussionen darauf bestanden, dass das ja etwas gänzlich anderes sei als Kopftücher in “fremden” Kulturen. Warum?
    Darauf gibt es dann meist nicht mal den Versuch es irgendwie zu begründen.
    Das, was Sie zu abgerissenen Kirchen etc. schreiben, halte ich für entscheidend: sobald es um Konkretes geht, was echte Positionierung und vielleicht sogar Geld erforderte, d.h. die rein symbolische Ebene verlassen werden müsste, ist es mit der tief empfundenen Religiosität oft schnell vorbei.
    Mit der Abtreibungs- und Verhütungsdiskussion dürfte es ähnlich sein: moralisch-symbolisch geht immer vieles, aber wehe die Realitäten sollen mit einbezogen werden. Dann wird zuverlässig geeiert dass die Schale kracht.
    Ihre letzten beiden Fragen lohnen bestimmt eine genauere Betrachtung.

  12. #12 rolak
    20. Dezember 2023

    Was genau bringt das Kreuz also zum Ausdruck?

    wild guess, Joseph: diese freudsche Fehlleistung konstatiert, daß es ein Kreuz mit der bajuwarischen Politik ist.

    Leitkultur

    Nach Jahren der Konfrontation mit diesem merkwürdigen Begriff bin ich zu der Ansicht gekommen, Alisier, daß dies, unbenommen des AggroPotentiales beim Aufhetzen der eigenen Klientel, ebenfalls eine freudsche Fehlleistung ist, entstanden aus EigenLeid/Kultur. Also dem Leiden, daß bei denjenigen entsteht, wenn das von ihnen als Kultur Wahrgenommene sich vom StatusQuo AnnoTobak auch nur um ein Jota entfernt.

  13. #13 naja
    20. Dezember 2023

    Ich habe mit Kreuzen in Schulen und Behördeneingängen ein Problem. Ebenso wie ich mit einer Richterin oder einem Lehrer, der oder die ein Kreuz oder andere religiöse Symbole zur Schau trägt (zum Beispiel über der Robe) ein Problem hätte. Genauso geht es mir auch mit kopftuchtragenden Personen in diesen Ämtern.
    Wenn das Kreuz so wichtig ist, dass es zur Ausübung des Berufs nicht abgelegt werden kann, kann ich das nicht für weltanschaulich neutral halten. Das sollten gewisse Behörden und Amtsinhaber aber sein.
    Das Kopftuch ist im Islam etwas anderes und nicht vergleichbar mit dem Kopftuch, das auch meine Großmutter trug, weil es von den TrägerInnen selbst als religiöses Symbol verstanden wird. Und weil es nicht gerade ein Symbol für die Gleichberechtigung von Mann und Frau ist. Das kann es nicht sein. Solange im Iran und in Saudi Arabien Frauen zum Tragen des Kopftuchs gezwungen werden, kann es nur ein Symbol der Unterdrückung bleiben.

  14. #14 naja
    20. Dezember 2023

    Tschuldigung; Saudi-Arabien, ich hab das Deppenleerzeichen aus dem Englischen einfach voll adaptiert…

  15. #15 Alisier
    20. Dezember 2023

    @ naja
    Passt eine Kopftuchdebatte hier rein?
    Nur nebenbei: hast Du Deine Großmutter je gefragt ob ihr Kopftuch was mit ihrer Religion zu tun hat?
    Bei meiner weiß ich, dass Religion und Tradition in dem Punkt kaum zu trennen waren.
    Das Kopftuch, das in katholischen Dörfern getragen wurde war auch kein Gleichberechtigungssignal.
    Ich fürchte wir machen es uns zu einfach, wenn wie dem Kopftuch einsitige Berdeutung zuschreiben. Inzwischen ist es, gerade in westlichen Ländern, eben auch zuweilen ein Ausdruck von Stolz, und dass man sich nicht in jedem Punkt unterordnen will.
    Und das verstehe ich.
    Das manche geflohene Iranerin beim Anblick desselben hier das Kotzen kriegt verstehe ich aber auch.

  16. #16 Ichbinich
    20. Dezember 2023

    Wer entscheidet, ob etwas (wie z. B. Das Kopftuch) Symbol der Unterdrückung, der Freiheit oder einfach der Tradition ist?
    Solange wir nicht in die Köpfe der Leute schauen können wird das nicht möglich sein.

    Ob man aus deutscher Tradition heraus Kreuze in den Amtsstuben akzeptiert oder nicht, ist sicherlich ebenfalls Ansichtssache. Ich verstehe beide Seiten, halte die Diskussion darüber aber für genauso wenig zielführend wie beim Gendern…
    Am Ende ist das doch wirklich vollkommen egal ob da ein Kreuz hängt oder nicht….

  17. #17 RGS
    20. Dezember 2023

    Wo begann der Niedergang der Kirchen?
    Im Laufe meines fast 60-jährigen Lebens beobachte ich das Verschwinden der Kirche, der Kirchengemeinden aus dem Alltag. Sie verlieren immer mehr an Bedeutung im Alltag.

    Vor 15 Jahren habe ich in einer katholischen Gemeinde in einem Ort mit knapp 1000 Ew. noch ein beeindruckendes Gemeindeleben gesehen.
    Ein im sterben liegender Mann wurde zuhause gepflegt bis zu seinem Tod. Die Nachbarn standen der Ehefrau bei. Sie hat sich getraut die Verantwortung der Palliativ-Pflege zuhause zu tragen.

    Die Gemeinde hatte 50 Messdiener. Bei uns gibt es 25.000 EW viel weniger.

    Zur Einweihung eines neuen Fahrradweges sprach der Pfarrer. Zu Beginn seiner Rede sagte er, es freue ihn, dass er selbstverständlich zu solchen Anlässen eingeladen werde und er komme sehr gerne.
    Er sei auch sehr stolz darauf dass er im Ort bekannter sei und von mehr Menschen erkannt werde als der Bürgermeister. Darauf gab es allseits Schmunzeln.

    In den 80er Jahren las ich von Alfred Lorenzer das Buch „das Konzil der Buchhalter“ in dem er einen Grund für den Bedeutungsverlust der Kirche im 2. Vatikanischen Konzil verortet.
    Damals wurden sinnstiftende Rituale abgeschafft und die Liturgie verändert. Meine Großmutter schimpfte immer über die unmelodischen, nicht singbaren neuen Lieder im neuen Gesangbuch.

  18. #18 naja
    21. Dezember 2023

    @ Alisier

    Also die Kopftuchdebatte war schon im Gange, bevor ich mich dazu geäußert habe.

    Die Frage ist, ob man als Richter mit Turban oder Kreuz oder Kopftuch zum Beispiel sofort wegen Befangenheit abgelehnt werden kann. Ich denke, wem seine Religion so wichtig ist, dass er das Symbol für die Amtsausübung nicht ablegen kann, der stellt die Religion über die Verfassung. Und ist somit für gewisse Ämter, die weltanschauliche Neutralität in der Ausübung erfordern, nicht geeignet.
    Das ist jetzt sehr verkürzt dargestellt.

  19. #19 libertador
    21. Dezember 2023

    Er [der Grundsatz religiös-weltanschaulicher Neutralität] verlangt vom Staat keinen vollständigen Verzicht auf religiöse Bezüge im Sinne einer strengen Laizität, sondern verpflichtet ihn zur Offenheit gegenüber der Vielfalt weltanschaulich-religiöser Überzeugungen

    Die Implikation dieser Entscheidung erscheinen mir im Moment recht unüberschaubar. Bedeutet dies, dass daran anschließend weitere religiösen Bezüge etwa von Bediensteten hingenommen werden müssen?

    Diese Rechtsprechung scheint mir die generelle Erlaubnis religiöser und anderer Bezüge zu erlauben, solange damit nicht andere rechte verletzt werden (Befangenheit oder verfassungsfeindliche Symbole).

  20. #20 Christian
    21. Dezember 2023

    @ Naja

    Man könnte aber auch so argumentieren: Was ist los mit einem Menschen, der z.B. beim Abholen seiner Kfz-Kennzeichen in der Amtsstube den Anblick eines Kopftuchs nicht ertragen kann oder der jemandem, der ein Kreuz trägt, automatisch unterstellt, die Verfassung nicht zu achten?

    Auch sehr verkürzt.

    Mich wundert aber ebenfalls, dass ein Gericht die Pflicht (!) zum Aufhängen von Kreuzen bestätigt hat. Andersherum, also wenn ein Gericht das Recht dazu verteidigt hätte, wäre ich durchaus einverstanden.

  21. #21 naja
    21. Dezember 2023

    @ Christinan
    Also bei der Kfz-Stelle würde ich die Notwendigkeit strenger weltanschaulicher Neutralität auch in Frage stellen…

  22. #22 Alisier
    21. Dezember 2023

    In einem Land in dem das Auto heilig ist???
    Ich weiß ja nicht…..
    So wie sich nicht nur VW gerade windet würde ich schon erwarten, dass mindestens ein Priester zum einsegnen jeder neuen Zulassung zugegen ist.
    Und wenn der dann mit religionsfremden Tüchern konfrontiert wird weiß man nicht obs überhaupt noch wirkt.

  23. #23 Dr. Webbaer
    21. Dezember 2023

    KA, gibt es eine ‘staatliche Neutralitätspflicht’ in der BRD, dem Schreiber dieser Zeilen schaut es aus verschiedenen Gründen nicht so aus?!

    Die negative Religionsfreiheit scheint kleingeschrieben zu sein, zudem wird der bundesdeutsche Staat, was zB den sog Kampf gegen Rechts betrifft (vorgestellt werden kann sich an dieser Stelle ein staatlich lancierter Kampf gegen Links – und was dann los wäre, wenn bspw. in Ungarn zu vorgetragen würde) oder den Queerismus (“Queer-Theorie”) oder den Ökologismus (das übersteigerte ökologische Bemühen ist gemeint) betreffend, parteilich, Partei werdend oder Partei ergreifend.

    Das Kreuz ist ein christliches Zeichen, soviel kann verraten werden.

    Mit freundlichen Grüßen
    Dr. Webbaer

  24. #24 rolak
    21. Dezember 2023

    Wie auf Zuruf bestellt liefert der hpd einen passenden Text mit schaurig-gruseliger Karikatur ab: Kreuze in bayerischen Amtsstuben sind nicht neutral!

  25. #25 DH
    21. Dezember 2023

    Das Interessante an dem Urteil ist die tendenzielle Säkularisierung des Kreuzes die die Begründung unabwendbar mit sich bringt. Also ein Sieg für die Trennung von Staat und Kirche, wenn auch eher auf der Kriech- als auf der Überholspur, um mal die Autosymbolik aufzugreifen.
    Aber auch nicht kirchenfeindlich, die Kirchen- jedenfalls in dieser Form – gäbe es nicht mehr ohne ihre weltliche Entmachtung.
    Das Kreuzdonnerwetter das Söder vielleicht entfachen wollte hat er jedenfalls nicht bekommen, auch das ist nicht das schlechteste Ergebnis.

  26. #26 naja
    22. Dezember 2023

    Ich hatte noch nie ein Auto, daher kann ich nicht wirklich mitreden…

  27. #27 schorsch
    22. Dezember 2023

    Der hängende Hampelmann als Symbol und Metapher typisch althergebrachten bayerischen Behördendenkens scheint mir wohl angebracht.

    • #28 Joseph Kuhn
      22. Dezember 2023

      @ schorsch:

      Was ist denn “typisch althergebrachtes bayerisches Behördendenken”? Was charakterisiert z.B. das im bayerischen Landesdenkmalamt im Unterschied zu seinem Pendant in Hessen? Oder was verbindet das Denken des bayerischen Landesdenkmalamts mit dem des bayerischen Landesamtes für Finanzen als “typisch bayerisches Behördendenken”?

      Und hängt da ein “Hampelmann”? Gibt es verbürgte Informationen über den historischen Jesus, die ihn so erscheinen lassen?

      Manchmal ist es wirklich ein Kreuz mit dem vorurteilsbelasteten Denken 😉

  28. #29 Uli Schoppe
    23. Dezember 2023

    Ein Hampelmann vieleicht nicht, aber ob man Ihn als moralisches Vorbild hinhängen sollte?

    Mk 11,12-14: Der werte Herr hatte Hunger. Feigenbäume standen zu seiner Zeit wohl genug herum… Zu der Jahreszeit tragen die Dinger aber noch keine Früchte. Was macht ein Vorbild? Er verflucht den Baum: “Keiner wird je wieder Früchte von dir essen”. Das nenne ich vorbildlich vernünftig und weise. So möchte ich das unsere Richter auch sind ^^ 😉
    Und wenn sich bayerische Behörden an sowas orientieren, dann gute nach liebe Bürger da

  29. #30 Uli Schoppe
    23. Dezember 2023

    Vieleicht sollten wir lieber Bilder von Aragorn aufhängen:

    Dieser Tag gehört nicht einem einzigen Manne, sondern uns allen. Lasst uns zusammen diese Welt wieder aufbauen, damit wir sie uns teilen können in Zeiten des Friedens.

    So, jetzt is aber gut 😉 Ich glaube ich bin ein bischen neben das Thema gerutscht. Oder vieleicht auch nicht?

  30. #31 hto
    23. Dezember 2023

    @Uli Schoppe: “So möchte ich das unsere Richter auch sind”

    🙂 Das sind viele alte Richter auch, ebenso viele alte Pfaffen.

    Man muss sich das vorstellen können: Da geht der Typ der “Wein aus Wasser machen kann” frustriert (WOHLWISSEND der Dinge die da kommen und sind) in den Tempel und … (durch essen beruhigen, menschlich)!?
    Ausserdem hat er seinen Frust auch noch NUR verbal und eindrücklich an seinen Jüngern abreagiert, Matthäus 21,18-22

    Hampelmann – Klar, Uli Schoppe hat es ohne annähernd zu wissen oder zu glauben realistisch formuliert, denn die Schuld- und Sündenbocksuche war damals auch schon sehr beliebt. 😉

  31. #32 Neumann
    24. Dezember 2023

    „Das Bundesverwaltungsgericht hat die Revisionen zurückgewiesen. „
    Eine vernünftige Entscheidung .
    Die Begründung für die Entscheidung , die ist ein Meisterwerk juristischer Spitzfindigkeit.
    Es sei unzulässig, dass der Kläger von einer staatlichen Einrichtung eine Dienstanweisung zum Entfernen der Kreuze verlangen darf. (Interpretation)

    Noch eine Anmerkung; Und das von einer Staatsregierung , die von einer Partei dominiert wird, die das „christlich“ im Namen trägt. Es hätte Herrn Söder gut zu Gesicht gestanden in diesem Fall Flagge zu zeigen. Und damit meine ich, sich zum Kreuz zu bekennen.
    Wozu feiern wir denn sonst Weihnachten ?