Author speaking at the Bay Area Anarchist Bookfair.

Kim Stanley Robinson speaking at the Bay Area Anarchist Bookfair (San Francisco) on the social themes of his work (Wikipedia: Kim Stanley Robinson)

Die derzeitige Situation sieht er relativ düster – reiche Menschen nehmen sich neun Zehntel von allem und zwingen die anderen, um den Rest zu kämpfen, darum seien Themen wie Suzanne Collins’ The Hunger Games so populär.

Die Klimakrise hält er für das global drängendste Thema und handelt dementsprechend.
Im Interview mit Wired erklärt er, wie er selbst aktiv zum Klimaschutz beiträgt und gleichzeitig versucht, über seine Bücher möglichst viele Menschen für die Bewältigung der anstehenden Probleme zu aktivieren. Das ausgezeichnete Interview gibt einen sehr persönlichen Einblick in Robinsons Beweggründe, der Titel ist Programm: „The Climate-Obsessed Sci-Fi Genius of Kim Stanley Robinson“.
Robinson lebt in einer kalifornischen Kleinstadt voller Künstler und Wissenschaftler, mit ökologischem Landbau und E-Bike – einer Welt wie in einem seiner Romane. Im Wired-Interview erzählt er, warum in seinen Romanen die politischen Strukturen für Veränderungen so eine wichtige Rolle spielen – er können zwar nicht die Zukunft vorhersagen, aber Wege zur Problembewältigung aufzeigen und so vielleicht Veränderungen mit anstoßen.
Robinson beschäftigt sich intensiv mit Alternativen zum Kapitalismus und informiert sich bei Recherche-Reisen auch über so fremde Länder wie China. In Europa gefallen ihm der Genossenschaftsgedanke und die flächendeckende Krankenversicherung. Immer auf der Suche, wie unsere gegenwärtigen Probleme gelöst werden könnten.

Also schreibt er nun Climate Fiction, „die Story des nächsten Jahrhunderts“. Robinson ist einer der wichtigsten und meistgelesenen Cli Fi-Autoren. Er selbst bezeichnet sich als wütenden Optimisten – noch ist nicht alles verloren, aber es muss endlich etwas passieren.

Mich persönlich hat sein 2140 besonders beeindruckt – eine Geschichte aus dem überfluteten New York. Robinson wollte ein Buch über die Funktionsweise der globalen Finanzsysteme schreiben – in einem SF-Plot im New York von 2140.
Es ist kein Zufall, dass die Großstadt New York mit ihren über 8 Millionen EinwohnerInnen immer wieder in Climate Fiction-Szenarien auftaucht: Erstens ist sie eine große Stadt und zweitens ist New York eben New York. Nirgends kann eine Katstrophe eine solche Wucht entfalten, wie in einer dicht bevölkerten Großstadt, die auch noch so exponiert an der Küste liegt. Und die Metropole New York ist weltweit vielen Menschen aus unzähligen Filmen, Serien und Büchern bekannt und beherbergt gleich eine ganze Reihe von ikonenhaften Bauwerken und Vierteln.

In 2140 stellt Robinson ein überflutetes New York vor, und zwar das unvermeidliche Manhattan. In Upper Manhattan ist es trocken und damit alles beim Alten geblieben: Reiche Leute besitzen riesige Immobilien und nutzen sie kaum.
Robinsons Fokus liegt jedoch auf dem 15 Meter unter Wasser stehenden Lower Manhattan und ganz besonders auf dem Mikrokosmos des Metropolitan Tower.
Dieser Wolkenkratzer ist durch die Überflutung vom Immobilienmarkt gespült worden, da eine Immobilie auf überflutetem Terrain nicht zum Spekulationsobjekt taugt. So hat sich darin eine Genossenschaft ihren EcoTower erschaffen, mit vielen kleinen, erschwinglichen Wohneinheiten, einem Dock für die Wasserfahrzeuge, einem Farmdeck, gemeinsamer Küche und Speisesaal, Büroplätzen und anderer geteilter Infrastruktur. Die Straßen des Stadtteils sind überschwemmt mit verunreinigtem Wasser, die Fortbewegung erfolgt mit Wasserfahrzeugen oder über Hochbrücken zwischen einigen Straßen und Wohntürmen.

Im Metropolitan Tower lebt eine bunte Community: vom Kind bis zum Rentner, Frauen und Männer, unterschiedlichste Berufszweige. Die Herkunft ist unwichtig, die Aufgabe ist alles. Robinsons Hauptfiguren sind der Börsianer Franklin, der einen Überschwemmungsalgorithmus erfunden hat, der Hausmeister Vlade, der mit seinem Team stetig gegen das eindringende Wasser kämpft, die Polizistin in Leitender Position Inspektorin Gen, die verschwundene Personen sucht, Amelia, die mit ihrem Blimp vom Aussterben bedrohte Tiere umsiedelt und dies als Live-Show verkauft, zwei eigentlich obdachlose Jungs, die wie Tom Sawyer und Huckleberry Finn auf Schatzsuche gehen und dabei in ernsthafte Schwierigkeiten geraten. Und noch andere Gestalten wie zwei aus dem Metropolitan Tower verschwundene Männer. Ein namenloser Bürger gibt erdgeschichtliches, archäologisches und historisches Wissen über New York als Background (was mir unglaublich gut gefallen hat – einer der Gründe, warum ich Robinson gern lese).

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Kommentare (2)

  1. […] Hier ist das Interview  im Video, es lohnt sich sehr. Viele Städte planen übrigens längst ihre Anpassungen gegen zunehmende Hitze und immer stärkere Regenfälle. Diese Planungen laufen seit über 10 Jahren unter dem Schlagwort blau-grüne Infrastruktur. Über urbane Zentren und ihre besondere Rolle in der Klimakrise hatte ich hier schon einmal ausführlicher geschrieben. […]

  2. #2 Dampier
    dampierblog.de
    28. November 2021

    Hallo Bettina, ich hab hier gerade ein Interview mit Robinson zum Thema Climate Fiction gefunden:

    https://taz.de/Autor-ueber-die-Klimakrise-in-Romanen/!5815427/

    (Musste sofort an dich denken … hab es selbst noch gar nicht gelesen 😉 )