1. Narwale gibt es wirklich!

    Narwhal? Unicorn?

    Der 4 bis 5,30 Meter große und 1000 bis 1600 Kilogramm schwere Zahnwal lebt in Gruppen im arktischen Ozean. Er gehört, wie auch der Weißwal (Beluga, Delphinapterus leucas), zu den Gründelwalen. Der Körper ist gedrungen, der rundliche Kopf bildet keinen Schnabel. Eine Rückenflosse fehlt und die Schwanzflosse ist ungewöhnlich geformt: Der hintere Rand beider Flukenhälften ist stark konvex gebogen.

    Manche Leute meinen, es gäbe gar keine Narwale. Sondern nur von Walen verschluckte Einhörner.
    Das ist aber eine Verschwörungstheorie.
    Dazu gibt es wirklich völlig absurde Diskussionen in Sozialen Medien wie Twitter und Facebook – mehr dazu hier: Die Narwal-Verschwörung.

  1. Sie sind weder rosa noch glitzern sie.
    Bei der Geburt sind Narwale dunkelgrau, später grau-braun gesprenkelt und im Alter werden sie meist heller.
  1. Das “Horn” ist ein Zahn.
    Der wissenschaftliche Name Monodon monoceros – der einhörnige Einzahn – ist irreführend, genauso wie die weit verbreitete öffentliche Meinung. Die meisten Menschen nehmen automatisch an, dass die bis 2,70 Meter lange linksspiralig gedrehte Struktur am vorderen Ende des Wals ein Horn sein muss.
    Nur Narwalmännchen tragen einen verlängerten Zahn: Der „Stoßzahn“ ist das wichtigste Erkennungsmerkmal dieser Walart.
    Bei Männchen wächst der linke Eckzahn im Oberkiefer zu einer langen, spiralig gedrehten Struktur aus – bis zu 2, 70 Meter lang. Einen solchen Zahn gibt es bei keiner anderen Walart!
    Ansonsten besteht die Bezahnung dieser arktischen Zahnwale aus einem weiteren Zahn, der meist im Zahnfleisch verborgen bleibt. Selten wächst er zu einem zweiten „Stoßzahn“. Noch seltener entwickeln auch Weibchen lange Zähne. Weitere Zähne werden nur embryonal angelegt, Narwale kauen nicht. Stattdessen nehmen sie ihre Beute wahrscheinlich saugend auf und schlucken sie als ganzes. Wie fast alle anderen Wale auch (Mehr zu Narwalzähnen gibt es hier).
    Selten tragen auch Weibchen einen oder zwei “Stoßzähne”.In der Schausammlung des Zoologischen Museums in Hamburg ist ein Narwalschädel mit zwei Zähnen zu bewundern. Das Tier wurde 1684 von Kapitän und Walfänger Dirk Petersen erlegt und war nachweislich ein Weibchen!
  2. Koralle

    #XMasOrnament #Koralle

    Wissenschaftliche Erklärungen für den Narwalzahn: Statussymbol, Waffe oder Sinnesorgan?
    Hypothese 1: Der Zahn ist mit Sinnesorganen gespickt und offenbar ein hydrodynamischer Sensor.
    Martin Nweeia ist Experte für Biomaterialwissenschaften und restorative Zahnheilkunde an der Harvard School für Zahnmedizin (HSDM) und hat die Zähne lebender Narwale untersucht. Mitten in dem stabilen Zahn ist ein Hohlkanal, in dem Nerven und Blutgefäße liegen. Der „Stoßzahn“ soll wie eine Membran mit einer sensiblen Oberfläche arbeiten und Veränderungen in Wassertemperatur, -druck und die Konzentration chemischer Substanzen registrieren. (Mehr dazu hier)
    Hypothese 2: Der Zahn ist ein Statussymbol und wird von den Männchen bei Kommentkämpfen eingesetzt.
    Männchen kreuzen die Zähne wie Fechter ihre Degen, das ist in Bildern und Filmen belegt. Manchmal bricht dabei sogar ein Zahn ab. Dabei kommt es zu Verletzungen, die Narben hinterlassen. Aber: Dieser Kommentkampf ist sehr kontrolliert, es geht keinesfalls darum, den Gegner schwer zu verletzen oder gar aufzuspießen und zu töten (Mehr dazu hier).

  3. In historischen Zeiten wurden Narwalzähne südlich der Arktis natürlich für Einhorn-Hörner gehalten und zu den entsprechenden exorbitanten Preisen gehandelt. Schließlich wollte jeder Fürst für sein Naturalienkabinett das Horn des mystischen Tieres haben. Und das Pulver vom Horn des Einhorns war eine beliebte Getränkezutat der Mächtigen, denn es sollte vor Gift schützen.Heute erinnern noch die Narwalzähne in den fürstlichen Wunderkammern oder die Namen von Apotheken daran.
  1. Narwale leben, wie Weißwale auch, in der Hocharktis. Beide Meeressäuger scheuen nicht das Leben an der Packeisgrenze und tauchen auch in Rissen und Löchern im Meereis (Polynjas) auf. Darum haben sie keine Rückenflosse (Finne) – beim Auf- und Abtauchen knapp an der Eiskante wäre die Verletzungsgefahr zu groß.
  2. Inuit dürfen eine kleine Quote Narwale jagen (Aboriginal Whaling, also für den traditionellen Walfang der indigenen Völker).
    In früheren Zeiten waren Meeressäuger in den arktischen Gebieten eine wichtige Nahrungsressource. Dabei wurde stets das ganze Tier verwendet. Wirklich alles.
    Heute ist vor allem der markante Zahn interessant, auch wenn der Rest immer noch oft gegessen wird.
  1. Muktuk ist die Haut mit der darunter liegenden elfenbein- bis rosafarbenen Fettschicht. Diese fette Leckerei wird in Blöcken aus Nar-, Weiß- und Grönlandwalen herausgeschnitten und luftgetrocknet oder gefroren gelagert. Dafür war sie eine begehrte Nahrung und unter dem Namen Maktaaq, Maktaq oder Mattak bzw. in englisch-phonetischer Schreibweise als Muktuk.
    Das Wichtigste ist der extrem hohe Vitamin C-Gehalt dieses Gewebes. Ausgerechnet Walhaut hat eine höhere (L-(+)-Ascorbinsäure-Konzentration als Zitrusfrüchte! Damit war sie ein besonders wichtiges Lebensmittel gegen Skorbut und andere Mangelkrankheiten.
    Inuit betrachten sie auch heute noch als Leckerbissen, der Geschmack soll an den von Nüssen oder geschälten Mandeln erinnern.
  1. Als Jäger sind Narwale Fisch sehr hoch mit Schadstoffen belastet.
    Toxine wie Quecksilber, Blei, Cadmium, PCBs und andere Schadstoffe reichern sich in der Nahrungskette immer weiter an, die Prädatoren am Ende haben so die höchste toxische Last. Gerade in Fettgewebe lagern sich besonders viele Schadstoffe ab.Da diese Wale bis zu 40 Jahre alt werden, ist ihre Schadstofflast so hoch, dass der Verzehr für Menschen gesundheitsgefährdend ist.Mehr zu den gesundheitlichen Folgen von Walfleisch-Konsum gibt es unter „meertext: 7 gute Gründe, keinen Wal zu essen“.
  1. Narwale leiden sehr unter der Klimakrise: ihr Lebensraum, das Meereis, verschwindet gerade durch die starke Erwärmung des Nordatlantiks.Damit gerät die ganze Nahrungskette aus dem Gleichgewicht, wie die MOSAiC-Expedition der Polarstern gerade bestätigt hatte.Noch wichtiger ist die Schutzfunktion des Meereises für Nar- und Weißwale:Ihre größten Feinde sind die Orcas. Die berüchtigten schwarz-weißen Schwertwale haben ihren Namen von ihren hoch aufragenden Rückenflossen bekommen, bei Männchen können sie bis zu 2 Meter hoch werden. Darum trauen sich die Orcas im Nordpolarmeer nicht ins Eis, sie würden dabei schwere Verletzungen riskieren.Mit dem abtauenden Meereis und den immer länger und weiterräumiger eisfreien Flußmündungen und Küstengewässern sind sie mittlerweile bei der Jagd auf Nar- und Weißwale so erfolgreich, dass einige Bestände der kleineren Wale in ernste Gefahr geraten.Mehr dazu hatte ich hier geschrieben (inkl. Videos der Jagdszenen).
  1. Vor über 3,6 Mio Jahren gab es auch in der Nordsee Narwale.
    Das zeigen Fossilfunde aus der Gegend um Antwerpen. Was die Paläontologen über den fossilen Gründelwal herausgefunden haben, ist hier zu lesen.
  1. Kein Fakt, sondern ein Tipp: Make a Narwhale!
    Angesichts der drohenden vielen Feiertage bei schlechtem Wetter und der Corona-Situation möchte vielleicht jemand zu Hause einen Narwal bauen, nähen, backen oder anderweitig kreieren.
    Hier ist ein Schnittmuster für einen besonders entzückenden Narwal, der nahe am echten Wundertier ist

Zum Weiterlesen:

 

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Kommentare (7)

  1. #1 Bettina Wurche
    23. Dezember 2020

    @alle: Ich bitte um Entschuldigung, dass ich den Weihnachtsbaumschmuck jetzt erst ergänzt habe. Der ist mir gestern abend bei der Formatierung der Liste glatt wieder rausgeflogen. Dabei ist dieser herrliche Korallenzweig eins meiner liebsten Stücke!

  2. #2 Hybi
    23. Dezember 2020

    Hallo, wenn es sich bei dem Zahn um ein überlebenswichtiges Organ handeln würde, hätten ihn doch wohl regelmäßig beide Geschlechter. Insofern bin ich überzeugt, dass es sich um ein Objekt zum Imponieren bzw. für Ranglistenkämpfe handelt.

    Diese Überlegung scheint freilich als wissenschaftlicher Beweis nicht zu genügen. Ich frage mich, wieso?

    Freundliche Grüße
    Hybi

    • #3 Bettina Wurche
      23. Dezember 2020

      @Hybi: Ich sehe das auch so. Aber die Befunde von Martin Nweeia würde ich nicht so einfach vom Tisch wischen. Zumal es tatsächlich geschlechtsdimorphe Unterschiede gibt, die von Tieren auch zum beiderseitigen Nutzen eingesetzt werden: Bei Wellensittischen haben die Weibchen deutlich schärfere Schnäbel, sie spechten die Baumhöhlen zum Brüten aus. Man merkt sehr deutlich, ob man von einem Männchen oder Weibchen gebissen wird : )
      Beim ausgestorbenen Huia (Lappenhopf) hatten Weibchen und Männchen sogar unterschiedliche Schnabelformen.
      https://www.biologie-seite.de/Biologie/Huia

      Bei Schnabelwalen haben Männchen oft auffallende Zähne, teils völlig anders geformte Köpfe. Da sie teilweise getrennt wandern, können die Weibchen dadurch keinen unmittelbaren Überlebensnachteil haben.
      Bei Pottwalen sind Größe und Tauchkapazität extrem unterschiedlich, Männchen und Weibchen leben ja auch meist getrennt – offenbar hat da jeder seine Nische gefunden.
      Darum tendiere ich dazu, den Narwalzahn weiterhin als “Krawattenersatz” zu sehen, bin aber immer offen für neue Erkenntnisse.

  3. #4 rolak
    23. Dezember 2020

    jetzt erst ergänzt

    Das Nichtwarten hat sich gelohnt – und nicht nur wegen des Gedankenspieles, ob das NarCorn evtl ebenfalls als Hängerli gefertigt werden könnte. Nee, auch das heutige Ornament ist sowas von ein Hingucker – selbst wenn ich eher an schamanische Rituale denken muß als ans Original.
    Apropos Original: mit ‘Koralle’ hamse Dich reingelegt, das ist eindeutig eine Replika von dieser einen, von JungRudolph abgeworfenen Geweihstange. Weiß ich, weil mir damals™ Santa höchstselbst das Original gezeigt hat.
    ..falls nicht doch irgendwas in dem Tee war, den es vorher gab.

    Nachgeschaut: vorgestern ~morgen gabs dort nur ein dürres Klappergerüst von einem Text – das hat sich aber fleißig evolviert. Schick, die Krabbe mit den rotgoldenen Scheren^^

    wenn (..) überlebenswichtig(..) → regelmäßig beide

    Wie tragfähig auch immer dieses Argument speziell in diesem Falle sein mag, Hybi, gattungsgenerell ists ne Niete. Sagt ein Dreibeiner.

    • #5 Bettina Wurche
      23. Dezember 2020

      @rolak: Shame over me – zu früh terminiert, zu lange geschrieben. Ich komme mit dem Projekt Weihnachtskalender echt an meine Kapazitätsgrenzen. Nein, ich denke eher, da hat Dich jemand reingelegt – nice try, abe rich bleibe bei Koralle : ))) Es ist halt ne Geweihkoralle : )

  4. #6 rolak
    24. Dezember 2020

    Shame¹ over me

    Keinesfalls, bei JITterbug-Texten in geschäftiger Zeit dürfte fast jeder Mensch aus dem Takt kommen. Rechtzeitig Vorkonstruiertes ist da deutlich pflegeleichter, wenn auch nur in der AbspielPhase. In beiden Fällen ein solides Stück Arbeit ziemlichen Ausmaßes, auch wenn mir das SichEntwickeln vor meinen Augen generell besser² gefällt, wg FehlerKultur und ja, auch wg ‘juchHu, nicht nur ich’ ;•)

    Bin gespannt, was hier&heute angesagt ist, vielleicht für die Spitze eine sich in den Baum krallende Qualle? Ein 2020-angemessener TreeTop-Vorschlag kam am Sonntag vorbei.

    ____________________
    ¹ ‘zwang’ mich gerade zu einer MusikPause
    ² speziell bei zusammenhängenden Rätseln wären allerdings nachträgliche Änderungen beim Rätsularium recht zerstörerisch…

    • #7 Bettina Wurche
      24. Dezember 2020

      @rolak: Den Adventskalender zu bestücken, war schon eine Herausforderung : ) Hat aber echt Spaß gemacht und es kamen ja auch total schöne Chat-Schnacks mit Euch Lesenden. Mit der Qualle als Christbaumspitze muss ich Dich leider enttäuschen, aber die Saturn V ist doch auch ein Hingucker : ))