https://www.nasa.gov/sites/default/files/styles/full_width/public/thumbnails/image/apollo_11_armstrong_first_photo_from_lunar_surface_jul_20_1969_as11-40-5850hr.jpg?itok=DUidRQJ7

First photograph from the surface EVA, showing a jettison bag and a gouge left in the lunar soil by the landing probe as Eagle drifted just before touchdown. (NASA: https://www.nasa.gov/feature/50-years-ago-one-small-step-one-giant-leap )

Am 31.12.2020 trat der “One Small Step to Protect Human Heritage in Space Act” in Kraft.
51 Jahre nach dem ersten Mond”spaziergang” der US-amerikanischen Astronauten Neil Armstrong und Buzz Aldrin im Juli 1969. Und 10 Jahre, nachdem die NASA 2011 dringend empfohlen hatte, die Fußstapfen, Gerätschaften und andere Hinterlassenschaften zum einzigen extraterrestrischen Kulturerbe zu erklären und unter Schutz zu stellen.
Der “One Small Step to Protect Human Heritage in Space Act” besagt, dass die NASA Aufträge und Kooperationen nur an solche Firmen vergeben darf, die sich zur Bewahrung dieses kulturellen Erbes verpflichten: “US-Handelsunternehmen und andere Unternehmen, die Verträge, Zuschüsse oder andere Vereinbarungen für Mondaktivitäten mit der NASA abschließen möchten, die von, für oder in Partnerschaft mit der NASA durchgeführt werden, müssen sich bereit erklären, sich von den Stätten des menschlichen Erbes auf dem Mond fernzuhalten, um Anspruch auf die angeforderte Unterstützung zu haben.”

Dieses US-amerikanische Gesetz hat natürlich nur für die US-Raumfahrt bindende Wirkung, ob sich etwa die chinesische China National Space Administration (CNSA) (Chinese: 国家航天局; pinyin: Guójiā Hángtiān Jú) oder die russische Raumfahrtagentur Roscosmos daran halten werden, darf bezweifelt werden. Aber es ist ein erster Schritt, der hoffentlich noch weitere nach sich ziehen wird. Und vielleicht irgendwann ins Weltraumrecht aufgenommen wird.
Immerhin ist der Mond 50 Jahre nach dem Apollo-Programm wieder topaktuell und im Fokus von mehr privaten und staatlichen Raumfahrtunternehmen, als je zuvor. Gerade die CNSA hat bereits mehrere erfolgreiche robotische Missionen durchgeführt, die von genialem Marketing begleitet waren – wie die rührselige Geschichte der Mondgöttin Chang`e und ihres Jadehasen Yutu.

An artist's depiction of work on the moon as part of the Artemis program.

An artist’s depiction of work on the moon as part of the Artemis program. (Image: © NASA)

In den USA hatte 2011 die Obama-Administration den ersten Schritt für den Denkmalschutz der lunaren Stätten begonnen, Trump hatte dann 2017 die White House Space Policy Directive unterzeichnet. Das Gesetz wurde vom Parlament verabschiedet und im Dezember 2020 von Trump abgezeichnet. Diese seltene Einigkeit unter Demokraten und Republikanern freut mich, sie zeigt, dass Sachpolitik eben doch möglich ist. In der finalen Fassung des Gesetzes werden neben den “White boys”, den heroischen Astronauten, auch explizit die “über 400 000 Personen, die auf den Schultern jahrhundertelanger Wissenschaftsentwicklung und Pionieren der Ingenieurskunst aus allen Teilen der Welt zur Entwicklung der Apollo-Missionen beigetragen haben.” geehrt. Darunter, so heißt es weiter “auch Frauen afro-amerikanischer Herkunft wie Katherine Johnson, Dorothy Vaughan, Mary Jackson, und Dr. Christine Darden, die entscheidende Beiträge zu den Raumfahrtprogrammen der Nasa geleistet haben.”

Ich hoffe sehr, dass es ein Schritt zu einer internationalen Vereinbarung für einen echten Denkmalschutz ist und die Landestätte der ersten Menschen auf dem Mond dann wirklich eines Tages ein UNESCO-Welterbe wird.
Mehr zur Diskussion um den Denkmalstatus der lunaren Artefakte hatte ich 2018 hier geschrieben.


Materialforschung im Weltraum

Neben dem Denkmalschutz für diese kulturelle Leistung geht es auch um ein einzigartiges Langzeitprojekt, wie sich das Mondklima mit seinen extremen Temperaturunterschieden, Strahlung und anderen Eigenschaften auf die zurückgelassenen Spuren, Vehikel und Gegenstände aus verschiedenen Materialien ausgewirkt haben: „Three Apollo sites remain scientifically active and all the landing sites provide the opportunity to learn about the changes associated with long-term exposure of human-created systems in the harsh lunar environment. These sites offer rich opportunities for biological, physical and material sciences.”
Welche Metalle und welche Kunststoffe haben sich bewährt? Wie sind sie gealtert? Die Alterung dieser Materialien enthält wichtige Informationen für den geplanten Bau der Mondstation. Auch wenn die Lunar-Basis wohl aus Mond-Regolith gebaut und vermutlich modular ausgedruckt wird, bleiben noch viele andere Anwendungen auch für andere Materialien übrig.

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Kommentare (15)

  1. #1 Aginor
    26. Januar 2021

    Schon wieder ein Artikel mit Fäkalbezug!
    Erst Dino-Kloaken, jetzt Weltraumwindeln. Was ist denn da los? 😀

    Zu den heritage sites:
    Ich bin wirklich sehr gespannt wie viel von dem Zeug an den Apollo-Landestellen von Strahlung, Hitze und Mikrometeoriten vernichtet wurde, und was davon noch da ist.

    Gruß
    Aginor

    • #2 Bettina Wurche
      26. Januar 2021

      @Aginor: Öhem…ich bin offenbar gerade in einer faekalen Phase gefangen. Ja, ich bin auch gespannt.
      Überhaupt ist Astroarchäologie ein super spannendes Thema, ich bin ein großer McDevitt-Fan:
      https://www.buecherserien.de/jack-mcdevitt/

  2. #3 Rob
    Oberland
    26. Januar 2021

    Ich habe mal gelesen, dass die aufgestellten US-Fahnen durch die ungeschützte UV-Bestrahlung inzwischen weiß sind. Das ganze war mit dem Meme verbunden, jetzt würden alle denken, dass die Franzosen zuerst auf dem Mond gewesen wären ; )

    Ist da was dran, sind die Fahnen wirklich weiß?

    • #4 Bettina Wurche
      26. Januar 2021

      @Rob: Das habe ich auch gelesen – das wäre bei der Strahlung auch zu erwarten:
      “Finally, Lunar Scientist Paul Spudis, in a July 2011 blog posting, writes:

      For forty-odd years, the flags have been exposed to the full fury of the Moon’s environment – alternating 14 days of searing sunlight and 100° C heat with 14 days of numbing-cold -150° C darkness. But even more damaging is the intense ultraviolet (UV) radiation from the pure unfiltered sunlight on the cloth (modal) from which the Apollo flags were made. Even on Earth, the colors of a cloth flag flown in bright sunlight for many years will eventually fade and need to be replaced. So it is likely that these symbols of American achievement have been rendered blank, bleached white by the UV radiation of unfiltered sunlight on the lunar surface. Some of them may even have begun to physically disintegrate under the intense flux.”
      https://www.hq.nasa.gov/alsj/ApolloFlags-Condition.html

      Das Meme kenne ich nicht, das ist lustig.

  3. #5 Aginor
    26. Januar 2021

    Zu den Fahnen fällt mir gerade noch ein:

    IIRC hat Aldrin gesagt, er glaube gesehen zu haben dass die Apollo 11 Flagge vom exhaust des Aufstiegsmoduls “umgeblasen” wurde.
    Also sehr wahrscheinlich eine weiße, von Mikrometeoriten zerfetzte Fahne die auf dem Mond rumliegt, und die zu Staub zerfallen würde wenn man sie anfasst.

    Gruß
    Aginor

    • #6 Bettina Wurche
      26. Januar 2021

      @Aginor: Nicht Staub, sondern Mikroplastik – womit das Anthropozän dann auch auf dem Mond angekommen wäre.

  4. #7 RPGNo1
    27. Januar 2021

    @Rob, Bettina Wurche

    Die Sache mit den Flaggen ist sehr interessant. Danke.

    Beim Mem mit den Franzosen stehe ich allerdings auf dem Schlauch. Vielleicht kann mich jemand aufklären?

  5. #8 wereatheist
    27. Januar 2021

    @RPGNo1: Angelsächsischer Humor:
    Die Nationalflagge der Frogs ist die Weiße (Kapitulations-) Fahne.

  6. #9 RPGNo1
    27. Januar 2021

    @wereatheist

    Ah. Danke schön. 🙂

    So tief stecke ich nicht im angelsächsischen Humor drin.

  7. #10 gedankenknick
    27. Januar 2021

    @wereatheist
    Waren die Frogs nicht die Gegner bei “Raumpatrolie Orion”, die man nur mit dem “Overkill” loswerden konnte? 😉

    • #11 Bettina Wurche
      28. Januar 2021

      @gedankenknick: Ich habe keine Ahnung. Allerdings wollte ich demnächst mal Tamara Jagellowsk interviewen – die wird es wissen

  8. #12 wereatheist
    27. Januar 2021

    Die “Raumpatrouille” war aber eine sehr deutsche Serie.
    Vielleicht hätte ich auch besser “Humor” schreiben sollen 🙂

  9. #13 gedankenknick
    29. Januar 2021

    Die Frogs sind ein unbekanntes außerirdisches Volk, das seinen Ursprung nach Erkenntnissen des GSD [Galaktischer Sicherheitsdienst] in den Sternnebeln der Jagdhunde hat. Quelle: https://raumpatrouille.fandom.com/de/wiki/Frogs
    😉 Mir war doch so. Ich hab vor so 15 Jahren mal ein paar Wiederholungen gesehen und mich köstlich amüsiert.

    Aber back to topic – die Astronomie ist doch voll solcher Anspielungen. Man denke nur an ein schwarzes Loch… oder gar an den Ur-anus.
    😀

  10. #14 RPGNo1
    4. März 2021
    • #15 Bettina Wurche
      4. März 2021

      @RPGNo1: Hoffentlich wird es diesmal was! Ich schraube meine Erwartungen besser mal ganz nach unten, schließlich bin ich nicht die Zielgruppe. Zu oft habe ich mich auf ein Remake gefreut, dass sich als nicht so dolle rausstellte.
      Hört sich trotzdem gut an – und dann noch Climate Fiction-Awareness!