Reformen im Gesundheitswesen sind feinmechanische Kunstwerke. Sie wollen gut durchdacht und in überschaubaren Schritten vorgenommen werden – und auch unter Berücksichtigung dessen, was die praxiserfahrenen Akteure und nicht zuletzt was die Patienten selbst davon halten. Im Moment laufen die Gespräche unter den Beteiligten – hoffentlich mit einem guten Ergebnis.

Zum Weiterlesen:
1. Stellungnahme der Bundespsychotherapeutenkammer vom 12. Mai 2016 zur Strukturreform der ambulanten Psychotherapie
2. Interview mit dem Patientenvertreter im Gemeinsamen Bundesausschuss

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Kommentare (8)

  1. #1 KJP
    9. August 2016

    “einerseits sinnvoll ist, um Behandlungskapazitäten nicht weiter einzuschränken”: abgesehen von dem quantitativen Aspekt stellt sich auch die Frage, ob wir als Psychotherapeuten die Richtigen sind, um Verteilungsfunktionen im Gesundheitswesen zu übernehmen. Unser “Kerngeschäft” ist Psychotherapie und nicht die Zuweisung von Patienten zu unterschiedlichen Therapeuten und anderen Hilfsangeboten.

    Dies sieht z.B. auch die Ostdeutsche Psychotherapeutenkammer so:
    http://opk-magazin.de/wp-content/uploads/sites/2/2016/08/Beanstandung-RiLi-OPK-29072016-1.pdf?c160c6

  2. #2 Kathrin S.
    12. August 2016

    Zur Abklärung des Therapiebedarfs wären doch eher unabhängige Stellen sinnvoll. Die könnten ja ohnehin helfen, sich bei den Therapieangeboten zu orientieren. Die meisten Menschen haben keine Vorstellung davon, was in einzelnen Therapieformen passiert, welche bei welcher Form der Erkrankung sinnvoll ist und auf welche sie sich einlassen wollen. Auch Informationen über Verlauf, Dauer, Voraussetzungen und Kriterien für die Auswahl der Therapeuten wären sinnvoll. In manchen Städten gibt es solche Anlaufstellen auf Initive einzelner Therapeuten. Dies ist nicht das, was sich die Krankenkassen vorstellen.
    Wenn ein tatsächlicher Bedarf besteht und es zu einer Therapie kommt, ist die Diagnose in den Unterlagen. Kommt es zu keiner Therapie bleiben die Informtionen bei der Bratungsstelle.

  3. #3 KJP
    13. August 2016

    Die mögliche Gefahr, dass die Schweigepflicht ausgehebelt wird, wird zur Zeit vor dem Hintergrund einer Gefährdung der Bevölkerung durch psychisch Kranke diskutiert, z.B. im Editorial des aktuellen Ärzteblatts PP:
    http://www.aerzteblatt.de/pdf/PP/15/8/s337.pdf

    Eine hohe Bedeutung kommt der Vertraulichkeit bereits in der Erstsprechstunde zu. Daher muss der Umgang mit den dort erhobenen Daten gut überlegt werden.

  4. #5 Randifan
    13. August 2016

    Im Grunde könnte 90 % der Bevölkerung für psychisch krank erklärt werden, so wage klingen die Diagnosen.

  5. #6 Dennis
    Sarstedt
    13. September 2016

    Guten Tag!

    Interessanter Artikel… Hoffen wir mal, dass sich auch wirklich etwas tut. Denn ich habe das Gefühl, dass die Versorgungslage immer schlechter wird. Auch ich habe mich vor etwa sechs Monaten nach einem Therapieplatz umgesehen. Die meisten Antworten waren; Leider nehmen wir keine neuen Patienten auf. Unsere Wartelisten sind einfach viel zu lang.
    Bei zwei Therapeuten wurde ich auf die Warteliste gesetzt. Wartezeit mindestens sechs Monate…

    Ich denke schon, dass sich dadurch bei vielen Betroffenen der Gesundheitszustand verschlechtert und somit immer mehr auf eine Kur-Klinik bzw. in eine stationäre Therapie gehen. Einfach, weil es oft nicht mehr geht!

    Genau aus diesem Grund sind auch die Arbeitgeber in Deutschland gefordert! Es muss sich etwas ändern. Nicht umsont haben die psychischen Leiden in den letzten Jahren so stark zugenommen! Diesem wichtigen Thema nehme ich mich auch hin und wieder auf meiner Webseite http://www.depressiv-leben.de an. Es wird einfach Zeit, dass etwas passiert und nicht wie so oft, nur erzählt wird!

    Viele Grüße!
    Dennis

  6. #7 demolog
    21. Oktober 2016

    Mich stört am meisten an der derzeitigen Grundstrategie zur Behandlung psychischer Störungen, dass eine massive Tendenz zur “Ambulantisierung” besteht. Möglichst alles soll mehr ambulant anstatt stationär gelöst werden.

    Dabei wird übersehen, dass viele Probleme daher entstehen oder verschlimmert werden, weil der Patient schlicht einsam ist. Kein soziales Umfeld hat und dadurch sich die Prognose noch verschlechtert.

    Meine Idee wäre, dass man recht große Psychiatriezentren vorsieht, in der gewohnt wird und auch Möglichkeiten zur sportlichen und anderen Betätigung vorgesehen sind. Dazu müssten vielleicht die Psychiatrien von den Bezirkskliniken getrennt werden, weil diese meist nicht genug Platz haben, um solche Szenarien zu verwirklichen.

    Und was ich kaum verstehen kann, ist, dass bekannt ist, dass die Diagnosen steigen, aber gesagt wird, dass die Störungen nicht wirklich zugenommen haben. Was, bitteschön, ist das beste Anzeichen dafür, dass Störungen steigen? Eben, die Diagnose. Was sonst.

    Mag sein, dass ein Teil der Steigerung tatsächlich dadurch entsteht, dass die Patienten sensibler werden oder das Ärzte- und Diagnoseangebot auch steigen, sodass Kapazitäten eine Steigerung ermöglichen. Das kann man aber zurückhaltener hineinrechnen, anstatt überzeugt zu erklären, alles liege nur an diesem einen Ding.
    Ich glaube das auch gar nicht. Absolut nicht. Es gibt hinweise, das ganz konkrete Bedingungen für eine Steigerung der Diagnosen verantwortlich sind – diese aber nicht der üblichen Erklärung entsprechen, sondern echte zusätzliche “Neustörungen” seien.

  7. #8 demolog
    21. Oktober 2016

    @ Kathrin S. #2

    Die Informationen können doch auch auf Papier dem Patienten mitgegeben werden, sodass sie nirgends gespeichert sind, oder?