Der Titel ist ziemlich polemisch, klar, wird aber gleich etwas verständlicher. Mich nervt, wie unüberlegt zurzeit von verschiedenen Seiten die Impfpflicht für Kinder gefordert wird. Anlass sind – wieder einmal – die Masern. Was für und gegen eine Masernimpfpflicht spricht, speziell bei Kindern, ist hier auf Gesundheits-Check schon mehrfach diskutiert worden, systematischer und beiläufiger.

An der aktuellen Impfpflichtdebatte stören mich vor allem folgende Punkte:

• Die Impfpflicht wird von ihren Befürwortern für Kinder gefordert. Bei den Kindern haben wir aber ausreichende Impfquoten, noch nicht rechtzeitig nach der Empfehlung der STIKO, aber zumindest bis zum Einschulungsalter. Das spricht nicht für das massenhafte Treiben von ideologisch verbohrten Impfgegnern unter den Eltern. Die zweifelsfrei bei der ganz überwiegenden Mehrheit der Eltern vorhandene Impfmotivation – eine intrinsische Motivation, wie Psychologen sagen – würde man mit einer Impfpflicht im besten Fall etwas unterstützen, im schlechtesten Fall aber zerstören, weil es zu Reaktanz gegenüber dem äußeren Zwang kommen könnte.

• Ein zentrales Hindernis auf dem Weg zu einer besseren Durchimpfung der Bevölkerung sind Wissensdefizite, wie Umfragen der BZgA zeigen. Warum fordern dann die, denen Impfaufklärung und Impfmotivation nicht ausreichen, nicht einen Ausbau des Öffentlichen Gesundheitsdienstes, damit mehr aufsuchende Prävention in Kitas und Schulen und geeigneten Settings im Erwachsenenalter möglich wird? Nach jahrzehntelangem Personalabbau hat der Öffentliche Gesundheitsdienst derzeit in vielen Bundesländern gar keine Kapazitäten mehr, um in die Schulen zu gehen, oder nur noch sehr eingeschränkt. Soll die Impfpflicht am Ende nur vermeiden, dass alternativ ein paar Euro mehr für den Öffentlichen Gesundheitsdienst auszugeben wären? Lieber Zwang gegen Eltern als die Staatsabbauideologie zu revidieren? Wobei, wer soll den Zwang eigentlich durchsetzen?

Manche fordern, ungeimpften Kindern zumindest den Zugang zu Kita und Schule zu verweigern. In die Kita muss man nicht, aber in die Schule schon. Wollen die forschen Impfpflichtstrategen also die Schulpflicht abschaffen? Oder haben sie über solche Petitessen gar nicht nachgedacht?

• Die Impfpflicht wird, beispielsweise von der CDU, gottseidank noch nicht vom CDU-Minister Gröhe, auch für Krankheiten wie Tetanus gefordert. Mit welcher Begründung eigentlich? Zwischen Menschen übertragbar ist Tetanus nicht, ausrotten kann man ihn auch nicht.

• Besonders virulent wird die Impfpflichtdebatte immer dann, wenn wieder jemand – in der Tat vermeidbar – an den Masern gestorben ist. Wenn diese Sterbefälle menschlich nicht so tragisch wären, könnte man sagen, sie zeigen, dass Dummheit und Ignoranz tödlich sein können. Auch an Tetanus sterben übrigens bei uns immer wieder ein paar Menschen, noch mehr an Meningokokken, nicht wenige langfristig an HPV-Infektionen, viel viel mehr an der Influenza: Müsste man also konsequenterweise nicht die Impfpflicht bei allen potentiell tödlich verlaufenden impfpräventablen Krankheiten fordern? Und, siehe oben, natürlich nicht nur für die Kinder, sondern für alle? Also die totale Impfpflicht? Und warum dann nicht auch ein striktes Rauchverbot, die Geschwindigkeitsbegrenzung auf 90 Stundenkilometer, und wenn wie beim Tetanus letztlich die Drittgefährdung nicht entscheidend ist, auch eine Obergrenze für Bier und Schweinebraten?

Wobei, richtig rund wird die Perfektionierung der präventiven Bevormundung erst, wenn sie mit der lebenslangen diagnostischen Rundum-Überwachung verbunden wird, von der verpflichtenden pränatalen genetischen Untersuchung bis zur implantatbasierten Kontrolle der Herzfunktion im Alter. Das wird (hoffentlich) nicht kommen, da wäre wohl jedem klar, dass das alte Phantasma des gesunden Volkskörpers an die Stelle des liberalen Gewandes unseres Gemeinwesens getreten ist. Aber die in der Diskussion um die Masernimpfpflicht zum Ausdruck kommende Logik präventiver Begründungen ist es nicht, die es verhindert.

Wenn die präventive Logik hinter der Impfpflicht aber zu solchen Schlussfolgerungen führt, wären wir gut beraten, diese Logik zu überdenken und z.B. die funktionale Effizienz von Präventionsmaßnahmen wie einer Impfpflicht mit anderen Zielsetzungen unseres Gemeinwesens, vor allem seiner liberalen Grundorientierung, sorgfältig abzuwägen – unabhängig davon, was formaljuristisch machbar ist und was nicht. Wenn es um die Gesundheitsschutzverpflichtungen der Industrie geht, etwa im Gefahrstoffbereich, tun wir das schließlich auch. Fällt dann am Ende doch die Entscheidung für eine Masernimpfpflicht bei Kindern, sollten wir zumindest sagen können, warum wir den dazu herangezogenen Begründungen nicht immer weiter bis zur allumfassenden Gesundheitspflicht folgen wollen.

Kommentare (61)

  1. #1 roel
    29. Mai 2017

    @Joseph Kuhn Italien hat gerade die Impfpflicht eingeführt.
    Aus: https://www.aponet.de/aktuelles/forschung/20170522-italien-gesetzimpfpflicht.html

    “Die Impfpflicht bezieht sich auf folgende Infektionskrankheiten:
    Polio
    Diphtherie
    Tetanus
    Hepatitis B
    Keuchhusten
    Haemophilus influenzae Typ b
    Meningokokken B und C
    Masern
    Mumps
    Röteln
    Windpocken”

    “Kinder, die nicht geimpft wurden, werden der Regelung zufolge nicht zum Kindergarten bzw. zu Kindertagesstätten zugelassen. Eltern von Schulkindern, die ihre Kinder nicht impfen lassen, müssen mit Geldstrafen zwischen 500 und 7.500 Euro rechnen. Auch ein zumindest zeitweiser Verlust des Sorgerechts steht laut einer Mitteilung des Gesundheitsministeriums im Raum.”

    “Von der Impfpflicht sind nur Kinder ausgenommen, die die entsprechende Erkrankung bereits nachweislich durchgemacht haben.”

    Der deutsche Gesetzentwurf sieht soweit ich weis eine Beratungspflicht der Eltern vor. Lassen sich diese nicht beraten, droht ein Bußgeld. Was ist aber, wenn die Beratung in Anspruch genommen wird aber die Impfung verweigert wird?

    • #2 Joseph Kuhn
      29. Mai 2017

      @ roel:

      “Der deutsche Gesetzentwurf sieht soweit ich weis eine Beratungspflicht der Eltern vor.”

      Die Beratung vor Aufnahme des Kindes in die Kita ist bereits Pflicht (kam mit dem Präventionsgesetz), neu kommt die Sanktionierung, wenn sich jemand nicht beraten lassen will.

      “Was ist aber, wenn die Beratung in Anspruch genommen wird aber die Impfung verweigert wird?”

      Wenn der Beratungspflicht nachgekommen wird, ist erst einmal dem Gesetz Genüge getan. Eine Impfpflicht gibt es ja bisher nicht.

  2. #3 Withold Ch.
    29. Mai 2017

    Geht ein solcher Titel? Geht überhaupt eine Frage, die sich im Wortlaut an eine hetzende Adressierung aus Goebbels Sportpalastrede anlehnt, auch wenn diese Frage heute ironisch, sarkastisch oder wie auch immer gemeint ist und mal erst nichts mit der Nazi-Ideologie zu tun hat?

    Dachte ich mir beim Lesen der Überschrift unmittelbar, und war mal gespannt, ob der Autor die Kurve kriegt …

    … um dann erleichtert festzustellen, dem Text, der Darlegung der Sachverhalte, der Argumentation und der Warnung vor dem “Phantasma des gesunden Volkskörpers” ist vorbehaltlos beizustimmen.

    Es muss unvermindert ausdiskutiert werden, ab welchem Zeitpunkt und in welchem Ausmass staatliche Interventionen zum Schutze der Allgemeinheit und des Individuums erfolgen sollen, natürlich ganz klar unter Wahrung grösstmöglicher Wahrung eines individuellen (und auch elterlichen) Selbstbestimmungrechtes.

    Was mich aus juristischer Sicht noch interessieren würde, ob es sinnvoll wäre, ein Anzeige- und Klagerecht gegenüber Impfverweigerer (inkl. derer Haftungspflicht und Schadenersatz) einzuführen, wenn doch alle Information und Aufklärung nicht fruchten, – was ja eigentlich unserer “liberalen Grundorientierung” entsprechen dürfte, nach welcher auch die Freiheit, in ihrer gegenseitigen Auswirkungen unter den Menschen, ihren (poenalen) Preis haben soll …

  3. #4 rincewind.ii
    29. Mai 2017

    ein solcher Titel gehört entsprechend beantwortet:

    ey, Dude! mach ma hier nich son Propagandahengst, ja?
    totaale Impfpflicht is uncool… so für zwei handvoll von den echt schrääg uncoolen Sachen würd ja schonmal was für mal auszuprobierm sein…

  4. #6 JLloyd
    29. Mai 2017

    Die momentan de lege ferenda einzurichtende Impfinformationspflicht ist m.E. ein Weg in die richtige Richtung, denn sie trägt der in Deutschland zu Recht starken Opposition wider den Gedanken Rechnung, das Individuum sei als Teil eines ‘Volkskörpers’ zur Gesunderhaltung im Allgemeinen & zur Impfung im Speziellen verpflichtet.

    In Italien gibt es übrigens eine Impf-Pflicht – trotzdem ist die Welt südlich der Alpen noch nicht untergegangen.

  5. #7 felismaxe
    29. Mai 2017

    Der Ruf nach einer Impfpflicht kommt mir ziemlich hilflos vor, und vor allem (s.BZgA-Sudien) geht er an der Realität vorbei. Wie wäre es mit einer zielgruppenorientierten Strategie, die sich an vorhandene Daten hält?
    Was ich übrigens noch nicht gefunden habe zur neuen Regelung: Wir haben im Moment Kita-Plätze für etwa ein Drittel der U3-Kinder – wie sollen die anderen eigentlich erreicht werden? Gerade die, bei denen es Defizite im Wissen über Impfungen gibt, schicken ihre Kinder eher nicht in die Kita.

    Und was ist eigentlich mit denen, die wegen der Herdprämie in Bayern geradezu genötigt werden, ihre Kinder nicht in Betreuung zu geben?

    • #8 Joseph Kuhn
      29. Mai 2017

      @ felismaxe:

      “Wir haben im Moment Kita-Plätze für etwa ein Drittel der U3-Kinder – wie sollen die anderen eigentlich erreicht werden?”

      Wenn es darum geht, dass z.B. Kinder, die aus medizinischen Gründen nicht geimpft werden können (eine sehr kleine Gruppe), in der Kita geschützt werden, ist die Aufnahmeverweigerung schon ein Argument, dann kommt es auf die Betreuungsquote ja nicht an. Wenn es aber darum geht, mit solchen Maßnahmen die Impfquoten zu erhöhen, könnte man höchstens sagen, dass bis zum Einschulungsalter ja doch über 90 % der Kinder eine Kita besuchen und somit noch einmal extra zur Impfberatung und Impfung angehalten werden. Vermutlich sind solche Feinheiten aber in der öffentlichen Diskussion oft nicht präsent.

  6. #9 dekard
    Hamburg
    29. Mai 2017

    Tach auch,

    Zitat: “Wobei, richtig rund wird die Perfektionierung der präventiven Bevormundung erst, wenn sie mit der lebenslangen diagnostischen Rundum-Überwachung verbunden wird…”

    Das zumindest ist das Ziel.
    Angefangen wird mit kleinen unscheibaren Impfungen wie gegen die Masern.

    Die ´Steigerung im Absurden´, die folgt, wird wahrscheinlich unsere Phantasie noch überfügeln.

    Gröhe war es doch erst vor kurzem, der die Alzheimerkranken zum Abschuss freigegeben hat.
    Die Pharmakonzerne können und dürfen per Gesetzbeschluss an denen herumexperimentieren.

    Wahrscheinlich macht denen das nix aus, da sie nicht mehr verstehen was gerade abläuft, oder doch?
    Was aber ist mit den Angehörigen?

    @Withold Ch.
    Im Reich Goebbels sind wir längst angekommen, nur hat es noch niemand so richtig bemerkt.

    Gruß und schöne Woche
    dekard

  7. #10 Norbert Weber
    29. Mai 2017

    Bei Krankeiten die praktisch nur von Mensch zu Mensch übertragen könnte ich mir eine Impfplicht vorstellen, wenn die Chance besteht die Krankeit damit auszurotten, wie bei den Pocken.

  8. #11 Withold Ch.
    29. Mai 2017

    @ dekard # 9

    Mir scheint, dass Du da was vermischst.

    Die Diskussion um die Impfpflicht ist ja überhaupt erst möglich, weil zweifelsfrei erwiesen ist, dass Impfen nützt, und die Frage dahinter ja eigentlich ist, wie viel Abweichung von diesem Konsens der Vernünftigen unser Gesundheitsfürsorgesystem in dieser Hinsicht erträgt.

    Die hingegen von Dir ins Spiel gebrachte Kontroverse um die vom Gesundheitsminister Gröhe im letzten Herbst durchgebrachte Gesetzesänderung, welche die Forschung an Demenzkranken künftig erlauben soll, weist darauf hin, dass eine Krankheit und ihre Betroffenen überhaupt erst mal adäquat in den Fokus der Pharmazieforschung gerückt werden sollen, die Angelegenheit sich also in einem noch sehr frühen Stadium befindet. Gute Argumente gibt es hier dafür wie dagegen.

    (siehe zB Artikel Arzneitests mit Demenzkranken – ein Pro und Contra)

    Deine Bemerkung “Im Reich Goebbels sind wir längst angekommen …” halte ich für falsch. Im Grossen und Ganzen funktionieren hier die demokratischen und gesetzlichen Kontrollmechanismen noch, – was natürlich nicht heisst, dass man nicht besorgt sein könnte über erosive Tendenzen in Politik und Gesellschaft.

  9. #12 dekard
    Hamburg
    29. Mai 2017

    @Withold Ch.

    Da wir im Zeitalter des absurd ungebremsten Materialismus leben, scheint mir, dass das Denken in Zusammenhängen um zu einem Gesamtbild zu kommen, doch arg abhanden gekommen zu sein.

    Vor zwei Jahren bot mir mein Hausarzt eine Grippeimpfung an. Zusätzlich wären im Impfstoff teile gegen Schweinegrippe und Vogelgrippe enthalten.

    Ich lehnte dankend ab.
    Als Kind, lebe schon etwas länger auf diesem Planeten, wurde ich geimpft und habe auch keinerlei Schäden davongetragen.
    Heute dagegen würde ich meinen Kindern keine Impfung zumuten, da nicht bekannt ist, was für “Schweinereien” die Pharmahersteller noch so den neuen Impfstoffen beimischen.

    In Finnland waren es ca.170 Kinder die Schäden in Form von Schlafkrankheit davon getragen haben, als die Eltern der allgemeinen Panik folgend, sie gegen die Schweinegrippe haben impfen lassen.
    Zuvor hatten englische wie amerikanische Pharmafirmen sich per Gesetz von jeglicher Verantwortung “freisprechen” lassen.
    Der finnische Staat hat diesen Kindern lebenslange Unterstützung und Entschädigung zugesagt.

    Nichts gegen die alten Impfstoffe.
    Bei den “Neueren” wäre ich skeptisch und würde eher zu Nicht-Impfung raten.

    Zu Südamerika, Brasilien, wäre vielleicht auch noch etwas zu sagen. Zika Virus? Oder lag es doch eher am neu entwickelten Impfstoff(Dreifach-Kombination- in einem Impfstoff)?

    Wie Lobbyisten mittlerweile die WHO durchsetzt haben, sollte sich herumgesprochen haben.

    Gruß,
    dekard

  10. #13 Alisier
    29. Mai 2017

    Ich würde sogar sagen, dass es die jüdisch-kapitalistische Weltverschwörung war, die den Zika-Virus entwickelt und verbreitet hat, dekard.
    Und wenn Sie in Zukunft ernstgenommen werden wollen, dann trennen Sie doch bitte Ihre dämlichen Vorurteile und Räubergeschichten von echten Informationen.

  11. #14 Joseph Kuhn
    29. Mai 2017

    @ Alisier:

    Das ist nun definitiv falsch. Das Zika-Virus wurde nachweislich von den Reptiloiden entwickelt, an Trump erstmals getestet (da sieht man, was unkontrollierte Genforschung mit echten Atomen für Folgen haben kann) und dann an Monsanto verkauft.

    Hab ich was vergessen? Ach ja, die AfD, die will ausländische Zika-Viren mit kriminellem Hintergrund natürlich abschieben.

    @ dekard:

    Ihre Kommentare werden ab sofort nicht mehr automatisch freigeschaltet. Sie ahnen vielleicht, warum. Ach Quatsch, Sie wissen es ganz genau.

  12. #15 Karl Mistelberger
    30. Mai 2017

    Somali-American children in Minnesota had a vaccination rate of 92 percent in 2004, higher than the state average, but that rate has dropped to 42 percent, leaving children vulnerable to disease.

    Health officials say there have been at least 8,250 exposures in day-care centers, schools, hospitals and clinics. As of Thursday, there were 68 confirmed cases, most of them in unvaccinated preschool children. A significant number have been hospitalized. Additional cases are likely in the next week. Last year, the United States had 70 measles cases.

    Ob es eine Impfpflicht braucht ist erst einmal egal, eine intensive Debatte braucht es auf jeden Fall, um den Schwachsinn der Impfgegner zu kontern.

    http://www.twincities.com/2017/05/26/imams-in-us-take-on-the-anti-vaccine-movement-during-ramadan/

  13. #16 Kassandra
    30. Mai 2017

    Wow. Herr Kuhn, das ist, glaube ich, der beste Blogartikel, den ich bislang von Ihnen gelesen habe – und, auch wenn das vielleicht überraschend klingt, weil ich mich immer dann melde, wenn ich anderer Meinung bin als Sie: Ich fand schon etliche gut.

    Wenn die präventive Logik hinter der Impfpflicht aber zu solchen Schlussfolgerungen führt, wären wir gut beraten, diese Logik zu überdenken und z.B. die funktionale Effizienz von Präventionsmaßnahmen wie einer Impfpflicht mit anderen Zielsetzungen unseres Gemeinwesens, vor allem seiner liberalen Grundorientierung, sorgfältig abzuwägen – unabhängig davon, was formaljuristisch machbar ist und was nicht.

    Wo diese liberale Grundorientierung bloß abgeblieben ist, frage ich mich schon seit geraumer Zeit, denn mir wird schon seit Jahren zu viel mit dem Instrument des Verbots bzw. des Zwangs gearbeitet. Das Merkwürdige daran ist, dass die meisten Leute, die sich über eine bestimmte Zwangsmaßnahme aufregen, selbst alles mögliche andere verboten haben wollen. Das fand ich besonders auffällig bei Diskussionen innerhalb der eigentlich ja mit liberalen Grundvorstellungen angetretenen Piratenpartei.

    Ich habe den Verdacht, das ist eine Art Dominoeffekt: Wenn ich das nicht darf, soll mein Nachbar (oder sonst irgendwer, den ich nicht leiden kann) auch etwas nicht dürfen. Den Einfluss, den diese kollektive gegenseitige Missgunst auf das gesellschaftliche Klima hat, sollte man nicht unterschätzen.

  14. #17 gedankenknick
    30. Mai 2017

    Auch wenn ich denke, dass @dekard etwas am Thema vorbei redet, sehe ich es tatsächlich in einem Punkt genau so: Wobei, richtig rund wird die Perfektionierung der präventiven Bevormundung erst, wenn sie mit der lebenslangen diagnostischen Rundum-Überwachung verbunden wird…

    Der “Gesundheits-Superserver” der gKV, zusammen mit den “Super-Selektriv-Lieferverträgen” für Arzneimittel, alles schon mit der (ursprünglichen) Einführung der eGK zum Jahr 2006 angestrebt, ist ein mittelfristiges Ziel. Alles natürlich nur “zum Wohle des Patienten” – weil es (kutzfristige) “Einsparungen” im Arzneimittelbereich verspricht… Wenn erst mal die gesamte Patientenakte von der Wiege bis zur Bahre auf den Superserver liegt, braucht man auch keine Arzt-Zweitmeinung zu einem Problem mehr, weil jeder Arzt sich die Erstmeinung durchlesen kann (und damit Zweitmeinungen privat zu bezahlen sein werden).

    Tracking-Gesundheits-Apps, welche jetzt schon von den KrankenKassen beworben werden, damit der Versicherte sich bei “gesunder Lebensweise Beitragssenkungen erarbeitet” sind ein anderer Schritt. Dass dies alles irgendwann umgedreht wird, wenn nur genug Menschen erst mal mitmachen (und damit die, die nicht mitmachen, automatisch schlechter gestellt werden), ist langfristig gewolltes Abfallprodukt. Was der selbe Versicherte nach einem Unfall macht, nachdem er nicht mehr joggen gehen kann – tja, Pech gehabt.

    Die Vernetzung von urinanalysierenden Toilettenbecken mit der Super-Patientenakte probiert man in einem Pilotprojekt übrigens gerade in Japan meines Wissens nach. Das wird lustig, wenn meine Autoversicherung mir dann kündigt, weil meine Urinanalyse angeblich ergeben hat, dass ich gestern auf der Autobahn (via Tracking des Autoherstellers) alkoholsiert unterwegs gewesen war. Wie kann ich dann wohl das Gegenteil, also die Abwesenheit von Alkohol, naträglich beweisen?

    Wie toll das alles wird sieht man sich in GB an, wo dem NAS mal wieder riesige Patientenaktenberge verschwunden sind, diesmal wegverschlüsselt. Wan´na Cry? Nein, nicht weinen – passt schon – ist auch nicht das erste Mal, nur halt mal wieder anders…

    Ach ja, vor 5 Jahren (vor Edward Snowden) hätte ich mich für diese Darstellung selber ausgelacht. Bis auf die Sache mit den Super-Selektiv-Arzneimittel-Liefer-Verträgen. Vor denen habe ich (offline) schon im Jahre 2004 gewarnt…

    • #18 Joseph Kuhn
      30. Mai 2017

      Mein “Verweis” für dekard hatte nichts mit dem Inhalt seines Kommentars zu tun.

  15. #19 gedankenknick
    30. Mai 2017

    @Joseph Kuhn
    Ich wollte @dekard gar nicht in Schutz nehmen… und den Verweis hatte ich glatt überlesen.

    Ich wollte nur (in diesem einen Punkt) zustimmen: Wenn man BigData & Vollvernetzung und ein Versicherungssystem (oder gar mehrere unterschiedliche) zusammenbringt, kann man gar nicht verkantet genug denken, um alle (positiven wie negativen) Folgen vorher abzuschätzen. Und leider gilt hierbei Gut gemeint ist lange nicht gut gemacht! ganz besonders.

  16. #20 Laie
    31. Mai 2017

    Wenn man über die Inhaltsstoffe der Impfmittel vollständig informiert wird, dann wäre das eine verbindende Basis, um berechtigte oder nicht berechtigte Skeptikern zu helfen, sich ein umfassenderes Meinungsbild zu machen.

    Die Kritik geht ja zu den nicht offen gelegten Inhaltsstoffen, was als Mangel an Transparenz gewertet werden kann. So weit verständlich – als Ursache für Vorsicht vor Impfschäden.

    Aufeinander zugehen, und auf Argumente sachlich eingehen schadet nie, Polemik jedoch fast immer.

  17. #21 gedankenknick
    31. Mai 2017

    @Laie
    Man möge es mir verzeihen, aber welche nicht offen gelegten Inhaltsstoffe in Impfungen sollen das denn sein?

    Bitte gehe mal in die nächste Vor-Ort-Apotheke – ja, ich weiß, das ist total undigital so ganz ohne Versand und zu Fuß und so – und bitte um einen Ausdruck der Inhaltsstoffliste einer Impfung Deiner Wahl. Normalerweise sollte das eine Sache von <1 Minute sein, und da sind dann ALLE Inhaltsstoffe angegeben…

  18. #22 WolfgangM
    31. Mai 2017

    Einerseits habe ich mit Impfpflicht (außer bei Mitarbeitern im Gesundheitswesen ) ein Problem. Auf der anderen Seite haben Kinder nach der Kinderechtskonvention (Art 24) ein Recht auf höchstmögliche Gesundheit, und damit auch ein Recht auf Impfungen.

    Nach gängigen pädiatrischen Definitionen sind ungeimpfte Kinder vernachlässigte Kinder, eine Form der Kindesmisshandlung.

    Siehe zB hier: Fortbildung für Kinderärzte- Tabelle beachten.

    http://www.kindesmisshandlung.de/mediapool/32/328527/data/VN-KJA-2005.pdf

    Und auch UNICEF und WHO haben das schon vor langer Zeit so formuliert

    Auszug: Jedes Kind hat ein Recht auf Impfung gegen verhütbare Krankheiten. Die Routineimpfung von Kindern ist notwendig, um das Recht der Kinder auf Gesundheit zu gewährleisten.

    http://www.unric.org/html/german/kinder/presse/7.htm

    Bei dringenden medizinischen Eingriffen (wie zB bei Olivia Pilhar, mit ihrem Nierentumor) wird das Sorgerecht der Eltern unverzüglich gerichtlich eingeschränkt und die OP durchgeführt. Vater Pilhar ist ja auch ein Impfgegner und Apostel des antisemitischen Dr Hamer- inzwischen macht er auf Reichsbürger.

    Impfungen sind natürlich (meist) nicht so dringend, aber das größte Impf-Risiko für ein Kind ist immer noch die Impfung, die nicht gegeben wird.

    Peru ist seit mehr als 10 Jahren frei von Masern- was können die, was wir im deutschsprachigen Raum nicht zusammenbringen?

    Kinder können noch nicht für sich selbst entscheiden, das zu tun wäre eine Verpflichtung für die Eltern. Nur was, wenn diese ihrer Fürsorgepflicht nicht nachkommen?

    Populationsimmunität ist ja auch was Gutes – die Pocken sind seit 37 Jhr ausgerottet, Poliofälle 2017 bislang global 5 – in Gebieten, wo es einen Impfstopp gab und Impfteams erschossen wurden.

    Und die WHO Region Europa hat sich ja verpflichtet Masern zu eliminieren, zunächst bis 2010, dann 2015, jetzt ist das auch schon vorbei.

    Und es ist schon abenteuerlich, wenn Touristen aus reichen Ländern Masern in Entwicklungsländer exportieren.

  19. #23 WolfgangM
    31. Mai 2017

    Laie schreibt Aufeinander zugehen, und auf Argumente sachlich eingehen schadet nie, Polemik jedoch fast immer.

    Zu behaupten Inhaltsstoffe werden nicht angegeben ist grottenfalsch, nicht sachlich und daher Polemik

  20. #24 noch'n Flo
    Schoggiland
    31. Mai 2017

    @ WolfgangM:

    Ich bin ja schon seit 2-3 Jahren am überlegen, bei den obligatorischen Schuluntersuchungen (ich bin als Schularzt für insgesamt 4 Primar- und eine Sekundarschule zuständig) den Kindern von Impfgegnern einfach “Impfverweigerer” auf die Bescheinigung zu schreiben und diese unsigniert zu retournieren. Ich meine: im Zweifel kann ich mich bei Ärger mit den betreffenden Schulen doch ganz einfach herausreden, ich würde keine Kindesvernachlässigung unterstützen.

    Oder vielleicht informiere ich auch einfach mal die KESB (Kinder- und Erwachsenenschutzbehörde), wenn ich das nächste Mal ein ungeimpftes Kind in der Praxis habe.

  21. #25 Alisier
    31. Mai 2017

    Also, das mit Peru gibt mir dann doch zu denken….ob die FARC nicht vielleicht eine Nebenwirkung………
    Andererseits: wie haben sies denn hingekriegt, die Rebellen zu impfen?
    Die Zahlen gucke ich mir nochmal genauer an.

  22. #26 Umami
    31. Mai 2017

    Der Titel ist doof.
    Aber immerhin finde ich den Text darunter sehr einleuchtend. Man sollte also alle Anstrengungen dahingehend unternehmen, dass die Impfquote vor Allem unter Erwachsenen steigt?

  23. #27 Laie
    31. Mai 2017

    @gedankenknick
    Von dem die Impfkritiker sprechen, ist immer wieder zu lesen. Da es für mich eher ein Randthema ist, weiss nicht, ob dies nun stimmt oder nicht – impfen ist halt was für militante Befürworter und Gegner. Anlassbezogenes Impfen, wenn man eine Reise z.B. nach Asien vor hat, macht schon Sinn.

  24. #28 WolfgangM
    1. Juni 2017

    @Alisier,

    Bitte vorher überlegen und nachschauen, dann posten.
    FARC ist in Kolumbien tätig (gewesen). Peru ist da weit weg.

    @noch`n Flo

    Den Begriff Vernachlässigung durch Nichtimpfen gibts ja auch schon in diversen Leitlinien in pädiatrischen Lehrbüchern etc pp.
    Das Problem ist, dass Vernachlässigung die häufigste Art von Kindesmisshandlung ist, aber immer noch nicht richtig ernst genommen wird. Vernachlässigung wird also vernachlässigt.

  25. #29 Joseph Kuhn
    1. Juni 2017

    @ Umami:

    Was die Masern angeht: ja, dass die Impflücken bei den Erwachsenen (einschl. medizinischem Personal, manchen Flüchtlingsgruppen etc.) geschlossen werden, und dass die Kinder rechtzeitig geimpft werden.

    @ Laie:

    “Anlassbezogenes Impfen”

    Bei den Masern? Was für ein Unsinn.

  26. #30 Alisier
    1. Juni 2017

    @ WolfgangM
    Blöder Scherz, zugegeben. Manchmal mag ichs halt den pseudogebildeten Impfskeptiker zu mimen.
    Dennoch, es wäre interessant zu wissen, wie in diesem teilweise immer noch schwer zugänglichen Land eine flächendeckende Impfung erreicht werden konnte.
    Ich bin mir nämlich nach Sichtung einiger Zahlen immer noch nicht sicher, was ich davon halten soll.

  27. #31 WolfgangM
    1. Juni 2017

    Alisier schreibt

    Dennoch, es wäre interessant zu wissen, wie in diesem teilweise immer noch schwer zugänglichen Land eine flächendeckende Impfung erreicht werden konnte.
    Ich bin mir nämlich nach Sichtung einiger Zahlen immer noch nicht sicher, was ich davon halten soll.

    Gesamtamerika ist letztes Jhr für frei von Masern erklärt worden.
    Un die Frage ist eigentlich nicht relevant. Richtigerweise müßte es heißen:
    Dennoch, es wäre interessant zu wissen, wie in der EU in diesen leicht zugänglichen Ländern eine flächendeckende Impfung erreicht werden könnte.

    Weil wir zumindest in großen Teilen der EU (bzw WHO Region Europa) das bislang nicht schaffen, was Entwicklungsländer schon längst geschafft haben.

    Wir alle haben die Verpflichtung unsere Kinder (nicht nur vor) Masern zu schützen.

  28. #32 noch'n Flo
    Schoggiland
    1. Juni 2017

    Dazu fällt mir was ein, wa ich kürzlich gelesen habe:

    Was haben uns Turkmenistan, Aserbaidschan und Weissrussland voraus? – Dort gelten die Masern als ausgerottet.

  29. #33 Laie
    1. Juni 2017

    Vielleicht ist Impfen doch etwas wichtiger geworden, da mit den vielen Fremden hier auch gewisse Krankheiten wieder da sind, die sich ausbreiten können, wenn die Leut’ nicht durchgeimpft sind.

    Doch diese neuen Krankheiten sind bei uns so viel ich weiss nicht direkt im Impfprogramm, oder irre ich mich da?

  30. #34 gedankenknick
    1. Juni 2017

    @Laie:
    Jo. Z.B. Kinderlähmung.

    Holt sich der deutsche Rücksack-Tourist auf der Fußwanderung durch Indien/Pakistan. Als Virenausscheider (betreffend der Injektionsimpfung) kommt selbiger nach D zurück, um dann kiloweise ungeimpfte Menschen anzustecken. Richtig doll, was diese Fremden so mit uns Unfremden machen..! 😉

    In diesem Zusammenhang besonders lustig, wenn ein Betriebsarzt in einem Krankenhaus meint, Kinderkrankenschwestern müssen nicht gegen Polio (auffrisch)geimpft werden, weil Polio in D ja ausgerottet sei. (Und wenn man mit den Stiko-Bulletin wedelt, wird die Aussagekraft sogar dann geleugnet, wenn man die fraglichen Stellen mit einem Textmarker anstreicht.) Ja, das ist Schland…

  31. #35 Alisier
    1. Juni 2017

    In Minsk gabs zumindest 2006 noch eine Masernepidemie.
    Und vielleicht sind diktatorische Strukturen einfach besser dazu geeignet irgendwas schnell auszurotten, wer weiß.
    Andererseits sollten Daten dennoch genau überprüft werden: China hat auch lange behauptet, Aids wäre dort kein Problem und würde, wenn überhaupt, nur durch Ausländer immer wieder eingeschleppt, sonst gäbe es das dort selbstverständlich nicht.
    Und danke für die Information: dass die amerikanischen Regierungen es tatsächlich geschafft haben, den Kontinent masernfrei zu machen lässt in der Tat ein schlechtes Licht auf Westeuropa fallen.

  32. #36 Joseph Kuhn
    1. Juni 2017

    @ Laie:

    “Vielleicht ist Impfen doch etwas wichtiger geworden, da mit den vielen Fremden hier auch gewisse Krankheiten wieder da sind, die sich ausbreiten können, wenn die Leut’ nicht durchgeimpft sind.”

    So stellt sich der Laie das vor. Das RKI sagt dazu, Stand 17. Mai 2017:

    “Erwartungsgemäß werden vor allem aufgrund entsprechender Screening-Programme bei Asylsuchenden auch vermehrt Tuberkulose- und Hepatitis-B- und C-Fälle gefunden. Weiterhin stehen derzeit bei Asylsuchenden impfpräventable Krankheiten und Magen-Darm-Infektionen im Vordergrund. Die Zahlen zeigen, dass Asylsuchende durch impfpräventable Krankheiten und Magen-Darm-Infektionen gefährdet sind, gegen die Impfungen und Basishygienemaßnahmen schützen würden.

    Das RKI sieht derzeit weiterhin keine erhöhte Infektionsgefährdung der Allgemeinbevölkerung durch Asylsuchende.”

  33. #37 Alisier
    1. Juni 2017

    Aaaaaber, das RKI ist dochTeil des Establisments und AfD, Ängste und Vorurteile sind immer stärker als Vernunft und Daten.
    Zumindest für die, die gegen Fremdenfeindlichkeitsviren nicht geimpft sind. Und die Immunität kann man ihnen nicht beispritzen, die müssen sie schon selber erlangen, durch Nachdenken zum Beispiel.
    Hohe Hürde, ich weiß, aber verlangen tu ich es trotzdem.

  34. #38 WolfgangM
    2. Juni 2017

    die Kinder flüchtender Syrer haben eine bessere Durchimpfungsrate als einheimische Kinder, nur die unter 5 jährigen können Impfdefizite aufweisen, weil jeder Krieg Gesundheitssysteme kollabieren läßt und daher auch die Möglichkeit anstehende Impfungen durchzuführen.

    Bei afghanische Flüchtlinge ist es schwieriger, da gibts Krieg schon viel länger und das Gesundheitssystem war auch um etliches schlechter, als in Syrien.

  35. #39 noch'n Flo
    Schoggiland
    2. Juni 2017

    @ Alisier:

    Andererseits sollten Daten dennoch genau überprüft werden:

    Klar doch, allerdings stammt das Zitat oben von der FB-Seite des Bundesgesundheitsministeriums, da gehe ich mal davon aus, dass die Daten gut geprüft wurden:
    https://www.facebook.com/bmg.bund/photos/a.330642667098918.1073741828.323245001172018/790353627794484/?type=3&theater

  36. #41 Laie
    3. Juni 2017

    Ist Hepatitis C und B nicht ansteckend?
    Soviel ich weiss, geht von beissenden Asylsuchenden eine gewisse Gefahr auf Polizisten aus, für die ist das laut Medienberichten schon ein Thema. (Natürlich bevorzuge ich ein friedliches Verhalten auf beiden Seiten)

  37. #42 noch'n Flo
    Schoggiland
    3. Juni 2017

    @ Laie:

    Gegen HepB kann man impfen (das wird Polizisten auch empfohlen). Und bei HepC reicht die Viruslast im Speichel nur in den seltensten Fällen aus, um eine Wunde zu infizieren.

    Aber mal eine andere Frage: warum geht diese Gefahr nicht auch von beissenden Deutschen aus? Davon gibt es auch viele mit Hepatitis. Warum betonst Du so die Asylbewerber? Bist wohl AfD-Wähler, was?

  38. #43 Laie
    3. Juni 2017

    @noch’n Flo
    Meine Informationen entstammen wie oben schon ausgesagt aus der Medienberichterstattung, von der von beissenden Asylanten berichtet wurde. Von beissenden Deutschen wurde in der Medienberichterstattung nichts berichtet.

    Warum soll ich AfD-Wähler sein? Astrologie?

  39. #44 noch'n Flo
    Schoggiland
    3. Juni 2017

    @ Laie:

    Von beissenden Deutschen wurde in der Medienberichterstattung nichts berichtet.

    Und daraus schliesst Du, es gäbe keine? Du gibst Dich doch sonst immer so kritisch, warum nicht hier?

  40. #45 Laie
    4. Juni 2017

    Jaja, das wird es wohl auch geben, da es für alles eine von verschiedene Wahrscheinlichkeit gibt, auch wenn es vielleicht nur 0,6343943 Personen bundesweit betrifft, genauso kann es Asylanten-beissende Polizisten geben, vielleicht mit einer Wahrscheinlichkeit von 0,000232142, oder der nächste Lottogewinn. Die Frage ist immer, wie stark ist diese Information relevant.

  41. #46 RainerO
    4. Juni 2017

    Wenn man die Beiträge von Laie insgesamt querliest, bekommt man den Eindruck, dass er zur “Das wird man doch noch fragen dürfen!”-Fraktion gezählt werden könnte. Heroische Unterstützung “Andersdenkender”, schwach getarnte Ausländerfeindlichkeit, Verbreiten von typischen Pseudoargumenten.
    Oder er führt als Sozilogiestudent ein länger laufendes Experiment als trollender “Advocatus Diavoli” durch. Dann würde ich gerne die daraus resultierende Arbeit lesen wollen, wenn es soweit ist.

  42. #47 RainerO
    4. Juni 2017

    “Advocatus Diaboli”… – peinlich, sorry…

  43. #48 Laie
    4. Juni 2017

    Wenn man die Beiträge von ReinerO insgewamt querliest, bekommt man den Eindruck, dass er von einem Affen gebissen wurde.

  44. #49 RainerO
    4. Juni 2017

    “Ätschbätsch, selber!” Was für eine sorgfältig elaborierter und (fast fehlerfrei vorgetragener) stupender Konter!
    Darauf bleibt mir nur zutiefst beschämtes Schweigen.
    ——————————————
    Zur Sache: Da schließe ich mich der Meinung in #10 an: bei ausrottbaren Krankheiten (wie eben den Masern) wäre eine Impfpflicht überlegenswert. Bei z.B. Grippe hielte ich das aber für eher problematisch.

  45. #50 Manfred
    5. Juni 2017

    Was mich am meisten stört ist wie man mit der Tatsache umgeht, dass Impfungen eben auch zu schweren Schäden führen kann, die zum Glück selten sind. Und zwar im Bezug auf Entschädigung.
    Hier mal ein Zitat:
    1036 Patienten oder ihre Verwandten beantragten eine Anerkennung als Impfschaden. Bewilligt wurden 169. „Das heißt, dass die Hinweise auf einen Schaden durch die Impfung überwiegen, nicht, dass tatsächlich die Impfung die Ursache ist“, sagt Stöcker.

    Die Logik ist allerdings falsch. Es beweist höchstens dass man alles unternimmt um nur nicht in die Haftung genommen zu werden. Mehr nicht. Das Problem ist dass es sehr schwer ist, einen kausalen Zusammenhang zwischen einer Impfung und einem späteren Schaden zu beweisen.

    Wer für eine Impfpflicht ist sollte dann auch dafür sorgen, dass Impfschäden auch unbürokratisch anerkannt werden. Und man müsste Zahlen auf den Tisch legen. Wie viele Kinder sterben oder werden krank ohne Impfpflicht und wie viele Kinder müssen bei einer Impfpflicht mit einem Impfschaden rechnen, denn nichts ist ohne Risiko. Und wie gesagt, wenn ich gezwunge werde, mein Kind impfen zu lassen dann will ich bei einer Schädigung nicht jahrelange Prozesse führen müssen. Davon abgesehen ist es ein Unterschied, wenn mein Kind krank wird, weil ich es nicht impfen lies oder weil man mich gezwungen hat es impfen zu lassen.

    Zum Glück sind meine Kinder erwachsen und wir haben damals noch gezielt Impfungen aussuchen können. Die heutigen Mehrfachimpfungen halte ich immer noch für verkehrt.

  46. #51 Clemens M.
    5. Juni 2017

    @Manfred Auch als medizinischer Laie kann man sich informieren, da muss man nicht lange googeln.
    http://www.zeit.de/wissen/gesundheit/2015-02/masern-impfung-sieben-gruende/seite-2
    Im Artikel gibt es Links zu Statistiken.
    Beim Googeln stößt man allerdings auch auf eine Aussage des mehr als fragwürdigen Koppverlages, etwa so: Durch Impfungen keine Masern mehr, aber 100 Tote durch Impfstoff (bezogen auf die USA). Selbst wenn die Aussage stimmen würde und nicht hanebüchen wäre, würde das in etwa der Quote der Todesfällen bei 100000 Masernerkrankungen entsprechen, wenn nicht geimpft wird. Masern werden von Impfgegnern verharmlost, bei Polio klappt das nun gar nicht. Ein Onkel starb daran, und noch in den 60ern gab es Poliogeschädigte, wie in einem anderen Kommentar beschrieben.
    Dank der Impfgegner sind die Masern nicht ausgerottet, in den letzten 2 Jahren gab es mindestens 2 Todesfälle. Das kann man nur unverantwortlich nennen.

  47. #52 noch'n Flo
    Schoggiland
    5. Juni 2017

    @ Manfred:

    Nicht jeder anerkannte Impfschaden ist auch tatsächlich einer. Aber in Deutschland reicht nach aktueller Gesetzeslage der hinreichende und überwiegende Verdacht aus. Das Ganze wird so grosszügig gehandhabt, um nicht eventuell einen tatsächlich Impfgeschädigten unentschädigt zu lassen. Und einen kausalen Zusammenhang muss man mitnichten beweisen, es reicht, wie o.g., der ausreichende Verdacht.

    Dass nochmal viel mehr Anträge gestellt als bewilligt werden zeigt nicht, dass sich der Staat um die Haftung drücken will, sondern dass manche Menschen jedes kleine Hühnerauge als Impfschaden anerkannt haben wollen. Und das stellt klar einen Missbrauch der Impfhaftung dar.

    Der Nutzen der Impfungen übertrifft immer noch bei weitem ihre Risiken.

    Aber mal was anderes: warum hältst Du die Mehrfachimpfungenfür verkehrt? Sie sind nachweislich schonender für das Kind bei gleicher Immunität. Was soll daran bitte schlecht sein?

  48. #53 Karl Mistelberger
    6. Juni 2017

    > #50 Manfred, 5. Juni 2017
    > Hier mal ein Zitat:
    > 1036 Patienten oder ihre Verwandten beantragten eine Anerkennung als Impfschaden. Bewilligt wurden 169. „Das heißt, dass die Hinweise auf einen Schaden durch die Impfung überwiegen, nicht, dass tatsächlich die Impfung die Ursache ist“, sagt Stöcker.

    Der Text wurde sehr selektiv zitiert. Er setzt sich wie folgt fort:

    Ein Blick in den Arzneimittelatlas zeigt, dass die Zahl verschwindend gering ist. Ärzte in Deutschland rechneten im gleichen Zeitraum 211,2 Millionen Impfdosen ab.

    Gerüchte und Einzelfälle statt Risiko- und Nutzenabwägung

    Das öffentliche Bild der Impfrisiken ist eher von Gerüchten und Einzelfällen geprägt, beklagt Wolfram Hartmann, selbst Kinder- und Jugendarzt und Vorsitzender seines Berufsverbandes. Da behauptet ein britischer Arzt in einer zweifelhaften und inzwischen widerlegten Studie mit zwölf Kindern, die Masern-Impfung verursache Autismus – und verschweigt, dass er ein Patent für eine andere Impfung hält und die Anwaltskanzlei, die die Eltern vermeintlich geschädigter Kinder vertrat, ihm 3,5 Millionen Pfund zahlte. Da schwirrt ein Gerücht, dass der Hepatitis-Schutz Multiple Sklerose befeuert – ohne stichhaltigen Beleg. Da stirbt ein Mädchen kurz nach der Impfung gegen Gebärmutterhalskrebs. Später zeigt eine Untersuchung, dass die 14-Jährige unerkannt an fortgeschrittenem Krebs litt – doch das geht in der Aufregung unter.

    Der vollständige Artikel findet sich hier: http://www.tagesspiegel.de/wissen/impfung-und-risiken-krank-nach-der-impfung/10918284-all.html

    Hinweis: Leute, die schon eine Meinung haben und deshalb meinen, dass sie keine Fakten benötigen können sich die Lektüre sparen.

  49. #54 Laie
    15. Juni 2017

    Gab es da nicht mal das Resultat einer Untersuchung, oder war es auch ein Gerücht, dass gewissen Impfungen gleichzeitig anfälliger für gewisse Krebsarten machen?

    Was ist davon zu halten?
    Ist dies möglich?

  50. #55 Rosenkohl
    17. Juni 2017

    Der Masern-Ausbruch in Disneyland Anfang 2015, und der Fall eines leukämiekranken Jungen, der nicht gegen Masern geimpft werden konnte wurden in Kalifornien zum Anlaß genommen, weltanschauliche Ausnahmen von der Impfpflicht ab 2017 zu streichen. Der Abgeordnete Richard Pan brachte das Gesetz 2015 ein, er erhielt im Zeitraum 2013-14 mit $95 000 die höchste Abgeordneten-Spende der Pharma-Industrie, http://www.sacbee.com/news/politics-government/capitol-alert/article24913978.html. Eine nicht zu vernachlässigende Rolle spielte eine Visualisierung der Herdenimmunität, die den Abgeordneten vorgeführt wurde, “The FRED Measles model can be used to visualize infectious disease dynamics in any county, so Pan could show his fellow senators exactly how an outbreak would play out in their own backyards” https://fivethirtyeight.com/features/facts-alone-wont-convince-people-to-vaccinate-their-kids/.

    Vermutlich wird Kalifornien von der deutschen Politik, Öffentlichkeit und Pharmaindustrie als Vorbild für Deutschland aufgefasst.

    Ein taktischer Aspekt der Impfpflicht-Debatte im Vorfeld der Bundestagswahl ist m.E., die Grünen als Bürgerrechts- und Anthroposophen-Lobby im Kampf um Kindeswohl wieder in die Defensive zu drängen. Man erinnere sich, wie schnell letztes mal die Pädophilie-Debatte nach dem 22. September 2013 wieder abflaute.

  51. #56 Joseph Kuhn
    17. Juni 2017

    @ Laie:

    “oder war es auch ein Gerücht”

    … von den bekannten Armageddon-Seiten wie Kopp, impfen-nein-danke usw. – womit die Frage, was davon zu halten ist, beantwortet ist.

    @ Rosenkohl:

    “Ein taktischer Aspekt der Impfpflicht-Debatte im Vorfeld der Bundestagswahl ist m.E., die Grünen als Bürgerrechts- und Anthroposophen-Lobby im Kampf um Kindeswohl wieder in die Defensive zu drängen.”

    Das ist eine politische Verschwörungstheorie.

  52. #57 Rosenkohl
    17. Juni 2017

    Ich habe versucht, oben aufgeworfene Frage “Warum fordern dann die, denen Impfaufklärung und Impfmotivation nicht ausreichen, nicht einen Ausbau des Öffentlichen Gesundheitsdienstes …” bzgl. des parteipolitischen Aspektes zu beleuchten.

    In der einzigen aller 5 zu Protokoll gegebenen Debatten-Reden ging Cordula Schulz-Asche, MdB, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN überhaupt auf die Kita-Meldepflicht ein: “Die erst bei der letzten IfSG-Novelle (im Rahmen des Präventionsgesetzes [2015]) eingeführte Änderung, die die Vorlage einer Impfberatung bei Aufnahme in die Einrichtung fordert, wird mit diesem Gesetzentwurf verschärft. Die Kindergartenleitung soll nun verpflichtet werden, das Gesundheitsamt, sofern der Nachweis über eine Impfberatung nicht vorgelegt wird, zu benachrichtigen. Sowohl aus datenschutzrechtlichen Gründen als auch aus Präventionssicht ist diese Anpassung abzulehnen”, http://dipbt.bundestag.de/extrakt/ba/WP18/788/78838.html. Auch Schulz-Asche (“erst”) scheint die Meldepflicht als hastige Schaufensterpolitik zu monieren.

    “Ob aus dem Gesetzentwurf ein Gesetz wird, ist allerdings insofern offen, als der Bundesrat (in dem die Grünen über die Mehrheit der Länderkabinette mitregieren) bereits signalisiert hat, dass er ihn ablehnt. Zur Begründung heißt es in der Ausschussempfehlung der Länderkammer, so eine Meldepflicht stehe einem ‘vertrauensvollen Verhältnis der pädagogischen Fachkräfte in den Kindertageseinrichtungen zu den Eltern’ entgegen”, https://www.heise.de/tp/features/Bundestag-beschliesst-Impfberatungsverweigerer-Meldepflicht-fuer-Kitas-3732686.html

    NRW-FDP Gesundheitspolitikerin Susanne Schneider nahm 2014 die grüne Ministerin Barbara Steffens für ihre Unterstützung der Homöopathie sowie 2007 geäußerte Impfskepsis aufs Korn, https://www.ruhrbarone.de/masern-in-nrw-mit-globuli-kommen-wir-hier-definitiv-nicht-weiter/95857, und warf Steffens bei Masernbekämpfung “Versagen auf ganzer Linie” vor. Schneider forderte ein “Impfmobil”, hat sich allerdings gegen eine Impfpflicht festgelegt, daher wäre interessant zu wissen, wie sie auf dem Bundesparteitag 2017 darüber abgestimmt hat.

    Ein sich in den letzten Jahre steigernder parteipolitischer Streit ist für mich unverkennbar, verstehe daher nicht, worin hier eine “Verschwörung” bestehen soll.

    • #58 Joseph Kuhn
      17. Juni 2017

      @ Rosenkohl:

      “Ein sich in den letzten Jahre steigernder parteipolitischer Streit ist für mich unverkennbar, verstehe daher nicht, worin hier eine “Verschwörung” bestehen soll.”

      Wie Sie an den diversen Blogbeiträgen hier zum Thema Impfpflicht sehen können, kommt diese Debatte seit Jahren regelmäßig hoch, unabhängig von Bundestagswahlen. Zudem sind daran so viele unterschiedliche Leute beteiligt, manche kenne ich persönlich, dass die Vermutung, das zentrale Motiv sei, die Grünen in die Defensive zu drängen, schlicht abwegig ist.

      Meine Einschätzung dazu, warum sich die Debatte in der letzten Zeit zuspitzt, habe ich mehrfach erläutert, auch das ist natürlich nur eine Vermutung, aber sie scheint mir schlüssig – und sie ist frei von jedweder Annahme einer zentralen, geheimen oder sonstwie organiserten Steuerung.

  53. #59 Laie
    17. Juni 2017

    Danke Herr Kuhn für die Klarstellung!

  54. #60 Karl Mistelberger
    18. Juni 2017

    > #55 Rosenkohl, 17. Juni 2017
    > Der Masern-Ausbruch in Disneyland Anfang 2015, und der Fall eines leukämiekranken Jungen, der nicht gegen Masern geimpft werden konnte wurden in Kalifornien zum Anlass genommen, weltanschauliche Ausnahmen von der Impfpflicht ab 2017 zu streichen.

    California SB 277: New evidence that restricting nonmedical exemptions to school vaccine requirements works

    > Vermutlich wird Kalifornien von der deutschen Politik, Öffentlichkeit und Pharmaindustrie als Vorbild für Deutschland aufgefasst.

    Es gibt keinen Grund anzunehmen, dass diese Vorgehensweise in Deutschland nicht funktioniert.

  55. #61 Rosenkohl
    22. Juni 2017

    Noch ergänzend, Gegenäußerung der Bundesregierung vom 15. Februar 2017 zum Änderungsvorschlag des Bundesrates:
    “Der Vorschlag wird abgelehnt. Da es aus grundrechtlichen und datenschutzrechtlichen Gründen einer ausdrücklichen gesetzlichen Grundlage für die Datenübermittlung von der Kindertageseinrichtung an das Gesundheitsamt bedarf, ist eine ergänzende Regelung in § 34 Absatz 10a IfSG erforderlich. Das Gesundheitsamt kann säumige Personensorgeberechtigte nur dann zu einer Beratung laden, wenn es über den Umstand informiert ist, dass die Personensorgeberechtigten bei der Anmeldung in der Kindertageseinrichtung den Nachweis über eine ärztliche Beratung nicht vorgelegt haben. Diese Information kann nur die Kindertageseinrichtung liefern. Das Verhältnis der Kindertageseinrichtung zu den Eltern wird von einer Übermittlungspflicht weniger berührt als es bei einer in das Ermessen der Kindertageseinrichtung gestellten Übermittlung der Fall wäre. Zudem wäre bei einer im Ermessen der Kindertageseinrichtung stehenden Übermittlung zu befürchten, dass Kindertageseinrichtungen häufig von einer Übermittlung absehen und dadurch § 34 Absatz 10a IfSG weitgehend ins Leere liefe.” – http://dipbt.bundestag.de/doc/btd/18/111/1811187.pdf

    Der Bundesrat beschließt am 7. Juli 2017 über das Gesetz. Auch nach der für ende Juni geplanten Regierungsneuwahl in NRW sind die Bündnis90/Grüne und Linke noch in einer stimmenmäßigen Mehrheit der Landesregierungen vertreten. http://www.bundesrat.de/DE/bundesrat/verteilung/verteilung-node.html