Beobachten Sie auch die Sondierungsgespräche der potentiellen Jamaika-Reisenden mit wachsender Irritation? Worüber streiten die eigentlich so verbissen? Über Themen, die unser Land voranbringen oder nur über politische Symbole des jeweiligen Lagers?

Gesundheitspolitisch war schon der Wahlkampf ein Totalausfall. Von wegen „Gesundheit ist unser höchstes Gut“. Und jetzt?

Geht es bei den Sondierungsgesprächen etwa um die Zukunft des Tabakkonsums, mit schätzungsweise 120.000 vorzeitigen Sterbefällen jährlich in Deutschland? Um die Eindämmung missbräuchlichen Alkoholkonsums, dem man die Mitverursachung für über 70.000 vorzeitige Sterbefälle zuschreibt? Um die Reduktion von Feinstaub – das Umweltbundesamt geht von 45.000 vorzeitigen Sterbefälle aus, oder Krankenhausinfektionen, auf deren Konto der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene zufolge jährlich 30.000 Sterbefälle gehen sollen?

Das wären Herausforderungen für die Gesundheitspolitik, um die es sich intensiv zu diskutieren und zu streiten lohnen würde. Von den Problemen der internationalen Gesundheitspolitik („Global Health“ im Jargon) ganz abgesehen. Vielleicht sollte man für Politiker einen Grundkurs Public Health zur Pflicht machen, bevor sie bei Sondierungsgesprächen mitmachen dürfen.

Kommentare (22)

  1. #1 Mars
    16. November 2017

    ja, da sehen die 3500 todesfälle im strassenverkehr wirklich wenig aus, aber dort wird stark reglementiert. nicht, dass ich dagegen wäre (manches erscheint mir noch viel zu “billig”),
    aber die hohen anderen zahlen lassen einen doch nachdenklich zurück, vorallem dort, wo man das gefühl hat, dass (relativ einfach) eingegriffen werden kann.

  2. #2 DH
    16. November 2017

    “Um die Eindämmung missbräuchlichen Alkoholkonsums”

    Das wäre so, wie vom Hund zu verlangen, daß er die Wurstlieferung abbestellen soll.

  3. #3 Alisier
    16. November 2017

    Auch wenn das jetzt blöd klingen mag:
    Es gibt nicht nur public health, respektive was solls in einer Welt uralt zu werden, die an Freuden nicht mehr ganz so viel zu bieten hat?
    Insofern sehe ich eher Positives in den Verhandlungen, weil andere für alle wichtige Themen durchaus eine Rolle spielen.
    Und jetzt noch was blöd Klingendes, wenn ich schon mal dabei bin:
    So hoch wie jetzt war die Lebenserwartung noch nie (auf Haarspaltereien bitte ich zu verzichten): wie wärs denn mal mit einer breiten, ehrlichen Lebensqualitätsdebatte?

  4. #4 Alisier
    16. November 2017

    Und dann noch was:
    die Welt ist etwas größer als Deutschland und da draußen soll es noch einige Menschen mit Problemen geben, die mit Feinstaubregulierungen nicht wirklich zu lösen sind.
    Auch wenn ich mich hier dem Vorwurf des Whataboutismus bewusst aussetze: könnte es nicht sein, dass wir manchmal auf verdammt hohem Niveau jammern?

  5. #5 anderer Michael
    16. November 2017

    Die Grünen sagen, sie seien sich der Verantwortung für unser Land bewusst und wollten daher den Familiennachzug für subsidiär….Den Rest habe ich vergessen und was die meinen, ist mir auch nicht klar.
    Aber vielleicht können wir dann in Freuden alt werden und unsere Lebensqualität erhöht sich auch.

  6. #6 Joseph Kuhn
    16. November 2017

    @ Alisier:

    “auf verdammt hohem Niveau”

    … ist das mit 120.000, 70.000, 45.000 oder 30.000 in der Tat. Manche denken bei solchen Zahlen an eine Obergrenze …

    “Whataboutismus”

    … und manche bei viel kleineren Zahlen an eine Impfpflicht oder ein Verbot von Glyphosat. So geht Whataboutismus!

  7. #7 Roland B.
    17. November 2017

    Ich denke komischerweise bei “Obergrenze” immer zuerst an Manager- und Banker-Gehälter. CSU-Stammtischler denken da an vom Tod bedrohte Menschen. So bunt ist die Welt.

  8. #8 Roland B.
    17. November 2017

    “Die Grünen sagen, sie seien sich der Verantwortung für unser Land bewusst und wollten daher den Familiennachzug für subsidiär….Den Rest habe ich vergessen und was die meinen, ist mir auch nicht klar.”
    Tja, das ist ganz simpel. Die Grünen wollen in der Realität, was die CSU immer nur propagiert. Nämlich den Schutz von Familien.
    Okay, der CSU ging es vielleicht nur um deutsche Familien (und auch da natürlich nur um CSU-abgesegnete, Mann-Frau, und natürlich katholisch getraut).
    Andere Familienmodelle kann sich der bayernweit wahlentscheidende Stammtischalkoholiker ja sowieos nicht vorstellen.
    Schade, denn lange zurück war Bayern mal für seine “Liberalitas” bekannt, conträr zu Preussen.
    Das war aber viele lange Jahre, bevor es die CSU gab.

  9. #9 Pedant
    17. November 2017

    “Gesundheitspolitisch war schon der Wahlkampf ein Totalausfall. Von wegen „Gesundheit ist unser höchstes Gut“. Und jetzt?”

    Während es heute schon blauäugig ist, von gewählten Volksvertretern zu erwarten, dass sie ihre Wahlversprechen halten, scheinen Sie jetzt zu fordern, dass sie was halten, was sie nie versprochen haben. Wie unfair!

    “Vielleicht sollte man für Politiker einen Grundkurs Public Health zur Pflicht machen…”

    Wer ist ‘man’?
    Und würde eine solche Pflicht die Sondierungsgesprächsteilnehmer nicht in ihren bürgerlichen Freiheitsrechten einschränken?
    (Ich wäre eher für einen verbindlichen Empathie-Test für alle sich zur Wahl Stellenden.)

  10. #10 Pedant
    17. November 2017

    Sorry, Herr Dr. Kuhn, der etwas despektierliche Kommentar sollte an Sie gerichtet sein.

  11. #11 anderer Michael
    17. November 2017

    Roland B
    Ach so ist das. Der verkiffte Grünenstammtischwähler möchte nichtbayerische nichtdeutsche nichtkatholische Familien schützen.Fast wie bei der CDU.
    Ist das so richtig?

  12. #12 Caracalla
    17. November 2017

    Na ja, bei diesen ganzen Sondierungsgesprächen geht es leider überhaupt nicht um Argumente für oder gegen etwas, sondern lediglich um den Schutz oder Interessen der eigenen Klientel.
    Das übergeortnete Wohl der gesamten Bevölkerung spielt wenn überhaupt nur eine Nebenrolle.

  13. #13 anderer Michael
    17. November 2017

    Immerhin: bislang hat man sich auf eine “Landarztgarantie” ohne nähere Ausführung über das Vorgehen und eine Entbürokratisierung der Verschreibung von Cannabis aus medizinischer Indikation geeinigt.

  14. #14 Roland B.
    18. November 2017

    @11: Ich denke schon, daß das so richtig ist. In beiderlei Bedeutung. Einmal daß die Grünen auch die von dir in deinem Diffamierungsversuch genannten Menschen schützen wollen (eine Tatsache bezüglich der Grünen-Politik), andererseits, daß ich ebenfalls denke, daß das richtig ist (eine Meinung von mir).

  15. #15 Alderamin
    18. November 2017

    @anderer Michael

    Verstehe gar nicht wieso es ausgerechnet beim Familiennachzug hakt. Die Grünen sagen, es kämen höchstens 50000. Die CSU sagt, es kämen 300000, nachher hieß es sogar 750000. Dann sollen sie sich darauf einigen, 100000 nachziehen zu lassen, so viele kommen laut den Grünen sowieso nicht (womit die zufrieden sein könnten) und die CSU kann sagen, sie habe eine Obergrenze durchgesetzt und 650000 Nachzüge verhindert.

    Und dann könnte man sich um die echten Probleme kümmern, z.B. wie man den CO2-Ausstoß senkt. Diese endlose Schwafelei geht mir auf den Geist, vor allem Dobrindt (und der schon länger).

  16. #16 anderer Michael
    18. November 2017

    Roland B
    Da bin ich aber beruhigt. Die Grünen treten vorbildlich für zum Beispiel Frauenrechte ein:
    Beispiel 1
    https://www.emma.de/artikel/hallo-claudia-es-geht-auch-anders-318371

    Fairerweise kenne ich auch Fotos ohne Kopftuch von ihr in Saudi-Arabien und dem Führerscheinverbot für Frauen hat sie kräftig widersprochen(inzwischen aufgehoben)

    Beispiel 2
    http://www.bild.de/politik/ausland/frauenrechte/schwedinnen-im-iran-50409482.bild.html
    Das sind die vorbildliche Vertreterinnen der schwedischen Regierung (Sozialdemokratie/Grüne)

    Wir finden bekanntermaßen alle den Familiennachzug toll. Nur eines ist mir noch unklar(1), drum an dich als Grünenmaster ne Frage : Soll die minderjährige 14 Jahre alte Zweitfrau zur weiteren sexuellen Ausbeutung auch auf deine Steuerzahlerkosten einreisen? Sofern es sowas überhaupt gibt.Falls doch , wie stehen die Grünen dazu, weil Mohammed ist für sie in Wirklichkeit ein Frauenrechtler, von dem die CSU lernen könnte. Beeindruckend unsere künftige Regierungspartei, nicht wahr?

    1 Ehrlich gesagt in diesem Komplex Asyl /Flüchtlinge ist mir fast alles unklar. Antworten habe ich leider nie erhalten (auch nicht von der Regierung)

  17. #17 anderer Michael
    18. November 2017

    Alderamin
    So wird das nichts mit deiner kläglichen Erbsenzählerei. Für Visionen sind Zahlen nur Hindernisse. Ich bin inzwischen erklärter Fan der nichtbinären Hengameh Yaghoobifarah und ihre/seine oder sonstwie Ziele sind auch meine.
    http://www.taz.de/!5453932/

  18. #18 anderer Michael
    18. November 2017

    Roland B
    Die Grünen schützen Menschen, will ich gar nicht abstreiten, dass sie das wollen. Das Gegenteil zu behaupten wäre reine Polemik.
    Sofern es ins ideologische Konzept passt, habe ich manchmal den Eindruck.
    In ihrer Regierungszeit haben es die Rot/Grünen nicht geschafft, Genitalverstümmelung als Strafbestand einzurichten. Im Ausland getätigt straflos (auch wenn Opfer und Täter deutsche Staatsbürger waren).
    Das habe ich um 2000 der Kinderschutzbeauftragten Ekin Deligöz (Grüne)persönlich vorgetragen. Sie wirkte hilflos und beantwortete die Bemerkung sehr ausweichend (trotzdem ist mir Frau Deligöz sehr sympathisch und an ihr persönlich lag es nicht)

  19. #19 Laie
    20. November 2017

    @Alisier, #3, #4
    Es ist richtig, in der Welt ausserhalb Deutschlands gibt es viele Probleme. Dazu zählen die Bereiche Gesundheit, Bildung, Ernährung, Fanatismus usw. Das ist sicherlich auch schlimm. Z.B. viel Feinstaub in China oder Indien, daher eine hohe Belastung der Lungen dort. Dort helfen/halfen tatsichlich Beschränkungen des Feinstaubausstosses, die Luftqualität zu senken, wenn man Medienberichten darüber Glauben schenkt.

    Was kann Deutschland da tun?
    1) Mit gutem Beispiel vorangehen, um Nachahmer zu finden, bzw. den noch nicht so weit entwickelten Ländern Hilfestellung zu leisten?

    2) Das Problem bagatellisieren, um zu sagen, naja, wo anders gibt es viel grössere Probleme, daher sind die hier nicht so wichtig oder ein Fortschritt zur Verbesserung?

    Variante 1 kommt mir in vielen Fällen sinnvoller als 2 vor. Es kann auch sein, dass die Betroffenen Länder (also woanders) ihre Probleme selbst in die Hand nehmen (und keinen Oberlehrer benötigen) da sie aus ihren Fehlern selbst zu lernen im Stande sind, oder auch nicht (Fanatismus usw.)

    Nun zu einem Beispiel, das in Alkoholgeschängerten Ländern eine Rolle spielt (z.B. Europa-Länder);

    Das Alkoholproblem ist leider vielen Müttern gar nicht bekannt, was dann zu Gehirnschäden und signifikant veränderten Gesichtszügen führen kann bzw. führt, je nach Stärke des Alkoholmissbrauchs.

    Betroffene Mütter sagen aus, wenn sie darüber Bescheid gewusst hätten, dann hätten sie nicht so viel gesoffen.

  20. #20 Laie
    21. November 2017

    im 1. Absatz ein kleiner Fehler, es soll heissen: die Luftqualität zu verbessern

  21. #21 Alisier
    21. November 2017

    @ Laie
    Was FAS anbelangt, bin ich ganz bei Ihnen.
    Beim Rest interpretieren Sie Dinge in meine Aussagen, die da nicht stehen.

  22. #22 Alisier
    21. November 2017

    @ Joseph Kuhn
    Jede(r) Tote ist ohne Zweifel eine(r) zuviel.
    Dass nur innerdeutsche Tote wichtig sein dürfen halte ich aber immer noch für ein Gerücht.