Jetzt steht der Koalitionsvertrag für eine neue GroKo. Wie schon die Sonderungsverhandlungen erkennen ließen, gibt es an vielen Stellen kleine positive Schritte, die man nicht gering schätzen soll, aber ein Ruck wird deswegen nicht durch Deutschland gehen. Der Koalitionsvertrag klotzt nicht, er kleckert und scheut davor zurück, die großen Herausforderungen entschlossen anzugehen.

Ich will das an zwei Zahlen veranschaulichen:

Auf Seite 95 heißt es: „In einem Sofortprogramm werden wir 8000 neue Fachkraftstellen im Zusammenhang mit der medizinischen Behandlungspflege in Pflegeeinrichtungen schaffen.“

Das ist schön, ich hoffe, wenigstens das lässt sich umsetzen. Aber ist das eine angemessene Antwort auf den Bedarf an Pflegekräften?

PROGNOS schrieb vor einigen Jahren in seinem Gutachten „Pflegelandschaft 2030“: „Sofern nicht mit geeigneten Maßnahmen gegengesteuert wird, resultiert in knapp 20 Jahren eine Pflegelücke in Höhe von 737.000 Personen (520.000 VZÄ). Bereits bis zum Jahr 2020 ergibt sich eine Lücke in Höhe von 378.000 Pflegekräften (268.000 VZÄ).“

Mit „VZÄ“ sind Vollzeitäquivalente gemeint. Es gibt mehrere andere Gutachten zum Bedarf an Pflegekräften, die deutlich unter den PROGNOS-Zahlen liegen und sicher kann man den Bedarf an Pflegekräften auf vielen Wegen vermindern, aber die Zahlen sprechen trotzdem eine klare Sprache. Pflegekräfte in dieser Größenordnung gibt es schlicht nicht. Patentlösungen für gesellschaftliche Probleme diesen Ausmaßes hat vermutlich niemand. Das gilt nicht nur für die Pflege. Es gibt vieles, über das anders als bisher zu reden wäre, und vieles, bei dem mehr möglich gewesen wäre. Die nächste Regierung sollte sich das zutrauen.

Kommentare (20)

  1. #1 Beobachter
    7. Februar 2018

    Danke für den Beitrag und die Zahlenangaben.

    Was wird unter “Pflegekräften” und “Vollzeitäquivalenten” verstanden?
    Qualifizierte Fachkräfte und Vollzeitstellen?

    In der Pflege arbeiten immer weniger ausgebildete Fachkräfte.
    Sie werden zunehmend ersetzt durch gering qualifizierte (z. B. mit nur einjähriger Ausbildung) oder ungelernte Pflegekräfte (z. B. 1 Euro-Jobber, Leute aus dem Ausland mit geringen oder gar keinen Deutsch-Kenntnissen).

    Immer mehr Pflegekräfte arbeiten “nur” Teilzeit, weil eine Vollzeittätigkeit im Schichtbetrieb unter den katastrophalen Arbeitsbedingungen für viele kaum erträglich und durchzuhalten ist – schon gar nicht über längere Zeiträume (dadurch auch hoher Krankenstand!).
    Außerdem haben viele Frauen (es gibt fast nur weibliche Pflegekräfte) “familiäre Verpflichtungen” und Kinder und können/wollen “nur” in Teilzeit arbeiten.
    In Stellenausschreibungen finden sich hauptsächlich Angebote für “geringfügige Beschäftigung” oder “Teilzeitbeschäftigung”.
    Vermutlich ist das auch für die Arbeitgeber günstiger.

    M. E. steuern wir im Pflegebereich auf eine Katastrophe zu – aber das ist ja schon lange bekannt.
    “8000 neue Fachkraftstellen in Pflegeeinrichtungen” sind nicht mal ein Tropfen auf den heißen Stein – selbst wenn es tatsächlich umgesetzt wird.

    Wer weiß, vielleicht verlässt man sich schon jetzt seitens der maßgebenden geschäftsführenden Betriebswirtschaftlicher in privatisierten Klinik- und Pflegeunternehmen auf den Einsatz von “Pflegerobotern” – im Zuge des “Fortschritts” … ?! :

    http://www.zeit.de/2017/01/pflegeroboter-japan-krankenpflege-terapio

    https://www.welt.de/wirtschaft/article146124455/Roboter-pflegen-Alte-billiger-und-unmenschlicher.html

    • #2 Joseph Kuhn
      7. Februar 2018

      @ Beobachter:

      “Was wird unter “Pflegekräften” und “Vollzeitäquivalenten” verstanden?”

      “Pflegekräfte” sind Kopfzahlen, “Vollzeitäquivalente” volle Stellen. Fachkraftstellen sind Stellen für Fachkräfte.

      “‘8000 neue Fachkraftstellen in Pflegeeinrichtungen’ sind nicht mal ein Tropfen auf den heißen Stein”

      2015 gab es allein 13.596 Pflegeheime in Deutschland. Wobei man beachten muss, dass es um Stellen speziell für die medizinische Behandlungspflege geht, insofern für die gesundheitliche Betreuung in den Einrichtungen schon mehr als ein Tropfen auf dem heißen Stein. Aber es dürfte nicht einfach sein, die Stellen überhaupt zu besetzen.

      Man muss einmal sehen, ob sich aus der im Koalitionsvertrag vorgesehenen (und wohl auch von Grünen und FDP befürworteten) “Konzertierten Aktion Pflege” etwas machen lässt oder ob sie den gleichen Weg nimmt wie die seinerzeitige, von 1977 bis 2003 existierende “Konzertierte Aktion im Gesundheitswesen”.

  2. #3 Beobachter
    7. Februar 2018

    @ Joseph Kuhn:

    Das mit den (geplanten neuen 8000) Fachkraftstellen für medizinische Behandlungspflege in Pflegeeinrichtungen war mir schon klar.
    Unklar ist auch mir, wie man diese Stellen so schnell besetzen will.
    Und ob es dann selbst bei Besetzung “mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein” oder gar ausreichend wäre – darüber kann man unterschiedlicher Meinung sein.
    Was ist mit den Fachkraftstellen in Krankenhäusern?
    Die sollen offenbar nicht per “Sofortprogramm” aufgestockt werden.

    Wenn man unter “Pflegekräften” die Kopfzahl der im Pflegebereich Beschäftigten versteht (vom Ungelernten bis zur qualifizierten Fachkraft), sagt das noch nichts über die Qualität der Pflege aus.
    D. h., selbst wenn man die Kopfzahl der Pflegekräfte erhöhen würde (was sich immer gut anhört; z. B. dadurch, dass man noch mehr billigere Ungelernte einstellt), würde das die Pflege nicht unbedingt besser machen.
    Allein die “Masse” macht`s auch nicht.
    Deshalb sollte man mehr qualifizierte Fachkräfte ausbilden und die dann auch besser bezahlen.
    Das wäre mal eine gute, notwendige und wichtige “Konzertierte Aktion im Gesundheitswesen” bzw. eine längst überfällige “Teil-Aktion” …

  3. #4 RPGNo1
    8. Februar 2018

    Nicht vergessen: Die SPD-Mitglieder müssen noch über den Koalitionsvertrag abstimmen.
    Es wird zwar allgemein davon ausgegangen, dass eine Mehrzahl der Mitglieder dafür stimmt, wenn auch knappes Ergebnis erwartet wird.
    Aber bei den Jamaikasondierungen haben auch fast alle erwartet, dass sich CDU/CSU, Grüne und FDP trotz aller Schwierigkeiten am Ende zusammenreißen werden. Die Reaktion von Trotzkopf Klein-Christian und der “Bäh-Regierungsverantwortung-zu-übernehmen-ist-Scheiße”-FDP hat dann doch die meisten Leute überrascht (mich übrigens eingeschlossen).

  4. #5 Hobbes
    8. Februar 2018

    Ich frage mich immer, warum keiner groß bei den Polen in England wirbt. Unser Gehalt hier ist höher, (vorm Pfundverfall war es etwa gleich) die Lebenshaltungskosten sind hier etwa 30% günstiger und 40% fühlen sich eh unwohl durch den Brexit. 12% wollen England auch konkret verlassen. Die englischen Nationalisten wollen die sowieso loswerden und die “Remainer” sehen es als logische Konsequenz des Wahnsinns an.

    @Beobachter: Medizinpflege ist wirklich nur ein Personalproblem. Die Ausbeutung findet fast nur in der Altenpflege statt. (Und in einigen kleinen privaten Krankenhäusern) Krankenpfleger verdienen mehr als der Median in Deutschland.
    Ein Intensivpfleger bei uns im Krankenhaus bekommt zum Beispiel 24€ plus Zulagen in der Stunde.

    Der Wahnsinn findet dann aber im Altenheim statt. Dort ist Nachts eine einzige Peron für 70 Leute zuständig. Oft ein zierliches Mädel welches dann einen 110 Kg schweren Bauer wieder ins Bett bekommen muss wenn der rausgefallen ist. Ich habe schon mehrfach erlebt wie diese dann verzweifelt den Rettungsdienst gerufen haben, weil die nicht mehr weiter wussten. (Und ich meine echt verzweifelt. Die sind dann am weinen ohne Ende)

  5. #6 ajki
    8. Februar 2018

    Bei den diversen Kommentaren zu den Verhandlungsergebnissen fällt mir derzeit im “Spiegel” etwas auf, was auch schon auf diesem Blog direkt/indirekt Thema war/ist. Dort wird zum Stichwort “Bürgerversicherung” geschrieben, diese würde durch die Mehrheit der Bürger unterstützt/befürwortet (und sei ein “Herzensprojekt” der SPD). Der “Spiegel” bezieht sich mit der Angabe “Mehrheit” auf eine Internet-Plattform namens “yougov.de”, die unter der Adresse

    https://yougov.de/news/2017/12/15/mehrheit-fur-abschaffung-privater-krankenkassen/

    ebendiese Mehrheit festgestellt haben will. Die Seite gibt an, dies auf irgendeiner Basis in einem bestimmten Zeitraum anhand irgendeiner Form der Befragung von rund 1100 was-auch-immer (Personen, bots, Campaigner, …. was auch immer “online” bei einer online-“Befragung” klickt) “repräsentativ” ermittelt zu haben. Zu “online”-Umfragen habe ich meine Skepsis schon vermittelt, aber “repräsentative Umfragen” sind auch ganz allgemein eine sowohl diffizile als auch grundsätzlich heikle Angelegenheit. Selbst auf der “yougov.de”-Seite wird das durchaus deutlich in der Ergänzung der Umfrage, die irgendwie abfragt, ob und in welcher Qualitätshöhe der jeweilige Befragte mit dem Begriff einer “Bürgerversicherung” und seinen Inhalten (hier: wohl die Dezember-Inhalte der rudimentären SPD-Zielsetzungen) vertraut ist: da ist der Anteil derjenigen, die sich eine gute Kenntnis zuschreiben, eher gering.

    Gibt es denn eigentlich tatsächlich irgendwelche einigermaßen belastbare Zahlen, die für die erwachsene Gesamtpopulation aufzeigen, was gewollt wird in dieser Sache? Und sei es nur irgendwas simples wie “deutliche Mehrheit will Wegfall der Privatversicherung”? Inklusive/Exklusive “Wegfall der Möglichkeit von Zusatzversicherungen”?

  6. #7 Hobbes
    8. Februar 2018

    @RPGNo1:
    Ein ablehnen des Vertrages kann dieses mal aber nicht an mangelder Kompromissbereitschaft oder Verhandlungserfolge liegen. Die SPD hat für 20% wahnsinnig viel raus geholt und muss nichts schlucken. Die FDP hatte fast nichts bekommen und muste sehr veile Kröten schlucken. Die Befürchtung das es Schwarz Grün mit gelbem Ballast geworden wäre war für Lindener einfach zu groß.

  7. #8 michael
    8. Februar 2018

    > Die FDP hatte fast nichts bekommen und muste sehr veile Kröten schlucken.

    Gibt es auch Freudsche Verschreiber ?

    • #9 Joseph Kuhn
      8. Februar 2018

      @ michael:

      “Gibt es auch Freudsche Verschreiber ?”

      Auf jeden Fall, schon mehrfach hier vorgekommen. Aber die FDP heißt wirklich Bernd.

  8. #10 Beobachter
    8. Februar 2018

    @ zu # 4:

    Ob GroKo oder Jamaika oder sonst irgendwas:

    Der Pflegenotstand und die Missstände in unserem Gesundheitswesen werden von der Politik (ziemlich unwesentlich die mögliche Regierungs-Parteienkonstellation) nur ungern oder gar nicht angegangen – und schon gar nicht ursächlich.
    Es scheint der politische Wille nicht da zu sein –
    denn man überlässt die “Gesundheitswirtschaft” mit ihrem “Haifischbecken” (O-Ton Gröhe) lieber dem “freien Spiel des freien Marktes” und somit dem Verteilungskampf verschiedener Interessenverbände.
    Ganz im Sinne einer “marktkonformen Demokratie” (O-Ton Merkel).
    Wer die mächtigste und einflussreichste Lobby hat, setzt sich durch – siehe Homöopathie, Heilpraktiker, “Alternativmedizin” usw.
    Aktuelle Beispiele gibt es genügend …

    @ Hobbes, # 5:

    Warum bilden wir nicht unsere “eigenen Leute” aus und brauchen so viele Pflegekräfte aus dem Ausland?
    Sind wir uns “zu fein” dazu und zu geizig und/oder zu gleichgültig, unsere Kranken und Alten menschenwürdig zu pflegen und regelrecht medizinisch zu versorgen?

    Das Pflegepersonal in Krankenhäusern besteht nicht nur aus hochqualifizierten Intensivpflegern/”Medizinpflegern”, die nicht ganz so schlecht bezahlt werden.
    Auch von denen gibt es zu wenige.
    Eine qualifizierte Service-Fachkraft in der IT-Branche verdient mindestens das Doppelte pro Stunde, wenn sie Computer “pflegt” – und muss i. d. R. nicht im Schichtbetrieb arbeiten und genießt allgemeine gesellschaftliche Wertschätzung als Technik-“Experte”.

    Auch auf Intensiv-Stationen (mit ihrer “Apparatemedizin”) müssen die Patienten gewaschen, gefüttert, mobilisiert etc. werden, es muss organisiert, dokumentiert und kommuniziert werden – wie auf allen “normalen” Krankenhaus-Stationen und in Alten-/Pflegeheimen auch.
    Überall gibt es zu wenig (qualifizierte) Pflegekräfte, und der “Wahnsinn” und die “Ausbeutung” findet nicht nur in Altenheimen statt.
    Oft ist nicht mal die pflegerische Grundversorgung und eine regelrechte medizinische Versorgung der Patienten gewährleistet – in Pflegeheimen UND Krankenhäusern (siehe hierzu auch die Blogbeiträge zum “Klinikum Dachau”).

  9. #11 RPGNo1
    8. Februar 2018

    @Hobbes
    Das wollte ich mit meinem Kommentar auch nicht ausdrücken. Sondern es war eher eine Mahnung zur Vorsicht, indem ich sie mit dem Hinweis auf die Jamaikasondierungen verknüpft habe. Denn wenn die SPD-Mitglieder ablehnen (was ich wirklich nicht hoffe), dann ist die ganze jetzige Diskussion hinfällig.

    Die FDP hatte fast nichts bekommen und muste sehr veile Kröten schlucken. Die Befürchtung das es Schwarz Grün mit gelbem Ballast geworden wäre war für Lindener einfach zu groß.

    Die SPD stand nach den Sondierungsverhandlungen noch lange nicht so gut da. Bei den Koalitionsverhandlungen hat sie jedoch noch einiges herausgeholt. Sie hat also etwas riskiert.
    Die FDP hat jedoch bereits bei den Sondierungen gekniffen. Sie hat die Bombe platzen lassen, als man eigentlich meinte, dass ein Durchbruch geschafft war. Das Verhalten der FDP und ihres Vorsitzenden wird zwar von so einigen Personen als Standhaftigkeit ausgelegt. Ich bleibe jedoch bei meiner Meinung, dass sie schlicht und einfach zu feige waren, Verantwortung zu übernehmen, weil sich ihre Wunschkoalition Schwarz-gelb am Wahlabend in Wohlgefallen aufgelöst hat.

  10. #12 Hobbes
    8. Februar 2018

    #9
    “Das Pflegepersonal in Krankenhäusern besteht nicht nur aus hochqualifizierten Intensivpflegern”
    Intensivpfleger ist eine einfache weiterbildung vom normalen Krankenpfleger. Das ist keine so große Sache. Auch vom Gehalt her nicht. Ich habe die lediglich als Beispiel genommen, weil ich viele von denen kenne (Fahre oder besser fuhr ehrenamtlich im Rettungsdienst) Eine normale Pflegekraft wird vielleicht 15% weniger bekommen. Intensivpfleger machen übrigens zu 90% das Selbe wie “normale” Pflegekräfte. Nur dürfen diese in der ZNA und Intensivstation eingesetzt werden.
    Wie gesagt, Altenpflege ist ganz anders, da reden wir von 12€ die Stunde.
    ITler verdienen auch keine 50€ die Stunde. Zumindest keine ohne Studium.

    “Warum bilden wir nicht unsere “eigenen Leute” aus und brauchen so viele Pflegekräfte aus dem Ausland?
    Sind wir uns “zu fein” dazu”
    Ja genau da ist das Problem. Wir haben 5% Arbeitslose. Wirklich Blut sehen mit Fikalien und co arbeiten und “Tod erleben” können vielleicht auch gerde mal 5-10% der Menschen in einer Wohlstandsgesellschaft. Es gibt einfach nicht genug Leute dafür. Wie gesagt es wird mehr als der Median in der Pflege bezahlt. Ich kenne auch kaum Pfleger die über zu wenig Geld klagen. Die klagen über mangelnde Anerkennung und Überlastung. Es gibt viele Berufe wo Einwanderung eine wunderbare Lösung dastellt. Das gilt besonders für Berufe in denen man nicht “verweichlicht” sein darf. Wer als Kind bei Hofschlachtungen dabei war wird später kein Problem damit haben wenn es ekelig im Krankenhaus wird. (oder im Schlachthaus etc.) Jemand, der das erste mal mit 18 Blut im Leben sieht (und vor allem riecht) reagiert da oft ganz anders. Wir können nun versuchen Kinder wieder früh an Blut und Tod zu gewöhnen oder uns freuen, dass wir mit Polen ein Land neben uns haben, welches super motivierte Fachkräfte hat die eventuelle Lücken gerne schließen. Da sie mit 10 Jahren Arbeit hier in der Lage sind in der Heimat ein Haus zu bauen (und komplett zu bezahlen) oder gleich hier ansässig werden.

    #10:
    Die Sondierungen bei SGG waren schon extrem Detailliert. Außer dem Abschaffen vom Soli hätte die FDP nichts größeres bekommen. Zum Schluss war die CDU wohl noch bereit zugeständnisse bei der Vorratsdatenspeicherung zu machen. Ich habe nichts gehört was die FDP wirklich als Gewinn hätte verkaufen können.
    Das Lindener zu feige war glaube ich allerdings auch. Allerdings nicht beim Abbruch sondern während der Verhandlungen. Außerdem ist die extreme Fixierung der Partei auf seine Person ein Hinderniss gewesen. Ich war vom Abbruch aber auch überrascht.

  11. #13 RPGNo1
    8. Februar 2018

    @Hobbes

    Das Lindener zu feige war glaube ich allerdings auch. Allerdings nicht beim Abbruch sondern während der Verhandlungen.

    Wenn die FDP-Granden nach 2 Wochen gesagt hätten, sie sehen keine Chancen, ihre Positionen zu durchzubringen und brechen daher die Verhandlungen ab, dann hätte ich es verstanden, auch ohne es gutheißen zu müssen. Aber nach 4 Wochen? Nein.

    Außerdem ist die extreme Fixierung der Partei auf seine Person ein Hinderniss gewesen.

    Den Kubicki als Königsmacher und Strippenzieher im Hintergrund sollte man nicht vergessen. Aber ansonsten gibt es in der FDP aktuell keine herausragende Person. Wer kennt denn schon beispielsweise die Generalsekretärin? Außer dem Namen Nicola Beer ist das ein unbeschriebenes Blatt.
    Lindner wollte sich als deutscher Macron, Kurz, Trudeau präsentieren: Jung, energiegeladen, zupackend. Das ist gründlich in die Hose gegangen.

  12. #14 Joseph Kuhn
    8. Februar 2018

    @ ajki:

    Die Yougov-Umfrage würde ich nicht so schnell abtun, andere Umfragen kamen zu ähnlichen Befunden, z.B. im letzten Sommer eine Insa-Umfrage. Das ist auch keine neue Entwicklung, siehe z.B. die MLP-Umfrage in 2013 oder die Bertelmann-Gesundheitsmonitor-Befragung 2005.

    Bei dem Thema hat die Regierung über viele Jahre den Bürgerwillen “demokratisch” ignoriert – und die Lobby hat es geschafft, durch gute Propaganda, z.B. die Werbung mit dem sympathischen “Inselarzt Martin”, den Eindruck zu erwecken, die Bürgerversicherung wolle keiner außer ein paar linken Ideologen.

  13. #15 ajki
    8. Februar 2018

    #14, “Yougov-Umfrage würde ich nicht so schnell abtun”

    Bei Netzplattformen bin ich generell skeptisch, das hat wenig mit “yougov.de” zu tun – meiner Kenntnis nach ist einfach mit den derzeitigen Gegebenheiten eine rein netzgestützte Befragung nicht sicher durchführbar.

    Ansonsten bin ich durchaus bereit, eine 60%-Zustimmung zu irgendeiner Form von Allgemeinversicherung für alle zu “glauben”. Ich bin nur unsicher, inwieweit das jeweilige Ergebnis durch beigefügte Settings und Szenarien nicht doch sehr leicht und durchaus massiv geändert werden kann.

    Beispiel: Die aktuelle Parole lautet ja “Weg mit der Zweiklassenmedizin!”. Was ja heißt, dass es eine “Zweiklassenmedizin” gibt, in der die große Masse der Kassenversicherten “strukturell” eine minderwertige(re) Leistung bezieht. Als Polit-Slogan mag das wirken und auch in Folge eine Zustimmung zu einer “Lösung: Bürgerversicherung!” erwirken. Ich kann mir ohne weiteres vorstellen, dass in platter Form eine Vielzahl dem inkludierten Urteil “Zweiklassenmedizin gibt es!” zustimmen würden. Aber bei genauem Bedenken weiß ich eben nicht aus dem eigenen Erleben, ob das überhaupt zutrifft – bzw. ich kann das so nicht bestätigen. Und ich weiß nicht, ob den Zustimmenden klar ist, dass nach Einführung von “Irgendwas” durch die dann natürlich weiterhin gegebenen Möglichkeiten von Zusatzangeboten aller Art wiederum genau der gleiche Empfindungsstand “Zweiklassenmedizin” herrschen würde.

  14. #17 Beobachter
    8. Februar 2018

    @ Joseph Kuhn, ajki; # 14:

    ” … Bei dem Thema hat die Regierung über viele Jahre den Bürgerwillen “demokratisch” ignoriert …”

    Und das wird sie vermutlich auch weiterhin tun bzgl. einer Bürgerversicherung, besonders, wenn Frau A. Widmann-Mauz tatsächlich Bundesgesundheitsministerin werden sollte:

    (auch hier:)

    Homöopathie-Schirmherrin Frau A. Widmann-Mauz (CDU) soll Bundesgesundheitsministerin werden (Nachfolgerin von H. Gröhe (CDU)):

    https://www.swp.de/suedwesten/staedte/hechingen/widmann-mauz-soll-ministerin-werden-24734958.html

    ” … Ganz aus Unionsperspektive hält sie fest: Die von der SPD gewünschte Bürgerversicherung werde es nicht geben – und auch keine Zusammenlegung der gesetzlichen und der privaten Krankenversicherung.
    … ”

    • #18 Joseph Kuhn
      8. Februar 2018

      @ Beobachter:

      Dafür kann man dann auch nachts die Terminservicestelle anrufen. Vielleicht ist Lauterbach am Apparat und erklärt, warum aus der Bürgerversicherung auch diesmal nichts geworden ist.

  15. #19 Beobachter
    9. Februar 2018

    @ Joseph Kuhn, # 18:

    Da könnte/müsste Lauterbach als SPD-Gesundheitsexperte noch ganz andere Sachen erklären.

    Man sollte sich vielleicht nochmal ansehen, wie der Stand der Dinge vor genau einem Jahr war bzgl. der Äußerungen unserer zukünftigen Bundesgesundheitsministerin Widmann-Mauz (CDU):

    http://scienceblogs.de/gesundheits-check/2017/02/08/homoeopathie-weltkongress-2017-in-leipzig-unter-der-schirmherrschaft-des-gesundheitsministeriums/
    (Beitrag und Kommentare!)

    Frau Barbara Stamm (CSU) hat ja kräftig mitsondiert, und auch sie scheint jegliche “Alternativmedizin” zu protegieren und hofiert selbst Kliniken, in denen das Scharlatanerie-Wundermittel MMS verordnet, von der AOK bezahlt (!) und damit “behandelt” wurde und deren Leiter für den brasilianischen Geistheiler Joao de Deus bei dessen hiesigen “Massenheilungsevents” referiert (dokumentiert):

    http://quantisana.ch/wp-content/uploads/2016/05/Umschau-Artikel-01.pdf

    Barbara Steffens (Grüne), bekennender Homöopathie-Fan, wechselt von der Gesundheitspolitik in die Gesundheitswirtschaft (zur TK, der “Eso”-Krankenkasse – dokumentiert):

    http://www.altenheim.net/Infopool/Nachrichten/Ex-Ministerin-Steffens-wechselt-zur-TK
    (vielleicht verabreicht man dann in Altenheimen verstärkt von der TK bezahlte “heilende Globuli” statt mehr qualifizierte Pflegekräfte einzustellen)

    Ebenso “von der Politik zur Krankenkasse”:
    Andreas Storm (CDU, Ex-Gesundheitsminister des Saarlandes) ging kürzlich zur DAK:

    https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/news/artikel/2016/07/01/storm-neuer-dak-vize

    ” … Storm kennt das Gesundheitswesen schon lange. 15 Jahre saß der Diplom-Volkswirt für die CDU im Deutschen Bundestag. Gemeinsam mit der heutigen Gesundheits-Staatssekretärin Annette-Widmann-Mauz (CDU) bildete er Anfang der 2000er Jahre das gesundheitspolitische Gespann der Union. Zwischen 2005 und 2009 war Strom dann parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium für Bildung und Forschung. Von 2009 bis 2011 war er beamteter Staatssekretär im Bundesministerium für Arbeit und Soziales, anschließend Chef der saarländischen Staatskanzlei und danach bis 2014 Gesundheitsminister im Saarland. … ”

    Man sieht: “Geklotzt” wird woanders im “Gesundheitswesen” – und bestimmt nicht bei dringend notwendigen wichtigen Reformen zum Wohle der Patienten …

  16. #20 Floh
    11. Februar 2018

    Sicher könnte man mehr erwartet, aber einiges hört sich doch ganz gut an, finde ich.

    Wir wollen die Bezahlung in der Altenpflege nach Tarif stärken. Gemeinsam mit den Tarifpartnern wollen wir dafür sorgen, dass Tarifverträge in der Altenpflege flächendeckend zur Anwendung kommen. Wir wollen angemessene Löhne und gute Arbeitsbedingungen in der Altenpflege.

    Gut die Frage wird sein, was man unter angemessene Löhne versteht, aber ich sehe das erstmal positiv.

    Wir werden die Angebote für eine verlässliche Kurzzeitpflege stärken, indem wir eine wirtschaftlich tragfähige Vergütung sicherstellen. Um die Situation pflegender Angehöriger zu verbessern, werden sie einen Anspruch auf medizinisch erforderliche Rehabilitationsleistung nach ärztlicher Verordnung erhalten.

    Das ist doch mal etwas Konkretes.

    Wir wollen in einer „Konzertierten Aktion Pflege“ eine bedarfsgerechte Weiterentwicklung der Situation in der Altenpflege erreichen Deshalb entwickeln wir verbindliche Personalbemessungsinstrumente, auch im Hinblick auf die Pflegesituation in der Nacht.

    Offenbar hat sich auch bei “denen” herumgesprochen, wie es Nachts in den meisten Stationen ausschaut.

    Natürlich kann man kritisieren, dass es sehr spät kommt und es sehr lange dauern wird, aber immerhin möchten sie einen Anfang machen. Vielleicht wird ja etwas daraus.