Nebenan bei „Weitergen“ nimmt Tobias Maier gerade die Geschichte um die erfundenen Geschichten des SPIEGEL-Redakteurs Claas Relotius zum Anlass, um über die Rolle von Geschichten in der Wissenschaftskommunikation nachzudenken.

Neu sind Geschichten als Methode der Wissensvermittlung ja nicht, eher sind sie die Urform der Wissensvermittlung, siehe z.B. die “Gleichnisse” in der Bibel. Geschichten stellen Sachverhalte mit Akteuren und Handlungen dar. Das ist leicht auf den Lebensalltag übertragbar und bietet Identifikationsmöglichkeiten. Die Frage, “trifft das auf mich zu”, liegt nahe. Geschichten subjektivieren Sachverhalte. Konventionelle wissenschaftliche Texte objektivieren dagegen Sachverhalte. Sie abstrahieren von Handlungen und ihren Akteuren. Die Frage, “trifft das auf mich zu” liegt oft sehr fern.

Wir hatten darüber vor einiger Zeit auf Gesundheits-Check im Zusammenhang mit einem Workshop zum Thema „Evidenz zum Sprechen zu bringen“ diskutiert. Jeder kennt die fatale Wirkung von Geschichten über tatsächliche oder angebliche Impfschäden, möglicherweise hat der SWR das gerade mit der HPV-Impfung wieder vorgeführt. Dagegen kommt man mit statistisch gestützten Darstellungen zum Risiko-Nutzenverhältnis einer Impfung kaum an. Es gibt interessante Hybridformen, z.B. wenn Journalisten ihre Recherchen dadurch beleben, indem sie einen Wissenschaftler „im O-Ton“ einblenden, der aber nur Triviales erzählt. Ein Taxifahrer könnte dann die gleichen Sätze einsprechen, aber ohne die Autorität des Wissenschaftlers. Seine Rolle ist für den Wert der Geschichte konstitutiv.

In Gleichnissen wie in konventionellen wissenschaftlichen Texten geht es um die Verallgemeinerbarkeit von Erfahrung. Das kann auf verschiedenen Wegen geschehen. Aber auch ein biblisches Gleichnis ist nur ein Gleichnis, weil es beansprucht, Erfahrung zu verallgemeinern. Eine Geschichte, die das nicht leistet, ist einfach nur eine Geschichte. An ein Gleichnis, eine paradigmatische Geschichte, ist also ein doppelter Wahrheitsanspruch gestellt: Nicht nur dahingehend, ob sich die unmittelbar erzählte Story wirklich so zugetragen hat, sondern auch, ob dies eine verallgemeinerbare Erfahrung veranschaulicht – oder nur eine Geschichte unter vielen ist. Das Gleichnis lässt in der Verallgemeinerung den Faden zu den Menschen in konkreten Lebenssituationen, zu Akteuren und Handlungen, nicht abreißen. Der Preis der Geschichte ist, dass sie ihre Verallgemeinerbarkeit nicht in Form von Mittelwert und Standardabweichung sozusagen im Gesicht stehen hat. Sie kennt auch anders als ein guter wissenschaftlicher Beitrag keinen Methodenteil. Dementsprechend schwer ist es zu beurteilen, ob sie einen allgemeinen Sachverhalt veranschaulicht oder eben, wie gesagt, nur ein Gschichterl ist.

Claas Relotuis, was für eine Geschichte, aber was lehrt sie uns eigentlich? Was über Journalismus? Was über Wissenschaftskommunikation? Was über Verallgemeinerung in dieser oder jener Hinsicht?

Kommentare (40)

  1. #1 Whereismap.net
    22. Dezember 2018

    Es ist ein sehr nützlicher Artikel. Wirklich vielen Dank.

  2. #2 Alisier
    22. Dezember 2018

    Die Geschichte lehrt uns, dass man Menschen mit Emotionen, gespielt oder nicht, besser erreicht.
    Trump hat das begriffen, andere noch nicht.
    Ein weiteres gutes Beispiel wäre Peter Wohlleben, der manch merkwürdige Behauptung aufstellt, aber sehr viele Menschen erreicht.
    Und da er aus meiner Sicht grundsätzlich richtig liegt, denke ich, dass er es auch richtig macht.
    Gegen eine Pseudoemotionsmaschine wie Trump helfen nur echte Emotionen. Fakten und Argumente sind leider manchmal nur am Rande wichtig.
    Das zu wissen kann entscheidend sein.

  3. #3 christ
    22. Dezember 2018

    Das ist die beste Zusammenfassung über Journalismus, Kommunikation , Wahrheit und Legende.
    Das wichtigste dabei ist, dass die Betroffenen die Texte lesen und verstehen können. Das bemängele ich ein wenig in den blogs allgemein, da werden Fachtermini verwendet, wo das deutsche Wort genügt hätte. Andererseits lernt man auf diese Weise Latein, auch nicht schlecht.
    Jetzt fehlt noch der Bezug zu Weihnachten, oder nicht?
    In welcher Form soll der erfolgen, als Statistik, etwas trocken wenn sie nicht mit Ungewöhnlichem gepaart ist. Journalistisch, dann lesen wir lieber die Bildzeitung, oder als Legende, als Nahrung für Seele und Gemüt.
    Da kommt es weniger darauf an, ob es so war und nicht anders, als auf die Absicht die dahintersteht, aber die muss erst mal erkannt werden. In diesem Sinne Frohe Weihnacht.

  4. #4 LasurCyan
    22. Dezember 2018

    Was da gerade an wohlfeiler Empörung aus den Redaktionen tropft ist ziemlich fettig, beim Spiegel selbst sieht das freilich überhaupt nicht gut aus. Die redaktionell Verantwortlichen haben lange pflichtbewusst weggeschaut, jede noch so verwegene Geschichte kassiert (um zu kassieren) und tun jetzt so, als ob das nichts mit ihnen zu tun hat: Und ja, der böse hat uns verschaukelt – aber seine gut zurechtgeschriebenen Geschichten wollten wir leider lieber lesen als ExcelTabellen. Meist jedenfalls.

    Dabei ist bei einer Reportage die Grenze zum Fiktiven, zum Persönlichen, zur Kunst durchaus fliessend. Ich muss auch gestehen, dass ich bestimmte Reportagen von bestimmten Autoren* genau deshalb lese. Gut geschrieben ist ein Wert an sich. Deshalb würde ich vorschlagen den RealitätsCheck doch bitte bei allen Tucholskys, Twains (und bei Peter Richter bitte auch) gleich mitzumachen. Dann steht das arme Würstchen, von dem wir uns so bereitwillig die Taschen haben vollhauen lassen, nicht so allein auf weiter Flur und muss sich den Vorwurf gefallen lassen, dass er nur zu seinem Ruhm geschrieben hat – Empörung! Bitte!

  5. #5 Alisier
    22. Dezember 2018

    Naja, Lasur Cyan, literarisch sind die Texte von Relotius nicht besonders……nur wenn man annimmt es könnte wahr sein, wirken sie überhaupt.

  6. #6 LasurCyan
    22. Dezember 2018

    literarisch sind die Texte von Relotius nicht besonders

    Nee, Alisier, aber dass er jetzt zur Edelfeder hochgejazzt wird (im Abgang ist das besonders bitter) ist Teil des Narrativs: Der hatte doch alles, sogar Talent, aber leider war er moralisch nicht integer. Nebenbei: Den Speigel finde ich schon seit ca. ’89 nur noch in Kleinstmengen lesbar.

  7. #7 Markweger
    22. Dezember 2018

    Es lehrt uns dass die Medien nur noch aus links-linker Propaganda bestehen.
    Relotius ist doch nur die sichtbar gewordene Spitze eines Eisbergs.

    • #8 Joseph Kuhn
      23. Dezember 2018

      @ Markweger:

      “Links-links” ist mal eine originelle Variante. Das wirft die Frage auf, ob “rechts-links” und “links-rechts” identisch sind, d.h. das Kommutativgesetz gilt. Ihr Auswurf ist zudem ein schönes Beispiel für eine Verallgemeinerung, aber ich fürchte, das ist nur eine rechte (rechts-rechte?) Phantasiegeschichte. In chronifizierter Form nennt man das Paranoia. Ganz schlimm sollen übrigens bei uns die BILD-Zeitung und in Österreich die Kronenzeitung sein, wirklich linksextreme Hetzblätter. Ich glaube, sie werden von Relotius herausgegeben und Merkel, bekanntlich die Tochter des Kommunisten Hitler, ist Chefredakteurin.

  8. #9 noch'n Flo
    Schoggiland
    22. Dezember 2018

    Mir war dieser Herr bis gestern überhaupt nicht bekannt. Und? Ging es mir deswegen schlechter als heute?

  9. #10 rolak
    23. Dezember 2018

    ¿identisch?

    Beim Abbiegen jedenfalls nicht, Joseph, da landet man in völlig verschiedenen Ecken. Sollte einem Zwangsbayern aber nicht neu sein: dort gelten weißblau und blauweiß ja auch als verschiedene Farbsortierungen.
    Aber m sprach überhaupt nicht von links-links, sondern von links-linker – und das ist doch nur eine etwas genauere Verortung im Spektrum links-linker-amLinkesten; ~WSW.

  10. #11 christ
    23. Dezember 2018

    noch’n Flo
    Claas Relotuis hat einen Tabubruch begangen, das ist weitreichender als du ahnst.
    Die Pressefreiheit beruht auch auf dem Glauben, dass man dem Journalismus glauben schenken darf. Wenn das erschüttert wird, freut sich nur DT mit seinen alternativen Wahrheiten.

  11. #12 M
    Bolivien
    23. Dezember 2018

    OT: Wer Evidenz im Sinne von Beleg/Beweis benutzt gehört in der Kloschüssel ersäuft, danach wiederbelebt und bis zum Ende der Zeit in der tiefsten Danteschen Hölle weggesperrt. Nur weil ein paar ungebildete Mediziner das aus Blödheit mal aus dem angelsächsischen übernommen haben muss man das nicht nachmachen. Evidenz bedeutet im (deutschen ) Deutsch ‘das unmittelbar Einsichtige’. Punkt.

    Dass der Duden den Unfug mittlerweile mitmacht ändert da auch nix dran.

  12. #13 Joseph Kuhn
    23. Dezember 2018

    @ christ:

    “dass man dem Journalismus glauben schenken darf”

    Im Prinzip sollte das so sein, aber Journalismus ist keine göttliche Offenbarung, sondern – wie die Bibel – Menschenwerk. Etwas Vorsicht ist da immer geboten, aber dass man nicht alles glauben soll, was in der Zeitung steht, ist ja nichts Neues.

    @ M:

    “Evidenz bedeutet im (deutschen ) Deutsch ‘das unmittelbar Einsichtige’. Punkt.”

    Der medizinische Sprachgebrauch ist nun einmal so, wie er ist. Nicht alles ist aus der phililogischen Manufaktur. Herr Relotuis könnte da sicher ein paar nette Geschichten dazu erzählen.

  13. #14 Wetterwachs
    23. Dezember 2018

    #2 Alisier
    “Gegen eine Pseudoemotionsmaschine wie Trump helfen nur echte Emotionen. Fakten und Argumente sind leider manchmal nur am Rande wichtig.”

    Das ist ein Stellungnahme pro Geschichten erzählen. Egal ob die Geschichten wahr sind oder nicht.
    Es gibt Boulevard-Blätter, die „Wahre Geschichten“ verkaufen. Sehr beliebt bei Leuten, die zu den sogenannten bildungsfernen Schichten gezählt werden. Die Geschichten von Relotius sind meiner Meinung nach die Entsprechung davon für die bildungsnahen Schichten. Sie informieren nicht, sie sprechen Gefühle an. Sie erfüllen das Bedürfnis nach bewegt, angerührt werden. Sie sind aber keine Gleichnisse oder Fabeln, sie verallgemeinern nicht, hinterlassen keinen Handlungsbedarf. Als Nachricht – in einem Nachrichtenmagazin – haben sie für mich die gleiche Qualität wie die Nachrichten darüber, ob Prinzessin Sowieso ihr drittes Baby bekommt oder ob Helene Fischer einen neuen Typen an ihrer Seite hat und wie der drauf ist.

    • #15 Joseph Kuhn
      23. Dezember 2018

      @ Wetterwachs:

      “ob Prinzessin Sowieso ihr drittes Baby bekommt”

      Vermutlich von Sir Quickly?

      Während das dritte Kind von Prinzessin Sowieso eine erfundene Geschichte sein könnte, gibt es den Namen Relotius wirklich. Daran hatte ich zwischenzeitlich Zweifel, und nicht ich allein, wie ich beim googeln gelernt habe. Aber Ahnenforschungsseiten verweisen darauf, dass der Name schon Anfang des 20. Jahrhunderts in den USA und Canada verzeichnet war. Es heißt, dass damals ein Karl Relotius unter dem Pseudonym Karl May die Siedlungsgebiete der Mescalero-Apachen bereist und darauf beruhende Sozialreportagen in Romanform veröffentlicht hat. So entstand die Tradition des paraauthentischen Journalismus. Oder so ähnlich.

  14. #16 Wetterwachs
    23. Dezember 2018

    @ Josepf Kuhn
    Mit der Wortschöpfung ‘paraauthentisch’ ziehen Sie (natürlich nur was den Bereich innovative Sprachformung betrifft) mit Kellyanne Conway gleich. Wenn Sie sie nicht sogar übertreffen, weil paraauthentisch klingt einfach viel hübscher, poetischer und gebildeter als ‘alternative Fakten’.

  15. #17 Hundekrawatte
    23. Dezember 2018

    @ Joseph Kuhn: “Claas Relotuis, was für eine Geschichte, aber was lehrt sie uns eigentlich? Was über Journalismus? ”

    Wes Brot ich ess, des Lied ich sing.

    • #18 Joseph Kuhn
      23. Dezember 2018

      @ Hundekrawatte:

      “Wes Brot ich ess, des Lied ich sing.”

      Um mal über das Stöckchen zu springen: Das liefe darauf hinaus, dass Geld unser Verhalten vollständig determiniert. Sind Menschen so einfach gestrickt? Alle Menschen? Oder alle Journalisten? Welches Geld motivierte dann die Journalisten, die umgebracht wurden, weil sie sich mit den Mächtigen angelegt haben? Oder verallgemeinert der Spruch doch zu sehr?

      Weiter: Hätte Relotius sein Geld nicht auch mit echten Geschichten verdient? Warum sollen die erfundenen Geschichten das Lied seiner Brötchengeber sein? Wollten die Medien wirklich erfundene Geschichten, oder vielleicht doch nur gute Geschichten?

      Falls Sie ernsthaft glauben, Ihr Spruch erkläre nicht nur Trumps Saudi-Arabien-Politik, sondern die ganze Welt: Wessen Brot essen Sie, wessen Lied singen Sie?

  16. #19 Hundekrawatte
    23. Dezember 2018

    Die Frage ist, warum ist es dem SPIEGEL trotz 70 Mann/Frau/Divers starker Rechercheabteilung nicht gelungen Lügen-Relotuis auffliegen zu lassen? Warum hat Lügen-Relotuis die höchsten Journalisten-Preise abgesahnt? Der Journalist Jörg Thadeusz hat es so formuliert.

    “Ich hatte schon im Spätsommer meinen Ausstieg aus der Jury angekündigt. Mir war es in den Jurysitzungen oft so vorgekommen, als stünde ein gewisses Weltbild fest. Wer das mit einer süffigen Geschichte möglichst prachtvoll bestätigt, hört wahrscheinlich seinen Namen von einer Bühne schallen.”
    https://www.welt.de/kultur/medien/article185992466/Joerg-Thadeusz-ueber-Relotius-Wer-das-Weltbild-bestaetigt-bekommt-Preise.html

    Was ist der eigentliche Skandal? Lügen-Relotuis oder das journalistische System mit voreingenommener Haltung, welches das geliefert bekommt, was es letztlich hören will?

    • #20 Joseph Kuhn
      23. Dezember 2018

      @ Hundekrawatte:

      “Die Frage ist, warum ist es dem SPIEGEL trotz 70 Mann/Frau/Divers starker Rechercheabteilung nicht gelungen Lügen-Relotuis auffliegen zu lassen?”

      Gute Frage, ganz im Ernst. Zum Rest, des Stöckchens wegens: Die Sache mit Relotius wurde von einem anderen Journalisten aufgeklärt. Wessen Brot aß er, wessen Lied sang er? Der von Ihnen zitierte Journalist Jörg Thadeusz, wessen Brot isst er, wessen Lied singt er? Die rechtsradikalen Polizisten in Hessen, die das Kind einer Anwältin schlachten wollten? Wessen Brot essen sie, wessen Lied singen sie? Merken Sie was? Kann es sein, dass Sie etwas verallgemeinern möchten, was gut zu Ihren Vorurteilen passt (hier: Lügenpresse)? Noch mal: Wessen Brot essen Sie, wessen Lied singen Sie? Oder gilt ihre Weisheit nur für Andere? Hopp, ein Stöckchen auch für Sie.

  17. #21 Hundekrawatte
    23. Dezember 2018

    Bin ich hier das Thema?

    Ist es nicht teil des Skandals, dass ein Kollege auf eigene Faust – dem man sogar zuerst mit Kündigung drohte als er erstmals von den Fälschungen berichtete – statt dass die eigenen Faktencheck-Abteilung den Skandal aufdeckte?

  18. #22 LasurCyan
    23. Dezember 2018

    Noch mal: Wessen Brot essen Sie, wessen Lied singen Sie?

    Ist doch klar, Joseph. Kennste etwa die BlätterWerbung nicht? Tss..

  19. #23 Joseph Kuhn
    23. Dezember 2018

    @ Hundekrawatte:

    “Bin ich hier das Thema?”

    Auch eine gute Frage. Wenn man aus Ihren Geschichten etwas Verallgemeinerbares lernen kann, z.B. dass manche Leute ganz schnell aus dem kriminellen Verhalten eines Journalisten einen Beleg für die Korrumpierbarkeit aller Menschen oder aller Journalisten (Lügenpresse) machen wollen, aber das Verallgemeinerungsprinzip nur für Andere gelten lassen, also in sich widersprüchlich argumentieren, dann sind “Sie” bzw. Ihre Argumentationslogik hier auch Thema. Ihrer Meinung nach soll es doch auch nicht nur um Herrn Relotius gehen, sondern um das, wofür er Ihrer Meinung nach steht. Das “wofür er steht” ist eine Verallgemeinerung, also das Thema des Blogs.

    “Ist es nicht teil des Skandals, …”

    Ja. Ergo? Deswegen: Wessen Brot aß er, wessen Lied sang er? Wessen Brot essen Sie, wessen Lied singen Sie?

    @ LasurCyan:

    Das neue Heft der “Blätter” liegt da, aber ich habe den Artikel über den Journalismus noch nicht gelesen.

  20. #24 Hundekrawatte
    23. Dezember 2018

    Wir bleiben mal beim Thema!

    Es geht hier um einen Skandal, wo die Frage aufgearbeitet werden muss, wie es ein Lügen-Journalist schaffen konnte, seine Dreistigkeiten innerhalb eines der strengsten journalistischen Faktencheck-Systeme den Leser ungeniert unterzujubeln?

    Auch die Frage welche Jörg Thadeusz aufgeworfen hat, um das vorgefasste Weltbild der Juroren der Journalistenpreise gehört in diesem Fall ebenfalls seriös aufgearbeitet. Da Lügen-Relotuis diese Trophäen als Gesinnungsschreiber regelrecht gesammelt und überreicht bekommen hatte.

  21. #25 LasurCyan
    23. Dezember 2018

    habe den Artikel über den Journalismus noch nicht gelesen.

    Der ist auch nicht schlecht, aber meine Empfehlung bezog sich mindestens zweideutig auf die Werbung: Hundekrawatten? Blätter-Debatten!

    Ausserdem wollte ich wissen, ob ich Dir ein Abo andrehen kann, Joseph. Schliesslich bezahlen die mich (manchmal) dafür^^

  22. #26 Joseph Kuhn
    23. Dezember 2018

    @ LasurCyan:

    “Werbung”

    Ah, jetzt fällt endlich der Groschen. Die Werbung habe ich gesehen, war schon zweimal im Heft, aber gleich weggeschmissen und vergessen. Abo hab ich leider schon.

    @ Hundekrawatte:

    “Wir bleiben mal beim Thema!”

    Dazu sind Sie nicht in der Lage. Sie hängen an Ihrer fixen Idee fest, dass Relotius irgendwie für “den Journalismus” steht und haben doch alles, was Sie über den Fall wissen, von eben solchen Journalisten. Von mir dürfen Sie gerne den Skandal besser als diese aufarbeiten und falls Ihnen die nötigen Insider-Informationen dazu fehlen, dürfen Sie gerne auch wie Relotius eine nette Geschichte dazu erfinden. Schreiben Sie Ihre Geschichte auf, aber schreiben Sie dabei wenigens Relotius’ Namen richtig. Und bitte müllen Sie nicht weiter den Thread hier zu. Leute, die das AfD-Lied singen, haben wir außerdem schon zur Genüge.

  23. #27 Basilios
    Goblin Slayer
    24. Dezember 2018

    @Wetterwachs

    Die Geschichten von Relotius sind meiner Meinung nach die Entsprechung davon für die bildungsnahen Schichten. Sie informieren nicht, sie sprechen Gefühle an. Sie erfüllen das Bedürfnis nach bewegt, angerührt werden. Sie sind aber keine Gleichnisse oder Fabeln, sie verallgemeinern nicht, hinterlassen keinen Handlungsbedarf.

    Danke für diese Darstellung und die Analogie. Ich hatte nach dem Lesen von Reportagen dieser Art schon immer ein dummes Gefühl. Jetzt habe ich eine Vorstellung davon bekommen, was der Grund dafür gewesen sein könnte und warum es auch völlig in Ordnung ist, daß solcherlei Reportagen schon seit geraumer Zeit gar nicht mehr lesen möchte.
    ^_^

  24. #28 Hundekrawatte
    24. Dezember 2018

    @ Joseph Kuhn

    Sie verweigern sich der zwei zentralen Kernfragen in diesem Skandal. Stattdessen versuchen Sie den Überbringer der unangenehmen Fragen mit irgendwelchen Schwurbeleien zum Thema machen zu wollen. Wie funktioniert Aufarbeitung? Der US-Botschafter hatte es in diesem Skandal zu recht gefordert. Eine unabhängige Expertenkommission. Könnte man machen wenn man glaubwürdig sein will.

    Aber mir liegt heute gar nicht mich mit Ihnen zu streiten. Wünschen Ihnen ein frohes Fest.

  25. #29 Alisier
    24. Dezember 2018

    @ Wetterwachs
    “Das ist ein Stellungnahme pro Geschichten erzählen. Egal ob die Geschichten wahr sind oder nicht.”
    Nein, so war es nicht gemeint. Aber wenn man Menschen erreichen will, muss mehr kommen als nackte Zahlen. Und das Bedürfnis nach Emotionen ist nun mal da. Da kannst du machen nichts.
    Ansonsten stimme ich Dir, bei dem was Basilios hervorgehoben hat, voll zu.

  26. #30 Joseph Kuhn
    24. Dezember 2018

    @ Hundekrawatte:

    “Sie verweigern sich der zwei zentralen Kernfragen in diesem Skandal.”

    Das mag sein. Vielleicht, weil ich in meinem Blog meine Agenda selbst setzen will? Der Blogbeitrag zielt auf die Frage ab, inwiefern Geschichten Erfahrung verallgemeinern und, en passant, was das mit Blick auf den Fall Relotius bedeutet.

    Sie versuchen, wie in Kommentar #23 erläutert, daraus eine eigene Geschichte zu machen, nämlich die Presse ist links und die Presse lügt. Das nennt man nicht Aufarbeitung, dazu fehlen Ihnen auch die Zugänge zu den Fakten, sondern eine Geschichte erfinden, ganz wie Relotius. Deswegen sind Sie durchaus “ein Fall” dieser Geschichte.

    In der aktuellen Ausgabe des SPIEGEL geht es über viele Seiten um Relotius. Unter anderem in einem Interview mit dem ZEIT-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo. Er kritisiert zurecht, die Darstellung des Falls im SPIEGEL durch Ullrich Fichtner finde selbst wieder in Form einer schön geschriebenen Kulturreportage statt, so wie Relotius schrieb. Und auf die Frage, was der Fall Relotius für die Branche bedeute, sagt er:

    “Er ist ein bizarres Weihnachtsgeschenk für all jene, die den Medien ohnehin das Schlimmste unterstellen. (…) Dass jetzt an der Wahrhaftigkeit von Berichten gezweifelt wird, für die Leute ihr Leben einsetzen, das ist der eigentliche Schaden.”

    An dieser Agenda versuchen Sie mitzustricken. Sie machen aus dem Betrugsfall Relotius einen Fall Lügenpresse, wollen Ihre AfD-Geschichte darüber legen. Wenn Ihnen so an der Aufarbeitung von Skandalen gelegen ist, arbeiten Sie doch mal die Spendenaffären der AfD auf, da haben Sie sicher eher Zugang zu den relevanten Informationen. Die von der AfD so lange schön erzählte Geschichte, man habe keine Großspender, war eben auch nur eine Lüge, wie Relotius Reportagen. Wie konnte das geschehen? Was bedeutet das für die Glaubwürdigkeit der AfD? Nur ran, das Stöckchen könnten Sie doch nehmen.

    Nur interessehalber: Ihr Schreibstil ähnelt sehr unserem bekannten AfD-nahen Kommentator “Moreno”. Sind Sie’s? Und wollen Sie bei dem Thema nicht unter Ihrem alten Nick kommentieren, weil der Fall Relotius von einem Journalisten namens Juan Moreno aufgedeckt wurde? Das wäre immerhin eine schöne Geschichte, auch wenn Sie über den Zustand der Welt nichts aussagt.

  27. #31 RainerO
    24. Dezember 2018

    Eine recht treffende Kritik an der Art der Aufarbeitung eines Herrn Fichtner findet man auch bei den Salonkolumnisten.

  28. #32 Integrity
    24. Dezember 2018

    Es wird wohl immer ‘Relotiusse’ geben, Hochstapler, Wichtigtuer und schwarze Schafe. Mich haben derartige Reportagen, in denen ‘herangezoomt’ wird, nie besonders interessiert.
    Es war klar, dass die ‘Lügenpresse-Krakeeler’ hier einen ‘Beweis’ wittern, doch der Fall Relotius insgesamt ist klar ein Argument dagegen, denn es zeigt, dass das ‘Immunsystem’ im Journalismus funktioniert.

  29. #33 Hundekrawatte
    24. Dezember 2018

    @ Integirty

    Der Fall Relotius hat genau das Gegenteil gezeigt, dass das eigens installierte Immunsystem aus 70 Personen zum Fakten-Check kläglich versagte. Gäbe es nicht einen couragierten und misstrauischen Journalisten der auf eigenes berufliches Risiko gehandelt hätte, man würde den Gesinnungsjournalismus von Relotius weiterhin großzügig durchwinken und mit Preisen überhäufen.

    • #34 Joseph Kuhn
      24. Dezember 2018

      @ integrity:

      Reportagen wie die von Relotius leben davon, dass die Glaubwürdigkeit der Botschaften, die sie vermitteln wollen (also das Verallgemeinerte), durch die scheinbare Authentizität der berichteten Erlebnisse gesteigert wird. Das Loch in der Strickjacke einer alten Frau, die interviewt wird, unterstützt die “Wahrheit” der Botschaft, die vermittelt werden soll. Oben im Blogbeitrag schrieb ich, dass solche Reportagen Ansprüchen an die Wahrheit auf zwei Ebenen genügen müssen. Die stehen aber nicht unverbunden nebeneinander, sondern interagieren. Das ist auch ein Unterschied zwischen Reportage und literarischer Kurzgeschichte. Letztere darf die berichteten Erlebnisse erfinden, erstere nicht.

      @ Hundekrawatte:

      Kann es sein, dass bei Ihnen die Platte hängt? Dass bei Relotius die Kontrollen beim SPIEGEL versagt haben, wiederholen Sie in jedem Kommentar. Aber warum? Alle, die sich zu dem Thema äußern, sagen das auch, niemand hier bestreitet das, niemand verteidigt Relotius (warum eigentlich nicht, vor Gericht zumindest hätte er einen Verteidiger), auch ich ärgere mich über seine Geschichten, z.B. die seiner Begegnung mit der Weiße-Rose-Überlebenden Traute Lafrenz, die ich wirklich witzig geschrieben fand.

      Und ja natürlich, wenn man ihn jetzt nicht erwischt hätte, hätte er vermutlich noch ein paar Preise eingeheimst, bis man ihn dann etwas später erwischt hätte. Was für eine unglaubliche Einsicht. Wenn die Uhr nicht stehen geblieben wäre, wäre sie weitergegangen.

      Ich ärgere mich aber auch darüber, wenn AfD-Funktionäre wie Maximilian Krah sich nicht zu blöd sind, ausgerechnet mit dem Namen Relotius Fake-News zu verbreiten und Journalisten in Misskredit zu bringen. Da könnten Sie aufklären, fragen, wie da die Kontrollmechanismen der AfD wieder mal versagt haben … aber das wäre ja eine andere Geschichte.

      Und ich ärgere mich darüber, wenn jemand wie ein Hund mit Durchfall immer nur die gleichen Häufchen absetzt, keine Frage beantwortet, kein Argument aufgreift, aber wie selbstverständlich erwartet, dass man über seine Stöckchen springt.

  30. #35 roel
    24. Dezember 2018

    @Joseph Kuhn

    Nicht ärgern. Einige sind beim täglich grüssenden Murmeltier hängen geblieben.

    Erholsame Festtage!
    roel

  31. #36 Integrity
    24. Dezember 2018

    @Hundekravatte
    Ich gebe zu nicht vollends in die Causa Relotius eingetaucht zu sein, d.h. es kann mir durchaus etwas entgangen sein.
    Meines Wissens war der Journalist, dem gewisse Ungereimtheiten auffielen, ein Kollege von Relotius und somit Teil des Spiegel-Teams. Der Skandal wurde also intern aufgedeckt und veröffentlicht. Der Spiegel hat sich bei seinen Lesern entschuldigt und eine transparente, schonungslose Aufarbeitung zugesichert.
    Also, wenn sie mich fragen hat der Spiegel vorbildlich reagiert. Relotius is raus und wird wahrscheinlich nie wieder einen Job als Journalisten bekommen.
    Wenn es ihnen um ‘Wahrheit’ ginge, würden sie den Umgang des Spiegels mit der Affaire begrüßen. Ich fürchte aber, ihnen geht es gar nicht darum.

  32. #37 Wetterwachs
    29. Dezember 2018

    @Joseph Kuhn
    #26 “…aber gleich weggeschmissen und vergessen”

    Ist das eine generelle Kritik an den “Blättern für deutsche und internationale Kritik” mit der Ansage, dass man was drin steht vergessen und die Blätter gleich wegwerfen kann?”

    • #38 Joseph Kuhn
      29. Dezember 2018

      @ Wetterwachs:

      Das war keine Aussage über die „Blätter“, sonst hätte ich sie nicht abonniert, sondern eine Auskunft über meinen unaufmerksamen Umgang mit Werbebeilagen.

  33. #39 Wetterwachs
    30. Dezember 2018

    Danke, hätte ich auch selber drauf kommen können. Mir war nicht klar, dass das mit der Hundekrawatte eine lose Werbebeilage war.

  34. #40 Kinseher Richard
    6. Januar 2019

    Unseriöser/betrügerischer Journalismus wie er von Claas Relotius ausgeführt wurde – ist bei allen Medien üblich:
    Als konkretes Beispiel brauchen Sie nur per Google [Medien-Name Nahtoderfahrung] suchen. In sämtlichen Medien wird die Nahtod-erfahrung (NTE) als unerklärliches Phänomen beschrieben – obwohl ich seit über einem Jahrzehnt ein komplettes Erklärungsmodell veröffentlicht habe. (frei lesbare PDF in einfacher Sprache per Google-suche findbar [Kinseher NDERF denken_nte]. mein Buch/E-Buch ´Kinseher Richard: Pfusch, Betrug, Nahtod-Erfahrung´ ist im Handel erhältlich)
    Dies bedeutet für das letzte Jahrzehnt – entweder wird für Artikel zum Thema NTE keine Recherche durchgeführt (denn dann hätte man mein Erklärungsmodell finden müssen) oder es wird mit Absicht vorsätzlich falsch berichtet.

    Ich wiederhole es nochmals: seit über einem Jahrzehnt ist mein NTE-Erklärungsmodell öffentlich zugänglich. Ich habe im letzten Jahrzehnt auch keine einzige Anfrage von irgendeiner Medienredaktion bekommen – mit der Bitte um Informationen zu Details meines Erklärungsmodells.
    NTEs werden immer nach dem gleichen Schema vorgestellt: man lässt Betroffene von eigenen NTEs erzählen – und dazu wird immer die geiche Lüge suggeriert: dass NTEs unerkärbar seien.
    Manchmal wird auch noch der Unsinn verbreitet – dass NTEs ein Beleg dafür sind, dass unser Bewusstsein unabhängig vom biologischen Gehirn existiert. Auch diese Lüge wird immer wieder wiederholt und verbreitet!
    Stand der Wissenschaft ist heute: dass es ein Bewusstsein nur bei lebendigen Menschen gibt, wenn verschiedene Gehirnareale vernetzt zusammenarbeiten (Prof Guilio Tononi: Integrierte Informationstheorie) und dabei eine bestimmte Aktivitätsschwelle überschritten wird (EEG-Wellen).
    Auch hier fehlt eine seriöse Recherche.

    mein Fazit ist: Claas Relotius ist kein Einzelfall