Vor ein paar Tagen hat Thilo nebenan auf Mathlog eine mathematische Arbeit über “Opinion Polarization“ vorgestellt, die zeigt, wie sich die Herausbildung von Meinungsblasen modellieren lässt. Die Grundidee ist einfach: Es gebe zu einer Frage zwei Ansichten, die von einer Person mit bestimmter Überzeugung vertreten werden. Treffen nun verschiedene Personen aufeinander, werden ihre Überzeugungen über einen Parameter, die Autoren sprechen von einer „Lernrate“, modifiziert. Mit der Zeit zerfällt die Durchmischung der Gruppe und es bilden sich Meinungscluster heraus:

Die mathematische Seite der Arbeit übersteigt meinen Horizont, darüber kann ich also nicht diskutieren. Aber das Modell hat zwei inhaltliche Punkte, die ich interessant finde. Das ist einmal die Annahme, dass die Blasenbildung durch den Abgleich von Überzeugungen vorangetrieben wird und dann die mit diesem Modell hervorgebrachte Tendenz zur Auflösung der gesamten Population in Meinungscluster.

Ich glaube, Vorsicht, jetzt kommt eine Privattheorie, Blasen sind ein Ausdruck der Sehnsucht nach sozialer Geborgenheit. In unserer Gesellschaft haben sich traditionale Bindungen vielfach aufgelöst. Soziologen sprechen von „Individualisierung“. Das hat viele Ursachen, angefangen von der Aufklärung mit ihrer Kritik an überkommenen Glaubenswelten bis hin zur Globalisierung. Diese Entwicklung hat viele Vorteile. Wir müssen nicht mehr Bäcker werden, weil wir aus einer Bäckerfamilie kommen, wir müssen nicht mehr katholisch bleiben, weil wir so getauft wurden, Frauen können studieren, genau wie Arbeiterkinder, wir können nach New York ziehen und dort leben oder Bücher lesen, die früher auf dem Index standen. Aber es geht damit auch die Einbindung in soziale Gemeinschaften verloren, die man kannte, deren Regeln klar waren, die einengten, aber auch behüteten. Schon vor 20 Jahren beschrieb Richard Sennett, dass der „flexible Mensch“, dem alle Türen offenstehen, auch in einer instabileren und potentiell verunsichernden Welt lebt, immer wieder mit Angst, Hilflosigkeit, Orientierungslosigkeit und innerer Leere zu kämpfen hat.

In dieser Situation bieten die Echokammern des Internets eine Art Rückkehr der verlorenen Gemeinschaft. Bestimmte, sozusagen milieutypische Meinungen und Ansichten sind die Erkennungsmerkmale der Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gemeinschaft. Als eine Art Identifikatoren werden sie nicht so einfach aufgegeben und vor allem nicht wahrheitssuchend gegen andere Ansichten abgewogen. Die andere Meinung ist schließlich das Erkennungsmerkmal der anderen Gemeinschaft. Das gilt sicher nicht für alle Ansichten. Darüber, ob es morgen regnet oder nicht, kann man vermutlich auch mit einem Pegida-Anhänger recht vernünftig reden, anders als darüber, ob der Islam den Untergang des Abendlandes bedeutet oder die Pegida. Auch wenn wir alle vielleicht etwas rechthaberischer als früher sind, weil wir immer mehr entscheiden und unsere Entscheidungen vertreten müssen.

Daran schließen sich meine Überlegungen zum zweiten oben genannten Punkt an. Es ist davon auszugehen, dass das Bedürfnis nach sozialer Geborgenheit in einer meinungshomogenen Gruppe unterschiedlich ausgeprägt ist. Viele von uns kommen ganz gut als Kosmopoliten zurecht und stören sich z.B. nicht an den Gebräuchen niederbayerischer Braxenvereine oder den Essgewohnheiten japanischer Männer. Deswegen glaube ich nicht, dass der Determinismus der Blasenbildung, den das Modell von Banisch/Olbrich zeigt, die unaufhaltsame Zersetzung meinungsgemischter Milieus in homogene Meinungsblasen, die gesellschaftliche Wirklichkeit angemessen beschreibt.

Vielleicht beschreibt das Modell also eher die Pathologie einer monomanischen Meinungsökonomie? Und ist, so anspruchsvoll seine Mathematik auch sein mag, doch zu einfach für uns normale Menschen? Vielleicht sogar prinzipiell, weil Gott (was immer das sein mag) zwar ein Mathematiker ist, aber auch ein Witzbold, der uns Menschen etwas mehr mitgegeben hat, als sich restlos in Algorithmen unterbringen lässt?

Kommentare (34)

  1. #1 Alisier
    16. Januar 2019

    Schöner Post! Vielen Dank.
    Aber……was zum Henker sind Braxenvereine???

  2. #2 rolak
    17. Januar 2019

    ???

    Schöner KinderbuchQuerverweis, Alisier – geraten aufgrund des Ähnlichklangs: traditionelle, organisierte FischVerspeiser*; Bleihe, Brachse, etc pp für diese karpfigen, um die insbesondere in der fränkischen FischteichLandschaft kaum herumzukommen ist, typischerweise in halb und gebacken/frittiert.

    Die Artikelfrage hebe ich mir für nach der Arbeit auf…

    • #3 Joseph Kuhn
      17. Januar 2019

      @ rolak:

      “Brachse”

      Der Braxen, die Brachse. Gemeint war nicht der schwedische Name für Brachsen, Stichwortgeber war der Braxenclub Langengern. Ob es so was wirklich auch in Niederbayern gibt, weiß ich allerdings nicht.

  3. #4 Alisier
    17. Januar 2019

    Aus der Satzung:

    ” §4 Pflichten des Mitglieds

    (1) Jedes Mitglied hat seinen Braxen immer bei sich zu tragen. Spricht ein Mitglied durch Zeigen seines eigenen Braxen ein anderes Mitglied an, so hat der Angesprochene widerspruchslos ebenfalls seinen Braxen vorzuzeigen. ”

    Das klingt…..sehr schräg. Und noch viel schräger wenn ich rolaks Vorschlag der Deutung übernehme, oder meinen eigenen Assoziationen freien Lauf lasse…..

  4. #5 ZappSaxony
    17. Januar 2019

    Ich finde den Artikel und das Modell ebenfalls sehr interessant, schöner Artikel!

    In der Praxis hat das Modell wirklich ein Problem: es gibt viele “Ebenen” davon. Also viele Punkte, in denen die Meinungen auseinander gehen und sich somit unzählige solcher Modelle überlagern.
    Der Mathematiker würde das sicher in sein Modell integrieren können. Kompliziert wird es aber durch die menschliche Komponente, bei der jeder eigene “Gewichtungen” für die jeweiligen Meinungen hat.

    D.h. jeder Mensch vertritt in jeder Ebene (also zu jedem Thema) eine Meinung, aber bemisst diesen jeweils unterschiedliche Wichtigkeit zu. Von ausgeprägt bis unentschlossen (oder leicht änderbar). Also müsste er sich entsprechend seiner Wichtung (und anderen Faktoren) für gewisse soziale “Blasen” entscheiden.

  5. #6 noch'n Flo
    Schoggiland
    17. Januar 2019

    @ Alisier:

    Und Du darfst auf keinen Fall Deinen Braxen für einen Angriff oder zur Verteidigung verwenden!

    XXXX

    (Okay, ich weiss: ich bin ein alter Mann mit einer schmutzigen Phantasie. Oder vielleicht doch ein schmutziger Mann mit einer alten Phantasie…?)

    [Edit: Link gelöscht, alter Mann. Bitte etwas auf das Niveau achten, danke. JK]

  6. #7 Spritkopf
    17. Januar 2019

    Mit etwas Googeln herausgefunden: Braxen sind kleine Taschenmesser.

  7. #8 Alisier
    17. Januar 2019

    Gut, das war angesichts des Wappens auch mir dann klar. Offensichtlich so eine Art bayrisches Opinel.
    Aber einen Klub der Klapptaschenmesserträger zu gründen ist dennoch eine bemerkenswerte Idee.
    Da steckt doch sicher mehr dahinter (raun…).
    Es stützt aber die Thesen von Thilo und Joseph, dass es dergleichen überhaupt gibt.

  8. #9 RPGNo1
    17. Januar 2019

    Im deutschen Vereinswesen gibt es nichts, was es nicht gibt.

    Klappmesserträger! Ich werd nicht mehr.

  9. #10 siskin
    Wien
    17. Januar 2019

    Die Abstraktion in dem Modell von Banisch/Olbrich ist, dass nichts neues hinzukommt. Wenn keine neue Information ins System einfließt, wird irgendwann die Meinungsvielfalt verklumpen und starre Cluster bilden.
    Aber solange neue Informationen einfließen, können sich Meinungen in Randbereichen der Cluster ändern und die Cluster mit der Zeit auch wieder zersetzen.

    • #11 Joseph Kuhn
      17. Januar 2019

      @ siskin:

      Ja, die Mechanik des Modells impliziert einiges an “sozialer Erstarrtheit”, der von Ihnen genannte Punkt gehört dazu, danke für den Hinweis.

  10. #12 Ursula
    17. Januar 2019

    @Spritkopf

    Mit etwas Googeln herausgefunden: Braxen sind kleine Taschenmesser.

    So etwas? Sachen gibt’s, auch bei uns…
    http://www.feitlclub.at/index.php/vereinsregeln

  11. #13 Ursula
    17. Januar 2019

    Wir Menschen möchten eben gerne wo dazugehören. Weltbürger, Kosmopolit und so, ist eben wenig greifbar, zu abstrakt zu wenig intim.
    Sich reinkuscheln in eine Gemeinschaft, sich auszukennen, dazu gehören, da nimmt man doch die eine oder andere Beschränkung vielleicht gerne in Kauf.
    Vielleicht ändert sich manches auch für viele Menschen viel zu schnell, und das erzeugt eben oft eine Abwehrhaltung.
    Ach, ich weiß auch nicht…

  12. #14 rolak
    17. Januar 2019

    club Lang

    ..um nur den Kern des Ganzen zu zitieren, Joseph – dieser Verein tauchte heute morgen selbstverständlich auch auf, doch ward die Symbolik nicht beachtet, schlafäugigerweis. Nu, das Wörtli bietet aber Möglichkeiten: mit dem Braxen die Brachsen schuppen, schick ;•)

    Vorschlag der Deutung

    Wohl durch ein gerüttelt Maß priming geleitet, Alisier, einerseits das schier endlose KarpfenVerdrücken in Franken, andrerseits läuft der Zoodirektor in Josef Wincklers ‘Der tolle Bomberg’ nicht selten mit einer Hering-Schnur-Hering-Kette um den Hals herum, ggfs auch ans MantelRevers geheftet.

    jezzaba btt: Öhmmm, fast. Über Mechanismen ist noch keine Erleuchtung gekommen, vielleicht wird das jedoch ein Antimechanismus: Dada/soz. Sarkasmus oder gar Zynismus werden von desinteressierten Glaubenskreisen kaum mehr als solche erkannt, da muß etwas Brachialeres her, wie eben das vor hundert Jahren vorgeturnte, aktive Zerbröckeln des Gewohnten, des Weiterhabenwollen, der Wohlfühlblase. Das Zentrum für politische Schönheit geht schon in die richtige Richtung, jetzt heißt es Fahrt aufnehmen für genügend Schwung zum Durchbrechen selbst dumpfester Verkrustungen.
    Was Dada ist? Schwierig. Wer hats erfunden? Die Schweiz.

  13. #15 Markweger
    17. Januar 2019

    Wer die Massenmedien in der Hand hat der bestimmt auch die Meinungsblasen.
    Das ist momentan drastisch der Fall.

  14. #16 SkeptikSkeptiker
    17. Januar 2019

    Linksgrünversiffte Lügenpresse heißt das, MW, kannst ruhig sagen was du meinst.

  15. #17 noch'n Flo
    Schoggiland
    18. Januar 2019

    @ JK:

    Bitte etwas auf das Niveau achten, danke.

    Sind dafür nicht Markweger, Moreno & Co. zuständig?

  16. #18 Alisier
    18. Januar 2019

    Der muss noch sein, als Beitrag zum Thema ” Brassen zeigen”, zudem es wunderbar passt, dass auch in diesem kurzen Film am Schluss ein Fisch auftaucht, der den immer wieder bei diesem Blog auftauchenden komischen Gestalten nicht unähnlich ist:
    https://www.youtube.com/watch?v=T8XeDvKqI4E
    Und ich habe mir das von Thilo vorgestellte Modell genauer angeschaut, und bedaure es gerade sehr, mathematisch nicht fit genug zu sein, um es wirklich nachvollziehen zu können.
    Danke nochmal für die Anregung.

  17. #19 roel
    18. Januar 2019

    @noch’n Flo
    “Sind dafür nicht Markweger, Moreno & Co. zuständig?”

    Ich denke, das fällt hier unter Eigenverantwortung.

  18. #20 Aginor
    18. Januar 2019

    Hmmm… interessant…
    Ja, ich denke da ist schon was dran.
    Denke gerade vor allem über die Abbildung der recht abstrakten Meinungscluster auf die (etwas greifbarere) Welt der Communities nach.

    Die Blasenbildung, gerade in sozialen Medien mit ihren öffentlichen oder nicht-öffentlichen Gruppen und dergleichen ist definitiv real, und ja, natürlich kann man heute in so einer “filter bubble” gut leben, sogar auch nur die passenden News hören, sei es weil man sie selbst ausgesucht hat, oder ein Algorithmus es für einen übernommen hat.

    Der Echokammereffekt sorgt dann oft auch bei den Diskussionen dafür, dass man sich nur mit seinesgleichen wirklich unterhält, und selbst für die kleinsten, absurdesten Nischen gibt es eine Community. Weltweit wenn es sein muss. Und darüber bin z.B. ich auch teilweise froh, denn auch ich habe ein paar Hobbies die selten genug sind, dass es in meinem Umfeld dafür außer mir kaum Interessenten gibt. In den 90ern oder davor wären diese Hobbies wohl im Sand verlaufen, heute gibt es Webseiten, Foren, Youtube-Kanäle und dergleichen, in denen Gleichgesinnte aus aller Welt sich aufhalten, denen es genauso geht. Und natürlich nicht nur bei Hobbies, das betrifft auch z.B. politische Gesinnungen etc.

    Das ist natürlich sowohl gut als auch schlecht.
    Über die richtigen Kanäle kann ein Agitator jemandem gezielt präsentieren was er hören will, um ihn (und mit ihm seine Blase) ein kleines Stück in eine gewünschte Richtung zu bewegen. Das macht ggf. sogar ein paar Prozent eines Wahlergebnisses aus (1-3% reichen u.U.) , und schon hat man einen Brexit und einen Trump. Das sehe ich als Gefahr für die Demokratie. Oder eben auch die “Unterwanderung” einer Blase durch Menschen mit einer Agenda, die eben schleichend versuchen, die Blase als ganzes in irgendeine Richtung zu verschieben. Mit so etwas kämpfen ja auch z.B. Parteien in ihrer jeweiligen Basis, rechts wie links.

    Und auch dass es sich da um überlappende oder gar recht disjunkte Blasen handeln kann, das halte ich für gegeben und sehr interessant.
    Als Beispiel könnte man den von Joseph Kuhn genannten Pegida-Anhänger nennen, also jemanden der politisch eher rechts einzuordnen ist und evtl. in einer entsprechenden Blase dabei ist. Dieser ist vielleicht gleichzeitig ein Fan einer Fußball-Mannschaft oder eines Computerspiels, und in einer entsprechenden Blase ebenfalls aktiv, ohne dabei groß die beiden Blasen miteinander zu kombinieren.
    Es kann gut sein dass die politischen Meinungen in der Fußball-Blase und die Fußball-Meinungen in der politischen Blase sich sehr unterscheiden. Wenn die Bereiche disjunkt genug sind, dann kommt die Meinung des einzelnen Mitglieds vermutlich weniger zum tragen.

    Das wäre früher nicht so gut gegangen, man denke da an die klassischen Vereine, es ist schwer in mehr als drei oder so zu sein. Und dann wüssten andere Mitglieder u.U. auch von diesem Mehrfachengagement, was einem dann vielleicht gefiele oder eben nicht. Jetzt ganz plakativ der Punk im Fußballverein oder der Skinhead im Musikverein.

    Mit dem Grund tue ich mich ein wenig schwer. Ich denke schon dass die genannte soziale Komponente da eine große Rolle spielt, der Mensch will Gleichgesinnte treffen, sich austauschen, ausdrücken und mit anderen interagieren.
    In wiefern das ergänzend oder zusätzlich zu realweltlichen Kontakten abläuft weiss ich nicht, ich habe da keine Zahlen zu.
    Vielleicht sind manche Blasen aber auch eher zweckorientiert, also praktisch eine Interessensblase ohne eine zugehörige Meinungsblase.
    Hmmm… muss ich mir noch eine Weile durch den Kopf gehen lassen.

    Danke für den Artikel und die Links, das ist schon recht spannend.

    Noch kurz abschließend an @Markweger (aber auch an andere, denn da steckt IMO schon ein reales Problem dahinter):
    Die Realität sieht zunehmend anders aus!
    “Die Massenmedien” verlieren die Kontrolle über die Deutungshoheit von Ereignissen, relativ kleine (und leider oft extreme) “Influencer” schaffen es immer mehr, mittels gezielter Fehlinformationen auf einzelne Blasen Einfluss zu nehmen. Es ist wirklich erschreckend zu sehen, wie viele Menschen ihre Nachrichten nur aus einer Quelle beziehen. Wenn man dann Pech hat, und diese nicht neutral ist (und genau das verstärkt sich scheinbar, und ja, leider auch bei den Massenmedien) dann ist das Beeinflussen leider leicht.
    Eigentlich absurd: Wir sitzen am größten und vielfältigsten Informationsmedium aller Zeiten, und dennoch haben viele Menschen eine überrachend kleine “Filterbubble” aus einer handvoll Medien.
    Die Lösung ist also nicht “gegen Massenmedien” oder “gegen Nischenmedien” sondern “für alle”.
    Ruhig mal (z.B.) die TAZ, die Basler Zeitung, die FAZ, CNN, BBC, Al-Jazeera, Russia Today, Infowars, den Deutschlandfunk, UND Twitter/Facebook/Blogs hören/lesen/schauen und sich selbst eine Meinung bilden. Kein Medium ist perfekt und keines ist ganz neutral. Aber einige der Kruderen Fakes bleiben dann schon auf der Strecke, nämlich wenn man auf die Medien schaut, die richtige Recherchen anstellen und ihre Quellen auch nachprüfbar machen.
    Und nebenbei stellt man dann auch fest dass es kein Meinungsdiktat gibt, fast alles ist da, nur unterschiedlich präsent.

    Sorry @all für die “Wall of Text”, aber Joseph Kuhn hatte ja schon gesagt er möchte hier liber Substanz in den Kommentaren. Ich hoffe ich kann dazu beitragen. 🙂

    Gruß
    Aginor

  19. #21 RPGNo1
    18. Januar 2019

    @Aginor

    “Die Massenmedien” verlieren die Kontrolle über die Deutungshoheit von Ereignissen, relativ kleine (und leider oft extreme) “Influencer” schaffen es immer mehr, mittels gezielter Fehlinformationen auf einzelne Blasen Einfluss zu nehmen.

    Ohne einen Influencer, Social-Media-Kanal oder Fake-News-Verbreiter wie z.B. Breitbart in Schutz nehmen zu wollen – Sascha Lobo hat sich auch seine Gedanken über die Medien gemacht und weist ihnen eine Mitschuld zu. Die Stichworte sind: False Balance, Agenda Cutting und Strukturelle Verharmlosung

    http://www.spiegel.de/netzwelt/web/verantwortung-des-journalismus-schluss-mit-business-as-usual-a-1248317.html

  20. #22 Markweger
    18. Januar 2019

    “Deutungshoheit” ist ein gutes Wort.
    Um Wahrheit geht es den Massenmedien nicht.

  21. #23 Dr. Webbaer
    18. Januar 2019

    Ich glaube, Vorsicht, jetzt kommt eine Privattheorie, Blasen sind ein Ausdruck der Sehnsucht nach sozialer Geborgenheit. [Dr. Joseph Kuhn, Artikeltext]

    Sog. Meinungsblasen müssten auch ‘Ausdruck der Sehnsucht nach sozialer Geborgenheit’ sein, korrekt, also aus diesseitiger Sicht Zustimmung.
    Früher wurde gerne vom Lagerdenken, das Politische meinend, geschrieben und gesprochen, wobei diese Zugehörigkeit zu einem politischen Lager sich bspw. von der Fan-Zugehörigkeit zu einem Fußball-Verein nicht grundsätzlich unterscheidet, wenn, ja, wenn sich politische Meinung im Lager sozusagen abgeholt wird.
    Bei einigen Personen funktioniert dies leider so.

    Bei denjenigen, die kollektivistischen Anspruch haben, ist dieses Lagerdenken wohl stärker ausgeprägt als bei denjenigen mit liberalistischem Anspruch, aber auch unter Liberalen gibt es dieses Lagerdenken, das stets kritisch zu begleiten bleibt.

    MFG + weiterhin viel Erfolg!
    Dr. Webbaer (der sich eher als Querdenker fühlt, also nicht so-o auf Lagerdenken steht, sich jedenfalls so einschätzt)

  22. #24 Dr. Webbaer
    18. Januar 2019

    Ruhig mal (z.B.) die TAZ, die Basler Zeitung, die FAZ, CNN, BBC, Al-Jazeera, Russia Today, Infowars, den Deutschlandfunk, UND Twitter/Facebook/Blogs hören/lesen/schauen und sich selbst eine Meinung bilden. [Kommentatorenkollege ‘Aginor’]

    Bei Infowars bspw. würde Dr. Webbaer eher abraten, lol, aber im Grundsatz schon richtig, es gilt medial breitgefächert zu konsumieren.
    Im Web heutzutage fällt der breitgefächerte Konsum ja auch recht leicht.

    Vor allem hat der diesbezügliche Konsum kritisch zu erfolgen, gerade heutzutage und im Web, wenn Bericht und Meinung/Kommentar leider nicht mehr strikt getrennt werden.
    Schade eigentlich, dass diese Trennung weitgehend aufgegeben worden ist, wie Dr. Webbaer findet, so dass es „trocken“ berichtende Medien kaum oder gar nicht mehr gibt.
    Es gibt heutzutage sogar (fast) reine Kommentarmedien, tsk, tsk…

    Dr. Webbaer weiß nicht so recht, besteht allgemein die Gefahr des Lagerdenkens oder der Meinungsblasen im Web?

    MFG
    Dr. Webbaer (der i.p. Web und Journalismus mal viel optimistischer war, sich hier viel mehr versprochen hat)

    PS:
    Nichts gegen eine solide „Wall of Text“, vgl. auch mit der „Wall of Sound“ früher, lol.

  23. #25 Aginor
    19. Januar 2019

    Ok, ich gebe zu Infowars ist schon etwas weit hergeholt, aber ich denke schon dass man auch immer mal bei den Extremisten und Fake News Schleudern reinschauen muss, allein schon um zu wissen wo die ganzen herumgeisternden Stories eigentlich herkommen, und was die – u.U. unbedarften – Leser dort so beschäftigt.

    @RPGNo1:
    Selbstverständlich haben sich auch die etablierten Massenmedien einiges zu Schulden kommen lassen, besonders in den letzten Jahren. Das wissen wir nicht erst seit Sascha Lobo darüber geschrieben hat. Wer z.B. Stefan Niggemeier’s Blog länger gelesen hat, der weiss dass sowohl ein Qualitätsproblem als auch eine Beeinflussung durch die Verlagshäuser (die jeweils mit dem einen oder anderen Akteur der Politik verbandelt sind) durchaus nicht nur etwas sind, das sich jemand ausgedacht hat.
    Falsch hingegen ist der von der “Gegenseite” (in Anführungszeichen weil mich die Polarisierung stört) vielfach hervorgebrachte Vorwurf, das sei nur ein Problem eben jener Massenmedien. Die anderen sind nicht nur nicht besser, sondern vielerorts nachprüfbar noch schlechter.

    Ok, war jetzt etwas off-topic, soll ja hier um Blasen gehen, nicht nur um Medien, aber es ist wirklich schwer trennbar heutzutage, wo das Medium aufhört und die Einzelmeinungen anfangen. Heute kann jeder mit seiner Meinung ein großes Publikum erreichen, und eine ehrliche Meinung ist von einem Auftragsschreiber oder jemandem mit einer politischen Agenda schwer zu unterscheiden. Das ist ja gerade eines der Probleme. Mit Fake-Accounts und so weiter kann eine kleine Gruppe oder gar eine einzelne Person eine Menge Stimmung machen, wie es früher nur ein ausgesprochenes Massenmedium hätte tun können.

    Gruß
    Aginor

  24. #26 RPGNo1
    19. Januar 2019

    @Aginor
    Danke für deine Einschätzung, der ich mich anschließen kann.

  25. #27 Basilios
    Gerade nix
    20. Januar 2019

    @Markweger

    “Deutungshoheit” ist ein gutes Wort.
    Um Wahrheit geht es den Massenmedien nicht.

    Darf ich fragen, um was es denn Dir geht?

    Die Wahrheit™ oder eher um Deutungshoheit?
    0_0

  26. #28 Markweger
    20. Januar 2019

    Mir geht es darum dass die Tatsachen dargestellt werden.
    Sicher es ist immer “Deutung” dabei je nachdem aus welcher Sicht man es sieht.
    Aber denen die das Wort Deutungshoheit verwenden geht es ja von vorneherein darum um die Dinge in ihrem Sinne zu deuten. Ganz einfach im Sinne linker Propaganda.

  27. #29 Herr Xyz
    20. Januar 2019

    Und Markweger ist völlig anders, der schreibt nur die Wahrheit, der will keine Sachen in seinem Sinn deuten, völlig frei von Ideologie. Oder wie?

  28. #30 Basilios
    Gerade nix
    20. Januar 2019

    @Markweger

    Mir geht es darum dass die Tatsachen dargestellt werden.

    Okay, dann mach doch mal. Bisher kam von Dir außer Gejammer nichts. Welche Tatsachen (die irgendwie auch zum aktuellen Blogartikel passen) meinst Du und viel wichtiger:

    Wieso denkst Du, daß das Tatsachen wären?

  29. #31 Wizzy
    23. Januar 2019

    @Markweger

    Ich schließe mich Basilios Anfrage an: Tatsachen – reine Tatsachen ohne Meinung – bitte! Solche Tatsachen die Deiner Aussage zufolge von den “Massenmedien” nicht genug gewürdigt werden.

  30. #32 Wizzy
    28. Januar 2019

    Falls das missverstanden wurde, @Markweger, meine Anfrage war ehrlich gemeint. Ich bin völlig unironisch an neuen (in diesem Fall Ihren) Blickwinkeln interessiert, noch besser möglichst sachlichen Blickwinkeln.

  31. #33 Basilios
    Owarimonotgatari II
    28. Januar 2019

    @Wizzy
    Ich befürchte da wird nichts mehr kommen. Markweger hat wohl (wieder mal) das Interesse verloren ein Gespräch weiter zu führen.
    Mir scheint, daß er Fragen eher nicht so gerne beantwortet und halt lieber nur seine Meinung darstellen will.

  32. #34 Wizzy
    8. Februar 2019

    Meine Vermutung verfestigt sich unterstützt von Markwegers Schweigen, dass seine Thesen zur angeblichen Nicht-Darstellung von Tatsachen in Medien falsch sind.