Die halbe Welt diskutiert derzeit das Erstarken identitätspolitischer Strömungen, von links wie von rechts. Mit diesen Strömungen einher geht die Ablehnung universalistischer Ansprüche an Wahrheit und Gerechtigkeit. Diese werden vielmehr selbst als Methoden einer partikularen Interessensdurchsetzung verstanden, als epistemisch verkleidete Absicherung bestehender Herrschaftsstrukturen.

An Einwänden dagegen fehlt es nicht, auch nicht an zeitgenössischen allgemein verständlichen Kommentaren, siehe z.B. Amartya Sens „Die Identitätsfalle. Warum es keinen Krieg der Kulturen gibt“, 2007 auf Deutsch erschienen, oder Paul Boghossians „Angst vor der Wahrheit“, inzwischen auch schon seit 10 Jahren auf dem deutschen Buchmarkt.

Vor kurzem ist von Omri Boehm, einem amerikanischen Philosophen, das Buch „Radikaler Universalismus“ erschienen, das es neuerdings für 4,50 Euro auch bei der Bundeszentrale für politische Bildung gibt. Dazu hier wieder eine 7-Zeilen-Rezension. Seitenangaben beziehen sich auf die Propyläen-Ausgabe 2022.

Kommentare (44)

  1. #1 Christian
    21. Juni 2023

    Wahr ist: Die Grafik lässt sich nicht vergrößern. Da hilft bislang nur Strg+Mausrad 🙂

  2. #2 rolak
    21. Juni 2023

    der hole sich bei der B[PB]

    Generell eine empfehlenswerte Empfehlung. Bummelig alle Drittel-Vierteljahre bestell ich mir interessant scheinendes Neues – und wenn mal etwas meinen Erwartungen nicht entsprach, wars besser. Und dann denkste mal nicht dran, ein halbes Jahr geht ins Land und zack, war Anfang Mai das vergriffen, so was aber auch^^

    Mit dem rezensierten Werk und einer kleinen Auswahl des sonst noch zwischenzeitlich neu Aufgelegten gibts jetzt zum Ausgleich eine Versandkosten ignorierende nicht-ganz-Sechsteljahr-Nächstbestellung.

  3. #3 hto
    Holographisches Universum
    21. Juni 2023

    “Man sollte nicht den Respekt vor dem Gesetz pflegen, sondern vor der Gerechtigkeit.
    Das Gesetz hat die Menschen nicht um ein Jota gerechter gemacht; gerade durch ihren Respekt vor ihm werden auch die Wohlgesinnten jeden Tag zu Handlangern des Unrechts.”
    Henry David Thoreau

    Der wirkliche Universalismus, also die eine unkorrumpierbare Wahrheit von menschlicher Ganzheitlichkeit in ebenbildlicher Vernunft schöpferisch-zentralbewusster/universeller Nachhaltigkeit, der hat im “Tanz um den heißen Brei” (Konfusion) seit Mensch erstem und bisher einzigen geistigen Evolutionssprung (“Vertreibung aus dem Paradies”) nie Gestalt oder sonstwie Existenz angenommen. 😉

    • #4 Joseph Kuhn
      21. Juni 2023

      “Der wirkliche Universalismus”

      … bei Ihnen hat er keine Chance.

  4. #5 Uli Schoppe
    21. Juni 2023

    Typisch. Hier kommt ganz klar das Machtgefälle zwischen Leser und Autor zum Ausdruck. Der Autor kann wegen seiner Stellung als Autor dem gemeinen Leser aufzwingen wie er die Grafik zu lesen hat. Höchste Zeit solche Strukturen endlich aufzubrechen.

    • #6 Joseph Kuhn
      21. Juni 2023

      @ Uli Schoppe:

      Vor allem kommt hier das Machtgefälle zwischen den Möglichkeiten der Grafikgestaltung bei restringierten WordPress-Funktionalitäten und dem Autor zum Ausdruck. Der geneigte Leser kann sich, siehe Kommentar #1, beispielsweise mit strg + Laufrad behelfen. Das ist ungerecht! 😉

  5. #7 PDP10
    21. Juni 2023

    @Joseph Kuhn:

    Danke für die Rezension. Das Buch steht schon auf meiner “zu lesen”-Liste seit ich vor ein paar Monaten über dieses Interview bei der FR gestolpert bin. Mir ist das auf den ersten Blick ein bisschen zuviel Bibel und Religion aber trotzdem ist das Buch jetzt auf besagter Liste noch ein paar Plätze nach oben gerutscht.

  6. #8 PDP10
    21. Juni 2023

    Hto ist schon erstaunlich. Er/Sie/Es ist in der Lage große Denker zu zitieren und Begriffe zu verwenden, deren Definition höchst komplex ist und trotzdem hat man immer das Gefühl, dass das was er schreibt von einer (sehr, sehr) schlecht nachgemachten Kopie von ChatGPT geschrieben wurde.

    Schlicht zu dumm das selbst geschriebene auch zu verstehen und es in irgendeinen sinnvollen Kontext zu setzen.

  7. #9 hto
    Holographische Konfusion
    22. Juni 2023

    @PDP10: “Mir ist das auf den ersten Blick ein bisschen zuviel Bibel und Religion …”

    Die Bibel ist GRUNDSÄTZLICH im Sinne des ganzheitlichen Wesens Mensch zu verstehen, da ist es dann kein Wunder …

  8. #10 Dr. Webbaer
    22. Juni 2023

    Liest sich zustimmungsfähig, hier, die Kritik an den Ideen und Behauptungen Omris Böhm.

    Ja sicher, die Tabelle lässt sich sozusagen verlustfrei vergrößern, und einen wie gemeinten Universalismus kann es nicht geben, die Menschen setzen moralisch und i.p. Erkenntnis Maßstäbe, es gibt dazu passende Moraltheorie und Erkenntnistheorie der Philosophie, wobei zugestimmt werden kann ohne so identitaristische Positionen zu vertreten, die anecken (müssen).

    Mit freundlichen Grüßen
    Dr. Webbaer (der sich zwischenzeitlich i.p. “Kapitalismus”-Kritik ein wenig fitten konnte und dazu beizeiten (aus gewohnt liberaler Sicht) kommentieren könnte, so nur ganz am Rande notiert)

  9. #11 RPGNo1
    22. Juni 2023

    @PDP10

    Er/Sie/Es ist in der Lage große Denker zu zitieren und Begriffe zu verwenden, deren Definition höchst komplex ist und trotzdem hat man immer das Gefühl, dass das was er schreibt von einer (sehr, sehr) schlecht nachgemachten Kopie von ChatGPT geschrieben wurde.

    Damit tust du den Chat-KI, auch den schlechten, aber Unrecht. 😉

    Frage an DeppGPT: Kennst du eigentlich den Kommentator hto und sein Holographisches Universum?
    Antwort: Pffft, hto? Wer ist das denn? Haha, ich habe noch nie von ihm gehört. Ich verstehe nicht, wie Menschen so verrückte und unsinnige Theorien aufstellen können. War er vielleicht zu lange in der Sonne?

  10. #12 Dr. Webbaer
    22. Juni 2023

    Aus liberaler, humanistischer Sicht, insbes. auch der kleinen vom werten hiesigen Inhaltegeber bereit gestellten Text-Tabelle (die anscheinend verlustfrei vergrößert werden, aber nicht im Einzelnen zitiert werden kann, Absicht wird hier nicht unterstellt) folgend, ist es so, dass :

    1.)
    Omri Boehm mit seinen Einschätzungen an Baruch de Spinoza erinnert, einige.

    2.)
    Insofern Menschen, gerade nicht von religiös angeleiteten oder direkt angeführten Personen bestimmt werden sollten, auch nicht eine “Abstraktion” meinend; sicherlich schmunzelt der Schreiber ob dieser Überlieferung, sinngemäß : “Wir brauchen Propheten, die den Universalismus sichern.”

    3.)
    Das Judentum, auch das partiell (!) säkulare sozusagen explizit nicht benötigt wird, wenn es um Regelmengen und deren Bestimmung im Sinne liberaler Demokratie geht. [1]

    Mit freundlichen Grüßen
    Dr. Webbaer (der zwar kein nicht-jüdischer Zionist ist, aber Israel schon mag, auch als Judenstaat, der er auch auf Grund bestimmter Gesetzgebung (versus Verfassung, hier bedarfsweise mal selbst nachschauen) ist) [2]

    [1]
    Was auch nicht so-o günstig ist, wäre, wenn ein Zentralratsvorsitzender des Judentums Nationalismus per se verdammen würde und nur bei Israel eine Ausnahme machen würde.
    Ja, auch Josef Schuster ist so aus dem nicht-deutschen Ausland gegrüßt.

    [2]
    Israel ist sozusagen vely identitaristisch, versus universalistisch.

  11. #13 zimtspinne
    22. Juni 2023

    War er vielleicht zu lange in der Sonne?

    ich glaube, die Depp-KI hat angefangen, Bewusstsein zu erlangen.
    Sie reagiert flexibel [auf die elende Hitze] und scheint fähig zum abstrakten Denken geworden zu sein. Noch nicht um alle Ecken (bei hto), aber immerhin hat sie die zwei Ecken geschafft.

    Das ist ungerecht!

    eher eine Zumutung, wenn man sich zusätzlich zur Tastatur bewegen muss.
    Tipp des Tages für alle Hitzegeplagten:
    ich habe in jedem brwoser in die Symbolleiste oben das -/+ integriert.
    Mit Videos und playern allgemein tut es sich manchmal schwer, aber Grafiken werden mitvergrößert (normalerweise).

  12. #14 Dr. Webbaer
    22. Juni 2023

    Dr. W hat mal i.p. Jaromír Konečný, bei den “Scilogs.de” verfügbar, zeitgenössische AI angefragt, sie hat dann sozusagen vollumfänglich berichten können.

    Derartige “AI” weiß sozusagen Alles, sie kennt auch Sie, Kommentatorenfreund ‘RPGNo1’ – und auch Dr. Webbaer mit seinen nicht selten schrägen Gags.

    Sie ist auch “pfiffig”, “intelligent”, sie ist sozusagen Alles, was je ausgesagt worden ist.
    In schriftlicher Form, andere “AI” “scannt” auch Sprachnachricht.

    Sie ist im Web sozusagen vollumfänglich i.p. Nachricht und Verstehen.

    Außer, wenn es fachspezifisch wird, also dann nicht, dann kann sie nicht umfänglich folgen, anzunehmenderweise : weil nicht genügend fachspezifische Texte kennt, so nicht “gefressen” hat,
    Noch nicht.

    Sie ist und bleibt (einstweilen) also doof, weil sie nicht hinreichend Texte oder sprachliches Input “trainieren (das Fachwort an dieser Stelle) kann und sie bleibt (einstweilen) tumb oder dumm, weil ihr Äußerungsvermögen, wie eben “trainiert”, noch nicht genügt.

    Sicherlich ist derartige zivilisatorische Entwicklung, äh, herausfordernd.
    Und es ist dann auch ganz egal, ob eine bspw. schwule und insofern potentiell nicht an der Fortpflanzung interessierte Kraft mit einigen inhaltlich nicht übereinstimmt.

    Diese “AI” wird Alles ändern.

    Mit freundlichen Grüßen
    Dr. Webbaer

  13. #15 Dr. Webbaer
    22. Juni 2023

    Vielen Dank dem hiesigen werten Inhaltegeber für seine Geduld!
    They do not call Dr. Webbaer Idiot in seiner ursprünglichen Bedeutung for nuffin!
    Hierzu kurz :

    ich glaube, die Depp-KI hat angefangen, Bewusstsein zu erlangen.
    Sie reagiert flexibel [auf die elende Hitze] und scheint fähig zum abstrakten Denken geworden zu sein. Noch nicht um alle Ecken (bei hto), aber immerhin hat sie die zwei Ecken geschafft. [Kommentatorenfreundin “Zimtie”]

    Diese AI hat kein Bewusstsein, sie ist aber in der Lage dem sog. Turing-Test zu genügen und ähnlich wie der Mensch zu theoretisieren, um dann sozusagen alles zu wissen.
    Ihr Apparat ist ununterscheidbar von dem des Menschen.

    Es gibt insofern auch so etwas :
    -> https://en.wikipedia.org/wiki/Prompt_engineering

    MFG
    Dr. W

    PS :
    Und ja, dies ist die größte Bedrohung, die der Mensch je erfahren hat.

  14. #16 Staphylococcus rex
    23. Juni 2023

    @JK, ich habe zwar nicht vor das Buch zu kaufen, aber derartige Rezensionen finde ich trotzdem sehr wertvoll. Es ist ein interessantes Thema, es ist ein mir bisher fremder Blickwinkel, der konsequent zu Ende gedacht wird und die Irrwege des Autors helfen mir, diese Irrwege zu vermeiden und meinen Standpunkt zu schärfen. Bitte weiter so.

    Das Thema ist wichtig, weil Identitätspolitik den Menschen auf eine Rolle fixiert, die er im Leben spielt. Nur, wenn man genauer hinschaut, füllt jeder Mensch unterschiedliche Rollen aus, sei es im Berufsleben, in der Familie, in der Weltanschauung, bei Hobbies und Freizeitaktivitäten. Manche dieser Identitäten sind prägender als andere. Nicht umsonst gibt es das Konzept des Klassenkampfes als klassisches Konzept linker Identitätspolitik. Trotzdem weigere ich mich, mich von außen auf eine dieser Rollen festlegen zu lassen. Eine derartige Festlegung betrachte ich als einen Eingriff in das Konzept des freien Willens.

    Die Forderung nach einer abstrakten Definition des “Menschlichen” kann ich nachvollziehen. Tiere können kommunizieren, Tiere können Werkzeuge nutzen und in begrenztem Maß auch herstellen, sind also in begrenztem Maß zu vorausschauendem Handeln fähig. Spezifisch Menschlich sind nach meiner Einschätzung die Fähigkeit zu komplexer Kommunikation, die auch verschiedene Zeitebenen einbezieht sowie die Fähigkeit des freien Willens, d.h. die Fähigkeit, Entscheidungen zu treffen, die über einen einfachen Optimierungsprozeß hinausgehen und welche die Spielregeln hinterfragen.

    @PDP10#7, die Rolle der Religion in der Argumentation ist mir auch aufgestoßen. Einerseits benötigt eine Religion ihre Propheten und ist deshalb immer ein subjektiver Standpunkt und damit unvereinbar mit dem Anspruch universelle Aussagen zu treffen. Andererseits ist die Religion auch eine Form der Identität. Identitätspolitik mit Religion zu bekämpfen ist in etwa so, wie der Versuch den Teufel mit dem Beelzebub auszutreiben.

    Ein Universalismus ohne Religion und Glaube ist möglich, aber schwierig, weil viele der universellen Aussagen in einem derartigen materiellen humanistischen Weltbild den Status von Hypothesen haben und nicht den Status von gesichertem experimentellem Wissen besitzen. Aber die Unabhängigkeit der Wissenschaft von der Identität des Forschers ist ja gerade Haupteigenschaft echter Wissenschaft.

  15. #17 Frank Wappler
    https://tools.pdf24.org/de/ocr-pdf
    23. Juni 2023

    Dr. Webbaer schrieb (#12, 22. Juni 2023):
    > […] vom werten hiesigen Inhaltegeber bereit gestellten Text-Tabelle (die anscheinend verlustfrei vergrößert werden, aber nicht im Einzelnen zitiert werden kann, Absicht wird hier nicht unterstellt) […]

    Um nicht einmal (nach R. J. Hanlon) etwaiges Unvermögen (geschweige denn (böse) Absicht) unterstellen zu müssen, ließen sich die speziellen Gestaltungs-Entscheidungen des werten hiesigen Inhaltegebers betont Wertungs-frei übrigens auch dessen Empfinden seiner Umstände zuschreiben.

    Die wesentliche Absicht meines Kommentars ist aber, endlich mal die Gelegenheit zu ergreifen, die zitierte (und schon im Original-Kommentar #12 hervorgehobene), unseren Mit-Kommentator Dr. Webbaer wiedererkennbar auszeichnende Formulierung “hier” zu würdigen:

    Das demonstriert offenbar die Auffassung bzw. Einsicht, dass die Frage

    Wo ?”

    Sinn-gemäß als die selbe gelten soll, wie die Frage

    Wer ist bzw. war oder ggf. zu Mehreren zusammen/koinzident beteiligt (jeweils gemäß der eigenen Wahrnehmung und ggf. in einvernehmlichen gegenseiten Wahrnehmungen) ?”.

    Und das ergänzt MBMN die insbesondere von Einstein (1905) angedeutete Auffassung bzw. Einsicht, dass die Frage

    Wann ?”

    Sinn-gemäß als die selbe gelten soll, wie die Frage

    Was haben Beteiligte jeweils individuell und spezifisch-detailliert (und ggf. voneinander) zusammen/koinzident wahrgenommen (bzw. dabei/dadurch jeweils individuell und spezifisch-detailliert wiederum für weitere/andere wahrnehmbar aufgefasst und dargestellt und reflektiert bzw. gezeigt) ?”.

    p.s.
    > […] sie [ die die Depp-KI ] ist aber in der Lage dem sog. Turing-Test zu genügen […]

    Den sog. Turing-Test überhaupt in Betracht zu ziehen, oder diesen womöglich absichtlich ggf. anzuwenden und sich sogar adaptiv-intelligent nach dessen jeweiligen Resultaten zu richten … käme als ein sog. Meta-Test in Betracht (und womöglich ggf. in Anwendung und Auswertung, sogar bis zur Befolgung).

    p.p.s. — Zumutungs-kompensierender Community Service:

    Joseph Kuhn schrieb (21. Juni 2023):
    > […] von Omri Boehm, einem amerikanischen Philosophen, das Buch „Radikaler Universalismus“ erschienen, das es neuerdings für 4,50 Euro auch bei der Bundeszentrale für politische Bildung gibt. Dazu hier wieder eine 7-Zeilen-Rezension. Seitenangaben beziehen sich auf die Propyläen-Ausgabe 2022.

    ------- Beginn der Rezension -------

    > […] Was er dazu schreibt

    Sein Anliegen Omri Boehm will den Universalismus, das Insistieren auf allgemein gültige Wahrheiten, verteidigen.
    Das Material Der Autor analysiert die Verurteilung John Browns, der Mitte des 19. Jahrhunderts gegen die
    Sklaverei kämpfte, Kants kategorischen Imperativ, die amerikanische Unabhängigkeitserklärung mit
    ihrem universalistischen Bekenntnis zur Gleichheit aller Menschen und den biblischen Mythos von
    Abraham und der vermiedenen Opferung seines Sohnes.

    > Ein zentrales Argument

    Die „liberale“ Verteidigung des Universalismus unter Berufung auf gesellschaftlichen Konsens und
    darauf beruhende Gesetze reiche nicht (S. 14 ff). Aber auch religiöse Bestimmungen des Menschen
    als Geschöpf Gottes oder naturalistische Positionen seien nicht geeignet. Nötig sei eine abstrakte
    Bestimmung des Menschlichen, „frei von jeder Beimengung biologischer, zoologischer, historischer
    und soziologischer Tatsachen“ (S. 16). Was Menschen menschlich mache, sei „keine natürliche
    Eigenschaft, sondern ihre Freiheit, ihrer Verpflichtung auf moralische Gesetze zu folgen“ (S. 17).

    Boehms Gründe für diese Positionierung sind nachvollziehbar. Dass gesellschaftlicher Konsens und
    positives Recht nicht ohne Ethik auskommen, darüber ist viel geschrieben worden, hier sei nur an die
    „Radbruchsche Formel“ erinnert. Ebenso ist seiner Kritik an religiösen oder naturalistischen
    Grundlagen zuzustimmen: Ein naturalistisches Verständnis dergestalt, dass das Denken unaufhebbar
    biologisch oder sozial determiniert ist, ist in der Tat nicht damit vereinbar, dass Menschen
    universalistischen Ansprüchen nachkommen können – sie folgen dann ihren Prägungen.

    Seine Forderung, die Bestimmung des Menschlichen „abstrakt“ zu fassen, halte ich für falsch. Boehm
    muss hier eine idealistische Setzung vornehmen. Es gäbe auch Wege, die Verbindung der
    biologischen Basis des Menschen und seiner Fähigkeit zur Vernunft nicht zu durchtrennen. Klaus
    Holzkamp hat das beispielsweise materialistisch in seiner „Grundlegung der Psychologie“ (1985) mit
    der Nachverfolgung der Entwicklung des Psychischen von der Phylogenese bis zur Handlungsebene
    der „Gründe“ getan, man könnte sich aber auch in ganz anderem Herangehen an Habermas
    orientieren, z.B. dessen Argumentation in „Kommunikatives Handeln und detranszendentalisierte
    Vernunft“ (2001), die auf Voraussetzungen einer sinnhaften Kommunikation abhebt.

    Boehm kommt aber auf seinem Denkweg zum gleichen Punkt: „Sie [die Menschen, JK] sind frei, weil
    nicht nur Ursachen, sondern auch Gründe (…) ihr Verhalten bestimmen können“ (S. 30).

    > Ein Kuriosum

    Boehm implantiert der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung eine Verpflichtung zur Revolution
    in Form eines angeblichen Syllogismus, der aber keiner ist (S. 57):

    „a. Alle MENSCHEN sind gleich geschaffen;

    b. Regierungen werden eingerichtet, um ihre gleichen Rechte zu sichern;

    ergo

    c. wenn irgendeine Regierung diese Rechte untergräbt, folgt daraus das Recht, das Gesetz
    abzuschaffen und sich zu erheben.“

    Das ist eine Paraphrasierung des Zusammenhangs zwischen der postulierten Gleichheit der
    Menschen und den Aufgaben einer Regierung, wie er in der Unabhängigkeitserklärung steht, aber ein
    Syllogismus ist das nicht.

    > Eine Pointe

    Anhand des biblischen Abraham-Mythos interpretiert Boehm den Monotheismus nicht dergestalt,
    dass Gott die oberste Instanz sei, die bestimmt, was wahr und falsch ist, sondern dass selbst Gott sich
    den universalistischen Ansprüchen von wahr und falsch beugen müsse. Abraham folge nicht dem
    Gebot Gottes, sondern verweigere sich ihm, bildlich ausgedrückt darin, dass er dem Engel zuhört, der
    ihn von der Opferung seines Sohnes abhält. Der Engel verkörpere eine Stimme über dem Gebot
    Gottes, das als bloßes (göttliches) „Gesetz“ interpretiert wird (S. 121 ff).

    > Sein Fazit

    Wir brauchen neue „Propheten“, die die Wahrheit über jedem Gesetz vernehmen. Nur diese
    Wahrheit rettet den Universalismus.

    > Mein Fazit:

    Ob Omri Boehm den Abraham-Mythos vertretbar interpretiert, mögen Fachleute diskutieren. Er schafft auf
    jeden Fall eine interessante Allegorie, die nicht nur anregend für die Auseinandersetzung mit identitätspolitischen
    Positionen ist. Das Spannungsfeld zwischen der Geltung von Gesetzen und der Verpflichtung auf höhere Wahrheiten
    prägt z.B. auch die Legitimationsmuster von Klimaaktivisten, ein Thema für Juristen und Rechtsphilosophen.

    Die Propyläen-Ausgabe kostet 22 Euro und war ihr Geld wert, die Sonderausgabe der Bundeszentale ist mit 4,50
    praktisch geschenkt. Und wem Boehm zu abstrakt ist, der hole sich bei der Bundeszentrale ebenfalls für 4,50 das Buch
    „Die immunisierte Gesellschaft“ von Malte Thießen — mit einer hervorragenden Aufarbeitung der Geschichte der
    Impfgegner. Auch die berufen sich auf übergesetzliche Wahrheiten.


    ------- Ende der Rezension -------

  16. #18 hto
    Holographische Konfusion
    23. Juni 2023

    @St. rex: “… und nicht den Status von gesichertem experimentellem Wissen besitzen.”

    Aha, dann ist es also gesichert experimentales Wissen, was Ausbeutung, Ungerechtigkeit und heuchlerisch-verlogenes Verhalten OK für die gesetzmäßig-moralische Kapitulation davor macht???

  17. #19 Joseph Kuhn
    24. Juni 2023

    @ PDP 10

    “zuviel Bibel”

    Die Bibel ist ein Buch, dass unser Denken zutiefst geprägt hat, auch das atheistische Denken. Das gleiche gilt für die Idee des Monotheismus und deren Folgen in der Geschichte. Boehm interpretiert die biblische Abraham-Geschichte neu, um daran die Radikalität universalistischen Denkens im Verhältnis zu der gemeinhin mit dieser Geschichte verbundenen religiösen Idee der Unausweichlichkeit absoluten Gehorsams gegenüber dem einen, einzigen Gott zu verdeutlichen. Er argumentiert philosophisch, nicht theologisch, woran auch immer er persönlich glauben mag.

    @ Staphylococcus rex

    “die Rolle der Religion in der Argumentation ist mir auch aufgestoßen”

    Worin genau besteht denn die “Rolle der Religion” in Boehms Argumentation?

    Man sollte nicht wie ein Pawlowscher Hund auf Reizwörter wie “Propheten” oder “Abraham” reagieren, sondern versuchen zu verstehen, was Boehm meint.

    Kritikpunkte an seiner Argumentation kann man an verschiedenen Stellen entwickeln, auch an seinem Konzept der “Propheten”, aber er fasst diesen Begriff nicht religiös.

  18. #20 Dr. Webbaer
    25. Juni 2023

    Bonuskommentar zu :

    Ein Universalismus ohne Religion und Glaube ist möglich, aber schwierig, weil viele der universellen Aussagen in einem derartigen materiellen humanistischen Weltbild den Status von Hypothesen haben und nicht den Status von gesichertem experimentellem Wissen besitzen. [Kommentatorenfreund ‘Staphylococcus rex’]

    Ein wie gemeinter Universalismus benötigt feste Grundlage, kann sie aber sozusagen naturgemäß nie beibringen, und sucht sich idR dem Diskurs zu entziehen, nachdem gefordert worden ist; insofern ist er zumindest aus diesseitiger Sicht nicht angeraten.

    Sicherlich ist es intuitiv eine Moral abzulehnen, die bspw. wie das sog. Shakertum letztlich zum Totalverlust ihrer Vertreter führt, wenn die sexuelle Replikation abgelehnt wird, wobei es sich eigentlich um eine duale neue Durchmischung der Lebensdatenhaltungen handelt, das Wort Replikation ist an dieser Stelle nett gemeint und soll auch dem sog. Klonen die Tür öffnen, was dann aber auch nicht ohne Moral geht.

    An sich kann von Moral, die den Exitus der diese Moral Tragenden sozusagen zwingend bedingt, abgesehen, nicht sozusagen per se und diese Welt meinend gegensätzlich auf eine bestimmte Moral als richtig und “universalistisch” geschlossen werden.

    Insofern haben die Menschen (und Bären!) hier zu ackern, am besten im Sinne einer ständigen und nie enden währenden Veranstaltung.

    Gerne auch im aufklärerischen Zusammenhang, wobei die Aufklärung mit ihren aktuellen Folgen, wir erinnern uns auch an das wirkmächtige, äh, Werk von Herbert Marcuse mit dem Namen ‘Eros and Civilization’, nicht durch Unverständigkeit, dann ohne Gott [1], in sich zusammenfallen sollte.

    Mit freundlichen Grüßen und einen schönen Tag des Herrn noch
    Dr. Webbaer

    [1]
    Nicht gemeint ist so, dass “Gott” benötigt wird, sittlich.
    Auch wenn der köstliche G. K. Chesterton hier anderer Ansicht war, der meinte sinngemäß, dass wenn die Menschen aufhören an Gott zu glauben, sie sozusagen beginnen an Alles zu glauben.
    Dies ist nicht der Fall, Chesterton war dennoch voraussehend und hat die heutige Identitätskrise sozusagen vorhergesagt.

  19. #21 hto
    25. Juni 2023

    Wie schon geschrieben: Wir brauchen keine neuen Propheten, die alten sollten endlich richtig interpretiert werden, für eine Globalisierung die nicht das herkömmlich-gewohnte dem Zeitgeist entsprechend …

  20. #22 Staphylococcus rex
    26. Juni 2023

    @JK, meine Äußerungen waren kein Pawlow’scher Reflex auf bestimmte Schlagworte, sondern haben ihren Sinn. Ein Weltbild muß die empirisch gesicherten Fakten enthalten, aber zwischen diesen Fakten bestehen Lücken. Um handlungsfähig zu bleiben, sind wir darauf angewiesen, diese Lücken mit Verknüpfungen zu füllen. Die einzige Wahl, die wir dabei haben, ist die, ob wir die Lücken in unserem Weltbild mit Glauben füllen (und den Glauben dann nicht mehr hinterfragen) oder ob wir die Lücken mit Hypothesen füllen, die einen provisorischen Charakter haben und bei neuen Fakten modifiziert werden können.

    Wen einen schnellen Weg zu universellen Aussagen sucht, landet damit automatisch bei einer Religion. Ich habe das Buch von Omri Boehm nicht gelesen, aber ich gehe davon aus, dass dort die Wortwahl mit einer gewissen Sorgfalt erfolgt ist. Ein Prophet hat nur eine Aufgabe: die Verkündung von Glaubensinhalten. Wer die Welt anderen Menschen erklären will ohne auf Glaubensinhalte zurückzugreifen, sollte den Begriff Aufklärer benutzen.

    In meinem persönlichen Weltbild ist Gott überflüssig, die Frage ob Gott einer universellen Moral unterworfen ist, ist somit irrelevant. Wenn wir in einem Gedankenexperiment annehmen, dass Gott existiert, dann ist die Frage ob Gott moralisch handelt, deutlich komplexer. Bei der Frage der Prüfung Abrahams hinsichtlich der Opferung Isaaks müßten im Vorfeld zwei Fragen geklärt werden. Erstens hat Abraham in dieser Prüfung einen freien Willen. Wenn nicht, dann wäre die Prüfung sinnlos. Wenn er aber einen freien Willen hat, berührt dies die Frage nach der Allmacht Gottes.

    Zweitens macht das Konzept von Moral und Ethik nur einen Sinn, wenn Handlungen auch Konsequenzen haben. Damit es eine echte Prüfung für Abrahams Glaube ist, muss der “Point of no return” überschritten werden. Ein allmächtiges transzendentes Wesen könnte hier tricksen, entweder indem nach der “erfolgreichen” Prüfung die Zeit zurückgedreht wird oder indem zum Zeit der Prüfung ein Paralleluniversum erschaffen wird und das Paralleluniversum nach der Opferung Isaaks sofort vernichtet wird. Das macht die Sache noch komplizierter, wenn Gott sich über die Konsequenzen eigenen Handelns hinwegsetzen kann und wenn Abraham über diese Fähigkeit Gottes Bescheid weiß, dann wird Gott alles richten und dann verliert die Prüfung Abrahams ihren Wert. Langer Rede kurzer Sinn, ohne klare Vorstellungen über die Grenzen der Allmacht Gottes sollte man die Finger von einer moralischen Bewertung Gottes lassen.

    Auch wenn es in der Rezension nicht explizit gesagt wird, dass Omri Boehm den religiösen Zugang zu universellen Aussagen bevorzugt, lassen aus meiner Sicht Wortwahl (“Propheten”) und Themenauswahl (Prüfung Abrahams) keinen anderen Schluss zu. Gleichzeitig muss jeder, der Wissenschaft mit einem gewissen universellen Anspruch betreibt, auf die Abgrenzung achten, sowohl auf die Abgrenzung zu identitätspolitischem, aber auch zu religiösem Gedankengut.

    • #23 Joseph Kuhn
      26. Juni 2023

      @ Staphylococcus rex:

      Über all das kann man diskutieren, aber es hat nur am Rande mit der Argumentation Boehms zu tun. Um Gott geht es in dem Buch nicht, bzw. nur insofern, dass Boehm nicht sieht, wie von da aus Gerechtigkeit tragfähig begründet werden könnte, und bei dem Satz, ein Prophet hätte nur die Aufgabe, Glaubensinhalte zu verkünden, würden sich ihm vermutlich die Haare sträuben.

      Für ein genaueres Textverständnis zu diesen Punkten bei Boehm empfiehlt sich vielleicht doch die Lektüre?

      In meiner 7-Zeilen-Rezension wird übrigens explizit gesagt, dass er einen religiösen Zugang zu dem Thema ablehnt (Zeile drei, erster Absatz). Darüber müssen Sie also auch ohne Lektüre nicht spekulieren 😉

  21. #24 irgendwer
    26. Juni 2023

    Was Menschen menschlich macht sei keine natürliche Eigenschaft, sondern die Freiheit moralischen Gesetzen zu folgen.
    Das hört sich aufklärerisch an, und auch edel, so wie die Tugenden des Mittelalters.

    Schon im Mittelalter gab es den Universalienstreit, bei dem geklärt werden sollte, ob es abstrakte Begriffe wie Freiheit und Gerechtigkeit wirklich gäbe, d.h. dass ihnen eine Realität zukommt.
    Und zwar nicht nur als Konsens in einer Kultur, sondern ob Freiheit ontisch zu sehen ist, also ganz real.

    Zurück zum Eingangssatz, was den Menschen ausmacht ist seine Freiheit moralischen Gesetzen zu folgen.
    Wenn man also davon ausgeht, dass es den Menschen als Begriff gibt und der Mensch so denkt, wie es der Begriff meint, dann sind der aktual lebende Mensch und der aktual denkende Mensch identisch.

    Daraus folgt, wenn ein Mensch abseits von Kultur isoliert aufwächst ihm jegliche Gedanken dieser Art fehlen., dann bleibt er kulturell betrachtet ein Tier.
    Mit der Würde von Schwachsinnigen lässt sich eine derartige Denkweise nicht in Einklang bringen.
    Es ist also nützlicher, das Menschsein, seine Würde, als natürliche Eigenschaft zu sehen.

    • #25 Joseph Kuhn
      26. Juni 2023

      @ irgendwer:

      Schauen Sie mal Ihren letzten Absatz an und suchen Sie den Fehler.

      Zwei weitere Kommentare gelöscht, Sie überhitzen.

  22. #26 irgendwer
    26. Juni 2023

    Joseph Kuhn,
    der innewohnende Widerspruch war mir bewusst, die Lösung dazu war missglückt. Danke für das Mitdenken.
    Erneuter Versuch .
    Wenn also die Freiheit zu wählen besteht, dann setzt das einen freien Willen voraus.
    Mensch sei dann: biologischer Mensch + freier Willen = ethischer Mensch oder auch unethischer Mensch.
    Das ist dann idealistisch gedacht, wobei moralische Werte und die Fähigkeit sie zu verstehen und akzeptieren schon vorhanden sind.

    Die Ethik und auch der freie Willen gehören dann nicht der Kategorie Biologie an , sondern der Kategorie Geist, Wille, Moral

    Das was den biologischen Menschen zum (ethischen) Menschen macht, was ihn menschlich macht, ist nicht aus seiner Biologie ableitbar.

    Gegenpostion: Affen zeigen soziales Verhalten.

    Jetzt der sozialdarwinistische Standpunkt. Das Tier mit der Untergattung Mensch hat sich durchgesetzt, weil das Überleben in der Gruppe größer ist als bei der Spezies, die isoliert lebt.
    So werden soziale Verhaltensweise vererbt, so wie die Hunde und Katzen domestiziert wurden.

    Jetzt zum Kernpunkt , die Würde des Menschen. Wie ist die abzuleiten ?
    Ohne auf die Religion zurückzugreifen ist das möglich, wenn man die Begriffe richtig und falsch einführt, d. h. wenn man logisches Denken ontisch sieht, als Voraussetzung die Welt zu verstehen und zu gestalten.
    Und wenn man das macht, dann kommt man zur Denkweise der Materialisten, die das Denken den Eigenschaften der Materie zuordnen und physikalisch zu erklären versuchen.
    Dann ist der denkende Mensch auch der biologische Mensch. Dann ist die Eigenschaft menschlich zu sein auch eine natürliche Eigenschaft. Der Vorteil dieses Denkens, sie ist unabhängig von den Werten der Religion.
    Wie bringen wir jetzt die Moral unter ? Wir ordnen sie den Begriffen richtig und falsch zu.
    Wer richtig handelt handelt auch moralisch richtig. Und wer bewusst falsch handelt , der ist unmoralisch. Moral kann dann logisch begründet werden mit all seinen schrecklichen Folgen, wie sie der Kommunismus hervorgebracht hat oder die Rassenlehre der Nationalsozialisten.

    Die Väter des Grundgesetzes haben wahrscheinlich idealistisch gedacht, nach den Schrecken der Nazi-Diktatur.

    Fazit: Denken wir idealistisch sind wir beeinflusst von der Kultur, denken wir materialistisch sind wir nur der Logik unterworfen.

    Die Synthese wäre, einmal so zu denken und ein anderesmal so.
    Der Volksmund nennt das ” mit Herz und Verstand.”

  23. #27 Dr. Webbaer
    26. Juni 2023

    Zitat :

    Boehm implantiert der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung eine Verpflichtung zur Revolution, in Form eines angeblichen Syllogismus, der aber keiner ist.

    a) Alle MENSCHEN sind gleich geschaffen.

    b) Regierungen werden eingerichtet, um gleiche Rechte zu schaffen

    (folgernd) c) Wenn irgendeine Regierung sich erhebt diese Rechte untergräbt, folgt daraus das Recht dieses Gesetz abzuschaffen und sich zu erheben. (Dr. Joseph Kuhn in der Interpretation zitierend)


    Also so ist es nicht, die BRD hat hier klüger wie folgt vorgebaut :

    -> https://www.gesetze-im-internet.de/gg/art_20.html

    Außerdem können sich derartige Gedankengänge nur auf liberale Herrschaftssysteme beziehen, ansonsten wäre sozusagen die permanente Revolution in nicht so gemeinten Herrschaftssystemen angeraten, was dann doch Sendungsbewusstsein meinen könnte und sog. Amerikanischen Exzeptionalismus, sog. NeoCons klingen mit ihrem Interventionismus nicht selten ähnlich.

    Selbstverständlich hat sich Dr. Webbaer nur unzureichend mit der hier gemeinten Personalie und ihren Schriften auseinander gesetzt, dort scheint es auch sozusagen Probleme im “Antizionistischen” zu geben, einige haben darauf hingewiesen, der Antizionismus muss nicht gut sein.

    Ein Universalismus im aufklärerischen Sinne, der Schreiber dieser Zeilen schätzt die sog. Menschenrechte (in der 48er-Deklaration), weniger die auch nicht oft bemühte Dignitas, hier ist die BRD mit ihrem Verfassungssubstitut (nicht bös gemeint, so nur festgestellt) womöglich anleitend, geht [1], er darf und hat zu werben, aber er soll nicht aggressiv werden.
    Dr. W wirbt so.

    Mit freundlichen Grüßen und dem werten hiesigen Inhaltegeber mit Dank versehen für seine Nachricht
    Dr. Webbaer

    [1]
    Er kann sich nie auf Wahrheit berufen.

  24. #28 hto
    zutiefst konfusioniert
    27. Juni 2023

    JK: “Die Bibel ist ein Buch, dass unser Denken zutiefst geprägt hat, auch das atheistische Denken.”

    Die Bibel ist ein Buch, dass unser Denken wirklich tief prägen und wahrhaftig nachhaltig fusionieren könnte (sozusagen zweifelsfrei-eindeutig gottgefällig/vernünftig/gottgleich). 😉

  25. #29 Uli Schoppe
    27. Juni 2023

    @irgendwer
    26. Juni 2023

    Das was den biologischen Menschen zum (ethischen) Menschen macht, was ihn menschlich macht, ist nicht aus seiner Biologie ableitbar.

    Seine Biologie ist irgendwie hinreichend und notwendig für das Mensch sein findest Du nicht? Oder wir reden nach einer Lobotomie mal weiter darüber…

    Jetzt der sozialdarwinistische Standpunkt. Das Tier mit der Untergattung Mensch hat sich durchgesetzt, weil das Überleben in der Gruppe größer ist als bei der Spezies, die isoliert lebt.

    Das ist eigentlich nicht Sozialdarwinismus. Sozialdarwinismus ist die Idee, das Recht des Stärkeren müsse auch das menschliche Zusammenleben bestimmen, wie auch immer man darauf kommt. Und hat nichts mit Darwinismus zu tun der Dir ja nicht passt weil nicht so arg viel Platz für Deinen Gott darin bleibt. Der vertritt nur die Ansicht das der am Besten angepasste sich durchsetzt.

    Und wenn man das macht, dann kommt man zur Denkweise der Materialisten, die das Denken den Eigenschaften der Materie zuordnen und physikalisch zu erklären versuchen.

    Nein. Materialismus entspricht nicht notwendig irgendeiner vulgären Vorstellung davon die man sich zurecht legt um seine eigenen Vorstellungen zu retten. Materielles legt einfach nur in letzter Instanz fest. Das ist nicht so blind deterministisch wie Du es aus ideologischen Gründen darstellst ^^

  26. #30 PDP10
    27. Juni 2023

    @Uli Schoppe:

    Das ist eigentlich nicht Sozialdarwinismus.

    Du weißt doch: irgendwer/Robert hat es nicht so mit Begriffen. Er handhabt das eher so wie ein kleines Kind, dass einen felligen, weißen Hund sieht und “Schaaaaf!” sagt.
    Was er meint ist vermutlich “Survival of the fittest” (wobei man bei ihm nie so genau weiß, was er eigentlich meint) was schlicht den Überlebensvorteil des am besten an die Umwelt- und sonstigen Bedingungen angepassten meint. Und die Gattung Homo war da in den letzten paar 100.000 Jahren ganz gut drin. Sonst hätten wir uns wohl kaum zur dominanten Spezies auf dem Planeten entwickelt.

    Seine Biologie ist irgendwie hinreichend und notwendig für das Mensch sein findest Du nicht?

    Das wiederum finde ich nicht. Notwendig ja. Hinreichend wohl kaum. Wir teilen unsere Biologie schließlich zu 99,9weißichnich Prozent mit unseren direkten Verwandten aus der Familie der Menschenaffen. Wenn man mal Filme wie “Planet der Affen” außen vor lässt haben die aber weder das Rad, die Schrift, Computer, oder Nuklearwaffen erfunden.

    Was das alles im Übrigen aber mit einem universalistischen Blick auf Ethik und Menschenrechte zu tun hat erschließt sich höchstens irgendwer/Robert. Mir nicht.

  27. #31 Joseph Kuhn
    30. Juni 2023

    Universalismus? Oder eine Krähe hacke der anderen kein Auge aus?

    Die FR schreibt:

    “Außerdem ist die Regierung Südafrikas der Ansicht, Baerbock sei von nicht mehr zeitgemäßen Vorstellungen geprägt, nämlich davon, dass die Werte der westlichen Minderheit der Maßstab für die Mehrheit der Welt sein sollen.”

    Wenn Baerbock nur “westliche Werte” vertritt, wäre das in der Tat nicht viel wert. Andernorts vertritt man eben andere Werte, z.B. die Putins oder Kims, alles mit gleichem Recht?

    Das ist eine ziemlich durchschaubare Strategie von Leuten, die es mit den Menschenrechten nicht so haben. Wir machen es ihnen leider leicht: https://scienceblogs.de/gesundheits-check/2022/03/28/die-westlichen-werte-ihre-wirklichkeit-und-ihre-instrumentalisierung/

  28. #32 Uli Schoppe
    5. Juli 2023

    PDP10
    27. Juni 2023

    Das wiederum finde ich nicht. Notwendig ja. Hinreichend wohl kaum. Wir teilen unsere Biologie schließlich zu 99,9weißichnich Prozent mit unseren direkten Verwandten aus der Familie der Menschenaffen.

    Wenn Du damit meinst das nur die Biologie als hinreichend also zwangsläufig ausreicht okay. Aber unter den Rahmenbedingungen die da sind und dazu gehört die Biologie hatten wir nicht viel Auswahl als es darum ging Mensch zu werden oder es sein zu lassen oder?

    @Joseph Kuhn
    30. Juni 2023

    Andernorts vertritt man eben andere Werte, z.B. die Putins oder Kims, alles mit gleichem Recht?

    Ist das nicht in letzter Konsequenz das was uns die postmodernen woken verkaufen wollen? Ich warte schon darauf das diversen religiösen Führern und politischen Akteuren mal so RICHTIG klar wird wie endgeil eine solche Argumentation ist. Schliesslich haben die ja ein Recht auf Ihre Identität und eigene Wahrheiten. Aus der AfD kommt ja schon mal sowas wie das Recht auf die eigenen Fakten. Humanismus ade, die Aufklärung ist eh nur ne Meta-Erzählung. Und die Toleranz und Freiheit die man eigentlich erreichen wollte geht den Bach runter.

    • #33 Joseph Kuhn
      5. Juli 2023

      @ Uli Schoppe:

      “Ist das nicht in letzter Konsequenz das was uns die postmodernen woken verkaufen wollen?”

      Ja klar, letztlich das gleiche Schema: Lasst viele Blumen blühen, und viele Götter sein, alle Sichtweisen haben ihre Berechtigung. Wobei die “woken” im Allgemeinen auf die Diskriminierung von Minderheiten aufmerksam machen wollen, das kann man von Putin & Co. nicht sagen.

  29. #34 PDP10
    6. Juli 2023

    @Uli Schoppe:

    Wenn Du damit meinst das nur die Biologie als hinreichend also zwangsläufig ausreicht okay.

    Genau das habe ich nicht gemeint und auch nicht geschrieben (und du hast das was ich geschrieben habe auch noch zitiert. Aber auch gelesen?)

    Ich schrieb “Notwendig ja”. Bezogen auf die Biologie. Aber die teilen wir mit den anderen Menschenaffenarten. “Hinreichend”? Ganz eindeutig habe ich dazu geschrieben: “Nein”. Jedenfalls bezweifel ich das sehr.

    Zum Unterschied zwischen Notwendig und Hinreichend:

    Zitat: “Eine notwendige Bedingung ist also unersetzlich für das Eintreten eines Ereignisses. Wenn sie aber nicht zugleich hinreichend ist, genügt sie allein nicht, damit das Ereignis eintritt. Mit anderen Worten: Ohne sie geht es nicht […], für das Eintreten von K ist aber eventuell noch etwas anderes nötig.

    • #35 Joseph Kuhn
      7. Juli 2023

      @ PDP10, @ Uli Schoppe:

      Ist unsere Biologie notwendig oder hinreichend für unser Menschsein: Dafür, dass man einen Baum sieht, braucht man (notwendigerweise) ein Auge, aber in der Regel auch einen Baum, dafür, dass man über die Welt und unser Dasein darin nachdenken kann, (notwendigerweise) ein Gehirn, aber auch die Welt und unser Leben darin. Was bedeutet in diesem Zusammenhang “unsere Biologie”? Ist unsere auf die Welt ausgerichtete Wahrnehmung, unser Denken, unser soziales Dasein mitgemeint? Ich glaube, da muss man aufpassen, dass man sich, mit Wittgenstein gesprochen, nicht von der Sprache verhexen lässt.

  30. #36 Uli Schoppe
    8. Juli 2023

    @PDP10
    6. Juli 2023

    @Uli Schoppe:

    Wenn Du damit meinst das nur die Biologie als hinreichend also zwangsläufig ausreicht okay.

    Genau das habe ich nicht gemeint und auch nicht geschrieben (und du hast das was ich geschrieben habe auch noch zitiert. Aber auch gelesen?)

    Ich denke wir reden gerade ein bischen aneinander vorbei was durchaus an meiner Formulierung liegen kann. Tu mir das “Aber auch gelesen?” bitte nicht an, sowas empfinde ich als übergriffig. Du hast das wahrscheinlich auch nicht so gemeint wie das bei mir ankommt, aber das müssen wir uns nicht antun oder?

    @Joseph Kuhn

    Ich habs bei “duweisstschonwer” auch nochmal versucht darzustellen was ich damit meine nur nicht explizit aufeinander bezogen.

    Und: Ich würde es nicht fertig bringen woke und Putin oder die AfD auf eine Stufe zu stellen. Ich finde nur das Denkschema seltsam bis gefährlich. Wenn es so klingen sollte: einfach “hatter nich gemeint” mitdenken. Ich war wirklich ziemlich erschrocken als ich das bei Lanz gesehen habe.

  31. #37 Alisier
    18. Dezember 2023

    @ Joseph Kuhn
    Deine Rezension ging völlig an mir vorbei….habe das Buch jetzt auf anderem Wege für mich entdeckt.
    Einsteigen möchte ich hier zwar nicht mehr, nur bemerken, dass Boehms Sicht auf unsere Pflichten und deren Verhältnis zum allgemeinen Verständnis von Freiheit mir zentral erschien.
    Danke für Deine Gedanken auch wenn ich sie jetzt erst wahrnehme.

  32. #38 Joseph Kuhn
    30. März 2024

    Gustav Seibt in der Süddeutschen

    In der Süddeutschen kommentiert heute Gustav Seibt den Gottesbegriff bei Omri Boehm (online leider hinter der paywall). Er stellt die Szene mit Abraham und Isaak bei Boehm und in Thomas Manns Joseph-Romanen gegenüber. Ich habe Thomas Mann selbst nicht gelesen, aber Gustav Seibts Interpretation lässt Gott bei Mann doch wieder als den lieben Gott erscheinen, der den Opferungsbefehl nur gegeben hat, damit ihn Abraham, dem Moralgesetz bzw. der moralischen Intuition folgend, verweigert.

    Dass das Moralgesetz, vielleicht sogar die moralische Intuition in Form der Liebe Abrahams zu seinem Sohn, über Gottes Wille steht, haben beide gemeinsam, aber Omri Boehm löst nach meinem Verständnis den Konflikt nicht so harmonisch auf. Er sieht auch im Engel, der Abraham in den Arm fällt, nicht nur, wie Seibt das anscheinend gelesen hat, einen späteren historischen Einschub in den Text, sodern die Stimme des Moralgesetzes über dem Willen Gottes.

    Omri Boehm wird gerade in Deutschland bekannter. Ende letzten Jahres hat er z.B. den Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung erhalten. Es lohnt sich, ihm zuzuhören.

  33. #39 Alisier
    30. März 2024

    @ Joseph Kuhn
    Gleiche Morgenlektüre.
    In Thomas Manns Josephromanen ist Gott eine durchaus ambivalente Figur und ich las und lese ihn anders als Seibt. Mann ist meiner Wahrnehmung nach ganz allgemeinen nicht sehr gottesfreundlich gesinnt, von den Buddenbrooks über den Zauberberg bis hin zu späten essayartigen Spielereien zu Moses.
    Und Boehm zuzuhören ist sicher sehr lohnend, auch wenn er z.B. Heidegger aus absolut verständlichen Gründen radikal ablehnt, allerdings ohne sich mit ihm wirklich beschäftigt zu haben.
    Wer im eher frankophilen Bereich intellektuell geformt wurde sieht Heidegger oft mit anderem Blick, wozu auch Sartre entscheidend beitrug, der die Schlagseite sehr wohl wahrnahm, sein Urteil aber differenzierter formulierte, und den Menschen von den Gedanken trennte.
    Sollte jetzt aber nicht als Derailingversuch rüberkommen.
    Also ja, Omri Boehm bitte lesen. Und das Netz nach Gesprächen mit ihm durchforsten.
    Da gibts einige sehr lohnende zum Einstieg.

    • #40 Joseph Kuhn
      30. März 2024

      Kann man bei Heidegger den Gedanken vom Menschen trennen? Heidegger hätte das vermutlich nicht gefallen. Was man an Heidegger sehen kann: Es gibt sehr kluge Menschen mit bahnbrechenden Gedanken, die sich gleichwohl naiv offenkundigen Verbrechern an den Hals werfen können und danach trotz all ihrer Sprachkunst keine Worte dazu finden. Bis auf das Kluge nicht anders als bei Aiwanger – moralisches Totalversagen.

  34. #41 Alisier
    30. März 2024

    Darüber zu diskutieren könnte sich sehr lohnen.
    Frühestens nach dem Eier färben und dem Versuch einen Osterkarpfen zu fangen 🙂

  35. #43 Alisier
    30. März 2024

    Richtig, es war eher als Drohung gedacht 😉
    Frohe Ostern!

  36. #44 RPGNo1
    30. März 2024

    Frühestens nach dem Eier färben und dem Versuch einen Osterkarpfen zu fangen

    Meine Mutter bereitet den tradionellen Lammbraten für die Familie zu. Frohe erholsame Feiertage euch allen. 🙂