Wie die Ärztezeitung heute berichtet, wurde die Streichung der Homöopathie als Kassenleistung im dritten Referentenentwurf des GVSG wieder gestrichen.

Am 10. Januar schrieb Lauterbach auf X:

„Homöopathie macht als Kassenleistung keinen Sinn. Auch den Klimawandel können wir nicht mit Wünschelruten bekämpfen. Die Grundlage unserer Politik muss die wissenschaftliche Evidenz sein.“

Da wird er seinen tweet wohl an die neue Erkenntnislage, die er seitdem gewonnen hat, anpassen müssen:

„Homöopathie macht als Kassenleistung Sinn. Auch den Klimawandel können wir mit Wünschelruten bekämpfen. Die Grundlage unserer Politik kann nicht die wissenschaftliche Evidenz sein.“

Oder er schreibt, „April, April, war doch nur ein Scherz“ und die Streichung ist im vierten oder fünften Referentenentwurf wieder drin.

Kommentare (29)

  1. #1 PDP10
    25. März 2024

    Eigentlich hat den Rang des amtlichen Comedy-Ministeriums in unseren Regierungen ja das Verkehrsministerium inne.
    Aber unsere Gesundheitspolitiker sind denen (nicht erst seit Lauterbach) offensichtlich hart auf den Fersen.

  2. #2 Beobachter
    25. März 2024

    Es sind ja nur “höchstens 10 Millionen Euro”, die man einsparen würde bei der Streichung der Homöopathie als Kassenleistung, also Peanuts, und wir haben`s ja.

    Besonders in Baden-Württemberg, Standort von großen Homöopathie-Unternehmen (wie DHU, Heel, Weleda, Wala) und man muss ja patriotisch die heimischen Produktionen/Produkte (von was und welche auch immer) unterstützen !

    Die Grünen waren schon immer Homöopathie-affin wegen ihrer vormals alternativen, nun bürgerlichen, betuchten Klientel, und vielleicht hat der grüne Koalitionspartner dem armen SPD-Bundesgesundheitsminister so zugesetzt, dass der lieber wieder einen Rückzieher gemacht hat, um hier ja keinen Unfrieden zu stiften … ?
    Bei eh schon so viel ständigem Ampel-Streit !

    https://www.tagesspiegel.de/politik/nebelkerzen-zulasten-der-homoopathie-gruner-gesundheitsminister-kritisiert-lauterbach-plane-11037577.html
    (1/24)

    “Exklusiv „Nebelkerzen zulasten der Homöopathie“: Grüner Gesundheitsminister kritisiert Lauterbach-Pläne
    Der baden-württembergische Politiker Lucha warnt davor, Homöopathie als Kassenleistung zu streichen. Er könnte einen vermeintlich beigelegten Streit in der Partei neu entfachen.
    … ”

    ” … „Hingegen sind die Kosten der Kassen für diese Leistungen marginal, höchstens 10 Millionen Euro würden dadurch eingespart,“ sagte Lucha.
    … ”

    https://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.weleda-und-wala-unternehmen-patienten-leiden-an-lauterbachs-homoeopathie-plaenen.3b351dff-5900-4d98-89e6-e43449c5a8a9.html
    (1/24)

    “Die schwäbischen Hersteller homöopathischer Heilmittel Weleda und Wala üben Kritik an Lauterbachs Plänen, Homöopathie als Kassenleistung zu streichen. Weleda hat bereits negative Erfahrung mit einem ähnlichen Gesetz aus Frankreich gemacht.
    … ”

    (Dieser Kommentar kann Spuren von Ironie enthalten.)

  3. #3 Uli Schoppe
    26. März 2024

    Beobachter
    25. März 2024

    ” … „Hingegen sind die Kosten der Kassen für diese Leistungen marginal, höchstens 10 Millionen Euro würden dadurch eingespart,“ sagte Lucha.

    Bemerkenswert finde ich das das eine Haltung impliziert a la “Wenn das Einsparpotenzial hoch genug ist machen wir das auch wenn es unsozial ist!”
    Hat man ja auch schon durchexerziert… Ich muss mir nur die Rechnung für die neue Brille meiner Frau anschauen. Ohne Zuzahlung bekäme man von dem Ding einen Haltungsschaden. Scheiß drauf das die für Ihren angeborenen Sehfehler gar nix kann ^^ Wobei nicht mal das dafür können ein wirklich gutes Argument ist sondern eher Gejammer von Libertären.
    Aber da meine Frau ja nur auf Ihre Bequemlichkeit aus ist ^^

    Oder Zahnersatz…

  4. #4 RGS
    26. März 2024

    Es wurde hier ja schon darauf hingewiesen, dass Herr Lauterbach sich als politisches Leichtgewicht erweisen könnte.
    Siehe: https://scienceblogs.de/gesundheits-check/2024/03/06/karl-lauterbach-kompensation-politischer-durch-wissenschaftliche-autoritaet/

  5. #5 echt?
    26. März 2024

    Was sagt eigentlich das Finanzamt, wenn man Rechnungen über so einen Schwurbelkram von der Steuer absetzen möchte?

    • #6 Joseph Kuhn
      26. März 2024

      Vermutlich dasselbe, wie wenn man Aspirin von der Steuer absetzen will. Absetzbar, wenn verschrieben und die zumutbare Belastung überschritten ist.

  6. #7 Joseph Kuhn
    26. März 2024

    Das nächste Koalitionsstreit?

    Die FDP will die Homöopathie weiterhin streichen, sagt Andrew Ullmann, gesundheitspolitischer Sprecher der FDP-Fraktion im Bundestag.

    Von den Grünen, die sich auf Bundesebene einst heroisch zur Evidenzbasierung in der Medizin bekannt haben, hört man nichts. Der Einfluss Baden-Württembergs?

    Von Lauterbach, in Sachen Krankenhausqualität demonstrativ auf Transparenz gebürstet, hört man, was man nicht wirklich interpretieren kann, also eigentlich auch nichts:

    “Ein Ministeriumssprecher stellte klar, dass der Minister grundsätzlich an seinem Plan festhalte, homöopathi­sche Leistungen und Arzneimittel als Satzungsleistungen von Krankenkassen auszuschließen.”

    Grundsätzlich schon, aber nur, wenn es den Koalitionsfrieden nicht stört? Wenn es hier auch noch Koalitionsstreit gäbe, fände er immerhin auf dem Niveau der Gender-Sternchen-Debatte statt. Es gibt Wichtigeres, aber ein Streit ohne echte Substanz kann auch heftig sein.

  7. #8 schorsch
    26. März 2024

    Wenn die möglichen Einsparungen so marginal sind – warum dann diese massive Lobbyarbeit zugunsten der Homöopathie-Unternehmen? Was können die schon verlieren, wenn’s um gerade mal 10 Mio. € geht?

    Etwa einen Türöffner? Die Seriösität der Kassen als Anfixdroge für Doofe?

    Ich denke, dass es genau darauf hinausläuft. Ein wirklich widerwärtiges Kalkül, und ein wirklich widerwärtiges politisches Personal, das dieses Spiel nicht nur mitspielt, sondern oft genug gezielt vorantreibt. Deutsche Bundespolitik halt…

  8. #9 PDP10
    26. März 2024

    @schorsch:

    widerwärtiges politisches Personal, das dieses Spiel nicht nur mitspielt, sondern oft genug gezielt vorantreibt

    Mit solchen Urteilen – und vor allem den Adjektiv “widerwärtig” – wäre ich vorsichtig. Ich habe den Lauterbach Karl zwar oben im Grunde als Comedian (als Politiker) bezeichnet aber man muss eindeutig feststellen, dass er (als Wissenschaftler) für eine streng evidenzbasierte Medizin steht.

    Im übrigen sind alle Politiker in liberalen Demokratien in gewissem Sinne zu Kompromissen verpflichtet.
    Politiker als “widerwärtig” zu bezeichnen nur weil einem der aktuelle Kompromiss nicht gefällt ist übelster, antidemokratischer Populismus. Aus irgendeinem Grund (vielleicht, weil ich hier schon einiges von dir gelesen habe) nehme ich an, dass du dich nicht mit Leuten gemein machen willst, die einen solchen vertreten.

  9. #10 schorsch
    27. März 2024

    Ich kann deine Argumentation, PDP10, nicht nur nachvollziehen, sondern würde dir auch gerne vollumfänglich recht geben.

    Aber es ist nun einmal so, dass wer als Politiker aus Klientel-Rücksichten heraus der Homöopathie eine politische und gesellschaftliche Basis verschafft, ein übles, zynisches und eben auch widerwärtiges Spiel zulasten der Opfer der Homöpathie betreibt.

    Da geht es nicht darum, ob ein Kompromiss gefällt oder nicht, sondern aus welchen Motiven heraus wer den Kompromiss angestrebt hat. Dass mein Kommentar allerdings in seiner Pauschalität genau diese Fragen nach dem wer und warum ausgespart hat – ja, das war purer Populismus. Ich übe mich halt auch manchmal gern in Montagsdemonstrationen…

  10. #11 RPGNo1
    27. März 2024

    Von den Grünen, die sich auf Bundesebene einst heroisch zur Evidenzbasierung in der Medizin bekannt haben, hört man nichts. Der Einfluss Baden-Württembergs?

    Hat sich denn Manne Lucha schon ein Glas Wein von den Bodenseewinzern gegönnt? Als eifriger Homöopathiebefürworter müsste ihm der neue Referentenentwurf doch sehr recht kommen.

  11. #12 M. Hahn
    27. März 2024

    Wer die “nur wenigen Millionen Euro” als Argument bringt, redet am Thema vorbei.

    “Der schleichende Verlust der Urteilsfähigkeit ist ein Kollateralschaden (auch) der Homöopathie.”
    (Ulrich Berger)

  12. #13 Joseph Kuhn
    28. März 2024

    INH schreibt an Lauterbach

    Das in Sachen Homöopathie-Aufklärung höchst verdienstvolle Informationsnetzwerk Homöopathie (INH) hat einen offenen Brief an Gesundheitsminister Lauterbach geschrieben. Auch die Skeptiker nebenan berichten.

    Das INH verweist dabei u.a. auf ein interessantes Urteil des Bundessozialgerichts 2016, wonach auch die “besonderen Therapierichtungen” (wie die Homöopathie) Qualität und Wirksamkeit ihrer Mittel nachzuweisen haben.

    Das INH argumentiert, dass damit schon die bisherige Erstattungspraxis der Kassen sozialrechtlich nicht gedeckt war und es eigentlich des Verbots, wie es im zweiten Referentenentwurf des GVSG stand, gar nicht bedürfe – sondern nur der Anwendung geltenden Rechts.

    Ich bin kein Jurist und kann das Verhältnis des BSG-Urteils zur gängigen Erstattungspraxis nicht beurteilen. Etwas unsicher bin ich mir, ob dieser Satz im Brief des INH trägt:

    “Es ist evident, dass Mittel und Methoden, die vom Wirkungsnachweis befreit sind, ungeachtet ihres arzneimittelrechtlichen Status diese Voraussetzungen nicht erfüllen können.”

    Das erinnert an den seinerzeitigen Streit zwischen dem Homöopathie-Hersteller Hevert und Gerd Glaeske, ob Homöopthika “wirksam” sind. Das Wort “wirksam” bzw. “Wirksamkeitsnachweis” ist in Bezug auf die Homöopathie durch den sog. Binnenkonsens arzneimittelrechtlich leider vergiftet. Vielleicht spricht das INH daher bewusst, mit einer kleinen semantischen Nuancierung, von “Wirkungsnachweis”? Davon spricht aber wiederum das BSG-Urteil nicht, wenn ich es recht sehe.

    Aber wie gesagt, ich bin kein Jurist.

  13. #14 Beobachter
    28. März 2024

    Und währenddessen krepieren Menschen in Afrika (wo Walach und Co. ihre “Studien” betreiben) und auch in DE, weil sie bei ernsthaften Erkrankungen statt wirksamer Medikamente Zuckerkügelchen schlucken !

  14. #15 RGS
    28. März 2024

    Konflikt in der Koalition? Erklärungsversuche:
    Da hat „jemand“ ein Faible für die Hersteller homöopathischer Produkte.
    Vielleicht kann man die 10 Mio € Kassengelder auch gegen die Steuereinnahmen des Staates durch die Homöopathie Hersteller aufrechnen und kommt so zu einem Steuerplus?

    Außerdem soll ja Wettbewerb unter den Kassen herrschen!?

    Sonst fallen mir nur noch irrationale Gründe ein, die meinen Ärger über diese Regierung befeuern und ich drifte gedanklich in Richtung Untergangsphantasien für diese Regierung.

    Daher: Das ist politisches Geschäft. – Politischer Alltag.

  15. #16 Joseph Kuhn
    28. März 2024

    Habeck und Hajduk sollen es gewesen sein

    Wenn man der Bild-Zeitung glauben darf, was alles andere als sicher ist, war es nicht die südwestdeutsche Zuckerallianz, die die Streichung der Homöopathie auf Kassenkosten wieder einkassiert hat, sondern die norddeutsche: Habeck und seine Staatssekretärin Anja Hajduk. Gesundheitspolitik gehört eigentlich nicht zu deren Revier, aber vielleicht sahen sie den Zuckerstandort Deutschland in Gefahr?

  16. #17 Beobachter
    28. März 2024

    @ PDP10, # 9:

    ” … aber man muss eindeutig feststellen, dass er (Anm.: Lauterbach) (als Wissenschaftler) für eine streng evidenzbasierte Medizin steht…. ”

    Das ist so, als ob jemand z. B. für strengen Pazifismus steht, aber trotzdem mit Fleiß seine Nachbarn totschlägt. 🙂

  17. #18 Beobachter
    28. März 2024

    Nachtrag zu # 17:

    ” … der aktuelle Kompromiss … ”

    Das ist kein akzeptabler “Kompromiss”, sondern ein fauler Kompromiss.
    Man kann nicht nur ein bisschen für oder gegen Homöopathie sein – denn es ist eine Grundsatz-Frage.
    Man (bzw. frau) kann ja auch nicht ein bisschen schwanger sein … 🙂

  18. #19 Uli Schoppe
    28. März 2024

    Mit seiner Kritik in # 9 hat er aber grundsätzlich recht. Noch viel mehr stößt mir nur noch die Entmenschlichung durch die Bezeichnung “das Personal” auf. Was darf man denn alles machen mit “widerwärtigem politischem Personal? Dafür sorgen das er genauso krepiert wie Menschen in Afrika? Sorgt er dafür das Menschen nicht vernünftig medizinisch versorgt werden? Oder hat das eher andere Gründe?

  19. #20 Informationsnetzwerk Homöopathie
    28. März 2024

    @Joseph Kuhn:

    Gut erkannt mit der Nuancierung Wirksamkeit” vs “Wirksamkeitsnachweis”. Wenn etwas vom Wirkungsnachweis befreit ist, wäre das erstmal ein Anscheinsbeweis dafür, dass eine Wirksamkeit zumindest nicht nachgewiesen ist. Selbst der Hinweis aif den fingierten Wirksamkeitsnachweis über das AMG wäre ja kein “Nachweis”, sondern nur eine rechtliche Fiktion. Gerd Glaeske hätte das mit guten Erfolgsaussichten auch durchfechten können, dass er sich das aus persönlichen Gründen nicht antun wollte, ist mehr als verständlich.

    Das OVG Köln hat ja mal ausgeurteilt, dass “wenn der Gesetzgeber den Arzneimittelbegriff auf die Homöopathika erstreckt, dann erstreckt er auch den Begriff der pharmazeutischen Wirksamkeit darauf”. Das ist auch unter Juristen hoch umstritten und in dieser Absolutheit unseres Wissens auch nicht wieder in der Rechsprechung aufgetaucht. Eine rechtliche Fiktion ersetzt nicht die Realität. sie normiert nur für einen genau definierten Bereich eine andere Rechtsfolge – deshalb hätte Hevert auch bei Glaeske schlechte Karten gehabt.

    Und letztlich reflektieren wir auf diesen Rechtsrahmen, wenn wir den Anscheinsbeweis in Anspruch nehmen, Mittel, die vom Wirkungsnachweis (sic!) dispensiert sind, haben erstmal auch keinen.

    Auch aus der Entstehungsgeschichte des AMG lässt sich dieser Gedankengang begründen. Weshalb registrierte Arzneimittel nicht mit Indikationen beworben werden dürfen, liegt ja daran, dass der Gesetzgeber damals schon durchaus wusste, dass es keine Nachweise für irgendwas gab. Laut BGH wollte er damit “eine falsche Selbstmedikation verhindern” – ist etwas schräg, aber das “schlechte Gewissen” zscheint hier durch. Der Binnenkonsens in der Kommission D, wo die restlichen Homöopathika ihr Beneficat erhalten, ist nur eine weitere Drehung des Unsinnskarussels.

    Bei dem BSG-Urteil handelte es sich damals um das Präparat OTOVOVEN, also um ein ganz konkretes Mittel. Das Gericht hat das Verfahren an seinem Leitsatz ausgerichtet und die Möglichkeit eingeräumt, das Gegenteil beweisen zu können. Das war misslungen, auf diese Weise ist Otovowen dann in die Liste der Verordnungsausschlüsse gelangt. Ein seltsames und für die Beschwerdeführer eher wenig erbauliches Ergebnis.

    Es lässt sich schon eine schlüssige Argumentationskette aufbauen … und man merkt auch, worauf das BSG hinauswollte: Wenn es ihm nur um das Otovowen gegangen wäre, hätte es keinen Leitsatz formuliert und nicht de facto ein “Rechtsgutachten” zu den besonderen Therapierichtungen abgegeben. Dem Gericht war offensichtich an einer weitergehenden Klarstellung gelegen. Wir dachten nur, dass wir das Herrn Lauterbach mal nahebringen sollten.

    • #21 Joseph Kuhn
      28. März 2024

      @ INH:

      Ich habe für mich die begriffliche Gefechtslage so sortiert: “Wirksamkeit” ist auch (!) ein arzneimittelrechtlicher Begriff, vergiftet durch den Binnenkonsens, daher gehört hier das “über Placebo hinaus” dazu, um auf der sicheren Seite zu sein. Weil Gerd Glaeske das durch seinen beruflichen Hintergrund wissen musste, hätte er damals in einem Rechtsstreit keine gute Chancen gehabt, so hat er es auch selbst gesehen. Irgendwo habe ich den Mailaustausch mit ihm vermutlich noch. “Wirkung” ist dagegen ein naturwissenschaftlicher Begriff, da ist das “über Placebo hinaus” sozusagen Teil der Definition.

      Aber vielleicht lege ich mir das auch zu einfach zurecht. Cetero censeo: ich bin kein Jurist.

      Ob man Karl Lauterbach irgendetwas nahebringen kann, weiß ich nicht. Die Erfahrung bei anderen Themen spricht nicht dafür. Aber er ist stur, vielleicht hilft das und vielleicht verfolgt er wirklich das Kalkül, dass über die Bundestagsdebatte die Passage wieder reinkommt, die jetzt, wie manche meinen, auf Druck von Habeck & Co. gestrichen wurde. Leider sind das alles Spekulationen, man weiß nicht, was da wirklich geschehen ist und was er denkt. Bei der Bürgerversicherung, angeblich sein Herzensanliegen, hatte er sichtlich keinen Plan B der FDP gegenüber.

  20. #22 Joseph Kuhn
    29. März 2024

    Neues aus der Ampel

    Wiederum die Bildzeitung als Quelle, sie zitiert Boris Palmer, der doch die südwestdeutsche Zuckerallianz ins Spiel bringt: “Das ist zunächst einmal Standortpolitik: In Baden-Württemberg sitzen die größten Hersteller für Alternativmedizin.” Das wiederum würde dann in der Tat das Engagement von Habeck und Hajduk erklären: Geld macht waldorfsüße Ideologie schließlich auch wirtschaftspolitisch sexy.

    Die Skeptiker nebenan zitieren genüßlich eine Passage aus dem Münchner Merkur, Habeck und Hajduk würden “monieren, dass durch die Streichung nur 50 Millionen pro Jahr eingespart werde und es Lauterbach daher offenbar nur ums Prinzip gehe”. Um was es Lauterbach geht, weiß nur er selbst, aber folgt aus dem Vorwurf im Umkehrschluss, Habeck und Hajduk befürworten eine prinzipienlose Politik, wenn dafür die Kasse stimmt?

    Zugleich will die FDP, der es bekanntlich wirklich oft nur ums Geld geht, vor allem ums Geld ihres Klientels, die Streichung der Homöopathie als Kassenleistung unbedingt beibehalten.

    Man verliert leicht den Überblick, wem es jetzt um was geht. Die Geschichte hat vielleicht nicht das Potential für einen handfesten Koalitionsstreit, aber für ein neues Ampel-Kasperltheater reicht es allemal.

    Falls Lauterbach wirklich meint, über die parlamentarische Debatte die Streichung wieder ins Gesetz zu kriegen, wäre das eine seltsame Strategie: Er kann sich in der Regierung gegenüber seinen Partnern nicht durchsetzen, aber in der Parlamentsöffentlichkeit soll es dann gehen? Wie das?

  21. #23 Udo Endruscheit
    Essen
    29. März 2024

    In der Tat, keiner weiß was (gerade eben) war, keiner weiß, was wird. Tatsache ist und bleibt, dass Deutschland aufs Äußerste bemüht ist, den Irrtum Homöopathie weiterhin im Gesundheitssystem zu erhalten. Damit hat D nach wie vor die “Rote Laterne” unter den europäischen Nachbarländern in dieser Sache (Vergleiche mit z.B. Indien sind komplexer, dort ist der Hintergrund auch etwas anders, dass es aber auch dort Streiter gegen die Homöopathie gibt, zeigt ein Gastbeitrag von Abhijit Chanda auf der INH-Webseite).

    Dass dem EASAC-Statement aus 2017 mit seinem eindeutigen Verdikt und seinen klaren Forderungen der deutschen Politik, auch Minister Lauterbach, keine Silbe wert war und ist, das erstaunt mich schon. England damals sowieso, aber auch Länder wie Spanien, Frankreich und Ungarn sind durch den EASAC auf den kritischen Weg gewiesen worden. Und selbst an der EU-Arzneimittelrichtlinie wird mit Bezug darauf hier und da ein wenig gerüttelt.

    Ich denke schon mit dem INH, dass man dem BSG-Urteil zu den besonderen Therapierichtungen in der Debatte einige Bedeutung zumessen kann. Es lässt sich zudem herauslesen, dass das BSG die Ansicht teilt, dass dispensierten Mitteln nach Anscheinsbeweis per se die Wirkungsnachweis fehlt, er das aber als eine widerlegbare Vermutung ansieht. Es hat für Otovowen diesen Weg eröffnet – das Mittel ist gescheitert und hat dabei auch gleich noch seine Verordnungsfähigkeit eingebüßt. Also nicht mal ein Pyrrhussieg. Das wird die Homöopathen davon abhalten, weitere Versuche zu starten, den Weg der “widerlegbaren Vermutung” zu gehen.

    Es ließe sich schon eine weit umfassendere Begründung gegen Binnenkonsens und Erstattungsfähigkeit formulieren als es bisher im politischen Diskurs der Fall war. Man muss schon eine Menge ausblenden, um hier unterschiedlicher Meinung sein können. Aber genau das ist ja offenbar die besondere “Fähigkeit” von Politik … Das zeigt das Gerede von “nur ums Prinzip” überdeutlich. Was ich persönlich als politisch Interessierter (und lange Jahre politisch Engagierter) fast als Beleidigung empfinde. Aber vielleicht bin ich überempfindlich.

    Fazit: Wir sehen in der Homöopathie einen Komplex von seltener Klarheit und Eindeutigkeit, sozusagen ein Juwel umfassender Erkenntnis. Wenn so etwas beim politischen Poker einfach so verhökert werden kann, dann ist das kein gutes Zeichen für Rationalität und Intersubjektivität im Interesse des Gemeinwesens.

    • #24 Joseph Kuhn
      29. März 2024

      @ Udo Endruscheit:

      Ja, du hast leider in allem Recht.

      Wobei man natürlich bei der Bildzeitung als Quelle vorsichtig sein muss. Wer weiß, ob der Satz mit dem “nur ums Prinzip” O-Ton Habeck/Hajduk ist oder eine Wirklichkeitskonstruktion der Springer-Prawda – falls Letzteres, besonders perfide, weil es so glaubhaft ist und zugleich so schön ampelspaltend. Aber ob Habeck und Hajduk überhaupt mit der Bildzeitung gesprochen haben? Warum gibt es dann nicht mehr Interviewmaterial dazu?

      Meine Lieblingsphantasie: Am 1. April sagt Lauterbach, dass ein Praktikant im BMG beim Zusammensetzen der Textbausteine für den neuen Referentenentwurf einfach ein paar Textbausteine vergessen hat, darunter den mit der Homöopathie. Und natürlich den mit der Einführung der Bürgerversicherung, da ging es Lauterbach doch angeblich früher auch ums Prinzip.

      Am besten man wartet mal ab, was bei dem Thema als Nächstes mit verbürgter Information kommt.

  22. #25 Nicker
    29. März 2024

    XXX

    [Edit: Kommentar gelöscht. Es ist noch nicht 1. April. JK]

  23. #26 Nicker
    30. März 2024

    Zu Homöopathie als Kassenleistung.

    Karl Lauterbach ist die tragische Gestalt des Gesundheitswesens.
    Er will die Alimentierung der Homöopathie unterbinden und , das ist löblich , weil die Homöopathie in der evidenzbasierten Medizin keinen Platz mehr findet.

    Pragmatisch ist es nicht, denn die 10 Millionen Einsparung bei den Krankenkassen sind wirklich wenig. Also , wirtschaftliche Überlegungen sind bei diesem Betrag zweitrangig.
    Ist Don Lauterbach oder sollte man besser sagen Karl Quichote noch die richtige Person ?
    Den überzeugten Freunden und Anhängern von Homöopathie wird es nicht egal sein, ob sie die Präparate selbst bezahlen müssen oder nicht. Sie werden dann Zusatzversicherungen abschließen , die dann die Kosten übernehmen. Das ist genauso wenig wirtschaftlich gedacht, wie das Streichen der Alimentation von Homöopathie.

    Also, was geschieht hier ? Es ist ein Glaubenskrieg, der sogar politisch ausgenutzt wird. Die FDP hat sich gegen die Homöopathie ausgesprochen, die Grünen sind dafür, was denn sonst, die Grünen sind ja die eigentlich Alternativen der Politik oder sie waren es einmal .

    Also , unser Don Quichote, der aufrechte Kämpfer der Vernunft, wünschen wir ihm ein frohes Osterfest.

    • #27 Joseph Kuhn
      30. März 2024

      @ Nicker:

      “Sie werden dann Zusatzversicherungen abschließen , die dann die Kosten übernehmen.”

      Wie gesagt, die Wahltarife haben sie nicht in Anspruch genommen.

      “Es ist ein Glaubenskrieg”

      Nur auf einer Seite. Und auch die behauptet, es sei keiner.

      “der aufrechte Kämpfer der Vernunft”

      Das ist nicht gerade das, was Lauterbach wirklich charakterisiert. Er ist eher ein Meister Pfriem.

  24. #28 Nicker
    31. März 2024

    Joseph Kuhn,
    Meister Pfriem war mir nicht bekannt.
    Die Volksmärchen sind in Sachen Psychologie und Lebensweisheit vielen Menschen überlegen. Ein Grund wieder mal Märchen zu lesen. TiPP: Braune Märchen von Alexander Sternberg. Wir haben selbst eine Sammlung von über einhundert Märchenüchern.
    Ob ein anderer Gesundheitsminister die Zeit von Corona besser “gehändelt” hätte, bleibt Spekulation.

  25. #29 Beobachter
    8. April 2024

    Update:

    Lesenswerter Artikel in der TAZ:

    https://taz.de/Homoeopathie-Streit-in-der-Ampel/!6000070/

    “Homöopathie-Streit in der Ampel
    Die heiligen Kügelchen der Grünen
    Der Vorschlag von Gesundheitsminister Lauterbach, Homöopathie als Kassenleistung zu streichen, scheitert wohl am Veto der Grünen. Die sind sich uneinig.
    … ”

    ” … Der einzige Punkt des Gesetzespakets, der im Bundestag noch für Diskussion sorgen könnte, ist die Homöopathie allerdings nicht. Andere gehen gegenüber dem Globuli-Streit nur unter: zum Beispiel, dass neue Medizin-Studienplätze statt vom Staat in Zukunft vor allem von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt werden sollen. Von einer „kulturpolitisch aufgeladenen Scheindebatte um die Homöopathie“ spricht daher Kathrin Vogler, Gesundheitspolitikerin der Linken. Die Diskussion solle nur davon ablenken, was auf die Beitragszahler eigentlich zukomme: große Reformvorhaben auf ihre Kosten.”