Der bayerische SPD-Spitzenkandidat Christian Ude ist ein echter Münchner. Dass die Welt hinter Feldmoching weitergeht – man ahnt es in München, aber nichts Genaues weiß man nicht. Der Rest Bayerns ist irgendwo. Aschaffenburg? In Franken, von München aus gesehen irgendwo oben, also Oberfranken, dachte Ude wohl, als er Aschaffenburg vor zwei Jahren öffentlich falsch verortete. Das hat die Presse damals richtig amüsiert. Unterfranken wäre richtig gewesen, das ist von München aus gesehen trotzdem oben.

Vor ein paar Tagen schrieb die Münchner Abendzeitung (Vorsicht: Münchner Horizont!), nun hätte sich bei einer Rede auch der bayerische Ministerpräsident Seehofer mit Aschaffenburg blamiert und nichts aus Udes Fauxpas gelernt: „Das hätte sich Seehofer besser gemerkt, als er Aschaffenburg jetzt in den Westen, also quasi nach Schwaben, verlegte“, hieß es in der AZ. Klar. Wer von München aus nach Westen fährt, kommt nach Schwaben. Von Aschaffenburg keine Spur.

Auch die Süddeutsche Zeitung sieht Seehofer mit Aschaffenburg im Westen auf Udes Pfaden wandeln, in einer ersten Meldung am 30. Juli, und weil Aschaffenburg ja seinen Standort nicht gewechselt haben kann, wurde die Meldung unter dem Titel “Die Tücken der Mobilität“ gestern gleich noch einmal wiederholt.

Nun gut. Wir wissen inzwischen, dass Bielefeld nicht existiert. Aschaffenburg existiert zwar, aber, das wird jetzt durch den investigativen Journalismus der Münchner Medien langsam klar, nicht im Westen Bayerns. Zwar schreibt Wikipedia, dass Aschaffenburg am westlichen Rand des Spessarts und am nordwestlichen Eck des Mainvierecks liegt und zeigt es auf der Landkarte in Bayern oben ganz links. Aber was heißt das schon. Von Paris aus gesehen ist das eindeutig im Osten.

Kommentare (28)

  1. #1 Thilo
    4. August 2013

    Ich weiß es, ich weiß es! Gleich hinter Frankfurt

  2. #2 Thilo
    4. August 2013

    Aber im Ernst, was soll man daraus jetzt lernen? Daß Münchner Journalisten (inkl.Ude) keine Geographie kennen?

  3. #3 Joseph Kuhn
    4. August 2013

    “Gleich hinter Frankfurt”

    “Gleich” ist relativ: Aschaffenburg liegt ca. 460 km Luftlinie südwestlich von Frankfurt – Frankfurt/Oder 😉

    Was man daraus lernen soll? Ich weiß es nicht. Ob so etwas Ausdruck eines allgemeinen Verlustes an journalistischer Qualität ist, wie ich im Blogbeitrag über ADHS vermutet habe, oder ob im Sommerloch die Praktikanten am Werke sind, oder die Wahlkampfgäule mit den Journalisten durchgegangen sind, oder ob tatsächlich für manche Münchner alles nördlich der Donau im Nebel verschwindet, oder von allem etwas … man kann nur spekulieren.

  4. #4 Thilo
    4. August 2013

    460 km bis zur Goethestadt?

  5. #5 Joseph Kuhn
    4. August 2013

    @ Thilo: Die Sache mit wolfram alpha erklärt natürlich einiges. Vermutlich hat die AZ damit die Lage Aschaffenburgs recherchiert.

    Die 460 km Luftlinie sind übrigens nicht von wolfram alpha, sondern von http://www.luftlinie.org/. Mit dem Schrittzähler abgegangen bin ich die 460 km aber noch nicht, d.h. auch meine Gegenrecherche ist etwas nachlässig.

  6. #6 Joseph Kuhn
    4. August 2013

    Nachtrag: Ich nehme alles zurück, was ich gerade über wolfram alpha gesagt habe. wolfram alpha berechnet die Entfernung beider Städte korrekt und zeigt sogar eine kleine Karte mit der Lage der Städte. Daher hat’s die AZ also nicht.

  7. #7 Roland B.
    5. August 2013

    Und diese Unkenntnis, wo Aschaffenburg sogar mal als Sitz des Kurerzkanzlers Dahlberg quasi Reichshauptstadt war… aber das war bevor es von Bayern okkupiert wurde, also aus baierischer Sicht in einer vorgeschichtlichen Zeit.

  8. #8 Michael S.
    5. August 2013

    Aschaffenburg ist doch einfach zu finden. An geraden Tagen in ungeraden Monaten ist es in der Oberpfalz, kurz hinter Burghausen. An ungeraden Tagen in geraden Monaten direkt neben dem Straußoleum. Da es öfters auf einem Bein hüpft ist es für Journalisten oder Politiker nicht einfach zu erkennen. Ab und an tarnt es sich auch als Augsburg.

  9. #9 schlappohr
    5. August 2013

    Das ist doch auch nicht so wichtig, wo dieses Aschaffenburg jetzt genau liegt. Wichtiger ist, dass man die genauen Koordinaten des Promizeltes auf der Wiesn auch noch mit vier Promille auswendig kennt. Und alles was nördlich der Donau liegt, gehört schließlich zur Kölner Bucht, und die liegt ja wohl offensichtlich an der Nordsee. Und ob die Nordsee überhaupt zu Bayern gehört, weiß man auch nicht so genau. Warum sollte sich also jemand für … wie heißt das? Aschaffenburg? interessieren.

  10. #10 Joseph Kuhn
    5. August 2013

    “Aschaffenburg ist doch einfach zu finden.”

    Ich fürchte, diese Behauptung widerspricht der berühmten Aschaffenburger Unbestimmtheitsrelation. Franz Kotteder kam in längeren quantengeografischen Studien zum Ergebnis, Seehofer hätte Aschaffenburg “im Westen Bayerns verortet, wo es doch vor allem im Norden liegt” (siehe den zweiten oben verlinkten Beitrag der SZ). Die Bestimmung der Nord-Südposition führt also zur Unbestimmtheit der West-Ostposition. Neueren Forschungen zufolge gilt die Aschaffenburger Unbestimmtheitsrelation sogar, wenn man München als fixen Bezugspunkt aufgibt und die Relativität von Nord-Südpositionen in die Gleichungen einführt (unter Ausschluss der Pole, weil das zu einer völlig orientierungslosen Nord-Süd-West-Ost-Singularität führen würde).

  11. #11 Propanon
    5. August 2013

    Und ich dachte als gebürtiger Aschaffenburger immer, das man mein Städtchen zweifelsfrei am “Tunnel ohne Berg” lokalisieren könnte, der geographisch doch sehr weiten Kreisen bekannt ist. Zuweilen sogar im nahen Ausland. Und damit meine ich nicht nur Hessen.

  12. #12 michael
    6. August 2013

    Dass der Herr Ude Aschaffenburg nicht kennen will, wen wundert es:

    http://www.spiegel.de/politik/deutschland/titanic-satire-in-bayern-wir-geben-auf-spd-a-266102.html

  13. #13 Joseph Kuhn
    6. August 2013

    @ Michael: Sie haben völlig recht. Wir haben ja schon gesehen, dass man es hier mit einem quantengeografischen Phänomen zu tun hat. Angesichts des von Ihnen verlinkten Vorlaufs der Aschaffenburg-Causa muss man wohl auch mit Verschränkungseffekten rechnen. Das ist dann allerdings nur noch mit den Mitteln der “Verallgemeinerten Quantentheorie” nach Walach zu verstehen. West-Ost, Nord-Süd, Unten-Oben, Aschaffenburg-Bielefeld, Ude-Seehofer, CSU-SPD – alles typische Komplementärgrößen im Walachschen Sinn. Das “Aschaffenburg-Rätsel” könnte so seine Lösung finden. Vielleicht reicht ja eine der Koryphäen dieser Theorierichtung einen Artikel dazu beim renommierten Munich Journal of Quantum Geographics (dt.: Abendzeitung) ein.

  14. #14 klauszwingenberger
    6. August 2013

    Für Urban Priol ist Aschaffenburg ein Vorort von Frankfurt, und das muss reichen.

  15. #15 cimddwc
    6. August 2013

    Vielleicht ist die Lösung einfacher, als die Quantentheorie zu verwursch-, äh, -allgemeinern: Angesichts der lokalen Aussprache wird die Stadt als “Ascheberg” wie eine Sanddüne mal hierhin, mal dorthin verweht. Durch Analyse der Windrichtungen wird man sicher errechnen können, wo Aschaffenburg vom nächsten Politiker scheinbar falsch verortet wird…

  16. #16 Martin
    Aschaffenburg
    6. August 2013

    Aschaffenburg (WGS 84):
    N49° 58′ 27.2″
    E09° 08′ 49.7″

  17. #17 rolak
    6. August 2013

    Ascheberg..Sanddüne

    hehe, schick, cimddwc. An einem schwarzen Brett der Erlanger Mensa hing dereinst ein Zettel mit der Proklamation eines ‘Aschebecher Stammtisch’. Hat damals sehr lange gedauert, bis bei mir der Groschen fiel und sich die Verbindung zur Dreiwörterstadt bildete…

    West-Ost, Nord-Süd, Unten-Oben, Aschaffenburg-Bielefeld, Ude-Seehofer, CSU-SPD – alles typische Komplementärgrößen

    Das eigentliche Päärchen scheint ja (aktiver Politiker|[relevante lokale] Allgemeinbildung) zu sein, Joseph, ggfs in der zweiten Hälfte zu ‘”weiß, wo Aschaffenburg liegt” konkretisierbar.

  18. #18 michael
    6. August 2013

    Das Aschaffenburg für Seehofer ein Alptraum ist, ist auch klar:

    Nachdem Oberbürgermeister Klaus Herzog (SPD) bereits bei den Wahlen im März 2006 wiedergewählt wurde, setzte er sich bei den Wahlen am 11. März 2012 mit 82,0 % der Stimmen gegen seinen einzigen Mitbewerber Winfried Bausback (CSU; 18,0 %) durch.

    (aus wiki).

    Da hat die CSU doch mal Möllemanns Traum wahrgemacht. Möge es ihr im September ebenso ergehen.

  19. #19 Joseph Kuhn
    7. August 2013

    @ Michael: Noch seltsamer war 2006: “Klaus Herzog wurde am 12. März 2006 mit einer Mehrheit von 89,69 % (…) erneut zum Oberbürgermeister gewählt.”
    Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Klaus_Herzog

    Die CSU würde sicher sagen, da sieht man, was passieren kann, wenn die Orientierung verloren geht. Ob das die Absicht Udes war?

  20. #20 Dr. Webbaer
    7. August 2013

    Hat ohnehin etwas Undemokratisches, wenn Bürgermeister für acht Jahre gewählt werden, wie eben dieser Klaus Herzog.
    Dann kann man derartige Biotope aus demokratischer Sicht auch mal vergessen…

    MFG
    Dr. W (der noch kurz anzumerken versucht: ab 10 Jahre isses Diktatatur, gell?)

  21. #21 michael
    7. August 2013

    Gähn, Bärchen, die kann man in Bayern nicht einmal abwählen. Echt undemokratisch, diese CSU. Merkwürdigerweise, seitdem die CDU in BW nicht mehr an der Macht ist, möchte sie dort auch die Abwahl von Bürgermeistern ermöglichen.

  22. #22 Roland B.
    14. August 2013

    @#17: “Aschebecher Stammtisch” … das tut weh, wenn’s kein Sprachwitz sein soll. Das bezieht wahrscheinlich auch kein Ascheberscher auf sich.

  23. #23 Roland B.
    14. August 2013

    @#20: Wurde da was geändert, und ich hab’s nicht bemerkt? Die letzten Jahrzehnte wurden Stadt- und Gemeinderäte, Bürgermeister, Oberbürgermeister und Landräte in Bayern und den abhängigen Gebieten immer für sechs Jahre gewählt. Was auch zu den genannten Wahljahren (2006 und 2012) irgendwie besser passt als die kritisierten acht Jahre.

    • #24 Joseph Kuhn
      15. August 2013

      @ Roland B.: In dem in Kommentar #19 verlinkten Wikipedia-Beitrag heißt es dazu: “Die Besonderheit dieser Amtszeit ist, dass sie um zwei auf acht Jahre verlängert wird, um Oberbürgermeister- und Stadtratswahlen in Aschaffenburg wieder auf einen gemeinsamen und bayernweit einheitlichen Kommunalwahltermin zu legen.” Scheint also eine einmalige Sache zu sein. Vielleicht ist ja danach auch die geografische Nichtlokalisierbarkeit Aschaffenburgs wieder vorbei?

  24. #25 rolak
    1. September 2013

    Scheint beim Meister Seehofer ein generelles Problem zu sein, wie am Dienstag bekannt wurde.

  25. #26 michael
    17. September 2013

    > Möge es ihr im September ebenso ergehen.

    Ach, all die frommen Wünsche haben mal wieder nichts genützt.

  26. […] läge 40 km östlich von Bad Kissingen (S. 177). Geheimnisvolles Bayern! Ob das mit dem „Aschaffenburg-Problem“ […]

  27. #28 Kit Herr
    22. Januar 2016

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