In manchen Texten steht mehr drin, als man zunächst vermutet. Flipflop-Chiffren sind ein Beispiel dafür.

Der Leser Peter Lichtenberger hat mich auf ein nettes Beispiel für Steganografie aufmerksam gemacht. In der Tagespresse vom 11.12.2013 ist folgender Brief an das südafrikansiche Volk nachzulesen:

Mit großer Trauer und tiefer Betroffenheit haben wir erfahren, dass
  Nelson Mandela von uns gegangen ist. Der Anstand gebietet uns, dass
wir nach Südafrika reisen müssen. Menschen, die so viel geleistet haben wie
  dieser Mann, haben sich nichts anderes verdient. Keinesfalls behaupten wir,
wir müssen wichtigere Dinge erledigen. Österreich befindet sich
  aber in einer Phase des Aufbruchs. Die Zukunft vieler Menschen liegt
mehr

Was wirklich in diesem Brief steht, erkennt man, wenn man nur die erste, dritte usw. Zeile liest …

Die Idee, einen Text auf diese Weise doppeldeutig zu schreiben, ist nicht neu. Im September habe ich in Klausis Krypto Kolumne einen ähnlichen Brief vorgestellt, der vermutlich aus dem frühen 19. Jahrhundert stammt. Aus Sicht der Steganografie handelt es sich hierbei um Nullchiffren. Eine Nullchiffre ist ein steganografisches Verfahren, bei dem ein kürzerer Text in einem längeren versteckt wird. Lässt man im längeren Text bestimmte Teile weg, dann kommt der kürzere zum Vorschein. Es gibt viele Varianten von Nullchiffren (in meinem Buch Versteckte Botschaften gibt es ein Kapitel darüber). Eine Nullchiffre, bei der jeweils nur der erste Buchstabe einer Textzeile zählt, heißt Akrostichon (hier ist ein Beispiel).

Eine Nullchiffre, bei der jede zweite Zeile zählt (wie im eingangs erwähnten Beispiel) hat meines Wissens noch keinen Namen. Ich schlage “Flipflop-Chiffre” vor.

Mir sind bisher vier Flipflop-Chiffren bekannt. Ich habe sie hier auf eine Seite gepackt. Wer weitere kennt, sage mir bitte Bescheid!

Kommentare (4)

  1. #1 rolak
    14. Dezember 2013

    Ein sehr beliebtes und oft angewandtes Witz- und Zotenschema, da ist einiges zu finden.

    Viel spaßiger finde ich allerdings die mehrschichtigen Texte, die sich durch Sprachverschleifung bzw ~Teekesselchen entfalten (Bsp)… Gibts da schon eine feststehende Bezeichnung für oder möchtest Du noch einen Namen aus dem Ärmel schütteln, Klaus?

  2. #3 Xing Xing
    15. Dezember 2013

    Ich musste beim Lesen an diesen Brief von Arnold Schwarzenegger denken:

    http://www.huffingtonpost.com/2009/10/27/schwarzenegger-sends-lawm_n_336319.html

    • #4 Klaus Schmeh
      15. Dezember 2013

      Danke für den Hinweis. Das ist ein Beispiel für ein Akrostichon.