Ein verschlüsseltes Tagebuch aus dem Zweiten Weltkrieg und ein scheinbar unlösbares Krypto-Rätsel wurden 2013 geknackt. Es gab aber noch mehr.

Das waren die sieben spektakulärsten Codeknacker-Leistungen des Jahres 2013 in der historischen Kryptologie:

Tagebuch aus dem Zweiten Weltkrieg: Der Partisan und Spion Antonio Marzi verschlüsselte im Zweiten Weltkrieg seine regelmäßig abgesetzten Funkbotschaften. Diese blieben erhalten und bildeten ein Kriegstagebuch. Nach dem Krieg konnte Marzi seine Aufzeichnungen selbst nicht mehr entschlüsseln. Doch 2013 löste der Freiburger Codeknacker Armin Krauß das Rätsel. Hier ist ein Artikel dazu auf Spiegel Online.

FBI-Kryptogramm: Wer hätte gedacht, dass das FBI auf eine Meldung in Klausis Krypto Kolumne reagieren würde. Im April 2013 war es so weit: Ich veröffentlichte ein Kryptogramm von der FBI-Web-Seite in meinem Blog, und zwei Leser knackten es. Pikant: Der Klartext war ein Rezept für die Herstellung des Gifts Rizin. Spiegel Online berichtete darüber, und das FBI nahm das Kryptogramm von der Web-Seite. Hier gibt es die ganze Geschichte.

CRRU-Rizin-Censored

Kasseler Zauberhandschrift: Verschlüsselte Bücher sind ein besonders faszinierendes Thema (einen Überblick gibt es auf meiner Encrypted Book List). 2013 wurde ein bis dahin unbekanntes verschlüsseltes Buch entdeckt und dechiffriert: die Kasseler Zauberhandschrift. Hier gibt es mehr dazu.

Zauberhandschrift-2

BTK-Killer: Verschlüsselte Nachrichten, die mit einem Verbrechen in Zusammenhang stehen, sind ein weiterer Lesermagnet innerhalb der Kryptologie. Auch in dieser Sparte wurde 2013 ein Code geknackt. Der als BTK-Killer bekannt gewordene Serienmörder Dennis Rader hatte ein Kryptogamm an die Polizei geschickt, das diese nicht lösen konnte. Auch Rader selbst konnte die Nachricht nach seiner Verhaftung nicht mehr entschlüsseln. Erst 2012 konnte das FBI den Code schließlich knacken. Im Juni 2013 wurde die Lösung veröffentlicht. Sie war nicht besonders spektakulär, zumal der Kriminalfall längst gelöst ist, aber immerhin. Hier sind die Details.

Mathematische Postkarte: Verschlüsselte Postkarten gibt es viele, doch ein Exemplar aus dem 19. Jahrhundert aus der Schweiz war besonders mysteriös. Die Verschlüsselung ähnelt mathematischen Formeln. Doch auf die Leser von Klausis Krypto Kolumne war Verlass. Innerhalb weniger Stunden war die Karte entschlüsselt. Hier gibt es mehr dazu.

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Portugiesische Postkarten: Und noch einmal verschlüsselte Postkarten. Zwei davon hat mir der Leser Richard SantaColoma freundlicherweise zur Verfügung gestellt. Den Lesern von Klausis Krypto Kolumne kamen die Karten nicht lange Spanisch vor, zumal sie sich als Portugiesisch erwiesen. Beide Kryptogramme waren schnell geknackt. Hier ist die ganze Geschichte.

Doppelwürfel-Challenge: Zum Jahresende gab es noch einen echten Knaller. Der Israeli George Lasry löste die Doppelwürfel-Challenge, die ich vor sieben Jahren nach einer Idee von Otto Leiberich entwickelt hatte. Das sorgte für kräftiges Rauschen im israelischen Blätterwald (siehe etwa hier). Damit ist eines der zehn “Jahrhundert-Rätsel” gelöst, die ich in meinem Buch Nicht zu Knacken beschrieben habe.

George-Lasry

Kein Zweifel, die Codeknacker-Bilanz des Jahres 2013 kann sich sehen lassen. Vor allem das Lösen des Marzi-Tagebuchs und der Doppelwürfel-Challenge haben ihren Platz in der Kryptologie-Geschichte sicher. Beide Erfolge sind übrigens über die Internet-Plattform MysteryTwister C3 zustande gekommen. Ich bin gespannt, ob es 2014 wieder derart interessante Ergebnisse geben wird. Die Chancen stehen gut, denn die Zahl der Personen, die sich für historische Kryptologie interessieren, steigt. Außerdem ist die Szene immer besser organisiert. 2014 kann also kommen.

Kommentare (3)

  1. #1 Svechak
    29. Dezember 2013

    Und was ist mit der “Horch und Knack”-Methode von Adi Shamir?
    http://scienceblogs.de/klausis-krypto-kolumne/2013/12/20/die-horch-und-knack-methode/

    • #2 Klaus Schmeh
      29. Dezember 2013

      Die “Horch und Knack”-Methode gehört nicht zur historischen Kryptologie, darum habe ich sie hier nicht aufgenommen.

  2. #3 H.M.Voynich
    1. Januar 2014

    Die Kasseler Zauberhandschrift – eine spektakuläre Codeknacker-Leistung? Ironie?