Silkdress-Cryptogramm-bar

Eine Sammlerin hat in einem alten Seidenkleid zwei rätselhafte Zettel gefunden. Kann jemand den Code knacken?

Mit alten Damenkleidern und antiker Kinderunterwäsche habe ich mich bisher nie beschäftigt. Daher kannte ich auch den Blog Commitment to Costumes bisher nicht. Doch dann hat mich der Leser Masso Spora auf einen interessanten Artikel in diesem Blog hingewiesen. Es geht um ein Seidenkleid aus dem 19. Jahrhundert.

Silkdress

Die Bloggerin, eine gewisse Sara aus Maryland (USA), hat dieses Kleid gekauft und anschließend genau unter die Lupe genommen (sie ist Expertin für solche Kleider). Zu ihrer Verwunderung fand sie in einer versteckten und schwer zugänglichen Tasche zwei Zettel. Darauf standen scheinbar bedeutungslose Wortfolgen. Getreu meinem vielfach erwähnten Motto “wer einen Hammer hat, betrachtet jedes Problem als Nagel” vermute ich zunächst einmal eine Verschlüsselung dahinter – zumal die Zettel in einer Geheimtasche steckten. Es könnte sich aber auch um etwas anderes handeln.

Inzwischen hat Sara noch einen zweiten Blogartikel zum Thema (inklusive hochauflösenden Scans der beiden Zettel) veröffentlicht. Dennoch hat bisher niemand die Zettelaufschriften entschlüsseln können. Ich habe versucht, mit Sara Kontakt aufzunehmen (mangels E-Mail-Adresse habe ich in ihr Blog-Kommentarfeld geschrieben), was mir aber nicht gelungen ist. Aus urheberrechtlichen Gründen kann ich daher nur einen Ausschnitt des ungewöhnlichen Kryptogramms zeigen:

Silkdress-Cryptogramm

Hochauflösende Scans der beiden Zettel gibt es hier und hier. Und hier ist meine Transkription des Kryptogramms (Verbesserungsvorschläge sind willkommen):

Zettel 1

Smith nostrum linnets gets none event
101pm Antonio rubric lissdt full ink
5

Make Snapls barometer nerite
Spring wilderness lining one reading novice
   7 bale
Vicksbg rough rack lining my nanny
6 bucket

Saints west lunar malay new markets
    7 bale
Seawoth merry lemon sunk each
5
Cairo rural lining new johnson none
   7 ice
Missouri windy lunar new Johnson none
   7 bucket
Celliette memorise legacy Dunk dew
5
Concordia mammon layman null events
5

Concordia meraccons humus nail menu
6 barrack

Zettel 2

1113 PM Bismark Omit leafage buck bank
5

Paul Ramify loamy event false new
7 event

Helena Onus lofo usual each
    6
Greenbay nobby peped
1124 P Assin Onays league new forbade event
Cusin Down
Harry Noun  Lertal laubul palm novice
    7 event
Mimedos Noun Jammyleafage beak dobbin
   7 ice
Calgary Duba Unguard confute duck tagan
7 egypt
Knit wrongful hugs duck fagan
6 each

Calgary Noun Signor loamy new ginnet event
Landing Noun Rugins legacy duch baby
7 ice

Hat jemand eine Idee, was das alles bedeuten könnte? Ist meine Transkription korrekt? Ich freue mich auf interessante Kommentare.

Kommentare (27)

  1. #1 Tobias Schrödel
    München
    24. Februar 2014

    Hallo Klaus – die Geschichte erinnert mich fast bis ins Detail an meine Challenge bei MysteryTwister.

    https://www.mysterytwisterc3.org/de/challenges/level-1-kryptographie-challenges/brief-der-vermeinten-graefin-julie-von-ortenburg

    Einziger Unterschied ist, dass es hier um Klartextworte geht. “Meine” Geschichte stammt aus einem Buch über die junge Gräfin Julie von Ortenburg – das war 1805 so genannte “Bückware” – das sind mehr oder wenige erotische Geschichten, die der Buchhändler nur unterm Tresen verkaufte.

    Die Gemeinsamkeit der beiden Geschichten ist allerdings verblüffend.

    Viele Grüße,
    Tobias

    • #2 Klaus Schmeh
      24. Februar 2014

      Interessant. Da geht es also auch um eine verschlüsselte Nachricht, die in einem Kleid versteckt ist. Allerdings handelt es sich um eine fiktive Geschichte, die etwa 80 Jahre älter ist als diese. Das Kryptogramm ist bereits gelöst, vielleicht klappt das in diesem Fall auch.
      Für alle, die es nicht wissen: Tobias Schrödel kennt sich sehr gut mit historischen Verschlüsselungen aus und ist außerdem der überragende Experte für Kryptologie-Bücher aus den letzten 1000 Jahren. Seine Web-Seite: http://www.sichere.it/new/index.php

  2. #3 Klaus Schmeh
    24. Februar 2014

    Hinweis von Richard SantaColoma:
    Here someone transcribed the lists: http://pastebin.com/jEDwU72c

  3. #4 Peter Lichtenberger
    Perg
    24. Februar 2014

    Erinnert mich irgendwie an das Stager-Verfahren aus dem US-Bürgerkrieg.

    • #5 Klaus Schmeh
      24. Februar 2014

      >Erinnert mich irgendwie an das Stager-Verfahren
      >aus dem US-Bürgerkrieg.
      Stimmt. Darauf hätte ich auch selbst kommen können. Zeitlich würde es ja passen, denn das Kleid ist etwa 20 Jahre nach dem Sezessionskrieg entstanden.
      In meinem Buch “Codeknacker gegen Codemacher” beschreibe ich das Stager-Verfahren wie folgt:

      … Die Methode, die in erster Linie auf der Umstellung von Wörtern im zu verschlüsselnden Text basiert, wird als Stager-Verfahren bezeichnet. Da dieses Verfahren allein nicht besonders sicher ist, weil verräterische Wörter auch nach einer Umstellung noch erkennbar sind, gingen die Nordstaaten im Lauf des Kriegs dazu über, wichtige Begriffe vor der eigentlichen Stager-Verschlüsselung durch unauffällige Code-Wörter zu ersetzen.

      Ein schönes Beispiel für den Einsatz des Stager-Verfahrens beschreibt David Kahn in seinem Buch The Codebreakers. Im Juni 1863 verschickte der damalige US-Präsident Abraham Lincoln folgende Botschaft an einen Colonel Ludlow:

      FOR COLONEL LUDLOW. RICHARDSON AND BROWN,
      CORRESPONDENTS OF THE TRIBUNE, CAPTURED AT
      VICKSBURG, ARE DETAINED AT RICHMOND. PLEASE
      ASCERTAIN WHY THEY ARE DETAINED AND GET
      THEM OFF IF YOU CAN. THE PRESIDENT.

      Der Verschlüssler ersetzte nun gemäß einem vereinbarten Code COLONEL durch VENUS, CAPTURED durch WAYLAND, VICKSBURG durch ODOR, RICHMOND durch NEPTUNE sowie THE PRESIDENT durch ADAM. Die Absendezeit, 16:30 Uhr, kodierte er als NELLY, außerdem wählte er GUARD als Schlüssel. Da der Schlüssel fünf Zeichen hatte, schrieb er den neu entstandenen Text in eine Tabelle mit fünf Spalten:

      FOR VENUS LUDLOW RICHARDSON AND
      BROWN CORRESPONDENT OF THE TRIBUNE
      WAYLAND AT ODOR ARE DETAINED
      AT NEPTUNE PLEASE ASCERTAIN WHY
      THEY ARE DETAINED AND GET
      THEM OFF IF YOU CAN
      ADAM NELLY THIS FILLS UP

      Aus dem Schlüssel GUARD konstruierte der Verschlüssler nun nach einem festgelegten Ablauf einen Weg durch die Tabelle. Dieser führte von unten durch die erste Spalte, von oben durch die zweite, von unten durch die fünfte, von oben durch die vierte und schließlich von unten durch die dritte. An den Anfang stellte er den Schlüssel, an das Ende jeder Spalte ein bedeutungsloses Füllwort. Die verschlüsselte Nachricht wurde schließlich in folgender Form verschickt:

      GUARD ADAM THEM THEY AT WAYLAND BROWN
      FOR KISSING VENUS CORRESPONDENTS AT NEPTUNE
      ARE OFF NELLY TURNING UP CAN GET WHY DETAINED
      TRIBUNE AND TIMES RICHARDSON THE ARE ASCERTAIN
      AND YOU FILLS BELLY THIS IF DETAINED PLEASE ODOR
      OF LUDLOW COMMISSIONER

      • #6 Tobias Schrödel
        München
        24. Februar 2014

        Ein Leser des Blogs der Finderin will lauter Ortsnamen am jeweiligen Satzanfang erkannt haben

  4. #7 Elitsa
    24. Februar 2014

    Bloggerin “Sara aus Maryland” heißt Sara Rivers-Cofield.

    http://www.smcm.edu/anthropology/faculty_pages/sriverscofield.html

  5. #8 Bernhard Gruber
    25. Februar 2014

    Das mit den Ortsnamen gefällt mir. Würde dann “Colgany/Calgany” durch Calgary ersetzen. Und am Ende sehe ich kein “Loading” sondern ein “Landing”.

    • #9 Klaus Schmeh
      25. Februar 2014

      Danke, habe ich korrigiert.

  6. #10 Bernhard Gruber
    25. Februar 2014

    Bin leider kein Schriftexperte. Auffällig bei Seite 1 ist folgendes:
    In der ersten Zeile endet das Wort “event” mit einem ‘normalen’ kleinen ‘t’. Überall sonst ist das kleine ‘t’ so geschrieben, als würde anschließend noch ein ‘s’ folgen. So müsste es in der ersten Zeile jeweils ‘linnets’ und ‘gets’ heissen, in der 6. Zeile am Ende heisst es bereits ‘markets’. In der vorletzten Zeile tippe ich auch auf die Mehrzahl ‘events’.

    • #11 Klaus Schmeh
      25. Februar 2014

      Guter Hinweis. Ich habe das geändert, auch wenn ich mir nicht zu 100 Prozent sicher bin, ob es stimmt.

  7. #12 Svechak
    Erde
    25. Februar 2014

    Und was ist mit “west(s)”? Ein solches Wort gibt es doch gar nicht.

  8. #13 Bernhard Gruber
    25. Februar 2014

    Richtig. Ein durchgängiges Prinzip sehe ich auch noch nicht. Sofern es nur ‘west’ heisst (ohne ‘s’), müsste das Wort davor auch nur ‘Saint’ heissen (ebenfalls ohne ‘s’).
    Mir fiel nur das ‘t’ bei event in der ersten Zeile auf, das ganz anders aussieht.

  9. #14 Klaus Schmeh
    25. Februar 2014

    Ich habe Steve Bellovin, den bedeutendsten Experten für Codebücher angemailt. Hier ist seine Antwort:
    “My first assumption is that it’s an ordinary commercial code. The style is certainly consistent with 1880s telegraph codes. On the first one, I even see a repeated three-word sequence: ‘new johnson none’.”
    Hinweis: Ein “Commercial Code” ist ein Codebuch, das typischerweise von einem Unternehmen für Telegramme eingesetzt wurde (im Gegensatz zu einem “Military Code”). Oft dienten Commercial Codes nicht in erster Linie der Geheimhaltung, sondern der Verkürzung von Telegrammen (das sparte Geld). Mit etwas Glück könnte man das in diesem Fall verwendete Codebuch finden.

  10. #15 Klaus Schmeh
    25. Februar 2014

    Stephen Bellovin hat mir dankenswerterweise einen weiteren sehr interessanten Hinweis geschickt:
    “You may want to point folks at http://books.google.com/books?id=-7NLAAAAYAAJ as an example of what a commercial code of that era looks like. The trick will likely be figuring out which book it was; there were many. (Also, the marginal numbers are definitely word counts for that line; telegraph companies charged by the word.)

    Finally, people often interpolated plaintext words with codebooks, especially folks who weren’t accustomed to codebooks and for words not listed. If one of the telegrams is about the dress, the repeated word “lining” might make sense that way.”

  11. #16 Klaus Schmeh
    25. Februar 2014

    SUMMARY

    – The message is probably a telegram (or it even consists of several telegrams).

    – The words of the message were probably taken from an 1880’s codebook. Here is an example: http://www.jmcvey.net/cable/miller_1882_p54_detail_700w339h.jpg

    – The numbers between the lines are word counts (telegraph companies charged by the word).

    – The marginals (e.g. “11:30 PM”) probably indicate the time when the respective telegram was sent or received. If this is the case themessage might consist of three telegrams.

    Thanks to Prof. Steve Bellovin for providing me this information.

  12. #17 Tobias Schrödel
    München
    25. Februar 2014

    Ich kann Stephen Bellovin nur beipflichten. Es gab dutzende derartiger Codebücher. In Europa dürfte Bentley der bekannteste sein (allerdings ist der zu jung – um 1920). Aber das Kleid wird vielleicht auch weitervererbt worden sein, so dass ich mich nicht auf 1880 fixieren würde. In den USA wie auch in Europa gab es Codebücher sogar für einzelne Branchen. So hatten z.B. die Eisenbahner eigene Codebücher, da sie auch eigene brancheninterne Fremdwörter nutzen mussten. Die Städtenamen am Zeilenanfang sollten uns auf das korrekte Buch bringen.

  13. #18 Svechak
    25. Februar 2014

    > Aber das Kleid wird vielleicht auch weitervererbt worden
    > sein, so dass ich mich nicht auf 1880 fixieren würde.
    Das stimmt. Mich iritiert, dass die Uhrzeiten auf die Minute gebau angegeben sind, z.B. 11:24. Gab es um 1885 überhaupt schon so genaue Uhren? War es üblich, die Zeit so genau anzugeben?

  14. #19 Chrysan
    7. Mai 2014

    Mir ist es beim Lesen des Originalbildes aufgefallen – evtl. hat es überhaupt nichts zu bedeuten, aber zu 90% beginnt jedes DRITTE Wort mit dem Buchstaben “L”. Bis auf wenige Ausnahmen ist es durchgehend! Ich habe es mal zusammengefasst:

    linnet
    lisstd
    (barometer)
    lining
    lining
    lunar
    lemon
    lining
    lunar
    legacy
    layman
    (humus)

    leafage
    loamy
    lofo
    (peped)
    league
    lertal
    (Jammy)leafage
    (unguard)
    (hugs)
    loamy
    legacy

    Vielleicht auch nur Zufall!

    • #20 Klaus Schmeh
      7. Mai 2014

      Sehr interessant. Ich sehe auf Anhieb nicht, wie man das erklären kann, wenn man von einer Verschlüsselung mit Codebuch ausgeht. Mal überlegen …

  15. #21 Thomas Ernst
    Latrobe, PA
    14. November 2014

    Auffällig sind die vielen amerikanischen und kanadischen Ortsnamen, die meistens am Anfang einer Zeile erscheinen: “Smith”: entweder Smith Center oder Smith County (Kansas); “Antonio”: wahrscheinlich kurz für San Antonio (Texas); “Indianapolis” (Indiana); “Spring” für Spring City, entweder in Pennsylvania oder in Tennessee; “Vicksburg” (Mississippi); “Louis”: entweder kurz für Saint Louis (Missouri), oder auch Louisville (Kentucky); “Leavenworth” (Washington); “Cairo” (wahrscheinlich nicht Ägypten, sondern die Stadt in Georgia); “Missouri” (der Staat), “Elliott” (kurz für “Elliot Lake” in Ontario, Canada; vielleicht aber auch verschriebenes “Ellicott” für “Ellicott City” in Maryland); “Concordia” (Kansas); “Bismar[c]k” (North Dakota); “Paul” (entweder Idaho, oder kurz für Saint Paul in Minnesota); “Helena” (Montana oder Alabama); “Green Bay” (Wisconsin); “Assin”(?) (vielleicht kurz/verballhornt für Ascension, oder auch “Assir” für das antike Assyr); “Custer” (nicht der General, dem die Lakota und Cheyenne es – Gott sei Dank! – gegeben haben, sondern die Stadt in South Dakota); “Gary” (Indiana; fälschlich mit zwei “r”, wie später auch “Calgarry”; ein Fehler, der aus Variationen bei der Schreibung des Personennamens entstehen kann); “Minnedos[a]” (Manitoba, Canada); zweimal “Calgary” (Alberta, Canada; auch fälschlich mit doppeltem “r”); “S/Landing” steht vielleicht für “Lansing” (Michigan), oder einen Ort mit “Landing” am Ende: oder vielleicht “landet” da tatsächlich wer oder was. – “Johnson” ist möglicherweise die Stadt in Tennessee, erscheint dann aber an unerwarteter Stelle in der Zeile. Vgl. jedoch “Indianapolis”, das auch nicht am Zeilenanfang steht, ganz zu schweigen von “Cuba” und “Egypt”. Der – wahrscheinlich in den USA gedruckte – Schlüssel zu diesem Rätsel sind zweifellos die Ortsnamen, besonders des Mittleren Westens, aber auch Canadas. – Die Koryphäe auf diesem Gebiet ist Jim Reeds, der vor einigen Jahren eine Datenbasis mit 1745 (!) kommerziellen Code- und Chiffrebüchern zusammengestellt hat, abrufbar unter: http://www.dtc.umn.edu/~reedsj/codebooks.txt. Vielleicht weiß er auch gleich persönlich Auskunft zu geben, wenn man ihn auf dieses Thema anspricht.

  16. #23 Thomas Ernst
    Latrobe
    15. November 2014

    Nachschlag:

    Möglicherweise handelt sich nicht einmal um einen “Code”, sondern um Geschäftsjargon, vielleicht der Textilindustrie. Nach elf Uhr abends formuliert eine Frau die Texte dreier Telegramme, die sie am nächsten Tag senden wird. Sie kürzt ab, und macht ein paar Schreibfehler. Zeit ist Geld: sie zählt die Wörter im voraus, und notiert sich am Rand die Zeit, als sie den Text für ihr(e) Telegramm(e) (fertig)schreibt: 11.01, 11.13, 11.24. Möglicherweise handelt es sich um den Versand neuer Textilmuster oder Textilien. Die Maßangabe “bale” kommt nur zweimal vor. “event” würde nicht “Veranstaltung”, sondern “Zusendung”, “Kontakt”, “Abnahme” bedeuten; “lining my nanny” die Art/den Stil der Abfütterung: “lining: ‘My Nanny'”, “Innenfutter: Stil ‘Kindermädchen'”. “rough” und “nobby” bezeichnen rauheres oder “knubbeliges” Leinen; “sunk” könnte “not hemmed” oder “nicht abgenäht” oder “ausgelassen” bezeichnen. Firmenstandort: Mittlerer Westen. Mit Leavenworth ist sicher der Ort in Kansas gemeint (und nicht jener in Washington, wie ich oben vermutete). Die “Innennamen” “Johnson”, “Cuba” und “Egypt” könnten dann Personen und Muster/Materialien bezeichnen. Ausgangspunkt jeder Zeile bleiben jedoch die Orte: die im Falle eines Geschäftsjargons tatsächlich die Standorte der Geschäftspartner und nichts anderes bedeuten.

    • #24 Klaus Schmeh
      15. November 2014

      Das sind interessante Ideen. Ich bin bisher von einem Codebuch ausgegangen, aber es kann natürlich auch in eine andere Richtung gehen.

  17. #25 Thomas Ernst
    Latrobe, PA
    16. November 2014

    Lieber Herr Schmeh, herzlichen Dank für den Hinweis auf Ihren Beitrag betreffs JR. Er und ich hatten uns seinerzeit wegen Steganographia III geschrieben; ich habe seine Frau kennengelernt. Betreffs “Kostümchiffre” tippe ich weiterhin eher auf “Rotwelsch”, “cant”, “argot”, “anti-language”. Dann mag es sich bei den Gütern natürlich auch um etwas anderes als Textilien handeln. “Innenfutter: Stil ‘Kindermädchen'” könnte neunziggrädigen Fusel bedeuten, der das Kindermädchen nullkommanix aus den Socken gehoben hätte. Ebenfalls könnten vermeintlicher Telegrammstil und Zeitunterteilung zur zusätzlichen Tarnung gedient haben, und würden den versteckten Versand dieser Mitteilung innerhalb eines sicher nicht zeitgenössischen Kleides erklären. Auf jeden Fall scheint die Mitteilung abgegangen, jedoch nicht empfangen worden zu sein. Die Expertin für Kryptolekte dieser Art ist Julie Coleman, University of Leicester; sie hat mehrere Bibliographien der Argot-Literatur zusammengestellt. Ich werde ihr diese Woche mal schreiben; was dabei ‘rauskommt, stelle ich dann hier ein.

  18. #26 Thomas Ernst
    Latrobe, PA
    23. November 2014

    sent Julie Coleman links to the web sites of Sara Rivers-Cofield as well as that of Klaus Schmeh, and Julie’s verdict came back: nothing in those two pages appears to ressemble argot or cant of the time. “Can’t be helped”, I jested when thanking her for having taken the time to look at this. – I have a few more hypotheses of my own, and for right now I’ll just throw them at the wall of this column till one them sticks. I do think the two telegram pages date from a much later time then the dress itself, let’s say the 1920es. At the time, they were crumpled up and stuffed into the recesses of the dress, because the messages were no longer important, but the dress itself. This might have been the case because the dress belonged to the writer Frances Hodgson Burnett († 1924), who was known for her frilly outfits. Let’s assume one of her dresses was auctioned off at a charity event by relatives who dealt with cottonseed oil, out of South Carolina (“Southern Cotton Oil Company”). For a few of the cities listed in the telegrams, Burnetts in higher offices – chamber of commerce, superintendent – can be quickly be documented through local newspapers. A “Burnett Geneaology” appeared in 1941 and may throw more light on it. The “Index Journal” from Greenwood, South Carolina, is also helpful in this context (access costs, however, to see the original). This combo: age difference between dress and telegrams (i. e.: the text of those two pages was no longer important at the time the papers were used as stuffing) + vocabulary related to cotton, cottonseed oil, textiles + family name Burnett will yield something, I am sure. Reminds me of the “Magnificent Ambersons”. Or perhaps not …

    • #27 Klaus Schmeh
      23. November 2014

      Thanks for consulting Juie Coleman and for this informative comment.
      >because the dress belonged to the writer Frances Hodgson Burnett
      Interesting hypothesis. Of course, a cryptogram becomes particularly interesting if it can be linked to a prominent person. We’ll see if this hypothesis can be confirmed.