Kryptos-Pre-K-bar

Die Kryptos-Inschrift ist die bekannteste verschlüsselte Nachricht der letzten Jahrzehnte. Vor Kurzem ist ein altes Modell der Kryptos-Skulptur aufgetaucht. Dessen Inschrift wurde nun gelöst.

Die Inschrift der Skulptur Kryptos ist die wohl bedeutendste ungelöste Verschlüsselung, die in den letzten drei Jahrzehnten entstanden ist. Genau genommen ist lediglich der vierte Teil dieser Inschrift noch nicht entschlüsselt, während die ersten drei längst dechiffriert wurden. Noch immer versuchen ganze Heerscharen von Rätsel-Fans, der Lösung auf die Spur zu kommen.

Das Modell

Vor vier Wochen war ich bei einem Kryptos-Workshop in den USA (ich habe darüber berichtet). Dort präsentierte der Kryptologe Ed Scheidt, einer der beiden Väter der Kryptos-Verschlüsselung, ein Kryptos-Modell in der Größe eines Schuhkartons. Anscheinend hat Kryptos-Schöpfer Jim Sanborn dieses Modell selbst hergestellt und im Jahr 1988 an Ed Scheidt übergeben.

Kryptos-2015-020

Dieses Modell war in der Kryptos-Szene bis dahin unbekannt. Es hat in den letzten Wochen auf der Kryptos-Mailing-Liste für einigen Wirbel gesorgt. Interessant daran ist: Die Aufschrift ist eine andere als auf dem Original. Oben links liest man folgendes:

ABCDEFGHIJKLMNOPQRSTUVW
BCDEFGHIJKLMNOPQRSTUVWX
CDEFGHIJKLMNOPQRSTUVWXY
...
LMNOPQRSTUVWXYZABCDEFGH
MNOPQRSTUVWXYZABCDEFGHI

Dies ist recht unspektakulär – das (gekürzte) Alphabet jeweils um einen Buchstaben verschoben.

Unten links und oben rechts steht jeweils:

GIRASOLBCDEFHJKMNPQTUVWXYZ
IRASOLBCDEFHJKMNPQTUVWXYZG
RASOLBCDEFHJKMNPQTUVWXYZGI
...
JKMNPQTUVWXYZGIRASOLBCDEFH
KMNPQTUVWXYZGIRASOLBCDEFHJ

Erneut handelt es sich um das Alphabet (dieses Mal vollständig) mit einer stetigen Verschiebung. Allerdings sind die Buchstaben jeweils mit Hilfe des Worts GIRASOL (Sonnenblume) umgeordnet.

Der verschlüsselte Text

Unten rechts auf dem Modell steht ein verschlüsselter Text:

TIJVMSRSHVXOMCJVXOENA
KQUUCLWYXVHZTFGJMKJHG
DYRPMASMZZNAKCUEURRHJ
KLGEMVFMOKCUEURKSVVMZ
YYZIUTJJUJCZZITRFHVCT
XNNVBGIXKJNZFXKTBVYYX
NBZYIAKNVEKPYZIUTJYCA

Selbstverständlich haben sich sofort einige Kryptos-Enthusiasten auf dieses Kryptogramm gestürzt. Inzwischen ist die Lösung (bis auf einen kleinen Rest) bekannt. Unter anderem hat Blog-Leser Narga sie gefunden und dankenswerterweise in den Kommentaren zu meinem letzten Kryptos-Artikel veröffentlicht. Auf die Codeknacker-Fähigkeiten meiner Leser war also einmal mehr Verlass! Auch der Kryptos-Workshop-Teilnehmer Bill Briere hat mir freundlicherweise die Lösung zukommen lassen.

Das verwendete Verschlüsselungsverfahren entpuppte sich als Vigenère-Verschlüsselung mit dem Schlüssel RUG. Hier ist der Klartext:

CODESMAYBEDIVIDEDINTU
TWODIFFERENTCLASSESNA
MELYSUBSTITUTIONALAND
TRANSPOSITIONALTYPEST
HETRANSPOSITIONALBEIN
GTHEHARDESTTODECHPHER
WHTHOUTTPNQJHFCDZDHIU

Korrigiert man ein paar Fehler, dann ergibt sich:

Codes may be divided into two different classes — namely, substitutional and transpositional types (the transpositional being the hardest to decipher without the key).

Unklar ist jedoch, was die letzten neun Buchstaben bedeuten. Sie lauten verschlüsselt YZIUTJYCA bzw. ETRANSEWJ im Klartext. Möglicherweise handelt es sich nur um bedeutungslosen Fülltext. Oder ist in diesen Zeichen noch einmal etwas verschlüsselt? Vielleicht hat ein Leser eine Idee.

Zum Weiterlesen: Die rätselhaften Altar-Inschriften von Moustier

Kommentare (6)

  1. #1 Kent
    26. November 2015

    Sanborn likes to insert/remove letters. This changes the decryption sequence. Another way to achieve this is to interrupt the key. In addition, arrangements can be made to send additional “hidden” messages via Caesar shifts.

  2. #2 Rick A. roberts
    29. November 2015

    I have deciphered KRYPTOS 4. This is the deciphered message ; ” A KEY YOU KNOW WE ALL FEEL FALL WAS A TIME YOU WOULD NEVER BOOK OFF FOR BERLIN TIMER CLOCK IS NOT A CLOCK YOU DO NOT USE A KEY “. My deciphered message has exactly 97 characters and it mentions both, ” BERLIN “, and ” CLOCK “.

  3. #3 Marc Gutgesell
    4. Dezember 2015

    Stichwort Mengenlehre !

    Nach nun längerer Analyse der Buchstaben-Häufigkeit
    und auch der Verteilung bin ich heute über etwas “gestolpert”,
    dass ich nicht richtig einordnen kann (Zufall oder evtl.
    bedeutsam).

    Ich gehe momentan von folgenden Voraussetzungen aus :

    1. Der Kern des Verfahrens ist eine Art Transposition
    2. Die Chiffre hat 98 Buchstaben (W? = ?W !)
    3. Sie ist in 2 Blöcke á 49 Buchstaben (7×7 !)
    aufzuteilen :

    Block oben
    WOBKRUO
    XOGHULB
    SOLIFBB
    WFLRVQQ
    PRNGKSS
    OTWTQSJ
    QSSEKZZ

    Block unten
    WATJKLU
    DIAWINF
    BNYPVTT
    MZFPKWG
    DKZXTJC
    DIGKUHU
    AUEKCAR

    Diese beiden Blöcke unterscheiden sich schon auffällig
    in Ihrer Häufigkeitsverteilung. Im oberen sind es mehr
    Buchstaben aus der 2. Hälfte des Alphabets (N-Z), im
    unteren dagegen mehr aus der 1. Hälfte (A-M).

    In Gedanken darüber, ob hier die Mengenlehre bzw. die
    Menge von Buchstaben evtl. eine Bedeutung haben könnte,
    ist mir ein seltsamer Zusammenhang aufgefallen, der
    auch nur ein ganz dummer Zufall sein könnte.

    Ich habe etwas mit dem guten alten Cäsar experimentiert,
    um die Häufigkeit des oberen Blocks in eine für Englisch
    vernüftige Verteilung zu bringen. Dabei habe ich mittels
    CrypTool 2.0 die 2 Blöcke einzeln analysiert. Folgende
    Schlüssel sind für CrypTool bei Cäsar und englischer
    Sprache die wahrscheinlichsten :

    Block oben : 10
    Block unten : 6

    Diese beiden Zahlen sind mir dann im Folgenden auf
    eine etwas seltsame Art nochmals begegnet. Wenn man
    nur die Menge der Buchstaben der 1. Alphabethälfte
    (A-M) zählt, ergibt sich folgendes :

    Block oben (Menge A-M) : 18
    Block unten (Menge A-M) : 28 (Differenz: 10)

    Jetzt verwenden wir Cäsar mit dem Schlüssel 10
    beim oberen Block und schauen, in wieweit sich
    die Menge (A-M) verändert hat :

    Block oben (Menge A-M, nach Cäsar) : 34
    Block unten (Menge A-M) : 28 (Differenz: 6)

    Kann es evtl. sein, dass diese beiden Blöcke in
    irgendeiner Form über die Mengenverteilung der Buchstaben
    in Beziehung stehen ?

    Übringens, die 10 ist eine interessante Zahl! Es sollte
    10 Jahre dauern, bis der 4. Teil gelöst wird (laut Schöpfer)
    und auch für die Entdeckung des Grabes im Tal der Könige
    wurden 10 Jahre veranschlagt (laut WiKi). Vielleicht waren
    die 10 Jahre damals schon ein Hinweis !

    Was sagt Ihr dazu ?

  4. #4 Jess
    3. Februar 2016

    Hi Klaus, the picture of the kryptos maquette model above is the best I’ve seen as far as resolution, do you have any other pictures of the model from different angles?

  5. #5 Jess
    4. Februar 2016

    Hallo Klaus, das Bild des kryptos Maquette Modell oben ist das beste, das ich als Auflösung so weit zu sehen ist, haben Sie irgendwelche anderen Bilder des Modells aus verschiedenen Blickwinkeln ?

  6. #6 TWO
    28. September 2016

    XNNVBGIXKJNZFXKTBVYYX
    NBZYIAKNNVEKPYZIUTJYCA

    GTHEHARDESTTODECHPHER
    WHTHOUTTHEKEYETRANSEWJ

    WHTHOUTTHEKEY ET RANSEW J
    NO ANSWER S

    STENO BY JS