Alexander-Unknown-Device-bar

Bei diesem Verschlüsselungsgerät ist so ziemlich alles unklar. Man weiß nicht, wo es herkommt, wie es verwendet wurde und wer es nutzte. Vielleicht kann ein Leser Licht ins Dunkel bringen.

Ein altes Gerät ohne Herstellerangabe und Gebrauchsanweisung, das obendrein nirgendwo in der Literatur erwähnt wird – so etwas gibt es in der Verschlüsselungstechnik öfters. Viele Geräte wurden nur in kleinen Stückzahlen gebaut, und die Gebrauchsanweisungen wurden aus Sicherheitsgründen oft unter Verschluss gehalten. Auf Hersteller-Logos und ähnliche verräterische Aufdrucke verzichtete man, um einem zufälligen Finder keine Hinweise zu liefern. So sieht das Gerät aus:

Alexander-Unknown-Device-2

Der Null-Zylinder wurde in einem Gehäuse betrieben, das mit Schrauben an einer Wand befestigt werden konnte:

Alexander-Unknown-Device-7

Besonders spektakulär wirkt das Gerät nicht. Es sieht aus wie ein Chiffrierzylinder. Chiffrierzylinder wurden vermutlich schon im 15. Jahrhundert erfunden, eine größere Verbreitung fanden sie jedoch erst im frühen 20. Jahrhundert. Das mit Abstand bedeutendste Modell ist die M-94, die vom US-Militär hauptsächlich in den 1920er-Jahren genutzt wurde. Die M-94 sieht dem Null-Zylinder sehr ähnlich:

M94-HNF

Bei der M-94 ist jedoch jeder Buchstaben-Ring einzeln beweglich. Beim Null-Zylinder sind dagegen jeweils mehrere Ringe zusammengefasst. Auf dem folgenden Bild ist das zu erkennen:

Alexander-Unknown-Device-5

Diese Zusammenfassung mehrerer Ringe ist rätselhaft. Für das Verschlüsseln eines Texts wie mit der M-94 ist der Null-Zylinder dadurch nicht geeignet. Auch für das Generieren einer Zufallsfolge macht diese Bauweise wenig Sinn.

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John Alexander vermutet, dass der Null-Zylinder der Freund-Feind-Erkennung diente. Zweifellos ließ er sich dafür nutzen. Demnach müsste ein Schiff oder Flugzeug einem anderen eine Zeichenfolge (heute würde man das als “Challenge” bezeichnen) schicken. Der Empfänger müsste das Gerät dann entsprechend der Zeichenfolge einstellen und eine vom Zylinder abgelesene Buchstaben-/Zahlenfolge (“Response”) zurückschicken. Wenn man auf dem anderen Schiff bzw. Flugzeug ein baugleiches Gerät hat, kann man die Richtigkeit prüfen und so erkennen, dass es sich nicht um einen Feind handelt.

Da im obigen Bild sieben nummerierte Scheiben zu sehen sind und das Gehäuse außerdem zwei rote Buchstaben zeigt, könnte die Challenge beispielsweise E7364512O heißen. Die Response wäre im Gehäuse abzulesen: MDA1AELI …

Alexander-Unknown-Device-1

Doch auch für die Freund-Feind-Erkennung erscheint es unsinnig, drei oder vier Buchstabenringe zu einem Block zusammenzufassen. Möglicherweise hatte der Hersteller zwar das Know-how, um ein solches Gerät zu bauen, doch das kryptologische Wissen fehlte ihm.

Kann jemand mehr zu diesem Gerät sagen? John Alexander und ich würden uns freuen.

Zum Weiterlesen: Die rätselhafte Schwester der Enigma

Kommentare (21)

  1. #1 Richard SantaColoma
    9. April 2016

    True, it would be unsuitable for enciphering/deciphering a text, but it would work as a reference for cipher key strings. These keys would have to be noted somewhere, when multiple users would need to reference them. Are they normally written down? This would serve that purpose, but in machine form, which may have been less error-prone than a written version.

    So perhaps this was mounted on or near a cipher machine, or at a radio or telegraph station, as a cipher key reference.

    • #2 Klaus Schmeh
      9. April 2016

      >but it would work as a reference for cipher key strings
      This is correct. But again, the construction with several connected letter rings doesn’t make much sense for such an application. Honestly, I can’t think of any application, in which such a concept makes sense.

  2. #3 Joe
    Berlin
    9. April 2016

    Hallo,

    zuerst dachte ich das es für die Zeilen und Spaltenbeschriftung von Codebücher verwendet.
    Siehe: http://scz.bplaced.net/codes.html#tafel6
    http://scz.bplaced.net/mrp_tdr.html#mrp

    Die Anzahl der Scheiben macht mich aber stutzig.
    Es sind 26 Ringe, beseht also die Möglichkeit einer Substitutionstabelle.
    Bei diesen Teilen ist auch zu beachten das der “Schlüsselwechsel” in 4 Stundenrythmus zu erfolgen hat. in diesem Fall wird das Ganze auf einen neuen Buchstaben, rot, gedreht.
    Die Vorgabe der täglichen oder wöchentlichen Einstellung/Anordnung der Scheiben auf der Achse muß in einem Schlüsselheft verzeichnet sein.
    http://scz.bplaced.net/mrp_tdr.html#mrp1

    Die Idee von John Alexander ist aber auch nicht so abwegig, wenn man von Parolentabellen ausgeht
    in der “Funkspiele” erkannt und unterbunden werden sollen.
    http://scz.bplaced.net/mrp_tdr.html#futab

  3. #4 Gerd
    9. April 2016

    Man könnte damit schon einen Text verschlüsseln, wenn man nach jedem Buchstaben den Zylinder weiterdreht, und zB den Geheimtextbuchstaben dann im roten Fenster abliest. Dafür würde sprechen, dass das Bedienrad auf der linken Seite ist, dh man soll gleichzeitig schreiben (rechte Hand) und drehen (linke Hand). Dazu müsste auf jedem Ring das ganze Alphabet stehen, ist das so?
    Auffällig finde ich auch, dass es nur 13 Bohrungen pro Ring gibt. Man kann die Walzen also nur um je 2 Buchstaben gegeneinander verdrehen. Das schränkt die Anzahl der Möglichkeiten doch ein, genau so wie die Verbindung von 3, 4 und 5 Ringen zu einer Walze.

    Gerd

  4. #5 Mac-FD
    Germany
    9. April 2016

    Ist es ausgeschlossen das dieser Gegenstand einfach nur ein Gesellenstück eines exzellenten Drehers ist?!

    • #6 Klaus Schmeh
      9. April 2016

      Das ist sicherlich nicht ausgeschlossen. Allerdings hat normalerweise auch ein Gesellenstück einen gewissen Sinn.

  5. #7 Klaus Schmeh
    9. April 2016

    muehsam über Twitter:
    Ist das rechts ein Gewinde? Vielleicht lässt sich durch den Typ des Gewindes das Herkunftsgebiet eingrenzen?!

  6. #8 Peter Lichtenberger
    auf einem Bitcoin reitend
    10. April 2016

    Erinnert mich an stark an die Jefferson-Walze (die hatte ja 25 Scheiben) bzw. den Zylinder von Bazéries (mit 20 Scheiben).

  7. #9 Joe
    Berlin
    10. April 2016

    Mit Hilfe einer entsprechenden Meßlehre kann man den Gewindetyp ermitteln – Zöllig – metrisch – Feingewinde -etc. Es wird aber nicht die Herkunft eindeutig ermitteln lassen. Eine Materialuntersuchung könnte das Alter ermitteln helfen.
    Bei der Typographie läßt sich kein Sprachraum fest machen. Auffällig ist das kleine “i -I”. Eigentlich unnötig da es kein kleines “l – L” gibt.

  8. #10 Gerd
    10. April 2016

    Hier sind noch mehr Bilder von dem Gerät, mit genauer Beschreibung der Walzen. Vielleicht hilft das weiter:
    http://www.prc68.com/I/M94.shtml#Mystery_Device

    Gruß,
    Gerd

  9. #11 mattes
    10. April 2016

    Auffällig finde ich die Buchstabendoppelungen auf den Zylindern. Mal nur horizontal, mal nur vertikal. Zumindest die Bereiche, die man auf dem Foto sehen kann.

  10. #12 Richard SantaColoma
    http://proto57.wordpress.com/
    10. April 2016

    Perhaps the reason “blocks” of letters are fixed is because they are actually code words. For instance, that “UDK” means “ship”, or “5EE” means “April” in a code book? The book could change, of course.

    Based on this idea/guess, I did some searches, and came up with this 1882 patent for a cipher cylinder which does have words on the rotors: https://docs.google.com/viewer?url=patentimages.storage.googleapis.com/pdfs/US266875.pdf

    It is not exactly the same, but it shows the basic concept of using a rotor for words, not characters. The patent suggests it, “… has especial relation to the transmission of ideas by signs, signals, colors, or other marks… such as names… between individuals or corporations or societies.” It does this by, It allows that an entire sentence “can be reduced to one word, number, mark, or other intelligible sign.””

    Therefore, the inventor suggests his code cylinder to be applicable to use in places where economy of transmission is desireable, such as between a lighthouse and sea.

    • #13 Klaus Schmeh
      10. April 2016

      Thank you, Rich, this migth be an explanation.

  11. #14 Thomas
    10. April 2016

    Handelt es sich vielleicht um das in der Cryptologia (http://www.tandfonline.com/doi/abs/10.1080/0161-119591884033?journalCode=ucry20) beschriebene Gerät (Der Artikel ist leider nicht online kostenlos zugänglich).

  12. #16 Ronald Sinda
    Wessobrunn
    11. April 2016

    Ich denke,
    das ist ein Schlüssel.
    Man bekommt den Tresor nur mit der richtigen Kombination auf.

  13. #17 Knox
    11. April 2016

    Maybe a method of one of the Allies with some of the characteristics of this:
    http://users.telenet.be/d.rijmenants/en/kurzsignale.htm

    Red letters. Two half alphabets, each of which skips alternate letters.
    The two can be moved relative to one another so letter sequence can be altered.
    Example:
    Left Window: ALCNEPGRITKVMXOZQBSDUFWHYJ
    Right Window: RATCVEXGZIBKDMFOHQJSLUNWPY
    How, exactly, did it work to use all codewords?

  14. #18 Jerry McCarthy
    England
    16. April 2016

    Abo

  15. #19 JoJo
    18. April 2016

    Vielleicht wäre eine korrekte Transkription der Rollen von Vorteil? In obigem Link findet sich folgende Transkription, die in etwa auf das erste Bild passt (“_” eingefügt weil code-Tags nicht arbeiten wie erwartet):

    Fig 4
    1_____2______3______4_____5_____6______7
    (3C)__(5C)___(4C)___(3C)__(3C)__(4C)___(4C)

    Eii___OLFOZ___AEit__UVi___YEE___iOUi___TLEE
    AFY___PRLOA___OiVC__PRA___MEW___OTNR___JTEA
    D[]P__NASiL___HSEE__TU7___E[]A__HGRi___ECSE
    EMH___SRLUi___OASU__R6N___VEC___XZ[]K__LEEA
    UDK___DM{}EP__ELQN__5EE___DES___iSNT___ROMH
    ENL___NOAEi___EEiS__TRN___EEC___ARNi___EiSE
    CHG___iTOND___LNNU__SAR___TCE___UiST___WAOE
    MPC___BVPFV___ETUO__ETN___ESN___iSAT___EEAL
    GGB___[]LDCY__LUOR__EAE___CRV___DMPR___ANU[]
    ______iLDPE___iLMO__NSU___DLM___DFMU

    Dies ist wohl nur das, was auf den Fotos zu sehen ist, aber nicht die kompletten Zylinder?

    Auf dem ersten Foto erkenne ich in der ersten Spalte “CHQ” während die Transkription “CHG” zeigt (Zeile 7). Analog “QGB” auf dem Foto, “GGB” transkribiert (Zeile 9).

  16. #20 Knox
    15. Juni 2016

    Probably not right but this is the best I can do.
    The letter groups on the internal wheels are weather codes.
    The weather codes are aligned for current conditionss.
    All other lines, then, describe false weather conditions.
    For instance, if the true weather conditions are between the window letters R and F,
    … send the false line that is after F in the left window.
    Four Keys:
    – one letter to describe the settings of the left window wheels. For instance D means D interlocks immediately below A.
    – one letter to describe the settings of the right window wheels.
    – one letter to designate the left label (letter in the window) for the true weather codes.
    – one letter to designate the right label for the true weather codes.
    Usage example:
    If the true codes are keyed to R on the left wheel and F on the right wheel,
    … then read and send the bogus line of codes adjacent F on the left wheel.
    Interceptor would not know the distance between the false line and the true line.
    The keys are changed periodically.
    Encrypted sender identification and location are sent with the weather report.

  17. #21 Ronald Sinda
    Wessobrunn
    12. April 2018

    Zu meinem Kommentar vom 11.4.2016
    Hier ein Links:
    https://www.youtube.com/watch?v=Zc8Lqi5aJPU
    https://www.youtube.com/watch?v=UIlnTSTW2Ec
    https://www.google.de/search?biw=1472&bih=742&tbm=isch&sa=1&ei=glvPWuzcEo2QmwXstr3gCA&q=da+vinci+code+schloss+&oq=da+vinci+code+schloss+&gs_l=psy-ab.3…11451.12528.0.12826.10.10.0.0.0.0.148.1050.5j5.10.0….0…1c.1.64.psy-ab..3.0.0….0.dStltwSkMVY
    Das DaVincy Schloss nur anders herum.