Medienkritik und Kulturkampf

Ich ärgere mich ständig über ARD und ZDF. Die prominenten Talkshows mit Miosga, Maischberger, Illner oder Lanz mit ihrem inszenierten „Meinungsaustausch“ oder bei Lanz eher den demonstrativ inquisitorischen Verhören sind eine Herausforderung für die zuschauerische Toleranz. Oft schalte ich ab. Aber deswegen will ich ARD und ZDF noch lange nicht abschalten. Eine von Bild, Welt, NZZ, Berliner Zeitung, X oder Nius dominierte Medienlandschaft fände ich doch etwas arg morastig.

Die Delegitimierung der öffentlich-rechtlichen Medien gehört zum Drehbuch der Rechtspopulisten weltweit. Der Kulturkampf ist Teil eines härter als früher ausgetragenen Kampfes um die Macht. Wer welchen Anteil an der gesellschaftlichen Wertschöpfung haben soll, wer Rechte haben und wer Bittsteller sein soll, wird gerade neu verhandelt. Die starken und reichen Männer „Oben Rechts“ teilen die Welt neu auf. Kritische Medien stören dabei. Private Medien kann man kaufen, das haben die amerikanischen Milliardäre vorexerziert, und öffentlich-rechtliche Medien werden, wenn man die Regierungsmacht übernommen hat, unter Kuratel gestellt, hier waren PIS in Polen und Orban in Ungarn die „Vor-Macher“, oder eben, solange man nicht regiert, delegitimiert. Dazu diente anfangs der „Lügenpresse“-Vorwurf, neuerdings kann man immer öfter die gezielte juristische Attacke nach tatsächlich falschen oder auch nur missverständlichen Nachrichten beobachten, verbunden mit der Mobilisierung gegen einzelne öffentlich sichtbare Journalist:innen.

Exemplarisch

Ein Lehrstück ist der aktuelle Streit um die ZDF-Berichterstattung zu den gewalttätigen Protesten in Nordirland. Der Rechtsextremist Tommy Robinson hatte zu Protesten aufgerufen, natürlich nicht explizit zu gewalttätigen Protesten, und Musk hatte den Aufruf unterstützt. Das ZDF hat einen Bericht dazu so anmoderiert:

„Ein brutaler Mordversuch auf offener Straße in Belfast. Jemand filmt. Das Video geht viral. Ein rassistischer Mob macht daraufhin Jagd auf Migranten. Dazu aufgerufen hatten ein britischer Rechtsextremist und Tech-Milliardär Elon Musk.“

Das kann man unterschiedlich verstehen. Entweder als zeitliche Abfolge: nach dem Mordversuch ging ein Video viral, es kam zu gewalttätigen Protesten, zu den Protesten wurde von Robinson und Musk aufgerufen. Oder als absichtlichen Aufruf der beiden zur dazu, was dann geschehen ist, also zu gewalttätigen Protesten. Nius, ein Sumpf an Hetze und Manipulation, und andere einschlägige Medien, haben die zweite Lesart hochgespielt und skandalisiert. Das ZDF hat die Passage dann als „missverständlich“ bezeichnet und Musk hat rechtliche Schritte dagegen angekündigt und in die Wege geleitet. Beauftragt hat er den in ähnlichen Fällen recht erfolgreichen Anwalt Joachim Steinhöfel. Der hat das ZDF zur Unterlassung aufgefordert, dem ist das ZDF sofort nachgekommen, vor Fristablauf. Das ZDF hat sichtlich das Prozessrisiko gescheut und wollte es nicht auf eine gerichtliche Klärung der Frage ankommen lassen, ob die Passage nicht auch nach der ersten Lesart verstanden werden kann und daher rechtlich zulässig war. Ob Musk weitere rechtliche Schritte unternimmt, weiß ich nicht. Im Ergebnis könnte man sagen, „Oben Rechts“ hat sich durchgesetzt und einmal mehr ein öffentlich-rechtliches Medium eingeschüchtert, und Nius und Co. können einmal mehr sagen, das sei ein weiterer Fall in einer langen Serien von Lügen des ZDF (und des öffentlich-rechtlichen Rundfunks und der „Mainstream-Medien“ insgesamt, also der „Lügenpresse“).

So agieren die, die in eigener Sache immer die Fahne “Meinungsfreiheit” vor sich her tragen und fordern, “das wird man doch noch sagen dürfen”.

Reflexion und Manipulation

Diese Linie setzt sich bis in rechtsliberale Medien wie den Focus fort, wo der Geschäftsführer des Lobbyvereins „Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft“, Thorsten Alsleben, als „früherer ZDF-Mitarbeiter“ über einen Trend „weg von wahrheitsgemäßer Sachdarstellung hin zum ideologisch motivierten Haltungsjournalismus“ klagen und sich für seinen früheren Arbeitgeber „schämen“ darf.

Elon Musk, Julian Reichelt und Thorsten Alsleben als Lordsiegelbewahrer der Wahrheit – das ist zumindest bemerkenswert. Aber gut, natürlich wird etwas nicht falsch, nur weil es die Falschen sagen. So wenig es dadurch richtig wird. Aber bemerkenswert ist auch, wie diese Leute nur den Streit zwischen Musk und ZDF ins Blickfeld rücken. Kein Wort verliert Alsleben darüber, welches politische Ziel Robinson verfolgt und was Musk mit seiner Unterstützung Robinsons bezweckt. Musk erscheint ganz harmlos:

„Dabei hatte Musk lediglich einen Protestaufruf zu dem Fall des von einem Migranten ermordeten Mannes in Belfast, den die Polizei als Täter statt als Opfer behandelt hat, weiterverbreitet.“

Musk hatte wörtlich das geschrieben: „Only by protesting REPEATEDLY and LOUDLY will there be any change!!” Das ist nicht nur ein “Weiterverbreiten”, sondern eine positive Unterstützung. Wie gesagt, nicht zu Gewalt, nur zu „loudly“, aber zum Aufruf eines Extremisten, von dem man annehmen darf, dass er Gewalt bei den Protesten nicht allzu kritisch sehen dürfte. Kein Wort bei Alsleben auch dazu, dass einer Datenanalyse des Centers for Countering Digital Hate zufolge Musks tweet bei der Mobilisierung für die Proteste eine ganz wesentliche Rolle gespielt hat, mit einer millionenfachen Verstärkung der Aufrufe. Bei Alsleben hat er nur einen Aufruf „weiterverbreitet“. Ganz unschuldig. Nur nebenbei: Der Mann in Belfast wurde schwer verletzt und hat ein Auge verloren, er wurde aber nicht ermordet. Sicher ein Versehen Alslebens.

Am Ende

Wie gesagt, der Kulturkampf ist Teil eines immer härter ausgetragenen Machtkampfes, bei dem es um die Verteilung der Wertschöpfung, den Sozialstaat, die Demokratie und die Meinungsfreiheit geht. „Oben Rechts“ ordnet die Welt neu, bis hin zum Überleben der einen und der weniger schönen Zukunft der Anderen. An ideologischen Mitstreitern, Mitläufern und Mietmäulern fehlt es ihnen dabei nicht. Manche, wie Curtis Yarvin, hält man auch noch für Philosophen, oder solche wie Julian Reichelt für Journalisten wie die von der taz.

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Edit: Ein Kommentar auf Linkedin hat darauf aufmerksam gemacht, dass Thorsten Alsleben fälschlicherweise von einem “ermordeten” Mann in Belfast spricht. Das hatte ich überlesen. Ich habe einen Satz dazu ergänzt. Credits H.S.-S.

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Zum Weiterlesen:
• Zu Veränderungen im Menschenbild der Wirtschaft
• Zum Streit um Daniel Günter bei Lanz
• Lektüreempfehlung zum Thema Identitätspolitik
• Zur Alternative Demokratie versus was anderes

Kommentare (36)

  1. #1 Staphylococcus rex
    18. Juni 2026

    Aus meiner Sicht kommen hier mehrere Probleme zusammen: einerseits das unglückliche und vor Allem unprofessionelle Auftreten des ZDF, aber auch dass die Regeln für Privatpersonen in sozialen Medien auf Elon Musk nicht anwendbar sind.

    Nach den Vorfällen in Belfast war bereits eine Protestwelle unterwegs. Elon Musk hatte vier Entscheidungsmöglichkeiten: die Welle zu ignorieren und sich aus der Sache rauszuhalten, die Welle aktiv in Richtung friedliche Proteste zu lenken, die Welle zu verstärken und in Richtung Gewalt zu lenken oder die Welle zu verstärken ohne Einfluss auf die Richtung zu nehmen.

    Weil die Protestwelle bereits in Richtung Gewalt orientiert war, führen die letzten beiden Varianten ohne Unterschied zu mehr Gewalt auf der Straße. Formaljuristisch ist der Unterschied aber riesig. Das Recht auf Protest ist ein Grundrecht, die Verstärkung der Protestwelle ohne Einflussnahme auf die Richtung ist formaljuristisch kein Aufruf zur Gewalt.

    Der Unterschied zwischen einer Privatperson und Elon Musk besteht darin, dass die Privatperson nicht als Multiplikator dient, ein Aufruf zur Gewalt deshalb explizit nachgewiesen werden muss. Eine öffentliche Person wie Elon Musk hat hier die Funktion eines Multiplikators dieser Protestwelle. In dem Augenblick, wo er als Multiplikator auftritt, übernimmt er Verantwortung für die Höhe und die Richtung der Welle.

    Die juristischen Werkzeuge, die eine öffentliche Person zwingen können, sich ihrer Verantwortung zu stellen, fehlen leider. Sinngemäß würde dies bedeuten, wer eine Protestwelle verstärkt, haftet für die Richtung diese Protestwelle. Zum jetzigen Zeitpunkt könnte man Elon Musk eine Mitverantwortung zuweisen, er wäre dann bezogen auf die Opfer der Ausschreitungen verantwortlich wegen fahrlässiger Körperverletzung und unterlassener Hilfeleistung. In der Praxis dürfte es aber sehr schwer werden, ihm dies nachzuweisen. Außerdem hat Elon Musk ganz andere Ressourcen als ein einfacher Bürger, was den Weg durch die Instanzen betrifft.

    Personen wie Elon Musk agieren bewußt und vorsätzlich in dieser juristischen Grauzone. Der Begriff “laut” kann als Aufruf zur verstärkten Präsenz interpretiert werden, der Begriff “laut” kann aber auch als Aufruf interpretiert werden, letzte Hemmungen fallen zu lassen. Im Zweifelsfall hätte ELon Musk bei Grok nachfragen können, welche Interpretation im konkreten Kontext wahrscheinlicher ist.

    Ein direkter Gewaltaufruf ist bei Elon Musk nicht nachweisbar, ein indirekter Gewaltaufruf dagegen schon. Die Vertreter des ZDF sollte professionell genug sein, auf diese Feinheiten zu achten.

  2. #2 Staphylococcus rex
    18. Juni 2026

    @ Joseph Kuhn, der Kulturkampf wird in der Einführung sehr detailliert beschrieben. Was man den Mitarbeitern des ZDF vorwerfen muss, ist die Naivität, mit der sie blauäugig ins offene Messer gelaufen sind. Sich in einen Kampf zu stürzen, dessen Regeln man nicht kennt und nicht verstanden hat, kann nur mit einer krachenden Niederlage enden.

    Ein taktischer Rückzug zum jetzigen Zeitpunkt ist kein Fehler, wenn aus dieser Niederlage die richtigen Schlüsse gezogen werden.

  3. #3 Christian Eckert
    18. Juni 2026

    Hallo, Herr Kuhn,

    bei “das kann man unterschiedlich verstehen” endet die wohlwollende Lektüre.

    Der zitierte Satz ist eindeutig.

    Das betreffende Medium ist seit Jahrzehnten tätig und hat eine herausgehobene Stellung und einen demokratischen Auftrag, aus denen sich Sorgfaltspflichten ergeben.

    Hier eine Apologetik anzustimmen, nachdem Sie einleitend bereits die Breite unseres Medienspektrums in keiner Weise würdigen …

    Macht mich ratlos.

    Sie sind doch Akademiker und wissen, wie man sauber arbeitet!

    Christian Eckert

  4. #4 RPGNo1
    18. Juni 2026

    @Staphylococcus rex

    Was man den Mitarbeitern des ZDF vorwerfen muss, ist die Naivität, mit der sie blauäugig ins offene Messer gelaufen sind. Sich in einen Kampf zu stürzen, dessen Regeln man nicht kennt und nicht verstanden hat, kann nur mit einer krachenden Niederlage enden.

    Ein taktischer Rückzug zum jetzigen Zeitpunkt ist kein Fehler, wenn aus dieser Niederlage die richtigen Schlüsse gezogen werden.

    Danke, so ähnlich sehe ich das auch. Vor allem, da es nicht der erste Vorfall dieser Art ist. Ich denke z.B. an die Berichterstattung zum Mordfall Charlie Kirk, wo Elmar Theveßen und Dunja Hayali mit ihren Einschätzungen den rechten Kulturkämpfern unnötigerweise die offene Flanke präsentiert haben.

    Meine persönliche Einschätzung: Die ÖRR reagieren zu antiquiert und schätzen die Dynamik und die Gefahr der sozialen Medien falsch ein.

  5. #5 Joseph Kuhn
    18. Juni 2026

    @ Staphylococcus rex:

    “die Naivität, mit der sie blauäugig ins offene Messer gelaufen sind”

    Ich glaube, das trifft es nicht. Ganz naiv ist man bei ZDF bei diesen Dingen sicher nicht mehr, es gab ja inzwischen mehrere solcher Attacken. Eher wäre zu fragen, wie man damit umgehen soll, dass man nicht jeden Beitrag juristisch wasserdicht kriegt.

    @ Christian Eckert:

    “Der zitierte Satz ist eindeutig.”

    Eben nicht, darum geht es in meinem Beitrag. Eindeutig ist bestenfalls, dass das Opfer nicht ermordet wurde, wie Herr Alsleben schreibt.

    “Sie sind doch Akademiker und wissen, wie man sauber arbeitet!”

    Das stimmt und das versuche ich auch. Dass Sie meiner Argumentation nicht folgen wollen, ist Ihr gutes Recht, aber ein Argument, jenseits der bloßen Behauptung “ist eindeutig” wäre trotzdem gut.

  6. #6 Staphylococcus rex
    18. Juni 2026

    Das Recht auf Protest und das Recht auf Meinungsfreiheit sind hoch angebundene Grundrechte, Einschränkungen dort sollten wohlüberlegt sein. Um Exzessen durch soziale Medien wirksam zu begegnen, wäre ggf. folgende Formulierung sinnvoll: “Ein Aufruf eines Aktivisten oder öffentlicher Personen z.B. zu Protesten sollte immer eine Richtung (z.B. friedlicher Protest) vorgeben. Für diese Richtungsvorgabe trägt der Aktivist die Verantwortung. Ein Verzicht auf eine Richtungsvorgabe ist eine Zustimmung und Verantwortungsübernahme für alle folgenden Aktionen.”

    Um eine Chance in dieser Auseinandersetzung zu haben, muss man Musk und Konsorten aus ihrer mehrdeutigen Komfortzone herausholen und sie z.B. mit der Frage festnageln, was die Aufforderung “wiederholt und laut” bei einem gewaltbereiten Mob bedeutet. Einpeitscher wie Elon Musk müssen mit ihrer gewaltsamen Sprache und indirekten Gewaltaufrufen konfrontiert werden, man muss sie zwingen sich konkreter zu positionieren als ihnen lieb ist. Erst dann werden sie angreifbar (argumentativ, aber auch juristisch).

    Ein derartiger Umgang mit den Akteuren eines rechten Kulturkampfs erfordert ein hohes Maß an Selbstdisziplin, Selbstbeherrschung, Beharrlichkeit und Sachkenntnis. Das Neusprech ist ein Konzept des Romans 1984. Die Manipulationen der Sprache durch rechte Kulturkämpfer werden nach meiner Einschätzung durch diesen Begriff treffend charakterisiert.
    https://de.wikipedia.org/wiki/Neusprech

    PS: ARD und ZDF sind für mich persönlich verzichtbar. Unverzichtbar sind dagegen 3Sat, Arte, ZDF-Info und Phoenix. Das Schicksal der öffentlich-rechtlichen Sender ist mir deshalb nicht gleichgültig.

  7. #7 Christian Eckert
    18. Juni 2026

    Hallo!

    Eindeutige Falschdarstellung, weil sich “Dazu” auf “Jagd” bezieht.

    Journalistische Sorfalt: “Dazu kam es, nachdem … zu Protesten aufgerufen hatten.”

    • #8 Joseph Kuhn
      18. Juni 2026

      @ Christian Eckert:

      Dass zur Jagd auf Migranten aufgerufen worden sei, ist die eine Lesart. Sie sehen das als “eindeutig”, ich nicht. Immerhin räume ich ein, dass man es so lesen kann, während Nius & Co. keine andere Lesart für möglich halten, ist ja “eindeutig”. Klar. Sonst ginge die ganze Anti-ZDF-Hetze nicht und um die geht ja schließlich. Kulturkampf funktioniert nicht mit Verständnis für die andere Seite. Carl Schmitt lässt grüßen.

      Den Begriff “journalistische Sorgfalt” im Zusammenhang mit Nius & Co. kann nur Karl Valentin kommentieren, das übersteigt meine Fähigkeiten.

  8. #9 Joseph Kuhn
    18. Juni 2026

    Die Bildzeitung:

    “Elon Musk verklagt das ZDF wegen dieser Szene”

    Bisher nicht. Aber egal, bei Bild erwartet man ohnehin nicht, dass stimmt, was da steht.

    https://www.bild.de/politik/ausland-und-internationales/elon-musk-verklagt-das-zdf-wegen-dieser-szene-inzwischen-aus-der-mediathek-geloescht-6a313d41a7834e0047eeb3a8

  9. #10 RPGNo1
    19. Juni 2026

    Viele sind sich nun sicher: Das ZDF sei vorzeitig eingeknickt und hätte sich einem reichen Tech-Billionär ergeben. Wo bleibt da die Pressefreiheit oder die Möglichkeit zur freien Meinungsäußerung? Ganz so eindeutig ist das aber nicht.

    Menschen, auch Elon Musk, haben die Möglichkeit, sich zu wehren, wenn sie der Meinung sind, dass über sie falsche Tatsachen berichtet wird. Dafür gibt es im deutschen Recht mehrere Grundlagen, etwa das allgemeine Persönlichkeitsrecht oder die Landespressegesetze, die ein Recht auf Gegendarstellung einfordern.

    Das ZDF hätte Musk demnach etwa fragen müssen: „Haben Sie zur Jagd auf Migranten“ aufgerufen? Oder sich dazu entscheiden können, zu berichten, was vorgefallen ist, ohne die missverständliche Einordnung. Also in etwa: Elon Musk hat auf seiner Plattform X, auf der er über 240 Millionen Follower hat, einen Post des Rechtsextremisten Tommy Robinson geteilt, in dem er gegen einen „weiteren Angriff von Eindringlingen auf unser Volk“ mobilisierte und Termine für Kundgebungen anfügte. Musk teilte den Beitrag und fügte hinzu „Nur durch wiederholte und laute Proteste wird sich etwas ändern.“ Dass das ZDF die Anmoderation des Beitrags geändert hat, ist somit alltäglicher Schritt in der Produktion von Inhalten in den Medien, wenn andere von ihren rechtlichen Mitteln Gebrauch machen.

    Andererseits ist es natürlich beunruhigend zu sehen, dass ein Billionär wie Musk sein Geld und seine Macht ausnutzen kann, um gezielt demokratische Strukturen, von denen auch das ZDF Teil ist, zu schwächen. Musk hatte sich bereits zum Wahlkampf 2024 in die politische Debatte eingemischt, etwa mit Wahlaufrufen für die AfD.

    https://taz.de/Elon-Musk/!6188333/

  10. #11 RPGNo1
    19. Juni 2026

    @Joseph Kuhn

    Die Bildzeitung:

    “Elon Musk verklagt das ZDF wegen dieser Szene”

    Bisher nicht. Aber egal, bei Bild erwartet man ohnehin nicht, dass stimmt, was da steht.

    Die Schlagzeile wurde angepasst:

    Aus der Mediathek gelöscht
    Wegen dieser Szene prüft Elon Musk Klage gegen ZDF

    • #12 Joseph Kuhn
      19. Juni 2026

      @ RPGNo1:

      Danke für die Info.* Der Focus war heute nachmittag noch nicht so weit. Kommt aber vielleicht auch noch, spätestens wenn Nius die Falschdarstellung Alslebens skandalisiert. 😉

      Im Ernst: Ich fände es hilfreich, wenn das ZDF es nicht bei der Streichung der Passage belassen würde, sondern sich Gedanken darum machen würde, wie man die Qualität der Beiträge verbessern kann, im Wissen darum, dass man nicht jeden Beitrag juristisch wasserdicht kriegt. Ob ein transparenter Algorithmus funktionieren würde, der Beschwerden und Antworten öffentlich präsentiert? Den würden die einschlägigen ÖRR-Gegner zwar erst mal mit Massenanfragen lahmlegen wollen, aber irgendwann geht ihnen vielleicht die Puste aus?

      ————-
      * Nachtrag 21:15: Habe die Bild-Seite gerade noch mal aufgerufen. Oben in der kleingedruckten Zeile über der ZDF-Szene steht nach wie vor “Elon Musk verklagt das ZDF wegen dieser Szene”.

  11. #13 NI
    19. Juni 2026

    zum Eingangstext
    “Das ZDF hat sichtlich das Prozessrisiko gescheut und wollte es nicht auf eine gerichtliche Klärung der Frage ankommen lassen,”
    diese Entscheidung war vernünftig, der Volksmund sagt dazu ” Vor Gericht und auf See sind wir alle in Gottes Hand”.

    Aber, wenn man schon den Schwarzen Peter sucht, der
    könnte auch beim ZDF liegen, im Falle Israel und Jordanien ist die Deutsche Presse ja geradezu mundtot,
    und im Falle Nordirlands bzw. Elon Musk, da wollte sie dann zeigen, dass es sie noch gibt,

  12. #14 RPGNo1
    19. Juni 2026

    Im RND äußern sie sich ähnlich wie in der taz.

    Natürlich ist es kleinlich und erfüllt vor allem politische Zwecke, sich über die exakte wörtliche Formulierung des ZDF zu erregen. Musk mag nicht zur physischen Verfolgung („Jagd”) von Menschen aufgerufen haben. Dennoch haben sein Post und andere teils radikalere Einlässe von ihm die Lage in Belfast nicht beruhigt. Bloß: Ihn direkt für einen konkreten Aufruf zu rassistisch motivierter Gewalt mitverantwortlich zu machen, ist unsauber und verstößt gegen journalistische Standards.

    Und es ist ärgerlich. Nicht nur, weil sich das ZDF wenige Wochen nach dem Skandal um KI-generierte Bilder in einem Beitrag über die brutalen Einsätze der Einwanderungsbehörde ICE in den USA schon wieder eine journalistische Unkorrektheit leistete. Sondern auch, weil es die Schuldlast verschiebt. Denn juristisch mag sich Musk in diesem konkreten Fall sicher fühlen – moralisch hingegen hat er mit aggressiven Beiträgen der Vergangenheit Schuld auf sich geladen.

    https://www.rnd.de/medien/elon-musk-gegen-das-zdf-juristisch-im-recht-moralisch-im-unrecht-6TB65WIGIJDX3JLFR23DRIFFO4.html

  13. #15 NI
    19. Juni 2026

    zu #12
    “juristisch im recht, moralisch im unrecht.”

    So bilden sich “Parallelgeselschaften”. Sie führen dazu, dass sich ein Teil der Bevölkerung nicht mehr beachtet fühlt, Das war die Ursache für den Brexit, das war die Ursache für die Gründung der AfD .

    Was allerdings neu ist, dass ein einzelner Mensch soviel Kapital anhäufen kann, dass Reichtum zu einem politischen Problem wird. Reichtum = politischer Einfluss.
    Darüber sollten sich die Staatsrechtler einmal Gedanken machen.

  14. #16 Christian Eckert
    19. Juni 2026

    Die Passage des RND ist ja auch pfiffig … Habe das erst jetzt so richtig mitbekommen:

    “Bloß: Ihn direkt für einen konkreten Aufruf zu rassistisch motivierter Gewalt mitverantwortlich zu machen …”

  15. #17 Joseph Kuhn
    21. Juni 2026

    Tag 4

    Die falsche Aussage Alslebens bei Focus ist auch heute noch nicht korrigiert.

  16. #18 Joseph Kuhn
    22. Juni 2026

    Der andere Blick:

    “Linksintellektuelle mobilisieren und organisieren den Mob. Das ist eine Konstante in der Geschichte der Neuzeit.”

    https://x.com/NorbertBolz/status/2068979478961787014

    Eine Konstante von der Reichsprogromnacht 1938 über Rostock-Lichtenhagen 1992 bis Belfast 2026.

  17. #19 FD
    22. Juni 2026

    die Naivität, mit der sie blauäugig ins offene Messer gelaufen sind

    Glaube ich auch. Musk und seine Putinknechte haben sich den Kopf zerbrochen, wie lassen wir die Qualitätsjournalistin Christina von Ungern-Sternberg vom Qualitätssender ZDF ins offene Messer laufen. Nach stundenlangen Beratungen, bis in die Nacht, hatten sie dann die Idee. Weste was, mir sagn machd mid bei diese Brodesde.

    Und siehe, es hat geklappt.
    Nein, Christina von Ungern-Sternberg kann man keinen Vorwurf machen. Gegen das perfide Albion den perfiden Musk kann man in dieser Situation nichts machen. Sie hat die maximal mögliche Qualität abgeliefert. Die Rechercher haben alles gecheckt. Die haben jedes Wort, jedes Komma, und dann guckt der natürlich auch ist das stimmig, ist es zu spitz, das kann eine KI zum Beispiel nicht, hat das irgendwie einen falschen Zungenschlag usw. Die überprüfen alles, jede Zeile, jeden Buchstaben, eine wahnsinnige Arbeit.
    Wenn sogar die ZDF-Rechercher (sozusagen das ZDF-Pendant zur SPIEGEL-Dok) in die Knie gezwungen werden, dann ist weitere Abhilfe nicht möglich.

  18. #20 naja
    22. Juni 2026

    Ich finde, das ZDF könnte es durchaus darauf ankommen lassen und das ausfechten. Immerhin wüsste man dann, ob jemand wie Musk, der selbst Chef einer der einflussreichsten SM-Plattformen der Welt (pun intended) ist, den Aufruf eines Rechtsextremisten teilen kann und in dem Kontext zu lauten und wiederholten Protesten aufrufen kann, während es nicht zulässig ist, einen ziemlich direkten Zusammenhang zwischen den Protesten und der Jagd auf Migranten bei diesen Protesten zu ziehen. Das ZDF macht ja Musk auch nicht direkt verantwortlich.
    Die Frage ist ja auch, kann man sagen, Trump hatte quasi zum Sturm auf das Kapitol aufgerufen, oder darf man das nicht?

  19. #21 naja
    22. Juni 2026

    @ naja
    Ich korrigiere, es wäre nicht zulässig einen Zusammenhang zwischen Musks Aufruf, den Protesten und der Jagd auf Migranten zu ziehen.
    Es geht mir nicht darum, ob der Zusammenhang belegbar oder wahrscheinlich ist oder nicht, sondern um die Frage, was wer sagen darf und was nicht.

  20. #22 NI
    23. Juni 2026

    zu #20 zu “darf man das nicht”
    Die Prinzen hatten 2021 einen Song der hieß “Dürfen darf man alles”
    HIer ein Ausschnitt:
    “Dürfen darf man alles, müssen muss man nichts. Können kann man vieles, doch was woll’n wir eigentlich? Keiner muss ein Schwein sein, denk nicht an dich allein
    Wenn das der Fall ist, dann sag ich
    Dürfen, darf man alles (alles, alles, alles)”
    Und es geht noch weiter…
    “Manche glauben, dass die Welt sich gegen sie verschwört
    Manche meinen, dass die Wahrheit doch nur ihnen gehört
    Manche sagen, was sie denken, dann sagen sie danach
    (passt zu #21)Dass man heutzutage ja nichts mehr sagen darf.
    (Ah, ja, ja, ja)”

  21. #23 Staphylococcus rex
    23. Juni 2026

    “Das wird man wohl noch sagen dürfen”; hier geht es um die Grenzen der Meinungsfreiheit. In Bezug auf Aussagen zu natürlichen oder juristischen Personen gibt es klare Grenzen, im Strafgesetzbuch ist dies unter Verleumdung (§187) und übler Nachrede (§186) geregelt.

    Problematisch ist es bei der Frage der Mobilisierung anderer Menschen. Eine Mobilisierung zu friedlichen Protesten gehört zu den demokratischen Grundrechten. Die Mobilisierung als solche ist deshalb grundsätzlich erlaubt. Das Problem ist die Richtung der Mobilisierung. Ein friedlicher Protest ist legitim. Ein direkter Gewaltaufruf wird durch §111 als öffentlicher Aufruf zu einer Gewalttat erfaßt. Eine Mobilisierung ohne Zielvorgabe (friedlich, gewaltsam) ist bisher in einer juristischen Grauzone.

    Eine stillschweigende Billigung der potentiellen Gewaltbereitschaft bei Demonstranten (indirekter Gewaltaufruf durch Elon Musk “wiederholt und laut”) ist derzeit nur auf Umwegen strafbar. In Deutschland könnte dies unter den §130 Volksverhetzung fallen, müßte aber erst durch ein Gericht geprüft werden.

    Aus meiner Sicht ist der Begriff “Volksverhetzung” aus der Zeit gefallen, eine Überarbeitung dieses Paragrafen wäre aus meiner Sicht längst überfällig, dabei könnte der Mißbrauch sozialer Medien integriert werden.

    Übrigens ist das Austesten und Überschreiten von Grenzen nicht ausschließlich auf das rechte Spektrum beschränkt, wie aktuelle Äußerungen von Luigi Pantisano zeigen.
    https://zitatsuchmaschine.informatik.hu-berlin.de/quotee/Luigi%20Pantisano?order=relevance

  22. #24 NI
    23. Juni 2026

    zu #23
    hier geht es um eine politische Auseinandersetzung.
    nach google KI:
    “Eine politische Auseinandersetzung ist das organisierte oder öffentliche Ringen um unterschiedliche Meinungen, Werte und Ziele zur Gestaltung der Gesellschaft.”

  23. #25 RPGNo1
    23. Juni 2026

    @Joseph Kuhn

    zu #18. Markiert Bolz den alten weißen männlichen Wutbürger und nimmt sich Peter Hahne bzw. Waldi Hartmann zum Vorbild?

    • #26 Joseph Kuhn
      23. Juni 2026

      @ RPGNo1:

      “Markiert Bolz den alten weißen männlichen Wutbürger”

      Den Wutbürger eher nicht, den alten weißen Mann schon.

      “Peter Hahne bzw. Waldi Hartmann zum Vorbild”

      Das wäre vielleicht doch unter seinem Niveau. Norbert Bolz ist als geistreicher Philosophieassistent bei Jacob Taubes in Berlin gestartet. Seine Seminare über Nietzsche oder die Romantik fand ich richtig gut. Konservativ war er schon immer, im Laufe der Jahre ist er allerdings immer etwas weiter nach rechts gerutscht, das Geistreiche ist dem Polemischen gewichen, die Philosophie der politischen Haltung. Vor einiger Zeit hatte ich ein Video mit ihm gesehen, zusammen mit der schrägen Fürstin Gloria aus Regensburg. Er hat ihrem Gerede nicht ein mal widersprochen, vor 30 Jahren hätte er sich da noch übergeben.

  24. #27 RPGNo1
    24. Juni 2026

    @Joseph Kuhn

    zusammen mit der schrägen Fürstin Gloria aus Regensburg

    Gleich und gleich gesellt sich gern. Die schräge Fürstin hat sich von ihren punkigen Anfängen in den 80er Jahren immer mehr zu einem reaktionär-klerikalen ultrakonservativen Weidel-Fangirl entwickelt.

    • #28 Joseph Kuhn
      24. Juni 2026

      … aber mit kabarettreifen Auftritten, man erinnere sich an Ihre soziologisch tiefgründige These “der Schwarze schnackselt halt gern”, an die später Björn Höcke mit seinen bahnbrechenden Studien zum “afrikanischen Ausbreitungstyp” anschloss. Geistesriesen unter sich.

      Da es ursprünglich um Elon Musk ging: Der hat mindestens 14 Kinder. Ob er gerne “schnackselt” oder nur seine Pflicht zum Erhalt der weißen Rasse tut? Fragen über Fragen, auf die man gar keine Antwort möchte.

  25. #29 Staphylococcus rex
    24. Juni 2026

    Kann man “jeden Beitrag juristisch wasserdicht” kriegen? Ohne Selbstdisziplin und ohne Regelwerke sicher nicht. Aber warum stürzen dann so wenige Verkehrsflugzeuge ab? Einfach weil dort über Jahrzehnte ein Bewußtsein gereift ist, dass es sich hier um sicherheitskritische Abläufe geht. Natürlich gibt es Sicherheit nicht zum Nulltarif. Wichtige Hilfsmittel sind verbindliche Checklisten oder das “vier Augen Prinzip”. Dies gilt übrigens nicht nur in der Luftfahrt, sondern auch in der Medizin.

    Deshalb habe ich auch nur begrenzt Mitleid mit den Mitarbeitern des ZDF. Eine passende Checkliste vor einer Sendung könnte z.B. so aussehen?
    Ist das Thema ein politisches Minenfeld?
    Geht es bei Kritik um juristische oder moralische Verantwortung?
    Was ist passiert und was sagen die Gesetze dazu?…

    Gerade die öffentlich rechtlichen Sender werden über Gebühren finanziert. Wenn ich zum Arzt gehe, erwarte ich Facharztstandard. Was sind die professionellen Mindestanforderungen an gebührenfinanzierte Journalisten? Was sagt das ZDF selbst zum Thema Qualitätssicherung?

    • #30 Joseph Kuhn
      24. Juni 2026

      @ Staphylococcus rex:

      “Aber warum stürzen dann so wenige Verkehrsflugzeuge ab?”

      Ich glaube, das kann man nicht gut vergleichen. Im Flugverkehr bewegt man sich in viel stärker routinisierbaren Rahmenbedingungen.

      Aber beeindruckend ist, wie gut das Medienspiel von Rechts funktioniert. Gerade haben sie schon wieder ein Wording von Dunja Hayali zum Nahostkrieg im Visier. Hayali steht auf der Zermürbungsliste dieser Leute, die natürlich gar keine bessere Qualitätssicherung beim ÖRR wollen, im Gegenteil, dann würden ja ihre Angriffspunkte abnehmen. Sie wollen den ÖRR abschaffen, damit Bild, Welt, NZZ, Nius & Co. bestimmen, was “Nachrichten” sind und wie die Welt zu verstehen ist. Dazu vielleicht von Interesse: https://taz.de/Neurechter-Autor-Benedikt-Kaiser/!6179460/

  26. #31 Staphylococcus rex
    24. Juni 2026

    Der Organisationsgrad rechtsgerichteter Kampagnen ist schon beeindruckend, ich möchte nur an die Schmutzkampagne gegen Brosius-Gersdorf erinnern.

    Eine zentral orchestrierte Kampagne gegen Dunja Hayali ist mir noch nicht aufgefallen, allerdings gibt es einen etwas schrägen Artikel bei der Jüdischen Allgemeinen:
    https://www.juedische-allgemeine.de/meinung/wer-kann-das-noch-ernst-nehmen/
    Ich möchte auf diesen Artikel nicht weiter eingehen, gerade weil Netanjahu und Likud schon so lange an der Macht sind, fällt es außerordentlich schwer Kritik an der Regierung in Israel zu äußern, ohne unter den Generalverdacht des Antisemitismus zu fallen.

    Journalisten werden sich zukünftig darauf einstellen müssen, dass bei einem “Kulturkrieg” auch militärische Kategorien berücksichtigt werden müssen wie Aufklärung, Ablenkung, Verteidigung, Desinformation etc.

  27. #33 Staphylococcus rex
    24. Juni 2026

    Neben der von mir genannten Quelle der Jüdischen Allgemeinen und der Welt gibt es eine weitere Quelle, welche fast den gleichen Wortlaut verbreitet:
    https://www.mena-watch.com/das-zdf-erfand-friedensplan-ohne-israel/

    Ich gebe zu, ich habe die konkrete Stelle im ZDF nicht gesehen und kann nichts zu den konkreten Formulierungen von Frau Hayali sagen. Fakt ist aber, dass Irael und die USA gemeinsam den Iran angegriffen haben und somit erst dem Iran die Gelegenheit in die Hand gegeben haben, den Libanon und die Straße von Hormus miteinander zu verknüpfen. Der Iran kann einen Separatfrieden mit den USA abschließen, muss es aber nicht. Erst durch einen umfassenden Frieden kann diese Verknüpfung wieder gelöst werden. Netanjahu hat den Mullahs dieses Druckmittel auf dem Silbertablett präsentiert und Netanjahu kann sich nicht einfach vor dieser politischen Verantwortung drücken. Seinetwegen ist der Rest der Welt faktisch eine Geisel des Irans.

  28. #34 RPGNo1
    24. Juni 2026

    @Joseph Kuhn

    Gerade haben sie schon wieder ein Wording von Dunja Hayali zum Nahostkrieg im Visier.

    Nun sind Dunya Hayali beim Verfassen der Anmoderation einige schwerwiegende Sachfehler unterlaufen, die einer erfahrenen Journalistin einfach nicht passieren sollten. Ebenso hat die Qualitsprüfung der ZDF-Redaktion versagt.

    Da es nicht der erste Vorfall dieser Art beim ZDF in den letzten Monaten ist, kann ich den Ärger verstehen, der nun entstanden ist. Und um Missverständnissen vorzubeugen: Ich goutiere nicht die agressive Gehässigkeit, die in manchen Kommentaren deutlich zu erkennen ist.

    Das ZDF (und Dunya Hayali) müssen sich aber doch fragen lassen, warum sie ihren Gegnern Fehlpass um Fehlpass vor die Füße spielen und so Tor um Tor einfangen [*]. Ahmad Mansour fasst die sachliche Kritik gut zusammen.

    1.Israel ist weder Teil des Abkommens noch der Verhandlungen.
    2.Vorgestern tötete die Hisbollah fünf israelische Soldaten. Wer das weglässt, kann den Vorgang gar nicht seriös einordnen.
    3.Israel hat in diesem Fall nicht „den Libanon” angegriffen, sondern gezielt die Terrorinfrastruktur der Hisbollah.
    4.Die Mullahs dürfen im Beitrag ihre Sicht ausbreiten, und zwar ohne jede kritische Nachfrage. Eine israelische Stimme sucht man vergeblich.
    5.Dass Iran die beiden Schauplätze Libanon und Iran miteinander verkoppelt, ist nicht nur aus israelischer Sicht inakzeptabel. Dahinter steckt Methode: Teheran will die libanesische Regierung schwächen und die laufenden Friedensgespräche zwischen Israel und dem Libanon in den USA zum Scheitern bringen. Auch das hätte dringend eingeordnet gehört.

    Natürlich darf man die Entwicklung kritisch sehen. Und ja, auch der Verdacht, die israelische Regierung wolle die Verhandlungen ihrerseits hintertreiben, ist legitim. Er gehört in jede ehrliche Debatte. Beim Zuschauer aber bleibt am Ende etwas ganz anderes hängen: Israel sei an allem schuld. Das ist falsch. Und es ist genau jene leise Botschaft, die seit fast drei Jahren mitschwingt, Beitrag für Beitrag. Deshalb ist sie so gefährlich geworden.

    https://x.com/AhmadMansour__/status/2068624526645076236

    Eine weitere deutlichere Krtik findet sich hier.

    Gestern ist viel zu dem Bericht und die Anmoderation des heute-journals gesagt worden. Es ist mir aber ein Bedürfnis, das nicht nur einmal quasi-protokollarisch festzuhalten. Denn es ist ja beileibe kein Ausrutscher des ÖRR. Sondern auch einmal etwas anderen Hintergrund zu geben, warum ich diesen Bericht als nahe der Propaganda einordne.

    https://steady.page/de/u-m/posts/a53f6cb9-3e0d-4b8b-8874-143294d394ed

    [*] In der Pharmaindustrie gibt es ein System namens CAPA(“Corrective Action Preventive Action”), welches dafür sorgen soll, das eine Abweichung/Fehler/Reklamation sorgfältig analysiert wird, damit danach Maßnahmen entwickelt werden, die ein zukünftiges Auftreten dieses Fehler im besten Fall unmöglich machen. Als Pharmaauditor würde ich das CAPA-System des ZDF und seiner Mitarbeiter als ungenügend beschreiben und eine entsprechend kritische Beobachtung in meinem Bericht verfassen.

    • #35 Joseph Kuhn
      24. Juni 2026

      @ RPGNo1:

      “Ahmad Mansour fasst die sachliche Kritik gut zusammen.”

      Ahmad Mansour ist in diesem Konflikt alles andere als neutral und ich glaube auch nicht, dass er das Spiel “Die Suche nach der Wahrheit” spielt. Die “Wahrheit” im Nahostkonflikt ist ein Trümmerfeld und jeder framt, was das Zeug hält. Alles ist mit enormen Bekenntniszwängen umstellt, ob man “für Israel” oder “für Palästina” oder im aktuellen Fall gar “für den Iran” ist. Seltsam dämliche Alternativen.

      Mein Thema war allerdings nicht, wer hat im Libanon zuerst geschossen und wessen Tote waren unschuldiger oder wurden nicht rechtzeitig erwähnt, sondern was steht hinter der Medienkritik von Rechts am ÖRR. Dass die rechten Medienkritiker für ihre Kampagnen möglichst beifallsfähige Anknüpfungspunkte suchen, sollte niemanden verwundern, ganz blöd sind ihre Strippenzieher ja nicht.

      Alslebens Falschdarstellung im Focus mit dem “von einem Migranten ermordeten Mann in Großbritannien” ist übrigens immer noch nicht korrigiert, nach einer Woche, in einem Beitrag, der saubere Medienarbeit zum Thema hat. Fakten, Fakten, Fakten hieß es mal beim Focus, bevor er versumpft ist.

  29. #36 Joseph Kuhn
    1. Juli 2026

    Die Karawane zieht weiter

    Nach zwei Wochen muss man vermutlich auf keine Korrektur des Focus-Beitrags von Thorsen Alsleben mehr warten, die Empörungskarawane ist weiterzogen. Jetzt haben sich die aufrechten Hüter der Wahrheit an der Forderung der Landesmedienanstalt NRW an den Podcaster Ben Berndt festgebissen, er möge eine Falschaussage Höckes in einem Interview richtigstellen. Das sei, so Harald Martenstein in seiner Bild-Kolumne, ein “ungeheuerlicher Frontalangriff auf die Freiheit von uns allen. (…) Es ist ein erster Schritt auf einem Weg, den Deutschland kein weiteres Mal gehen darf, nicht schon wieder.” Ben Berndt sei ein Held, “wie einst Wolf Biermann in der DDR”.