Die Befürchtung, Weltklasse-Schachspieler würden mit Steganografie betrügen, hat schon so manchen skurrilen Skandal verursacht.

Für einen Schachspieler kann es äußerst hilfreich sein, während eines Spiels von einem Kollegen geheime Botschaften zu empfangen (siehe Teil 1). Dies sorgte beispielsweise 1978 für einen Skandal. Damals traten im Kampf um die Schach-Weltmeisterschaft der Sowjetrusse Anatoli Karpov und dessen in die Schweiz emigrierter Ex-Landsmann Viktor Kortschnoi an – ein Duell mit politischem Zündstoff. Kortschnoi wollte für die Partien seinen eigenen Stuhl mitbringen. Dies ließ Karpov befürchten, das Möbelstück sei in irgendeiner Form manipuliert – beispielsweise mit einem Geheimsender versehen, der eine steganografische Kommunikation erlaubt. Daher wurde der Stuhl vor dem Match auseinandergebaut und in einem Krankenhaus geröntgt. Da hierbei nichts Verdächtiges entdeckt wurde, durfte Kortschnoi den Stuhl nutzen.

Doch Kortschnoi schlug zurück. Während der zweiten Partie erhielt Karpov ein Glas Jogurt serviert. Diese Aktion veranlasste Kortschnois Lager, Protest einzulegen. Man fürchtete, die Farbe des Jogurts und die Anordnung auf dem Tablett könnten eine steganografische Nachricht darstellen, die der Spieler von seinen Sekundanten erhielt. Ein Helfer Karpovs tat dies als Unfug ab und wies darauf hin, dass auch die deutlich sichtbare Brille eines Kortschnoi-Betreuers im Publikum steganografisch verwendet werden konnte. Trotz des Protests ließ sich Karpov weiterhin während des Spiels Jogurt bringen. Die Jury trat daraufhin zusammen und fällte ein salomonisches Urteil: Karpov durfte während des Spiels nur noch zu einem vorher festgelegten Zeitpunkt versorgt werden, und der Schiedsrichter musste vorher informiert werden, falls es sich nicht um einen Heidelbeer-Jogurt handelte.

Schon sechs Jahre zuvor beim „Match des Jahrhunderts“ zwischen dem Amerikaner Bobby Fischer und dem Sowjetrussen Boris Spasski war es hoch her gegangen. Im Lager Spasskis fand man es verdächtig, dass Fischer einen Ledersessel aus New York hatte einfliegen lassen. Hatte er einen Geheimsender in die Armlehne einbauen lassen? Es gibt keine ernsthaften Beweise dafür.

Seit den siebziger Jahren hat sich einiges geändert. Der kürzlich enttronte Schach-Weltmeister Viswanathan Anand sagte dazu 2008 im Spiegel-Interview: “Irgendwo kann jemand an der Maschine sitzen und Daten an den Spieler senden, die Empfänger werden kleiner, die Zahl der Betrüger wächst. Wir mussten etwas unternehmen, wir haben Regeln aufgestellt: Wenn während der Partie mein Handy klingelt, habe ich verloren.”