Am 4. Februar war Weltkrebstag. Aus diesem Anlass gingen Meldungen durch die Medien, dass der Lungenkrebs bei Frauen zunimmt und in einigen Industrieländern schon mehr Frauen an Lungenkrebs als an Brustkrebs sterben. In Deutschland ist es auch fast so weit: 2013 starben 17.853 Frauen an Brustkrebs, 15.129 an Lungenkrebs. Die Rate der Lungenkrebssterbefälle bei den Frauen steigt, die der Männer nimmt seit geraumer Zeit ab. Ein wesentlicher Einflussfaktor dabei ist das Rauchverhalten der Geschlechter in früheren Jahren. Männer rauchen auch heute noch häufiger, aber in der Nachkriegszeit kam, nicht zuletzt im Zusammenhang mit der Frauenemanzipation und der zunehmenden Frauenerwerbstätigkeit, das Rauchen auch bei den Frauen in Mode – mit erhöhten Lungenkrebszahlen als unerwünschter Spätfolge. Auch die Neuerkrankungen nehmen bei den Frauen derzeit noch zu, gut 16.000 waren es im Jahr 2011, ca. 40 % mehr als 2003. Die Neuerkrankungszahlen findet man online bei der Gesellschaft der epidemiologischen Krebsregister in Deutschland. Neuere Daten gibt es noch nicht, bis die Meldungen einigermaßen vollzählig sind, dauert es immer eine Weile.

Lungenkrebs

90 % der Männer und 60 % der Frauen, die an Lungenkrebs erkranken, haben aktiv geraucht, so das Zentrum für Krebsregisterdaten beim Robert Koch-Institut. Dort werden auch die 5-Jahres-Überlebensraten ausgewiesen: 21 % bei den Frauen, 16 % bei den Männern. Lungenkrebs gehört zu den Tumoren mit ausgesprochen schlechter Prognose.

Und weil in Bayern der Himmel bekanntlich weiß-blau und nicht rauchgrau ist: In Bayern wird dem Mikrozensus zufolge seit langem etwas weniger geraucht als im Bundesdurchschnitt. Dazu passend liegt auch die Lungenkrebssterblichkeit niedriger als im Rest der Republik (26,2 Lungenkrebssterbefälle je 100.000 Ew. in Bayern versus 33,7 je 100.000 in Deutschland, jeweils altersstandardisiert an der alten Europastandardbevölkerung). Ob die niedrigere Raucherrate in Bayern auch für die niedrigere Lungenkrebssterblichkeit verantwortlich ist? Es liegt nahe, zumal auch die Neuerkrankungsraten in Bayern niedriger liegen als im Bundesdurchschnitt (bei den Männern 2011: 44,6 Fälle je 100.000 in Bayern versus 56 je 100.000 in Deutschland, bei den Frauen 21,1 je 100.000 in Bayern versus 24,6 je 100.000 in Deutschland, wiederum altersstandardisierte Raten), aber es wirklich hieb- und stichfest nachzuweisen, dürfte nicht ganz einfach sein – letztlich aber auch nicht so richtig wichtig. Wichtiger wäre, angesichts der seit langem bekannten katastrophalen gesundheitlichen Folgen des Rauchens mit jährlich mehr als 100.000 vorzeitigen Sterbefällen allein in Deutschland die Tabakprävention konsequent weiterzuentwickeln und dabei den Spagat hinzukriegen, das Rauchen und die Tabakindustrie zu bekämpfen, aber nicht die Raucher/innen. Rauchen ist und war schließlich immer auch ein Reflex gesellschaftlicher Verhältnisse und ist kein ganz frei gewähltes Verhalten – wie man schon an der unterschiedlichen Häufigkeit des Rauchens nach Sozialstatus ablesen kann, aber das wäre eine andere Geschichte.

Kommentare (32)

  1. #2 Statistiker
    8. Februar 2015

    Naja, ist Quatsch….. Wenn weniger Personen an Krankheit A sreben, müssen eben mehr an Krankheit B sterben…… die einzige Alternative wäre ewiges Leben……

    Also, erst denken, dann posten.

    • #3 Joseph Kuhn
      8. Februar 2015

      Dass die Leute an irgendetwas sterben müssen, ist eine wahnsinnig schlaue Idee. Darauf wäre ich alleine wirklich nicht gekommen. Man könnte sich natürlich fragen, ob es egal ist, ob man an Krankheit A oder B stirbt. Ein Beispiel: Ein Mann, der nicht mit 20 Jahren an einem Verkehrsunfall stirbt, stirbt wenig überraschend in der Tat zwangsläufig an einer anderen Todesursache. Aber vielleicht später und vielleicht weniger schmerzhaft. Wenn er mit 90 nachts im Schlaf an Herzinfarkt stirbt, wird das für ihn nicht gleichwertig mit dem frühen Verkehrsunfalltod sein. Das macht das ganze Konzept der “vermeidbaren Sterblichkeit” als einer Möglichkeit der Priorisierung für Präventionsmaßnahmen erst sinnvoll. Dagegen könnte es sein, dass das Mammographiescreening zwar die Brustkrebssterblichkeit senkt, aber nicht die Gesamtsterblichkeit, weil kompensatorische Todesursachen die Senkung der Brustkrebssterblichkeit ganz ausgleichen. Das wird für Deutschland gerade in einem großen langfristigen Projekt untersucht.

      Was das alles aber mit dem Thema Lungenkrebs bei Frauen zu tun hat, bleibt Ihr Geheimnis. Um zumindest assoziativ eine Verbindung herzustellen: Das mittlere Sterbealter der Frauen, die 2013 an Lungenkrebs gestorben sind, lag bei 70,6 Jahren, das der Frauen, die an Brustkrebs gestorben sind, bei 72,6 Jahren. Selbst bei diesen beiden Tumoren ist es – mit Blick auf die Lebenserwartung und im statistischen Durchschnitt – also nicht egal, woran frau stirbt. Bei den Männern lag das mittlere Sterbealter bei Lungenkrebs übrigens sogar bei 68 Jahren (und das für Brustkrebs bei 69,4 Jahren).

      “Also, erst denken, dann posten.”

      Ich halte Sie nicht davon ab, machen Sie’s beim nächsten Mal einfach, wenn Sie meinen, dass das mit dem “denken” klappt.

  2. #4 Karl Mistelberger
    8. Februar 2015

    > Naja, ist Quatsch….. Wenn weniger Personen an Krankheit A sterben, müssen eben mehr an Krankheit B sterben…… die einzige Alternative wäre ewiges Leben.

    In der Praxis sieht es allerdings ganz anders aus: der Raucher geht mit 59 in Rente und stirbt mit 60 an Lungenkrebs. Der Nichtraucher geht mit 58 in Rente und stirbt mit 93 an Altersdemenz und deren Folgen.

    • #5 Joseph Kuhn
      8. Februar 2015

      Sie bringen es kurz und bündig auf den Punkt, da haben sich unsere Kommentare überschnitten. Es könnte natürlich sein, dass der Nichtraucher mit 40 tot umfällt, weil ihn bei “Statistikers” Kommentar der Schlag trifft. Und der Raucher wird ja bekanntlich locker über 90, zumindest wenn er Helmut Schmidt heißt. 😉

  3. #6 Ein Mensch sitzt vor einem Bildschirm und denkt über das Leben nach
    8. Februar 2015

    Das Standardwerk zum Thema:

    Wiglaf Drosete, _Die rauchende Frau. Eine Liebeserklärung._ https://www.youtube.com/watch?v=PUohIIjIfnI

  4. #8 wereatheist
    8. Februar 2015

    Gibt es eigentlich irgendwo belastbare Zahlen über den Rückgang des Lungenkrebsrisikos nach dem Aufhören?
    Wenn ich nämlich nicht irre, bleibt das Risiko für Ex-Raucher noch lange über dem der zeitlebens Abstinenten (bin Ex-Raucher, daher persönliches Interesse).

  5. #9 Joseph Kuhn
    8. Februar 2015

    @ wereatheist: Ja, da gibt es recht viel. Hier z.B. ganz anschaulich dargestellt:
    http://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/krebs/article/655933/rauchstopp-krebsschutz-ganzen-koerper.html

  6. #10 wereatheist
    8. Februar 2015

    @Joseph Kuhn, #9:
    Danke. Sieht ja recht ermutigend aus. Schöne Nachmotivierung nach fast 20 Jahren…

  7. #11 weyoun
    9. Februar 2015

    >> Naja, ist Quatsch….. Wenn weniger Personen an Krankheit A sterben, müssen eben mehr an Krankheit B sterben…… die einzige Alternative wäre ewiges Leben.

    In der Praxis sieht es allerdings ganz anders aus: der Raucher geht mit 59 in Rente und stirbt mit 60 an Lungenkrebs. Der Nichtraucher geht mit 58 in Rente und stirbt mit 93 an Altersdemenz und deren Folgen.

    Oder er stirbt mit 85 im schlaf an nem herzinfarkt, oder hat nen autounfall oder oder oder.

    Allerdings ist die chance nicht an einem so widerwertigen karzinom wie jenes das in der lunge auftritt zu sterben, es wert nicht zu rauchen.

    Gibt es eigentlich untersuchungen die einen zusammenhang zwischen menge an konsumierten tabakprodukten und wahrscheinlichkeit lungenkrebs zu gewinnen untersucht haben?

  8. #12 Alexander
    9. Februar 2015

    @”Statistiker”: Konsequent zu Ende “gedacht” würde es dann ja auch keine Rolle spielen, ob ein Mensch ein Alter von 85+x Jahren erreicht oder ob er bereits als Baby den plötzlichen Kindstod stirbt, weil die Mutter z.B. während der Schwangerschaft geraucht hat [1]? Denn sterben müssen wir ja ohnehin alle mal? Oder wieviele verlorene Jahre halten Sie für akzeptabel?

    [1] http://www.springermedizin.at/artikel/18752-das-fetale-tabaksyndrom

  9. #13 Alexander
    9. Februar 2015

    @weyoun: Soweit mir bekannt ist, kommt statistisch auf etwa eine Million gerauchte Zigaretten eine Lungenkrebserkrankung.

  10. #14 Joseph Kuhn
    9. Februar 2015

    @ weyoun: Falls Ihre Frage auf die Dosis-Wirkungsbeziehung abzielt, also darauf, wie stark das Risiko, an Lungenkrebs zu sterben zunimmt, je nachdem wie viele Zigaretten geraucht werden: Doll et al. haben das wiederholt, zuletzt über einen Zeitraum von 50 Jahren, bei britischen (männlichen) Ärzten analysiert: http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC437139/

    In Tabelle 1 finden sich Mortalitätsraten in Abhängigkeit von der Menge der gerauchten Zigaretten. Dividiert man die Raten der Raucher durch die der Nichtraucher, kommt man zu einem 8-fachen Risiko für 1-14 Zigaretten täglich, einem 14-fachen Risiko für 15-24 Zigaretten täglich und einem 25-fachen Risiko für 25 und mehr Zigaretten täglich.

  11. #15 weyoun
    9. Februar 2015

    @ Joseph Kuhn:

    Vielen Dank. So etwas suchte ich

  12. #16 Franz
    11. Februar 2015

    …. allein in Deutschland die Tabakprävention konsequent weiterzuentwickeln ….
    Wieso ? Mittlerweile sollte doch der größte Dummkopf begriffen haben, dass Rauchen schlecht für die Gesundheit ist.

    Es geht jetzt schon so weit, dass man um einige Kellner vor Gesundheitsschaden zu bewahren ein Rauchverbot in Restaurants hat. Ok, macht vielleicht Sinn, aber jetzt sollte Schluss mit Bevormundung sein. Wir leben doch in einem freien Land.

    Übrigens, ich bin Nichtraucher, habe aber andere ‘Laster’ und fürchte mich vor den Folgen dieses Gesundheitswahns. Wann kommt das Verbot von Dingen die ICH gerne mache ? Das sollte sich jeder Fragen der gerne alles verbieten will.

  13. #17 Andreas P.
    11. Februar 2015

    @Franz
    wenns denn so einfach wäre .. die rein rationale Erkenntnis das Rauchen gesundheitsschädigend ist reicht leider nicht, deshalb nennt man das ja auch eine Sucht.

    Na ein Glück, ich hab aufgehört, hoffentlich früh genug, aber obiger Link macht Hoffnung.

  14. #18 Joseph Kuhn
    11. Februar 2015

    @ Franz:

    “Mittlerweile sollte doch der größte Dummkopf begriffen haben, dass Rauchen schlecht für die Gesundheit ist.”

    Auch wenn das so wäre, was würde daraus folgen? Dass man angesichts zigtausend vorzeitiger Sterbefälle und anderer tabakbedingter Gesundheitsschäden nur noch achselzuckend “selber schuld” sagt? Das halte ich nicht für der Weisheit letzten Schluss.

    “fürchte mich vor den Folgen dieses Gesundheitswahns”

    Sie haben völlig recht, dass man im Umgang mit Risiken aufpassen muss, nicht einem “Gesundheitswahn” – wie Sie es nennen – zu verfallen, ganz gleich ob der als Norm verordnet wird oder selbst gewählt ist, wenn man z.B. mit Gesundheits-Apps und Selftracking-Technologien die persönliche Rundumüberwachung organisiert.

    “Das sollte sich jeder Fragen der gerne alles verbieten will.”

    Haben Sie den Eindruck, dass hier jemand “alles” verbieten will? Joggen im Freien? Briefeschreiben? Knödelessen? Auch das Rauchen ist ja nicht verboten, es ist nur in öffentlichen Räumen eingeschränkt, in der Gastronomie je nach Bundesland etwas unterschiedlich, aber vor der Kneipentür kann selbst in Bayern jeder rauchen. Zudem ist es (relativ) egal, was einzelne Leute vielleicht alles verbieten wollen, da gibt es sicher absonderliche Vorstellungen. Aber für ein Verbot braucht es politische Mehrheiten.

  15. #19 Alisier
    11. Februar 2015

    Ich stricke gerade an einer Vorlage für die Unnachgiebige Bestrafung dämlicher Kommentare.
    Nur weil ich noch nicht sicher bin, ob Stockhiebe oder was anderes hilfreicher wären, zögere ich noch mit der Veröffentlichung.

    • #20 Joseph Kuhn
      11. Februar 2015

      Gegen Dummheit ist kein Kraut gewachsen, schon gar kein Tabakkraut. Falls Du auf “Franz” anspielst: Worum es ihm wirklich geht, ist aus seinem kurzem Kommentar nicht zu erschließen. Insofern sei ihm erst mal das Gespräch statt Stockhieben angeboten, wobei das mit den Hieben dem Blog nebenan zufolge als pädagogisches Mittel ohnehin zu überdenken wäre 😉

  16. #21 Franz
    12. Februar 2015

    @Alisier
    Naja, wenn du mich meinst, dann ist dein Beitrag genau das Muster das ich anprangere. DEINER Meinung ist MEINE Meinung schlecht also verbietest du sie mir unter Androhung von Gewalt. Genau das kreide ich an.
    Was machst du gerne ? Nehmen wir mal an du spielst gerne Computerspiel, weißt eh, die bösen. Jetzt kommt einer und sagt: Pfui, das erzeugt Amokläufer und deshalb verbieten wir es dir ! Wäre das ok für dich ? Oder, du liebst Mountainbiken, jetzt kommt einer und sagt: die armen Tiere im Wald, voll gestört wenn ich sie abknallen will, also Verbot !! oder, du isst gerne Kartoffelchips, uiii wie ungesund, Salz/Fett, das muss doch verboten werden.

    Information JA, Verteidigung JA, Verbot NEIN.

    @Joseph
    … anderer tabakbedingter Gesundheitsschäden nur noch achselzuckend “selber schuld” sagt?
    Korrekt !
    Warum machst du dir Sorgen dass ich mich mit Rauchen umbringe ? Das ist doch mein Problem. Du darfst mich gerne drauf hinweisen, dass ich mich damit selbst schädige, du darfst fordern dass ich dich und andere damit in Ruhe lasse, aber dann endet dein Recht.

    Ich habe es einfach satt, dass mir andere dauernd vorschreiben wollen wie ich leben soll. Ich bin nicht religiös, lebe in einem freien Land und will meine Meinung äußernd dürfen und muss zusehen, wie immer mehr Freiheiten beschnitten werden und alle noch freudig Beifall klatschen. Dagegen wehre ich mich.

    Haben Sie den Eindruck, dass hier jemand “alles” verbieten will?
    “Alles” ist übertrieben und vielleicht reagiere ich auch übertrieben, mag sein, aber wie oft liest man heute dass Gruppe X wieder mal Y “steuern”, “regulieren”, “korrigieren”, “einschränken”, “verbieten” will, wo es nur um die eigene Meinung geht. Ob’s da um banale Dinge wie Helmpflicht geht, oder Suchtmittel, oder politische Meinungen, oder Reisefreiheiten, oder Internet, oder Überwachung, was man sagen darf, wie man korrekt schreibt, überall wird sukzessive eingeschränkt.

    Wo bleibt die Eigenverantwortung ?

  17. #22 Alisier
    12. Februar 2015

    @Joseph Kuhn
    Das Interessante ist doch vor allem, dass Satire in solchen Fällen nie erkannt wird, und die eigenen Stöcke, mit denen man zuschlägt, nicht als solche gesehen werden (können).
    Aggressiv und unverschämt sind immer nur die anderen: ein spiegelndes Echo wird kaum je als solches wahrgenommen.
    Aber ich wollte hier nicht eskalierend wirken, und Ihren wirklich guten Blog zum Schlachtfeld machen lassen.
    Franze aller Art werde ich in Zukunft wieder ignorieren: das hat sich einfach bewährt.

  18. #23 Franz
    12. Februar 2015

    @Alisier
    Kommt von dir mal ein Gegenargument außer der Aussage alle Andersdenkenden zu verprügeln oder zu ignorieren ?
    Machen wir einen Versuch:
    Was ist an dieser Aussage deiner Meinung nach falsch, böse, aggressiv, prügelwert, ignorierwert ?
    Du darfst mich gerne drauf hinweisen, dass ich mich damit selbst schädige, du darfst fordern dass ich dich und andere damit in Ruhe lasse, aber dann endet dein Recht.

  19. #24 Joseph Kuhn
    12. Februar 2015

    @ Franz:

    “Warum machst du dir Sorgen dass ich mich mit Rauchen umbringe ?”

    Weil ich Anteil am Schicksal meiner Mitmenschen nehme. Es ist mir nicht egal, was mit ihnen geschieht, selbst wenn sie “selbst schuld” sind.

    “Ich habe es einfach satt, dass mir andere dauernd vorschreiben wollen wie ich leben soll.”

    Ich will Ihnen nicht vorschreiben, wie Sie leben sollen. Wenn Sie als aufgeklärter Zeitgenosse sich über die Gesundheitsgefahren des Rauchens im Klaren sind, dann ist es in der Tat Ihre Sache, ob Sie rauchen oder nicht. Aber wenn man sieht, wie ungleich das Rauchen nach sozialer Lage verbreitet ist, muss man sich fragen, ob sich nicht hinter dem Rücken der Leute, im Gewande der “freien” Entscheidung, doch soziale Determinanten durchsetzen, über die man sprechen muss. Die Lösung ist nicht das Rauchverbot für Leute der unteren Sozialstatusgruppen, aber vielleicht gibt es Möglichkeiten, in der Gesellschaft langfristig auf wirklich freiere, nicht so stark von der Schichtzugehörigkeit bestimmte Entscheidungen hinzuwirken. Und indirekte Maßnahmen der Tabakprävention, z.B. umfassendere Werbeverbote für die Tabakindustrie, oder zumindest das Durchsetzen bestehender Werbeverbote (wie dem Verbot, gezielt Jugendliche anzusprechen), schränken Ihre persönliche Freiheit ja auch nicht ein.

    Übrigens: Wenn man das Gefühl hat, dass einem die Anderen “dauernd” vorschreiben wollen, wie man leben soll, ist man gut beraten, einmal gründlich darüber nachzudenken, ob das wirklich stimmt und falls ja, was das bedeutet.

    “Wo bleibt die Eigenverantwortung ?”

    Eigenverantwortung ist doch das Zauberwort moderner neoliberaler Regulation: Jeder sei für seine Angelegenheiten selbst verantwortlich und wenn er seiner Verantwortung nicht nachkomme, müsse man ihn eben daran erinnern, zur Not mit Sanktionen. Demgegenüber würde ich es vorziehen, den Leuten den gesünderen Weg als den einfacheren Weg zu ebnen. Wie immer das im konkreten Fall aussehen mag. Im Arbeitsschutz kann man natürlich auf Schutzvorrichtungen verzichten und an die Eigenverantwortung appellieren, aber ist das klug? Man könnte Autos billiger ohne die ganze Sicherheitstechnik bauen und an die Eigenverantwortung appellieren, aber ist das klug?

  20. #25 Franz
    13. Februar 2015

    @Joseph
    Es ist mir nicht egal, was mit ihnen geschieht, selbst wenn sie “selbst schuld” sind.
    An dem Punkt gehen unsere Meinungen auseinander. Für mich ist das Recht auf Unvernunft auch ein Menschenrecht.

    in der Gesellschaft langfristig auf wirklich freiere, nicht so stark von der Schichtzugehörigkeit bestimmte Entscheidungen hinzuwirken
    Dem stimme ich zu, ich würde aber eher Ansetzen das Selbstvertrauen von jungen Menschen zu stärken, sodass sie diesem sozialen Druck leichter widerstehen können. Überzeugen statt verbieten.

    Wenn man das Gefühl hat, dass einem die Anderen “dauernd” vorschreiben wollen, wie man leben soll
    Das Gefühl hab ich (Religion, Gesundheitsapostel, Grüne, Wirtschaft, Ernährungswissenschaftler …)

    einmal gründlich darüber nachzudenken
    mach ich, sonst würde ich hier nicht diskutieren

    ob das wirklich stimmt
    Subjektiv gesehen ja, vieles was ich früher durfte ist jetzt verboten (abgesehen von unter 18).

    was das bedeutet
    für mich bedeutet es ein ‘wachsam sein’, damit wir nicht in Gefahr laufen unsere Eigenverantwortung zu verlieren oder vor lauter Sicherheit s- und Gesundheitsfanatik unsere Freiheit und Spass am Leben vergessen. Und natürlich auch um uns politische Systeme wie vor 80 Jahren zu ersparen.

    Demgegenüber würde ich es vorziehen, den Leuten den gesünderen Weg als den einfacheren Weg zu ebnen.
    Da bin ich voll dafür, nur denke ich dass es eine Grenze gibt. Ich sehe kein Problem den Menschen den besseren Weg zu zeigen, ich will aber nicht an jeder Ecke einen Polizisten der mit sagt welchen Weg ich jetzt gehen muss. Ich will auch mal durch den Acker laufen und mich schmutzig machen.

  21. #26 Franz
    13. Februar 2015

    @Alisier
    Keine Antwort ? Also sind sie auch einer jener Gutmenschen mit einer Wahrheit(TM) im Gepäck die es Ihnen vermeintlich erlaubt, sich über Rechte, Meinungen und Freiheiten von Andersdenkenden bedenkenlos hinwegsetzen zu dürfen. Schade, andere Posts in anderen Threads haben ein anderes Bild vermittelt.

  22. #27 Joseph Kuhn
    13. Februar 2015

    @ Franz: Was das Recht auf Unvernunft angeht: völlig d’accord. Dass uns immer mehr vorgeschrieben wird, glaube ich dagegen nicht und das widerspricht auch jeder wissenschaftlichen Empirie. Die Soziologie spricht z.B. von der “Individualisierung” von Lebensläufen, der Freisetzung von tradierten Normen. Was durfte man früher alles nicht, von der Berufswahl bis zum Heiraten. Wir haben heute viel mehr Freiheiten als früher.

  23. #28 lindita
    21. Juni 2015

    “90 % der Männer und 60 % der Frauen, die an Lungenkrebs erkranken, haben aktiv geraucht.”

    Es erkranken immernoch 40% der nichtrauchenden Frauen an Lungenkrebs. Wieviel von Raucherinnen würden trotzdem die Form von Nichtraucherlungenkrebs entwickeln, wenn sie nicht rauchen würden?

    Nichtraucherlungenkrebs hat seine bestimmte Merkmale. Wurde denn untersucht, ob diese Merkmale sich durch das Rauchen verändern, und dieser eigentlich genetisch vorbestimmter Lungenkrebs so nicht erkennbar wird? Sodass am Ende bei den 60% der Raucherinnen auch mal eine unbestimmte Zahl genetischer Prädestination vorlag?

    Ist doch seltsam, dass man “genetisch” und “praktizierend” so sauber voneinander trennen kann.

    • #29 Joseph Kuhn
      21. Juni 2015

      @ lindita:

      “Es erkranken immernoch 40% der nichtrauchenden Frauen an Lungenkrebs.”

      Gottseidank nicht, das wäre das Ende des weiblichen Geschlechts. 40 % der Frauen, die an Lungenkrebs erkranken, haben nicht aktiv geraucht. Ein Teil davon wiederum war Passivrauch ausgesetzt. Genetische Faktoren spielen sicher beim Lungenkrebs der Raucher/innen eine Rolle, daraus folgt aber nicht, dass man für die Erkrankungen dann einfach pauschal “die Gene” verantwortlich machen kann. Das wäre in etwa so, wie wenn man betrunken Auto fährt und für den Unfall dann das Auto verantwortlich macht. Klar, ohne Auto kein Unfall, aber erklären Sie das mal der Polizei bei der Unfallaufnahme.

  24. #30 lindita
    21. Juni 2015

    HaHa))

    Was so ein Weglassen von wichtigen Deutungswörtern alles bewirken kann, und dann sag ich meinen Kunden, ich kann nicht in euren Köpfen lesen))))

    Natürlich meine ich die von erkrankten Frauen die 40%.

    Die Gene mach ich auch nicht verantwotlich, nachdem man die Epigenetik entdeckt hat. Aber die (wer auch immer) unterscheiden es so. Wenn nicht geraucht, dann Gene.

    Trotzdem 40% ist schon viel, und wie ich gelesen habe, in Asien besonders…

  25. #31 zimtspinne
    30. September 2015

    Bin jetzt zufällig auf das Thema getroffen, da ich das Thema Krebs allgemein extrem spannend und faszinierend und immer wieder einen Quell neuer Erkenntnisse finde…

    Aber mal ernsthaft: 40% der weiblichen Lungenkrebspatienten sind Nichtraucher???

    Das glaube ich nie und nimmer. Da sprichen die Zahlen an “der Front” auch eine ganz andere Sprache…. ich lese regelmäßig im Krebskompass, gerade bei den weiblichen Betroffenen (meist schreiben im Fall Lungenkrebs Angehörige) stellt sich oft heraus: starke Raucherin.
    Oder langjährige Ex-Raucherin.

    Das scheint mir eher das Übel der Statistik zu sein. Erfasst werden Nichtraucherinnen bei Erstdiagnose.
    Keine Ahnung, ob da genauer nachgefragt wird, entscheidend ist doch aber, ob echter Nichtraucher im Sinne von niemals geraucht (oder höchstens mal in der Jugend gelegentlich) oder jahrelange Raucherin, die irgendwann “trocken” wurde.
    Womöglich reichen 5 Jahre starkes Rauchen schon aus, um den Grundstein für erfolgreichen Lungenkrebs zu legen.

    Passivrauchen kommt noch hinzu….

  26. #32 Joseph Kuhn
    30. September 2015

    @ Zimtspinne:

    Das hat u.a. damit zu tun, dass Frauen vor 20 Jahren (Latenzzeit der Krebsentstehung mitdenken!) wesentlich seltener geraucht haben als Männer. Würden Frauen gar nicht rauchen, würden 100 % der Lungenkrebsfälle bei Frauen auf Nichtraucherinnen entfallen, es wären weniger Lungenkrebsfälle, aber es gäbe sie.