Die Bundesregierung hält sich eigens einen Corona-Expertenrat. Der hat in seiner 5. Stellungnahme – ein halbes Jahr ist es her – eine evidenzbasierte und einheitliche Risikokommunikation angemahnt. Andernfalls würde das Vertrauen in staatliches Handeln untergraben. Und auch der Sachverständigenausschuss nach § 5(9) IfSG hat in seinem Evaluationsbericht ganz ähnlich darauf hingewiesen, dass die Risikokommunikation informierte Entscheidungen ermöglichen soll, damit auch „schützendes bzw. lebenserhaltendes Verhalten fördern, das Vertrauen in öffentliche Institutionen bewahren und den sozialen Zusammenhalt stärken.“ Das war vor sechs Wochen.

Bundesgesundheitsminister Lauterbach hat das entweder nicht gelesen, oder nicht verstanden, oder es ist ihm egal. Bei der Frage, für wen eine 4. Impfung sinnvoll ist, hat er für maximale Verwirrung gesorgt. Die STIKO empfiehlt die 4. Impfung derzeit für ältere Menschen ab 70 Jahren, für Jüngere nur unter bestimmten Voraussetzungen. Darüber kann man natürlich diskutieren. Die EMA empfiehlt die Impfung seit kurzem schon ab 60 Jahren. Insofern: Die einen sagen so, die anderen so. Auch bei den Risikogruppen unter 70 (bzw. unter 60) kann man unterschiedliche Meinungen vertreten, neben immunsupprimierten Personen gibt es sicher weitere Risikogruppen, die von einer 4. Impfung profitieren könnten.

Ergo: Möge doch die STIKO die Sachlage und die sich anreichernde Evidenz neu prüfen, so dass man eine Grundlage für eine evidenzbasierte Risikokommunikation hat, die den Menschen eine informierte Entscheidung ermöglicht und das Vertrauen in staatliches Handeln nicht (weiter) untergraben wird. Das ist beim Thema Impfen besonders wichtig, zumal hier kommunikativ in der Vergangenheit weiß Gott nicht alles optimal gelaufen ist.

Herr Lauterbach wollte aber nicht auf die STIKO warten. Mitte Juli sagte er:

„Wenn jemand den Sommer genießen will und kein Risiko eingehen will zu erkranken, dann würde ich in Absprache natürlich mit dem Hausarzt auch Jüngeren die Impfung empfehlen”.

Das klingt nach einer allgemeinen Impfempfehlung für Jüngere. Evidenzbasiert ist seine Begründung „wenn jemand den Sommer genießen will“ aber eher nicht. Prompt kam es zu Widerspruch. Namhafte Immunologen wie Andreas Radbruch oder Carsten Watzl sehen nicht die Notwendigkeit einer 4. Impfung für alle, jedenfalls nicht jetzt, und der STIKO-Vorsitzende Thomas Mertens sagte, er kenne keine Daten, die das rechtfertigen. Das STIKO-Mitglied Rüdiger von Kries gab Lauterbach den Rat, es wäre gut, wenn er „seine Zunge etwas besser im Griff hätte“. Lauterbach hat auf den Gegenwind reagiert, er will es nicht so gemeint haben:

„Ich habe nie gesagt, dass alle jüngeren Leute sich jetzt impfen lassen sollen. Das ist einfach falsch.“

Das stimmt, das hat er so nicht gesagt, aber zumindest das Missverständnis nahegelegt, dass er es so gemeint hat. Auf jeden Fall muss man seine Aussage als Kritik an der STIKO verstehen. Aber wie gesagt, „wenn jemand den Sommer genießen will“ ist keine Formulierung, die ich in einer STIKO-Empfehlung sehen möchte. Da sollen bitte wissenschaftliche Begründungen angeführt werden. Böse hat der Medizinjournalist Werner Bartens gestern in der Süddeutschen daher formuliert: “Die STIKO ist eine weltweit anerkannte Institution; Lauterbach hält sich für eine.”

Damit nicht genug, bringt auch der Entwurf des neuen Infektionsschutzgesetzes Verwirrung in die Lage, weil er die Befreiung von Maskenpflichten im Herbst an eine Impfung knüpft, die nicht länger als drei Monate zurückliegt – für viele Menschen also nur bei einer 4. Impfung.

Damit darf man die Kommunikationslinie vielleicht so zusammenfassen: Wenn jemand den Sommer genießen will, oder im Herbst keine Maske tragen möchte, oder älter ist oder glaubt, irgendeiner Risikogruppe anzugehören, möge er mit seinem Arzt sprechen, ob der noch versteht, wann wem warum die 4. Impfung zu empfehlen ist.

——————————
Zum Weiterlesen oder Weiterhören:

• Expertenstimmen zur 4. Impfung beim science media center
Video von Werner Bartens zum Entwurf des neuen Infektionsschutzgesetzes

Kommentare (81)

  1. #1 RainerO
    12. August 2022

    In Österreich sieht es derzeit, von NIG (Nationales Impfgremium) recht klar formuliert, so aus:

    Die Auffrischungsimpfung soll frühestens vier Monate, jedenfalls aber ab sechs Monaten nach Abschluss der Grundimmunisierung mit drei Impfungen oder nach einer PCR-bestätigten Infektion erfolgen. Gesunden, immunkompetenten Personen von zwölf bis 59 Jahren ist eine Auffrischungsimpfung laut Anwendungsempfehlung weiterhin „nicht allgemein empfohlen“.

  2. #2 ajki
    12. August 2022

    “… evidenzbasiert …”

    Ich bin hier nicht sicher, wie eine Evidenzbasierung möglich sein könnte. Mal gesetzt den Fall, es wird “wieder” so wie die letzten beiden Jahre: zum Herbst/Winter hin würden dann die Fallzahlen wieder (stark) ansteigen und irgendwann Ende November oder im Dezember würde dann irgendeine Kommission (wieder) verlautbaren, eine Auffrischungsimpfung sei “evidenzbasiert” günstig.

    *Jetzt* im Moment ist eine solche Empfehlung Prognostik bzw. Annahme einer wahrscheinlichen Entwicklung. Aber “Evidenz” für die Lage im November/Dezember kann man ja nun mal derzeit nicht haben (von “Grundsätzen” mal abgesehen).

  3. #4 Herr Senf
    12. August 2022

    wenn die Meldung stimmt, ist Lautenbachs letzte Impfung 270 Tage her, vielleicht hat er deshalb nach Infektion zusätzlich Medikamente genommen, wartet auf Omikron-Update.
    Ich bin “frischer”, warte aber auch noch zu.

    • #5 Joseph Kuhn
      12. August 2022

      @ Herr Senf:

      “wenn die Meldung stimmt, ist Lautenbachs letzte Impfung 270 Tage her”

      Wenn diese Meldung des BMG stimmt, ist sie nicht so lange her. Bei aller Kritik an Lauterbach: Dass er über seinen Impftermin explizit lügt, kann ich mir eigentlich nicht vorstellen.

      Vielleicht zeigt er ja demnächst die Impfbescheinigung vor, die Diskussion wäre damit beendet, aber um den Preis einer weiteren Versumpfung der politischen Debatte. Mir ist mehr daran gelegen, dass die Bundesregierung die Impfstrategie bzw. den Infektionsschutz insgesamt mit Blick auf den Winter vernünftig voranbringt. Wie oft Lauterbach seine Socken wechselt oder wie oft er seine Impf-App updated, ist mir eigentlich ziemlich egal.

      Aber eine kommunikative Meisterleistung war natürlich auch das nicht.

      Nachtrag: Erinnert ein wenig an das: https://scienceblogs.de/gesundheits-check/2021/07/18/querdenken-als-mainstream-die-macht-des-unfreiwillig-offenbarten/

  4. #6 Peter Weismann
    12. August 2022

    Evidenz hin oder her: ich will meine vierte Impfung!
    Bekomme ich die?
    Womöglich, wenn ich selbst bezahle aber nicht, wenn ich außerhalb der Gruppen liege, für welche die STIKO eine derartige Auffrischung empfiehlt.
    Von daher ist das doch alles dummes Gerede, dass hier Wünsch-dir-Was und unbeschwerter Sommer irgendeine Bedeutung haben.

    Und irgendwie glaube ich nicht, dass Evidenz und aktuelle Fallzahlen vermischt werden können. Bei einer vierten Impfung muss es doch darum gehen, wie gut die denn zu schützen vermag und das können wir womöglich recht seriös gegenüber den aktuell verbreiteten Mutationen ermitteln, aber nicht gegenüber womöglich im Herbst/Winter auftretenden neuen Mutationen. Da muss man schätzen und abwägen.

    Für mich ist insbesondere das Risiko bei Impfung mit MRNA Impfstoffen so gering, dass ich gar keine Bedenken habe, mich auch dann impfen zu lassen, wenn die Nützlichkeit der Impfung zweifelhaft ist. Ich nehme auch seit über einem Jahrzehnt meine Grippeschutz-Impfung und die hilft ja auch nicht immer und kann Nebenwirkungen haben.

    Evidenz kann ja womöglich etwas verkürzt mit Nützlichkeit übersetzt werden. Mir geht es aber um mögliche Schädlichkeit und Verfügbarkeit.

    Fallzahlen brauchen wir doch nicht erst im Herbst: man betrachte sich die aktuellen Zahlen und bedenke die Dunkelziffer, weil sich auch erkrankte keinem PCR-Test mehr unterziehen (können oder meistens wollen).
    Einen Kampf gegen diese Viren und ihre Verbreitung gibt es nicht mehr. Die Politik scheint das auch zu akzeptieren, also den Wählerwillen an zu nehmen. Und vielleicht ist das auch die richtige Politik und Einstellung?

    Es führt jedenfalls in Summe dazu, dass ich eben keine vierte Impfung bekommen darf, obwohl ich eine haben möchte.

  5. #7 RainerO
    12. August 2022

    @ Peter Weismann

    …dass ich eben keine vierte Impfung bekommen darf, obwohl ich eine haben möchte.

    Ist das (in Deutschland) so? In Österreich gibt es die oben (#1) erwähnte Empfehlung, aber auch den Nebensatz, dass niemandem außerhalb dieser Empfehlungen die Impfung verweigert wird, wenn sie doch gewünscht wird. Impfstoff ist doch genug da, oder?

    • #8 Joseph Kuhn
      13. August 2022

      @ RainerO:

      “Ist das (in Deutschland) so?”

      Nicht überall. Bremen, 28.07.2022: “Ab sofort ist allen volljährigen Personen auch ohne explizite STIKO-Empfehlung der Zugang zu einer zweiten Auffrischimpfung 6 Monate nach der ersten Auffrischimpfung möglich. Vor der Impfung erfolgt ein ärztliches Aufklärungsgespräch in dem das Nutzen-Risiko Verhältnis einer vierten Impfung erläutert wird.”

  6. #9 ajki
    13. August 2022

    Anekdotisch kann ich aus Nds berichten: ich habe mir als PrivP eine Auffrischungsimpfung für Anfang Oktober beim Hausarzt terminieren lassen. Die Arzthelferin wies darauf hin, dass ich “wahrscheinlich” die Impfung selber zahlen müßte – wobei ich immer noch nicht darüber hinweg bin, dass ich für die bisherigen Impfungen *nichts* zahlen mußte, denn etwas derartiges habe ich noch niemals in meiner eigenen “Krankengeschichte” erlebt. Bei der zweiten Impfung hatte ich sogar *gebeten*, die Kosten tragen zu dürfen – was aber in dieser Praxis gar nicht möglich war.

    Insofern: in Nds wird man sicherlich eine Auffrischungsimpfung auf Verlangen bekommen können (vielleicht mit Ausnahme von Kindern/Jugendlichen), wobei allerdings möglicherweise auch für Kassenpatienten ein Kostenanteil zu übernehmen sein wird. Allerdings ist dieses Risiko wohl gering, weil bei starken Anstiegen der Fallzahlen ab September die volle Kostenübernahme sicherlich schnell realisiert werden wird.

  7. #10 Valentina
    Bern
    13. August 2022

    Ich bin hier zufällig auf diese tolle Seite gestoßen. Ist denn diese Impfung wirklich evidenzbasiert? Die klinischen Studien sind doch noch gar nicht abgeschlossen? Außerdem habe ich gehört, dass gar keine Kontrollgruppe existiert. Nach seiner zweiten Impfung hat ein Freund eine halbseitige Gesichtslähmung. Man hat mir gesagt, das sei nichts besonderes, Justin Biber hätte das auch. Es sieht richtig schweiße aus. Ich habe Angst.

    • #11 Joseph Kuhn
      13. August 2022

      @ Klardenker alias Mausi alias …

      Schön, dass Sie so ein Vergnügen daran finden, so zu tun, als seien Sie sonstwer und dass Sie immer neue Varianten der Querdenkerei hier deponieren wollen. Am Ende fällt noch wer drauf rein, was für ein Heidenspaß. Aber Heinz Erhardt war halt doch viel lustiger.

      Dass es Ihnen nicht um inhaltliche Diskussionen geht, haben Sie jetzt zur Genüge bewiesen, daher soll das Ihr letzter freigeschalteter Kommentar hier gewesen sein. Ich wünsche alles Gute und behalten Sie Ihren kindlichen Spieltrieb, falls es nicht nur Boshaftigkeit gewesen sein sollte.

  8. #12 RPGNo1
    13. August 2022

    Justin Bieber hat das Ramsay-Hunt-Syndrom, wie “Valentina” mit einer simplen Internetrecherche leicht hätte herausfinden können.

    https://m.focus.de/gesundheit/ramsay-hunt-syndrom-gesichtshaelfte-gelaehmt-das-ist-die-krankheit-an-der-justin-bieber-leidet_id_107958457.html
    https://en.wikipedia.org/wiki/Ramsay_Hunt_syndrome_type_2

  9. #13 Spritkopf
    13. August 2022

    Schön, dass Sie so ein Vergnügen daran finden, so zu tun, als seien Sie sonstwer und dass Sie immer neue Varianten der Querdenkerei hier deponieren wollen.

    Bestätigt mal wieder meine Meinung über beinharte Verschwörungsheinis wie den Nebeldenker. Die glauben, sie würden überall belogen, weil sie selber nur zu bereit sind, andere zu belügen.

    “Alles, was ich denk’ und tu’, traue ich auch anderen zu.”

  10. #14 RainerO
    13. August 2022

    @ RPGNo1, Spritkopf
    Ich halte Klardenker (inkl. seiner Sockenpuppen) weniger für einen beinharten Verschwörungsheini, als vielmehr für einen klassischen Troll.
    Wenn er/sie/es tatsächlich aus Überzeugung unterwegs wäre, würde man zumindest ansatzweise Diskussions-, oder Missionierungsbereitschaft sehen. Die gibt es aber nicht, nur immer wieder Häufchen mit alten, langweiligen Kamellen unter neuen Namen. Den Eindruck erwecken, dass “wir” viele sind.
    Vielleicht ist der nächste Troll etwas origineller, der hier war einfach nur öde.

  11. #15 MSB
    13. August 2022

    Lauterbach hat ein Infektionsschutzgesetz vorgeschlagen, das in Teilen darauf basiert, dass regelmäßige Impfungen möglich sind. Gleichzeitig haben wir eine Stiko, die versucht, genau diese Impfungen zu verhindern. Gerüchten zufolge steht Mertens, der Chef der Stiko zudem den Homöopathen nahe. Ich stelle mir inzwischen die Frage, ob Lauterbach überhaupt die Pandemie bekämpfen will, sondern schlicht und einfach nur #afdp-Politik betreibt, um die Koalition nicht platzen zu lassen und so seinen Job zu sichern. Das von ihm eingebrachte Gesetz ermöglicht keine wirksame Bekämpfung der Pandemie.

    • #16 Joseph Kuhn
      13. August 2022

      @ MSB:

      “Gerüchten zufolge steht Mertens, der Chef der Stiko zudem den Homöopathen nahe.”

      Gerüchten zufolge soll man auf Gerüchte nicht allzu viel geben. Hier im Blog sind statt dessen Belege gern gesehen.

      Auch sonst ist Ihr Kommentar eine seltsam trollige Ansammlung von Sätzen, als ob Sie in die Fußstapfen von “Klardenker” alias … treten möchten. Macht das Spaß?

  12. #17 lioninoil
    13. August 2022

    Eine Momentaufnahme
    Am Eingang eines Second-Hand-Ladens: „Dankeschön, wenn Sie eine Maske tragen“. Etwa die Hälfte der Kunden trägt Maske, vom Personal niemand.

    Am Eingang eines Supermarktes: Kein Schild mehr, etwa 10 % der Kundschaft trägt Maske.

    Bei einem Arzt: „Benützen Sie eine medizinische Maske“. Das Personal trägt Maske.

    Bei der Deutschen Bahn: „Verwenden Sie eine medizinische Maske „ 90 % der Fahrgäste trägt Maske, 1/3 von denen hat die Nase dabei frei. Die Zugbegleiterin trägt Mundschutz.

    Fazit: die Maske wird immer noch akzeptiert, die Akzeptanz nimmt aber ab.

  13. #18 Spritkopf
    13. August 2022

    @RainerO

    Der Herr postet ja nicht das erste Mal auf Scienceblogs. Der hat hier wie auch drüben bei Cornelius Courts ein Zeug gepostet, dass sich die Tapete an der Wand kräuselt. Das liest du und weisst, dass du einen besonders schweren Fall von renovierungsbedürftigem Oberstübchen vor dir hast.

  14. #19 Berni
    BRD
    13. August 2022

    Ich sehe dieses „Nicht-Zulassen“ von Beiträgen als problematisch an. In andere Blogs nerven auch einige Leute ganz gewaltig mit Ihren pseudo-wissenschaftlichen Thesen. Aber ich persönlich habe dort bisher auf meine grundlegenden Fragen immer eine verständliche Antwort bekommen, auch wenn ich bestimmt auch genervt habe. Ich habe einmal in diesem Blog eine wirklich kurze Bemerkung platziert, die inzwischen Schnee vom letzten Jahr ist, aber sie wurde einfach zensiert und nicht veröffentlicht. Deshalb habe ich kein Vertrauen in diese Zensur der Beiträge zu diesem Blog!

  15. #21 Uli Schoppe
    13. August 2022

    Oh hier gibt es Zensur?

  16. #22 Peter Weismann
    13. August 2022

    https://scienceblogs.de/gesundheits-check/2022/08/12/die-4-impfung-evidenzbasierte-und-einheitliche-risikokommunikation/#comment-121459

    “Ist das (in Deutschland) so?”

    Bei mir ist Saarland und ich wurde zum zweiten Male von einem Impfzentrum abgewiesen, weil ich erst 59 Jahre alt bin und nicht zu einer der gefährdeten Gruppen gehöre. Man verlangte eine Art Attest eines Facharztes, dass ich besonders gefährdet sei und hier erhielt ich dann den Rat, lieber auf die zweite Auffrischung zu verzichten und mich anderweitig zu schützen. Einen Vordruck für ein derartiges Attest gäbe es außerdem nicht.
    Das Argument, erst später eine zweite Auffrischung zu nehmen, leuchtete mir ein. Allerdings habe ich inzwischen dann auch eine Covid-19 Erkrankung durchgemacht und frage mich, wie das andernfalls gewesen wäre.
    Diese Erkrankung verlief bei mir ohne dramatische Höhepunkte, womöglich auch wegen der erfolgten Impfungen.

    Irritiert war ich dann wieder, als ich nach der Erkrankung eine offizielle Bestätigung der Genesung durch einen erneuten PCR-Test wollte und auch hier abgewiesen wurde. Das sei nicht mehr nötig, man könne sich selbst “frei testen”. Der erste, positive PCR-Test war mir schon nur wegen einer speziellen Situation gestattet worden, nicht, weil das Gesundheitsamt sich für die Erkrankung interessierte.

    Was ich bekommen kann, wenn ich selbst bezahle, ist sicher eine zweite Frage.

    Ich lese aus solchen Umständen ab, dass wir als Gesellschaft einfach nicht mehr wollen, die Sache nicht mehr ernst nehmen. “Um Gottes Willen, ich mache doch keinen PCR-Test, dann kann ich ja nicht in Urlaub fliegen…” scheint mir derzeit eher vorherrschend.

    Was soll ich sagen: wir haben Pandemie und niemand macht mehr mit…

    • #23 Joseph Kuhn
      13. August 2022

      @ Peter Weismann:

      “Was soll ich sagen: wir haben Pandemie und niemand macht mehr mit…”

      Ja, ein Stück weit ist das so, und hinzu kommt eben, dass in manchen Punkten viel Unklarheit herrscht. Insofern würde es schon Sinn machen, wenn das geplante “Bundesinstitut für öffentliche Gesundheit” sich um eine gute Risikokommunikation kümmern würde. Und die BZgA könnte da auch jetzt schon mehr tun. Aber vielleicht hat sich das der Bundesgesundheitskommunikationsminister vorbehalten?

  17. #24 RPGNo1
    13. August 2022
  18. #25 RPGNo1
    13. August 2022

    @Peter Weismann

    Bei mir ist Saarland und ich wurde zum zweiten Male von einem Impfzentrum abgewiesen, weil ich erst 59 Jahre alt bin und nicht zu einer der gefährdeten Gruppen gehöre.

    Ist zwar nur anekdotisch, aber ich weiß von Leuten, die im Winter 2021/2022 ihre 3. Impfung haben wollten und abgewiesen wurden, weil sie (a) das zu diesem Zeitpunkt von der STIKO empfohlene Alter nur knapp nicht erreicht hatten oder weil (b) die dritte Impfung wenige Tage zu früh vom empfohlenen Zeitrahmen erfolgen sollte. Da haben sich manche Verantwortliche in den Impfzentren oder mobilen Impfangeboten als Oberbürokraten aufgeführt und den gesunden Menschenverstand missen lassen.

  19. #26 Moreno
    13. August 2022

    @ Joseph Kuhn: “Wie oft Lauterbach seine Socken wechselt oder wie oft er seine Impf-App updated, ist mir eigentlich ziemlich egal.”

    Welchen Sinn macht denn eigentlich die Impf-App, wenn der Bundesgesundheitsminister seine letzte Covid-Impfung darin nicht digitalisiert und die eigenen Instrumente der Pandemiebekämpfung missachtet?

    • #27 Joseph Kuhn
      13. August 2022

      @ Moreno:

      “Welchen Sinn macht denn eigentlich die Impf-App, wenn der Bundesgesundheitsminister seine letzte Covid-Impfung darin nicht digitalisiert”

      Gegenfrage: Wozu wäre der Nachweis der 4. Impfung gut?

      Wie gesagt, keine kommunikative Meisterleistung, aber die politische Auseinandersetzung mit ihm sollte sich an relevanten Streitpunkten festmachen, da ist ja wahrlich kein Mangel. Zum Vergnügen am “Erwischt” auch nochmal der Hinweis auf diesen Beitrag: https://scienceblogs.de/gesundheits-check/2021/07/18/querdenken-als-mainstream-die-macht-des-unfreiwillig-offenbarten/

  20. #28 RainerO
    13. August 2022

    @ Peter Weismann
    Danke für die ausführliche Antwort. Da bin ich froh, dass das in Österreich nicht so merkwürdig abläuft. Jedenfalls habe ich nichts dergleichen gehört.
    Vor allem der abgewiesene PCR-Test irritiert mich sehr. In Österreich beklagt man die stark zurückgegangene Testbereitschaft und die damit einhergehende schlechte Prognosegenauigkeit. Warum sollte da ein PCR-Test verweigert werden?
    Ich habe 5 Monate nach der Auffrischung die Infektion durchgemacht, mit sehr milden Symptomen. Das ist jetzt 3 Monate her. Ich hoffe, die nächste Auffrischung in ca. 3 Monaten schon mit einem angepassten Impfstoff durchführen zu können.

  21. #29 Beobachter
    13. August 2022

    @ RPG, JK:

    Den “gesunden Menschenverstand” (# 24) vermisse ich in der gesamten Corona-Politik sehr oft.
    Und das “Vergnügen am “Erwischt”” (# 26) wird hier geradezu mit Leidenschaft und Vergnügen gepflegt – aber nur, wenn es “die Anderen”, d. h. Leute aus dem vermeintlichen oder “echten” gegnerischen sog. Querdenker-/VT-Lager betrifft.

    Viel wichtiger als Lauterbachs persönlicher Impfstatus (der mir völlig egal ist) ist doch das, was er in seiner Funktion als Bundesgesundheitsminister an Maßnahmen per Gesetz oder Verordnung auf den Weg bringt/bringen will, wie das praktisch umgesetzt werden soll und was er dazu wie öffentlich äußert.
    Dazu gibt es wahrlich schon mehr als genug berechtigte Kritikpunkte und Diskussionsbedarf.

    • #30 Joseph Kuhn
      13. August 2022

      @ Beobachter:

      Sagen Sie doch einfach was zum Blogthema. Dass es wichtiger ist, welche Politik Lauterbach macht als warum er seine letzte Impfung nicht in der App hat, wurde schon gesagt. Vielleicht ist es Ihnen wieder mal nicht aufgefallen.

      RPGNo1 hat sich übrigens zu Lauterbachs Impftermin, wenn ich es recht sehe, gar nicht geäußert. Das Thema haben “Herr Senf” und “Moreno” hier eingebracht.

      Wenn Sie Ihre Wadlbeißer-Fixierung gerade mal wieder nicht überwinden können, müssen Sie vorerst wieder in die Stille.

  22. #31 RainerO
    13. August 2022

    @ Spirtkopf
    Bei CC (vor allem im OLT) habe ich schon lange nicht mehr vorbeigeschaut. Dort tummeln sich für mich seit einiger Zeit viel zu viele Leute mit “renovierungsbedürftigem Oberstübchen”.

    @ Beobachter
    Na, steht der eigene Blog schon?

    • #32 Joseph Kuhn
      13. August 2022

      @ RainerO:

      Immerhin zeigt der “Beobachter” sachliches Interesse an der Frage, wie viele Löcher eine Kaffeetasse hat und hält Thilo nicht vor, dass es Wichtigeres gäbe. Er kann anders, wenn er will, aber dieses zehrende Verlangen nach Wadlbeißen …

  23. #33 Beobachter
    13. August 2022

    @ JK, # 30:

    Das ist mir schon aufgefallen, aber mir ist auch aufgefallen, dass es hier diesmal ausnahmsweise selbst BGM Lauterbach trifft mit dem “Erwischt”.

    M. E. ist es ihm und seinem Ministerium ziemlich wurscht, was diverse (auch interdisziplinäre) Expertengremien sagen und welche Stellungnahmen und Empfehlungen sie abgeben.
    Er verhandelt lieber gleich, und auf welcher Grundlage auch immer, mit Justizminister Buschmann (FDP), betreibt eine “(Wissenschafts-, Risiko-)Kommunikation”, die man nicht als solche bezeichnen kann, und die mit einer nicht vorhandenen “Bürgernähe”.
    Es blickt kein Mensch mehr durch (auch beim Impfen), selbst wenn es um Maßnahmen/Verordnungen in nur 1 Bundesland geht, vieles ist nicht nachvollziehbar, unlogisch, widersprüchlich und chaotisch.

    Es braucht sich niemand wundern, wenn viele Leute die Pandemie nicht mehr Ernst nehmen oder die Nase so voll haben, dass sie in`s rechtslastige Querdenker-Lager abwandern.

    Wenn man an den Herbst denkt, packt einen das kalte Grausen …

    Interessanter Artikel zum Thema:

    https://www.freitag.de/autoren/ulrike-baureithel/corona-duett-karl-lauterbach-marco-buschmann-ist-eine-fehlbesetzung

    • #34 Joseph Kuhn
      14. August 2022

      @ Beobachter:

      Danke für den sachlichen Kommentar.

      Die Kürzungen der Förderung der Corona-Begleitforschung – der Kommentar von Ulrike Baureithel im verlinkten FR-Artikel nennt Vorhaben im Programm “Gesellschaftliche Auswirkungen der Corona-Pandemie” – sind völlig kontraindiziert.

  24. #35 PDP10
    14. August 2022

    Bei dem Eingangssatz:

    Die Bundesregierung hält sich eigens einen Corona-Expertenrat.

    … musste ich ja kurz schief grinsen.

    Die Lisbeth, Königin des Vereinigten Königreichs Großbritannien und Nordirland “hält” sich eine kleine Herde Corgis und eine wahrscheinlich größere “Herde” Dienerschaft. Wobei “hält” bei letzteren nun auch nicht der korrekte Begriff ist, weil das alles ganz normale sozialversicherungspflichtige Angestellte sind.

    Fest steht jedoch, dass der Corona-Expertenrat weder aus kleinen Hunden, noch aus einer Dienerschaft besteht. Und sozialversicherungspflichtig angestellt sind die auch nicht. Meines Wissens machen die das alle Ehrenamtlich.

    Ich vermute mal, dass der Eingangssatz sarkastisch gemeint ist – im Gegensatz zu dem was viele glauben, kann man Sarkasmus im Internet nämlich doch ab und zu erkennen – oder zumindest aus einer gewissen Frustration heraus geschrieben wurde … die ich nachvollziehen kann.

  25. #36 Staphylococcus rex
    14. August 2022

    Wer über Risikokommunikation spricht, sollte zuallererst auch an Risikobewertung denken. SARS-CoV-2 wurde bei seinem Auftreten analog zu SARS-CoV (-1) als Erreger der Risikostufe 3 klassifiziert (TRBA 462, Seite 24-25):
    https://www.baua.de/DE/Angebote/Rechtstexte-und-Technische-Regeln/Regelwerk/TRBA/TRBA-462.html

    Die initiale Einstufung als Stufe 3 Erreger war absolut gerechtfertigt, nur haben sich jetzt die Rahmenbedingungen verändert. Es gibt Medikamente, es gibt Impfungen, die vor schweren Verläufen schützen, es gibt eine Grundimmunität in der Bevölkerung. Und ich sehe auch, welche Rolle Sars-CoV-2 im Krankenhaus spielt. Es gibt zahlreiche Ausfälle beim Personal, es gibt zahlreiche Patienten mit einer Sars-Cov-2 Infektion. Der große Unterschied zur Delta-Welle letzten Herbst besteht darin, dass selbst die Risikopatienten nicht mehr das spezielle Krankheitsbild einer Viruspneumonie aufzeigen, sondern mit einem grippalen Infekt und einer Dekompensation ihrer Grundkrankheit in das Krankenhaus kommen.

    Das Krankheitsbild hat sich gewandelt, aus einer lebensgefährlichen Pneumonie ist mittlerweile ein grippaler Infekt geworden, aus einer Epidemie wird demnächst eine endemische Zirkulation.

    Die aktuelle Kakophonie der politischen Akteure ist zu einem guten Teil eine Folge der fehlenden Neubewertung des Erregers. Kurz gesagt, die FDP behandelt Sars-CoV-2 als Stufe 2 Erreger, Lauterbach dagegen als Stufe 3 Erreger. Die weitgehenden Lockerungen im IfSG sind nach meiner Einschätzung unvereinbar mit der Einstufung als Kategorie 3 Erreger. Wenn dagegen eine Rückstufung auf Kategorie 2 erfolgt, dann ist eine Impfpflicht für einen Stufe 2 Erreger ohne sterile Immunität auch nicht mehr juristisch tragfähig.

    Von einer Bundesregierung, die Handlungsfähigkeit demonstrieren möchte und von einem Expertenrat, der mehr als nur ein Feigenblatt sein möchte, erwarte ich deshalb eine klare Antwort auf eine einfache Frage: Sicherheitsstufe 2 oder Sicherheitsstufe 3? Wenn dies geklärt ist, lassen sich viele weitere Entscheidungen einfach ableiten.

  26. #37 lion in oil
    14. August 2022

    Der Begriff Risiko bedeutet nach Wikipedia :“Risiko weist je nach Fachgebiet einen unterschiedlichen Begriffsinhalt auf, allgemein wird hierunter die Möglichkeit des Eintritts künftiger Ereignisse, die nachteilige Auswirkungen wie Verlustgefahren in sich bergen, verstanden .

    Man muss also konkret werden, wenn man nachteilige Auswirkungen erwartet und gleichzeitig erwartet, dass sich die Bevölkerung vorausschauend verhält.

    Und das geschieht nicht, es wird nicht und nirgends angegeben worin denn das Risiko besteht.

    Beispiel : Deutsche Bahn. Hier besteht Maskenpflicht, das ist lobenswert.
    Gleichzeitig aber lässt die Bahn Züge ausfallen und lässt zu, dass die Waggons so überfüllt sind, dass in den Gängen die Fahrgäste stehen eine Stunde lang, Schulter an Schulter.
    Hier könnte man doch eine Durchsage machen: „Die Waggons sind überfüllt, es besteht erhöhte Ansteckungsgefahr an Covid 19! „

    Vorsichtige Reisende würden dann den nächsten Zug abwarten. Sogar in Parkhäusern gibt man an wieviel freie Plätze vorhanden sind. Warum macht man das bei den Zügen nicht. ???

    Nächstes Beispiel ein großes Krankenhaus.
    Fast alle Betten sind belegt. Nachts kommen Leute mit Fieber und belagern den Eingang, weil das Krankenhaus niemand mehr aufnimmt. Wo ist jetzt das Risiko ?
    Das Risiko hat das Krankenhauspersonal, weil , ja weil ein nicht geringer Teil sich wegen Fieber auch krank gemeldet hat. Die restlichen Pfleger müssen Überstunden leisten und überlegen sich, ob sie nicht ihren Arbeitsplatz wechseln.
    Das Risiko liegt also in der Überlastung der Krankenhäuser. Man könnte wie bei den Parkhäusern außen anzeigen, wieviele Betten noch frei sind. Wenn die Krankenhäuser belegt sind, dann übt das Druck auf die politisch Verantwortlichen auf.

    Risikokommunikation muss also darin bestehen mehr Offenheit zu schaffen. Die Schlussfolgerungen, die können dann Leute mit Phantasie selber daraus ziehen.

  27. #38 Joseph Kuhn
    14. August 2022

    Noch ein bisschen Verwirrung gefällig?

    Lauterbach twittert am 25.11.2021:

    “Ohne Impfung werden die meisten Kinder leider irgendwann erkranken.”

    Richtig wäre gewesen, hätte er gesagt, dass sich mit oder ohne Impfung die meisten Kinder irgendwann anstecken (inzwischen ist das geschehen), meist ohne krank zu werden, dass es aber trotzdem sinnvoll sein kann, Kinder zu impfen. Wenn er dann noch dazu gesagt hätte, die STIKO wird das im Detail bewerten und ihre Empfehlungen bei neuer Evidenz regelmäßig updaten, wäre es gute Risikokommunikation gewesen.

    Lauterbach twittert am 8.1.2022:

    “Die Impfquote bei Kindern ist zu gering. Eine Durchseuchung in den Schulen wäre sehr riskant.”

    Zu dem Zeitpunkt war bekannt, dass die Impfung die Infektion nicht wirksam bzw. dauerhaft verhindert. Also auch keine gute Kommunikation, was notwendige Maßnahmen in den Schulen angeht.

    Lauterbach twittert am 13.8.2022:

    “In der Altersgruppe der 5-11 Jährigen ist die Wirkung der Impfung mit BioNTech gegen Omicron Varianten enttäuschend niedrig ausgefallen.”

    Die Wirkung gegen was genau? Infektion? Transmission? Symptome? Krankenhaus? Und was folgt daraus für seine oben gemachte Forderung?

    Seine Aussage stützt Lauterbach auf eine Studie von Sharon et al., die vollständig geimpften Kindern einen Schutz von 82.7% vor Hospitalisierung attestiert. Warum ist das “enttäuschend niedrig”?

    Lauterbachs tweets muss man wohl in erster Linie als Teil der Evidenzbasis der Forderungen nach einer besseren Risikokommunikation sehen.

  28. #39 user unknown
    https://demystifikation.wordpress.com/2022/01/25/karneval-der-zellkulturen/
    14. August 2022

    Es juckt mich was zu Herbst und Winter zu schreiben.

    Die Alphavariante hat sich ja im Januar erst aus China herausbewegt und konnte daher im Winter 19/20 hier nicht ihren Höhepunkt haben. Im April ging die Zahl der bestätigten Neuinfektionen dann zurück, um im Jan. 21 einen neuen, jetzt viel höheren Peak zu haben. Verständlich, weil sich das Virus mittlerweile in die Breite ausgedehnt hatte.
    Ende April, mit einer Delle Ende Feb., gingen die Zahlen wieder runter um vorläufig Ende Nov. einen Peak zu haben, als Omikron noch in Südafrika war.
    Anfang Feb. und Ende März 22 hatten wir dann Omikronpeaks, Anfang Juni wieder ein Tal, im Juli neue lokale Hochs, aber dann auch ein Ende der flächendeckenden Gratistests, so dass die Zahlen seit dem wahrscheinlich nicht mehr vergleichbar sind. Was ist seit dem? Laufen irgendwo die Gratistests weiter, so dass man das hochrechnen kann auf die Gesamlage? Nicht dass ich wüsste.
    Der Drostenpodcast hat auch zu gemacht – der Drops scheint gelutscht.

    Lt. Worldometers hatten wir 30 Mio. Covidfälle in Deutschland, einige davon Zweit- und Drittinfektionen.

    Auch sind > 60 Mio. mindestens 2x geimpft. Überschneidungen in großer Zahl gegeben.

    Die Impfung schützt nicht vor Infektion, aber recht zuverlässig vor schwerem Verlauf. Ab Ende ’21 konnte sich jeder boostern lassen (sofern keine Gegenanzeigen vorliegen), und da wir da noch die gefährlichere Deltavariante hatten, und viele sich einfach nicht impfen lassen wollten, empfahl die Regierung als ultima ratio das Boostern, weil es kurzfristig schon auch gegen die Infektion wirkt. Oder wirken sollte. Aber wie man nun weiß, lässt die Wirkung auch rasch wieder nach, so rasch, dass man gar nicht alle pausenlos boostern und superboostern kann.

    Omikron war ohnehin ein Immunescape, bzw. ist es, und neue Varianten, 4, 5 und 2.75 – immer wieder kommen neue Varianten, noch bevor ein angepasster Impfstoff da ist (und wahrscheinlich da sein kann).

    Meine Schwester, Mutter und Nichte waren alle 3 geboostert und alle 3 (ein Haushalt) hat es – glücklicherweise mild (Omikron xy mutmaßlich) – erwischt.

    Wen soll es denn noch im Herbst und Winter erwischen, welche Variante, und wenn das boostern nur 8-12 Wochen vohält: Wann wäre denn dann der beste Zeitpunkt dafür? Wenn wir 100k Neuinfektionen am Tag im Juli haben, dann spricht das m.E. nicht sehr für eine saisonale Erscheinung. Ja, man kann sich jetzt boostern lassen und im November wieder, aber das Boostern schützt kurzfristig zwar signifikant aber lange nicht zuverlässig vor Infektion und lässt dann auch wieder rasch nach.
    Mit dem, was Impfung sonst bedeutet, hat das nicht mehr viel zu tun.

    Was ist eigentlich mit Händewaschen? Das wurde lange als 1. Mittel propagiert, dann wurde es leiser darum, aber wurde es je widerrufen? Meine Schwester fordert mich heute noch auf, wenn ich sie (vorwiegend meine Mutter) besuche, ich soll mir die Hände waschen, auch wenn mir die Fahrradkette nicht unterwegs abgesprungen ist.
    Das ist doch Bullshit, oder?

    Und mit den Masken in der Bahn, das ist auch paradox. Die Leute sollen wg. der Ansteckungsgefahr eine Maske tragen, aber dann werden die Preise nahe Null gedrückt, um möglichst viele Leute in die Züge zu bekommen. Ich musste am Wochenende 2,5h Bahn fahren, und auf den ersten Blick ist die Maskendisziplin ganz ok – fast jeder hat eine, aber bei 50% hängt sie auf halb sieben. Wenn der Schaffner böse guckt zupft man sie kurz hoch, bis er wieder vorbei ist.

  29. #40 user unknown
    https://demystifikation.wordpress.com/2015/08/28/melden-dialog-geleakt
    14. August 2022

    @RPGNo1

    https://xkcd.com/1357/

    Ja, man kann jmd. die Tür weisen, man kann versuchen Veranstaltungen zu sprengen oder jmd. öffentlich zu ächten. Wenn man nicht genug Leute mobilisieren kann, um seine überlegene Meinung durchzusetzen, dann kann man noch zum Messer greifen, und ein Auge ausstechen.

    Es gibt viele Möglichkeiten das Böse zu bekämpfen. Wichtig ist, dass man es für die Gute Sache tut!

  30. #41 PDP10
    15. August 2022

    @user unknown:

    Glaubst du wirklich, dass jemandes Meinung zu widersprechen oder denjenigen aus zu buhen oder íhm / ihr die Tür zu zeigen das Gleiche ist, wie jemand wegen dem was er sagt oder schreibt ermorden zu wollen?

    Wenn ja, hast du – meiner bescheidenen Meinung nach – schwer einen an der Waffel.

  31. #42 Beobachter
    15. August 2022

    Und CDU-Chef und (Ex-) Blackrocker F. Merz setzt in diesem “Risikokommunikations”-Chaos nochmal eins obendrauf und spricht sich gegen eine flächendeckende Maskenpflicht im öffentlichen Raum ab Herbst aus:

    https://www.tagesspiegel.de/politik/mit-welcher-begruendung-denn-merz-spricht-sich-gegen-flaechendeckende-maskenpflicht-ab-herbst-aus/28599576.html

    Da wird er wohl auch Buschmann und Lindner (FDP) aus der Seele sprechen – denn z. B. das dichtgedrängte Innenstadt-Event-Shopping an verkaufsoffenen Wochenenden muss ja weitergehen und macht ganz ohne Maske ja auch viel mehr Spaß… !
    Hauptsache, der Euro rollt!

    Info:
    https://www.fr.de/wirtschaft/friedrich-merz-cdu-vorsitzender-zeit-blackrock-finanzinvestor-usa-aufsichtsrat-91636488.html

  32. #43 RPGNo1
    15. August 2022

    @user unkown

    Du hast den Comic von xkcd, der eine Antwort auf Bernis Vorwurf der Zensur war, eindeutig nicht verstanden. Probiere es doch nochmal.

  33. #44 Howie Munson
    15. August 2022

    @RainerO &
    @ Peter Weismann:

    Viertimpfung für “unter 60jährige Normalos” in Niedersachsen bei “mobilen Impfteams” möglich, aber auch nicht offen beworben…
    (Impfztentrum und Hausarzt nicht ausprobiert, hat ja gleich beim ersten Versuch geklappt..)

    @user unknown: Händewaschen weiterhin offizielle Empfehlung… RKI-FAQ schreibt folgendes:

    “Infektionsschutzmaßnahmen (Stand: 4.5.2022)
    (….)
    Darüber hinaus sollte man in jeder Situation – in erster Linie in Innenräumen – die Basismaßnahmen AHA + A + L (Abstand halten, Hygieneregeln beachten, im Alltag Maske tragen, Nutzung der Corona-Warn-App und Lüften) ”
    https://www.rki.de/SharedDocs/FAQ/NCOV2019/gesamt.html;jsessionid=ABF21AE1EA29386884B53269BDEDA42A.internet061?nn=13490888

    “Hygieneregeln” werden bei der BZgA ausfürlich beschrieben…
    https://www.infektionsschutz.de/coronavirus/alltag-in-zeiten-von-corona/hygiene-beachten/

    ” Waschen Sie sich regelmäßig die Hände mit Seife, insbesondere wenn Sie nach Hause kommen, nach dem Naseputzen, Niesen oder Husten, vor der Zubereitung von Speisen, vor dem Essen, nach dem Toilettengang sowie vor und nach dem Kontakt mit Erkrankten.”

  34. #46 user unknown
    https://demystifikation.wordpress.com/2015/08/26/das-religioese/
    15. August 2022

    PDP10

    Glaubst du wirklich, dass jemandes Meinung zu widersprechen oder denjenigen aus zu buhen oder íhm / ihr die Tür zu zeigen das Gleiche ist, wie jemand wegen dem was er sagt oder schreibt ermorden zu wollen?

    Würde ich das glauben, ich hätte es wohl geschrieben. Habe ich aber nicht.

    Im Gegenteil bin ich ein Befürworter des deutlichen Widersprechens.
    Glaubst Du wirklich, könnte ich, Deine Form zu lesen imitierend, fragen, dass “die Tür weisen” und “widersprechen” das Gleiche sind?

    Ansatzpunkt ist, dass dieser Xkcd-Comic ja gerne von Befürwortern des Ächtens, des Denunzierens, des Deplatformings angeführt wird, auch in Situationen die wenig mit einer privaten Party gemein haben und auch in Absichten jemandem beruflich schweren Schaden zuzufügen.

    Quantitativ besteht natürlich ein großer Unterschied im Schaden, der verursacht wird. Wenn Du dafür noch eine Bestätigung gebraucht hast, war ich gerne behilftlich.

    @RPGNo1: Wie kommst Du darauf?

  35. #47 PDP10
    15. August 2022

    @user unknown:

    Ansatzpunkt ist, dass dieser Xkcd-Comic ja gerne von Befürwortern des Ächtens [..] angeführt wird [..]

    Das wage ich extremst zu bezweifeln.

    Würde ich das glauben, ich hätte es wohl geschrieben. Habe ich aber nicht.

    Doch, hast du. Kannst du selbst da oben nachlesen. Eine Gleichsetzung ist nunmal eine Gleichsetzung.

  36. #48 Joseph Kuhn
    16. August 2022

    Lauterbach kann’s nicht lassen:

    “Dank an die #STIKO dass jetzt die Empfehlung 4. Impfung für die Ü60 Gruppe kommt. Ein wichtiger Schritt in richtige Richtung.”

    https://twitter.com/Karl_Lauterbach/status/1559126780375621633

    Ein Glück, dass Lauterbach die richtige Richtung kennt und der STIKO die Richtung weisen kann.

    Die Ärztezeitung kommentiert seinen Besserwisser-Stil heute so:

    “Wie auch immer solche Aussagen gemeint waren: Hängen bleiben dürfte bei nicht wenigen Menschen, darunter auch Fachleuten, dass evidenzbasierten Empfehlungen nur bedingt zu trauen ist, dass die Methoden der EbM zu langwierig und – wenigstens in einer Pandemie – unprofessionell sind.”

  37. #49 Staphylococcus rex
    16. August 2022

    Noch ein paar Worte zur Kommunikation der Corona-Impfung: Bisher werden die ersten zwei Impfungen als Grundimmunisierung gewertet, danach folgen Boosterimpfungen. Ich persönlich würde eine andere Sprachregelung bevorzugen, die sich auch eher an der allgemeinen Struktur der Impfempfehlungen orientiert. Für mich sind die ersten drei Impfungen die Grundimmunisierung, darauf aufbauend kommen dann die Auffrischungsimpfungen.

    Das Virus hat sich gewandelt, die Impfungen mit einem Impfstoff auf Basis des Wildvirus schützen vor schwerer Infektion, gewähren aber höchstens für einen kurzen Zeitraum (3 Monate) eine sterile Immunität. Daran wird sich kurzfristig nichts ändern. Auch wenn es neue variantenadaptierte Impfstoffe geben wird, so ist noch lange nicht sicher, ob diese für eine Grundimmunisierung ebenfalls geeignet sind. An einem generischen Coronaimpfstoff mit verbreiterter Wirkung gegen SARS, MERS und zukünftige Sars-CoV-2 Varianten wird sicher intensiv geforscht, dieser ist aber noch nicht in Sicht. Also werden wir die nächsten Jahre damit leben müssen, dass aufbauend auf die Grundimmunisierung in gewissen Abständen Auffrischungen erforderlich werden, im Regelfall adaptiert an die aktuell zirkulierenden Varianten. Bei einer derartigen Sprachregelung wäre auch klar, dass die 4. Impfung (oder zweite Boosterung) in Wirklichkeit die erste Auffrischung für die Hochrisikogruppen wäre, also für die Gruppen, die nicht warten können, bis ein variantenadaptierter Impfstoff zur Verfügung steht. Evidenzbasierte Impfempfehlungen benötigen eine belastbare Datenbasis für die statistische Auswertung. Und gerade in diesem Forum sollten die Teilnehmer wissen, welche Fallstricke in dieser Auswertung schlummern, deshalb sind punktuelle Unterschiede z.B. in nationalen oder europäischen Impfempfehlungen keine Katastrophe, sondern Ausdruck einer Grauzone, wo die wissenschaftliche Bewertung noch nicht abgeschlossen ist.

    Was die geplanten Lauterbach’schen Sonderregeln für die ersten drei Monate nach Impfung oder Auffrischung betrifft, fachlich mag er recht haben, aus politischer und kommunikativer Sicht ist das absoluter Murks. Die Grippesaison geht von Oktober bis April (für Autofahrer ist das die Zeit für die Winterreifen), die Saison für Sars-CoV-2 ist ähnlich. Wenn man trotz regulärer Impfung für die halbe Saison als Impfling zweiter Klasse behandelt wird, dann ist das ein kommunikatives Desaster. Ich kann mir nicht vorstellen, dass zukünftig mehr als eine Auffrischungsimpfung pro Jahr möglich und erforderlich sein wird. Das wird der Regelfall sein und daran müssen sich die gesetzlichen Vorgaben orientieren.

    Wenn sich jeder impfen lassen kann, dann heißt das auch, bei hohen Inzidenzen wäre eine Maskenpflicht (unabhängig vom Impfstatus) gerechtfertigt in Bereichen, die Risikopatienten nicht meiden können, also im Supermarkt, im Gesundheitswesen, im ÖPNV. Dagegen sind Theater, Restaurants, Konzerte und Sportveranstaltungen nicht überlebenswichtig und hier wäre jeder selbst verantwortlich für das eigene Risikoverhalten. Bei fehlender steriler Immunität würde ich die Impfpflicht im Gesundheitswesen abschaffen und eher auf eine Bonusregelung setzen: Jeder Mitarbeiter mit einer (beim Betriebsarzt) dokumentierten aktuellen Grippe- und Corona-Impfung sollte dafür jeweils einen Tag Zusatzurlaub bekommen. Der Arbeitgeber kann dann für sich selbst ausrechnen, ob der Zusatzurlaub aufgewogen wird durch weniger Personalausfälle und weniger Sekundärübertragungen im eigenen Bereich.

  38. #50 Alisier
    16. August 2022

    Falls jemand den Überblick hat, denn ich habe ihn gerade nicht:
    Wenn man sich nach drei Impfungen, wovon die letzte länger als 6 Monate her ist, jetzt gerade nachgewiesenermaßen mit Corona infiziert hat (mit recht heftigen Symptomen zudem), heißt das dann, dass eine Viertimpfung als überflüssig zu betrachten wäre?
    Denn das Echtvirus sollte das Immunsystem doch eben so gut trainieren können wie das Vakzin, oder irre ich mich?

    • #51 Joseph Kuhn
      16. August 2022

      @ Alisier:

      Aktuell empfiehlt die STIKO die 2. Auffrischimpfung ohnehin nur für einen bestimmten Personenkreis (Alter 70+, Immunsupprimierte, Heimbewohner, Tätigkeit in medizinischen Einrichtungen und Pflege). Wer von diesem Personenkreis nach der 1. Auffrischimpfung eine Infektion durchgemacht hat, dem empfiehlt die STIKO aktuell keine weitere Impfung (EpiBull 7/22, Seite 11).

      Allerdings steht, wie allerorten zu lesen, eine neue Empfehlung zur 4. Impfung vor der Tür. Vielleicht abwarten, was drinsteht?

  39. #52 lioninoil
    17. August 2022

    Begriffsvielfalt.
    1. Impfung, 2. Impfung, 3. Impfung, Boosterimpfung, 1. Auffrischimpfung ???
    Ist mit der Boosterimpfung eine Auffrischimpfung gemeint oder war die 3. Impfung gemeint ?
    Zusätzlich kommen noch die Positiv Fälle mit Quarantäne, die zählen ja auch mit.

    • #53 Joseph Kuhn
      17. August 2022

      @ lioninoil:

      Derzeit gilt die 3. Impfung als Auffrischimpfung. Medizinisch kann man das anders sehen.

      Eine Infektion zählt nicht zu den Impfungen (aber natürlich zu den Immunisierungsereignissen).

  40. #54 lion in oil
    17. August 2022

    Joseph Kuhn,
    Danke, wir sind nämlich bei den 70+ und überlegen, ob wir auf den neuen Impfstoff warten.

    • #55 Joseph Kuhn
      17. August 2022

      @ lion in oil:

      Das würde ich mit einem Hausarzt Ihres Vertrauens besprechen, der Ihre gesundheitliche Situation kennt.

  41. #56 lion in oil
    17. August 2022

    Joseph Kuhn,
    Einen Hausarzt habe ich nicht zur Zeit, Medikamente nehme ich keine, die Ohrakustikerin hat mich hinausgeworfen, weil ich ihr widersprochen habe, Lehrer gehören einer anderen Gattung an, fürchte ich.

  42. #57 Staphylococcus rex
    17. August 2022

    @lion in oil, eine Risikoabschätzung ist immer ein Spiel mit den Wahrscheinlichkeiten. Für eine zeitnahe 4. Impfung sprechen z.B. ein Alter von 70+, zusätzliche persönliche Risikofaktoren, viele Sozialkontakte (zu den Enkeln).

    Das ist jetzt nur meine ganz persönliche Meinung, aber die Südhalbkugel hat aktuell ein Problem mit einer heftigen Grippewelle:
    https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/134727/Schwere-Grippewelle-in-Australien-nach-Coronalockerungen
    Das bedeutet, ich persönlich werde Anfang Oktober versuchen, zeitgleich mir die Grippe- und Coronaimpfung zu holen (beides sind Totimpfstoffe, linker + rechter Arm sollte zeitgleich funktionieren). Wenn es bis dahin den Variantenimpfstoff gibt, dann wäre das perfekt, wenn nicht, dann werde ich kurz vorher genau bei der STIKO-Empfehlung nachlesen.
    https://www.rki.de/DE/Content/Kommissionen/STIKO/Empfehlungen/Impfempfehlungen_node.html

    Nachdem in Deutschland für zwei Jahre die Grippesaison ausgefallen ist (eigentlich sollte dies jeden Maskengegner überzeugen), rechne ich diesen Winter mit einer heftigen Grippewelle. Deshalb sollte man beide Impfungen (Influenza und Corona) im Fokus haben. Aber das muss jeder mit sich selbst abmachen und im Zweifelsfall die Person fragen, die die Impfung durchführt.

    • #58 Joseph Kuhn
      17. August 2022

      @ Staphylococcus rex:

      Wobei man auf die Wirksamkeit der Grippeimpfung in diesem Jahr besonders gespannt sein darf, vor allem bei den Älteren, die sie am Nötigsten haben, bei denen sie aber dummerweise immer am wenigsten wirkt (was nicht gegen die Impfung spricht, um das klarzustellen: besser etwas Schutz als gar keiner).

      Pneumokokkenimpfung wäre übrigens auch nicht verkehrt.

  43. #59 Beobachter
    Nordbaden
    17. August 2022

    @ Joseph Kuhn, # 55:

    “Das würde ich mit einem Hausarzt Ihres Vertrauens besprechen, der Ihre gesundheitliche Situation kennt.”

    Ich weiß ja nicht, ob das bei Ihnen in Bayern grundlegend anders ist als in BW und im Rest der Bundesrepublik.

    Schon seit einiger Zeit ist das mit den Hausärzten sehr schwierig geworden, denn es gibt sie kaum mehr.
    Gar mit Hausärzten des “persönlichen Vertrauens” und erst recht mit Hausärzten, die sich Zeit für “Besprechungen” mit ihren Patenten nehmen und deren “gesundheitliche Situation kennen”.
    Und Hausärzte, die bei nicht mobilen Patienten notwendige Hausbesuche machen, sind nahezu ausgestorben.

    Viele Hausärzte sind in Rente gegangen, finden keine Praxisnachfolger.
    Die wenigen noch bestehenden Hausarztpraxen nehmen keine neuen Patienten auf und/oder haben den Praxisbetrieb auf größtmöglichen Patientendurchlauf pro Zeiteinheit umgestellt (der Arzt ist mehr MBA als Dr. med.).
    Und Hausarzt-Wechsel sind fast nicht mehr möglich.

    So sieht es zumindest für Gesetzlich Krankenversicherte aus.

    • #60 Joseph Kuhn
      17. August 2022

      @ Beobachter:

      “Schon seit einiger Zeit ist das mit den Hausärzten sehr schwierig geworden”

      Das stimmt.

      “denn es gibt sie kaum mehr”

      Das stimmt so pauschal nicht. 2021 nahmen in Deutschland 62.220 “Hausärzte” gem. § 73 Abs. 1a SGB V an der vertragsärztlichen Versorgung teil. Ihre Zahl ist in den letzten 20 Jahren recht stabil geblieben, 2002 waren es 59.075.

      “Viele Hausärzte … finden keine Praxisnachfolger.”

      Das stimmt wiederum und das hat u.a. mit veränderten Ansprüchen an die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben zu tun, mit der Berufsorientierung von Medizinstudierenden, der Altersstruktur der aktiven Hausärzte, mit der mangelnden Attraktivität des ländlichen Raums usw. usw. Deswegen sind die o.g. Kopfzahlen nur bedingt aussagekräftig.

      “Hausarzt-Wechsel sind fast nicht mehr möglich.”

      Zumindest nicht auf dem Land.

      Insgesamt ein kompliziertes Thema. Siehe u.a. https://www.dostal-partner.de/hausaerztemangel-prognose-bis-2035/

      Aber bei “lion in oil” geht es “nur” darum, dass er zu einer möglichst informierten Entscheidung über eine 4. Impfung kommt. Spätestens für das Impfen braucht er ohnehin einen Arzt, der ist zur Impfaufklärung verpflichtet. Aber vielleicht kann er sich ja auch vorher schon einen suchen.

  44. #61 lioninoil
    18. August 2022

    Joseph Kuhn, Beobachter
    ….Impfauffklärung….
    Bei uns hat ein Arzt/Artztin damit geworben, dass man schnell eine Impfung machen kann. Er/sie macht die Impfung selbst, ohne Hausarzt zu sein. Ein Anruf genügt, Termin festgelegt, fertig. Bei der 3. Impfung hat das gut funktioniert, das wiederhole ich.
    Beobachter, das war der Fall, wo der Arzt/die Ärztin für die Aufklärung ein Honorar verlangt hat, erinnern Sie sich ! Habe ich gern bezahlt, nach einiger Überlegung.

  45. #62 Beobachter
    18. August 2022

    @ lioninoil, # 61:

    Ja, ich erinnere mich.
    Sind Sie privat krankenversichert und/oder Selbstzahler?
    Wenn ja, gehören Sie zu den Glücklichen und Privilegierten, die es sich leisten können, sich eine Gesundheitsversorgung je nach persönlichem Gusto aussuchen zu können.
    Es ist nur die Frage, ob das in jedem Fall auch besser ist für Ihre Person und Gesundheit.

    Bei Ihrem Beispiel der 3. Impfung, also Booster-Impfung, kannte der impfende Arzt Sie und Ihre “gesundheitliche Situation” nicht und Sie nicht den Arzt und dessen Fachkompetenz.
    Und sich als Arzt ein Impf-“Aufklärungsgespräch”, das bei “fremden” Patienten nur ins Blaue hinein geführt werden kann, und zu dem er eh verpflichtet ist, auch noch honorieren zu lassen, ist unredlich und Abzocke.
    Es herrschen also selbst im “Schulmedizin”-Betrieb Zustände wie im Wilden Westen.

    Im “Alternativmedizin”-Betrieb wirbt man auch mit schnellen und wirksamen “Therapien” und “Leistungen” um Kunden/Patienten und verpasst ihnen die auf Wunsch – Hauptsache, sie bezahlen kräftig.

    In beiden Fällen kommt es den entsprechenden Ärzten NICHT auf eine “informierte Entscheidung” des Patienten an, sondern auf`s Geld.

    Die meisten Patienten sind GKV-versichert und brauchen einen Hausarzt, weil sie Rezepte, Verordnungen und Überweisungen brauchen.
    Und weil sie, wenn sie in Notfällen nicht mobil sind oder chronisch pflegebedürftig sind, auch notwendige Hausbesuche brauchen.
    Wohl dem, der (noch) so gesund ist, dass er keinen Hausarzt braucht und der obendrein noch privilegierter PKV-ler ist.

  46. #63 Beobachter
    18. August 2022

    Die neue Impf-Empfehlung der STIKO ist rausgekommen:

    https://taz.de/Nachrichten-zur-Coronakrise/!5875659/

    “Nachrichten zur Coronakrise
    Stiko für zweiten Booster ab 60
    Die Ständige Impfkomission empfiehlt Menschen über 60 Jahren eine zweite Auffrischungsimpfung. Außerdem befürwortet sie den Impfstoff Novavax für Kinder.
    … ”

    ” … Angeraten sei der weitere Booster, vorzugsweise mit einem mRNA-Impfstoff, nach „drei immunologischen Ereignissen“ – etwa nach Grundimmunisierung und erster Auffrisch-Impfung oder Grundimmunisierung und Sars-CoV-2-Infektion. Bedingung für die Auffrisch-Impfung ab 60 sei im Regelfall, dass die erste Booster-Impfung oder die letzte Corona-Infektion mindestens sechs Monate her sei. Nur in begründeten Einzelfällen könne der Abstand auf vier Monate reduziert werden, so die Stiko. … “

  47. #64 Herr Senf
    schaumermal
    18. August 2022

    … paßt auf “meine” Herbstwelle, man sollte diesmal (ohne Maske?)
    die Grippe nicht unterschätzen, auf der Südhalbkugel läuft die Welle schon

  48. #65 lion in oil
    18. August 2022

    Beobachter,
    es geht hier ja um evidenzbasierte Diagnose und um die richtigen Schlußfolgerungen daraus.
    Die ganze Nation ringt darum, wie denn die Situation mit covid zu beurteilen ist.
    Und die Länder und der Bundesgesundheitsminister ringen da auch .
    und ich mache mir auch meine Gedanken.

    die Evidenzgrundlage sind bei uns zwei Bekannte, die im Gesundheitsdienst beschäftigt sind. Der eine hat gerade mal wieder Fieber und es geht ihm gar nicht gut.
    Und ich kommuniziere das in dieser Form, ich trage eine Maske, auch wenn keine Maskenpflicht besteht.
    Kann ich Ihnen auch nur raten.

  49. #66 Beobachter
    18. August 2022

    Robert,

    es macht sich wohl jeder Gedanken wg. Covid 19, versucht, sich gut zu informieren und “ringt” um vernünftige Beurteilungen und entsprechende persönliche Verhaltensweisen.
    Ich trage auch Maske, auch dort, wo ich es nicht muss, wenn ich es für richtig halte,

    Aber für die Corona-Politik, in der Entscheidungen getroffen werden, die zu Gesetzen, Vorgaben, Regeln und Verordnungen führen, die allgemein verbindlich sind und mich auch betreffen, würde ich mir schon dringend mehr Transparenz, Logik, Vernunft, Praxisnähe und gute, allgemeinverständliche Wissenschaftskommunikation wünschen.

  50. #67 lioninoil
    19. August 2022

    Beobachter #66
    Du sprichst uns aus der Seele. Es wird langsam wie beim Turm zu Babel.
    Die Sprachverwirrung schadet dem Gemeinwesen.

  51. #68 Joseph Kuhn
    19. August 2022

    Noch ein bisschen Lauterbach:

    Ging schon durch alle Medien, Lauterbachs wieder mal nicht sorgfältige Studienlektüre:

    https://www.t-online.de/nachrichten/deutschland/innenpolitik/id_100040776/kritik-wegen-karl-lauterbachs-tweet-zu-studie-es-bringt-mich-zum-weinen-.html

    Diesmal hat er eine angebliche “Megastudie” propagiert, die 1.700 Einzelstudien ausgewertet habe. Es waren nur 13 Studien mit 243 Personen.

    Solche Sachen ziehen sich leider wie ein roter Faden durch Lauterbachs Umgang mit Studien und lassen Zweifel daran aufkommen, ob er sonst immer weiß, was er zu wissen meint. Er geht seinen eigenen Weg der “Epistemisierung des Politischen”.

  52. #69 Beobachter
    19. August 2022

    Zum Thema und zu aktuellen Corona-Fragen:

    https://taz.de/Corona-und-die-Impffrage/!5873108/

    “Corona und die Impffrage
    Zweiter Booster jetzt oder später?
    Die Stiko empfiehlt nun doch allen Menschen ab 60 Jahren den zweiten Coronabooster. Über die Ansage, neue Impfstoffe und die drohende Herbstwelle.
    … “

  53. #70 fabu
    21. August 2022

    Wenn sich die Bundesregierung einen Corona-Expertenrat hält und die Kommunikation zwischen beiden ähnlich erfolgreich (das war optimistisch, wenn man den Artikel genau liest!) ist, wie zwischen einem Tierpfleger im Zoo und den von ihm gehaltenen Tieren, dann kann man leider nur noch hoffen, dass der Expertenrat wenigstens artgerecht gehalten wird.

  54. #72 Herr ɟuǝs
    Fakefield
    11. September 2022

    Wieso sind in den Placebo-Gruppen “schwere Nebenwirkungen” aufgetreten?
    Die haben doch gar kein mRNA gekriegt, und hatten 16% weniger Nebenwirkungen?
    16% reativ sind so absolut ziemlich wenig, also mRNA praktisch nebenwirkungsfrei.

  55. #74 Herr Senf
    11. September 2022

    Bei diesen kleinen Zahlen von “assoziierten Krankheiten” im Beobachtungszeitraum sowohl bei Placebo und mRNA stellt sich mir die Frage nach Ursache und Wirkung.
    Die Studie ist doch von der Plausibilität “es könnte sein” willkommen bei den Querblendern.

  56. #75 RPGNo1
    11. September 2022

    Das ist übrigens die Studie, auf die Ulrich Keil Bezug nimmt.

    Zu den Autoren der Studie habe ich folgendes gefunden.

    Seior-Autor Peter Doshi ist “im übrigen nicht zufällig bekannter und von Antivaxxern ständig zitierter Impfgegner.”
    https://twitter.com/pelagicbird/status/1309117472583417856

    Joseph Fraiman ist ein Notfallarzt, der auf seinem Twitter-Account gegen die US-Regierung, die FDA und gegen Coronaimpfungen agitiert.
    https://twitter.com/JosephFraiman

    Robert M. Kaplan hat an einer von Peter Doshi organisierten “Expertenkonferenz” über Impfschäden von Corina-Vakzinen teilgenommen. Das komplette Video wurde von YT wegen Verbreitung von Falschiformationen gelöscht.
    https://www.youtube.com/watch?v=h_JzwsLeFW8

    Zu den anderen Co-Autoren konnte ich auf die Schnelle nur finden, dass keiner von ihnen Erfahrung in Immunologie hat, was bei einer Studie über Impfungen doch eine gewisse Rolle spielen sollte.

    Fazit: Die Studie hat mindestens ein Geschmäckle.

    • #76 Joseph Kuhn
      11. September 2022

      @ RPGNo1:

      Die Studie ist ziemlich voraussetzungsreich, etwa was die Einstufung der Nebenwirkungen angeht oder die Korrektur von potentiellen Verzerrungen. Das müssten sich Fachleute anschauen.

      Problematischer ist m.E. die Bewertung der Befunde durch Ulrich Keil (hier ohne Paywall: https://meetingpoint-potsdam.de/neuigkeiten/artikel/111060-steigt-die-gefahr-von-nebenwirkungen-mit-jeder-corona-impfung). Sie geht deutlich über die der Autoren hinaus. Diese weisen explizit darauf hin, es handle sich um eine Voruntersuchung, die Anlass zu differenzierteren Analysen mit besseren Daten gebe, vor allem bei Altersgruppen, bei denen nur ein geringer Nutzen der Impfung zu erwarten sei. Dem ist an sich nicht zu widersprechen. Keil legt dagegen der STIKO generell die Rücknahme der Impfempfehlungen nahe. Dazu müsste die Studie aber gegen die bisherige Evidenz aus vielen Studien das Nutzen-Risiko-Verhältnis der Impfung fundamental infrage stellen, unter systematischer Einbeziehung der Impfeffektivität, die Betrachtung der Nebenwirkungen alleine reicht dazu ja nicht (wobei ich vielleicht auch nur sein Argument nicht verstanden habe – ich lasse mich da gerne korrigieren).

  57. #77 RPGNo1
    12. September 2022

    Anfang September hat die EU zwei an die Omikron-Variante BA.1 angepasste Impfstoffe zugelassen. Jetzt empfiehlt die EU-Arzneibehörde Ema, auch einen Biontech-Impfstoff gegen die Varianten BA.4 und 5 auf den Markt zu bringen.

    Die Hersteller präsentierten für die Zulassung die Studiendaten für ihre jeweiligen Produkte, die sich gegen BA.1 richten. Diese wurden in Studien mit mehreren hundert Teilnehmenden geprüft. Die US-Arzneibehörde FDA teilte mit, sie betrachte diese Daten »als relevant und unterstützend für die Impfstoffe gegen BA.4 und 5«. Auch die Sicherheits- und Wirksamkeitsdaten der bisherigen Corona-RNA-Impfstoffe, die millionenfach verabreicht worden seien, hätten zur Entscheidung der Behörde beigetragen.

    https://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/eu-behoerde-empfiehlt-zulassung-von-omikron-ba-5-impfstoff-a-526bde01-39e2-4248-bb27-863e555256c1

    Jetzt haben Doshi et al. einen neuen Aufreger, an denen sie sich abarbeiten können. Sorry, den Satz konnte ich mir nicht verkneifen. 😉

  58. #78 rolak
    12. September 2022

    Jetzt haben Doshi et al. einen neuen Aufreger

    Nu drängele er doch nicht so, die müssen erst noch jüngste Erfolge angemessen abfeiern.


    btw: in diversen Fällen denke ich mir so nebenbei, es wäre besser, produktiver und sicherlich ulkiger, würde ‘et al’ für ‘Mit Al Bundy‘ stehen…

  59. #79 PDP10
    12. September 2022

    Kleine Korrektur:

    “würde ‘et al’ für ‘Mit Und Al Bundy‘ stehen…”

    … sonst hieße es ‘cum Al.’

  60. #80 RPGNo1
    12. September 2022

    @rolak

    Danke für den Link zu Oracs Artikel. 🙂

  61. #81 Herr Senf
    Fakefield
    12. September 2022

    Stellt sich die Frage, die wohl leicht zu beantworten ist:
    zu welchem Zweck machen die “Statistik” mit zufälligen Einzelereignissen?
    Ein Statistiker würde wegen Zurechnungsfähigkeit abwinken.