Heute gibt es gleich vier ungelöste Verschlüsselungen, deren Lösung teilweise sehnsüchtig erwartet wird. Für die Lösung des einen Kryptogramms ist sogar eine Belohnung ausgesetzt.

English version (translated with DeepL)

Dank der Hinweise meiner Leser haben sich bei mir gleich mehrere ungelöste Kryptogramme angesammelt, die ich heute alle auf einmal veröffentlichen werde. Als Schluss- und Höhepunkt gibt es eine Prämie von 100 Euro zu gewinnen.

 

1) Verschlüsseltes Tagebuch

Eine Reddit-Userin, vermutlich aus Portugal, würde zu gerne das verschlüsselte Tagebuch ihres Großvaters lesen. Hier ist ein Auszug:

Quelle/Source: Carmen

Dieses Tagebuch wurde auf Reddit vorgestellt, aber ohne Erfolg. Danach hat ein anderer Reddit-User mich deswegen kontaktiert.

Hinweis: Zunächst habe ich geschrieben, dass die Enkelin des Tagebuch-Autors mich selbst kontaktiert hat, was jedoch nicht korrekt ist.

Zunächst dachte ich, es handle sich um eine Kurzschrift, doch einige Symbole passen nicht so recht zu dieser Hypothese. Hat der Autor vielleicht eine eigene Geheimschrift verwendet, die von einer Kurzschrift beeinflusst wurde? Hinweise aller Art werden gerne entgegengenommen.

 

2) Ein Buch aus dem 16. Jahrhundert

Das zweite Rätsel stammt von Facebook. Richard Moll, ein Mitglied der “Cryptograms & Classical Ciphers”-Gruppe, kann zwei verschlüsselte Zeilen aus dem Buch “Accedens of Armory” von Gerard Legh aus dem 16. Jahrhundert nicht dechiffrieren:

Quelle/Source: Public Domain

Gemeint sind natürlich die beiden untersten Zeilen. Kann ein Leser helfen?

 

3) Noch ein verschlüsseltes Tagebuch

Der nächste Tipp kam von Ryan Pierce, der sich einige ICCH-Vorträge von Elonka Dunin und mir angehört hat. Richard berichtete auf der ICCH-Mailing-Liste von einem Alternate Reality Game (ARG), in dem ein (fiktives) Tagebuch eine Rolle spielt:

Between 2008 and 2011, a group of artists and game/experience designers led by Jeff Hull created and ran an Alternate Reality Game in the San Francisco Bay Area. […] One of the stories centers on a girl named Evalyn Lucien who went missing in 1988. The designers of the game put an incredible amount of effort into the backstory, including creating a journal that Eva supposedly wrote. Of interest, the last 16 pages of the journal consist of cryptic writing. Comparisons have been made between it and the Codex Seraphinianus. […] A web search shows a tweet with a Dropbox link containing a scanned PDF.

Hier ist eine Seite aus dem erwähnten fiktiven Tagebuch:

Quelle/Source: Pierce

Eine gewisse Ähnlichkeit mit dem Codex Seraphinianus ist tatsächlich nicht zu übersehen.

Quelle/Source: Codex Seraphianus

Der Codex Seraphianus, ein Buch aus den Siebziger-Jahren, wurde nie entschlüsselt und ist vermutlich auch nicht entschlüsselbar. Auch das besagte fiktive Tagebuch, das nun schon ein Jahrzehnt alt ist, wurde bisher anscheinend nicht gelöst. Vielleicht finden meine Leser mehr heraus.

 

4) Das 100-Euro-Rätsel

Der nächste Tipp-Geber dürfte einigen Lesern bekannt vorkommen: Frank Schwellinger, Autor des Buchs “Warum gibt es kein Bier auf Hawaii”. In diesem Buch ist ein kryptografisches Rätsel mit Bezug zur Elfenbeinküste enthalten, dessen Lösung nicht angegeben ist. Als ich darüber berichtete, stürzten sich mehrere Leser darauf. Nach zahlreichen Versuchen und einigen Tipps des Autors fand schließlich Magnus Ekhall die Lösung.

Kürzlich hat mir Herr Schwellinger geschrieben: “Nachdem das Elfenbeiküsten-Rätsel durchaus viele Leser in seinen Bann gezogen hatte, würde ich Ihnen und Ihrer Leserschaft jetzt gerne ein weiteres, diesmal exklusiv nur für Ihren Blog entworfenes Rätsel zur Verfügung stellen. Es benutzt eine von mir entworfene ‘Frühlingsblüten-Schrift’.” Hier ist es (der Copyright-Vermerk gehört laut Herrn Schwellinger nicht zum Rätsel):

Der Klartext ist dieses Mal auf Englisch verfasst. Der Schwierigkeitsgrad soll mit jener des Rätsels der Elfenbeinküste grob vergleichbar sein. Es gibt einen Tipp: Die letzte Zeile der Blütenschrift lautet im Klartext “angles”.

Erneut hat Herr Schwellinger eine Belohnung ausgesetzt: 100 Euro für den ersten, der die Lösung auf der Blogseite postet! Dies muss jedoch vor dem 1. Dezember 2021 passieren. Wer das Geld bekommen möchte, muss über ein Paypal-Konto verfügen oder den Empfang über das Paypal-Konto eines Dritten zulassen. Als Lösung wird nur der komplette Klartext akzeptiert.

Na dann, frohes Rätsellösen!


Further reading: Wer knackt diese Verschlüsselung eines Nobelpreis-Trägers?

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Kommentare (12)

  1. #1 davids
    Houten
    27. April 2021

    2. Sieht Agrippa-verwandt zu mir

  2. #2 Gerd
    27. April 2021

    Tried a transcription for #2, given : is a space:
    ABC BADEFG HIJEF KEFIL MNJEHFG OGPIF

  3. #3 Thomas
    28. April 2021

    Zu 2:

    Die Mehrzahl der Zeichen ist offenbar der kabbalistischen scriptura coelestis entnommen (hier bei Schwentner abgebildet: https://books.google.de/books?id=ZUdTAAAAcAAJ&pg=PA180)

  4. #4 Klaus
    1. Mai 2021

    Bei 3 stellt sich die Frage, ob mit der im Tipp erwähnten “letzten Zeile der Blütenschrift” tatsächlich die 6 Blüten in der untersten Zeile des Chiffrats gemeint sind, oder ob sich die Aussage auf den dechiffrierten Text bezieht.

  5. #5 Norbert
    1. Mai 2021

    Das Tagebuch dürfte doch mit großer Sicherheit in einer Kurzschrift geschrieben sein. Im Buch “Geschichte und Litteratur der Stenographie” von 1895 findet sich auf S. 145 ein kurzes Kapitel zur Kurzschrift in Portugal und Brasilien sowie folgende Literaturhinweise:

    (Ant. Patricio Pinto Rodrigues), Systema universal e completo de Tachigrafia etc. Inventado por Samuel Taylor etc., Lisboa (1802, und als Nr. 1 der Minerva Lusitana erschienen).
    Joaquim Machado, Sistema stenogr., Lisboa 1822.
    Ung., Tachygr. inventada por D. Fr. de P. Marti, accomodada à lingua portugueza, Lisboa 1822, 2. Aufl. 1828.
    Manuel José Pereira da Silva Velho, Appendix a Tachigr. de Taylor ou novo systema etc., Rio de Janeiro 1844, 2. Aufl. 1857.
    Manuel José Pereira da Silva Velho, Dialogos de tachigr., 1844, 1858.
    Manuel José Pereira da Silva Velho, Complemento, 1858.
    Antonio José Nunes Garcia, Novo uso e syst. de Tachigrafia., Rio de J. 1847.
    M. J. L. da Cunha e Silva, Tratado de Taquigrafia, Coimbra 1855.
    D. B. J. F. Torneros, Manuel teorico e pratico de Tachigr., 1859.
    Antonio Maria d’Almeida, Algumas palavras sobre a tachygr., Lisboa 1874.
    Gustavo Michaelis, Estenografia Portugueza, Berlin 1884. Sebastian Mestrinho, Lehrbuch, 1890.
    S. M., Tachygr., Pernambuco 1890.
    (Duployé), Methodo de Estenogr.

    Im Internet-Archiv fand ich noch “Taquigrafia fonetica Gregg-Pani” von 1904: https://archive.org/details/taquigrafiafone00panigoog/page/n5/mode/2up

    Das wäre ein Recherche-Einstieg für die Reddit-Userin …

  6. #6 frank
    1. Mai 2021

    @klaus:

    wenn man die untersten 6 Blüten dechiffriert ergibt sich die Zeichenfolge “angles” oder anders formuliert: Der Klartext der durch die 6 Blüten der untersten Zeile chiffriert ist, lautet “angles”

    Insofern verrate ich nicht viel, wenn ich darauf hinweise, dass anders als in meiner Elfenbeinküstenchiffre, die sich auch in diesem Blog findet und gelöst wurde, bei diesem Kryptogramm KEINE Transpositionchiffre vorliegt. Jede Blüte steht genau dort wo der zugehörige Kartextbuchstabe steht.

    Ich hoffe, das beantwortet die Frage.

  7. #7 Hashbull
    1. Mai 2021

    Hallo zusammen,

    wenn man bei jedem Blütenblatt die Anzahl der einzelnen Farben zählt dann stellt man fest, dass es bei den 114 Blütenblätter insg. 26 unterschiedliche Blütenkombinationen gibt. Ich denke, dass es sich hierbei nicht um einen Zufall hins. der Buchstaben im Alphabet handelt.

    Ich habe dann jeder Blütenkombination ein Symbol zugeordnet und habe diese Chiffre durch die Zodiac-Software “ZKdecrypto” laufen lassen und habe bei den letzten sechs Symbolen “angles” vorgegeben.

    Leider ohne Erfolg, da bspw. die letzte Blüte und die vorletzte Blüte die gleiche Kombination darstellen. Das passt aber nicht auf die Vorgabe “angles”.

    Egal, ich bleibe am Ball bzw. Blüte 🙂

  8. #8 Gerd
    1. Mai 2021

    Jede Blüte hat 6 Blätter, die 3 verschiedene Farben einnehmen können. Das entspricht einer sechsstelligen Zahl im Dreiersystem, und es gibt in der Blütenschrift damit 3⁶ = 729 mögliche Symbole. Im Dreiersystem würden drei Stellen ausreichen, 26 Buchstaben darzustellen (222 = 26) vielleicht kein Zufall. Es gilt also die “Füllinformation” abzutrennen.

    @Hashbull: … die letzte Blüte und die vorletzte Blüte die gleiche Kombination darstellen.
    Was ist an den beiden Blüten gleich?

  9. #9 Hashbull
    1. Mai 2021

    @Gerd
    Ich habe mich verschrieben. Ich meinte die Vorvorletzte.

    Wenn man nicht nur die Kombinationen, sondern auch noch die Reihenfolge der Farben ab prüft, dann kommen insg. 69 Möglichkeiten raus.
    Aber auch hier komme ich nicht weiter.

    Grüße

  10. #10 frank
    1. Mai 2021

    @Hashbull und Gerd

    Hashbull, du hast leider nicht richtig gezählt, Gerd, du dagegen schon.:)

    Das Kryptogramm ist auch nicht gemacht, damit es mit irgendwelcher Software entziffert werden kann. Das dürfte nur einem Menschen gelingen. 🙂

  11. #11 Klaus
    3. Mai 2021

    @frank: Vielen Dank für die Beantwortung meiner Frage. Ich muss gestehen, dass ich diese Antwort schon “befürchtet” hatte, denn ich hab schon viel Zeit aber auch Spaß in das Rätsel gesteckt.
    Ich bleibe dran und bin gespannt, was sich hier weiterhin auf dem Blog dazu ergibt.

    @Gerd: Entweder gilt es die Füllinformationen abzutrennen, alle Informationen richtig zu aggregieren oder es könnte ggf. auch sein, dass ein Klartextbuchstabe durch mehrere Chiffresymbole übersetzt werden kann.

  12. #12 frank
    8. Mai 2021

    @Klaus:

    Ganz ehrlich, wenn ich einfach jeden Klartextbuchstaben immer durch dasselbe Zeichen ersetzt hätte und sonst nichts weiter getan hätte, dann wären das aber sehr leicht verdiente 100 Euro 😉
    Mit der Unterstützung von Software wäre es ein Kinderspiel das dann zu lösen.

    Für die 100 Euro sollte man vielleicht ein bisschen mehr tun.

    Man wird am besten jedes kleinste Bit an Information nutzen, welches verfügbar ist.

    Ganz so, als würde man den Zodiac Killer jagen.

    Z.B. wie sehen die Lösungen meiner anderen Kryptogramme aus? Siehe das Elfenbeiküstenkryptogramm. Gibt es andere nutzbare Hintergrundinformationen, die nicht explizit im Rätsel formuliert sind? Haben andere Blogleser vielleicht eine gute Idee gepostet? Hat man das Rätsel vielleicht auch anderen gezeigt und sie nach ihrer Meinung gefragt?

    Manche Dinge sollten so klar sein, dass ich sie hoffentlich wirklich nicht erwähnen muss. Wäre jeder Klartextbuchstabe durch irgendein willkürliches Blumenmuster ersetzt worden, dann wäre die Aufgabe,
    und das ist sogar mathematisch beweisbar, überhaupt nicht lösbar.

    Da das Rätsel schwierig aber lösbar ist, kann das also nicht der Fall sein.

    Da es für die Lösung 100 EURO gibt, kann ich natürlich nur sparsam Tipps beisteuern.

    Ich will aber auch kein Unmensch sein.

    Ich gebe noch den folgenden Tipp:

    Die Zeichenkette ‘angles’ taucht im Klartext noch einmal an anderer Stelle auf.

    Dieser Tipp kann eventuell dabei helfen, die eigenen Grundannahmen zu überprüfen.